Was ist COPD?

Informationen zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung

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Medizinisch geprüft von: Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 15 Jun 2019

Drei Ärzte analysieren das Lungenröntgenbild eines Patienten, der durch Zigarettenkonsum an COPD erkrankt ist.
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COPD kommt aus dem Englischen und ist die Abkürzung für Chronic obstructive pulmonary disease. Es handelt dabei um eine häufige Erkrankung der Atemwege, die den Atemfluss behindert. Die Einengung der Atemwege schreitet immer weiter fort, zum Teil mit plötzlichen Verschlechterungen. Die COPD ist nicht heilbar, kann aber durch geeignete Behandlung deutlich verlangsamt werden.

Im Jahr 2020 wird die obstruktive Lungenerkrankung in den Industrieländern voraussichtlich die dritthäufigste Todesursache sein. Damit liegt die COPD in der Statistik dann über dem Lungenkrebs (Bronchial-Karzinom). Beide Erkrankungen, Lungenkrebs und COPD, können durch Rauchen hervorgerufen werden.

Wie führt die Belastung durch Rauchen zur Obstruktion der Atemwege?

Die im Rauch enthaltenen Partikel rufen in den Bronchien und in der Lunge eine Entzündungsreaktion hervor. Meist äußert sich diese zunächst durch eine chronische Bronchitis, die schließlich in die COPD übergeht. Die Entzündung verursacht eine Verdickung der Bronchialschleimhaut. Die Schleimdrüsen, die in der Schleimhaut sitzen, verdicken ebenfalls und ihre Sekretion wird gestört. Ein Mechanismus, der die Atemwege vor Schmutz und Erregern schützen soll, ist die mukoziliäre Reinigung, eine Kombination aus Bewegung von Fortsätzen auf den oberflächlichen Zellen der Atemwege und der Schleimproduktion. Dieser Vorgang ist durch Schädigung der Zellen und Schleimdrüsen gestört. Dadurch bleiben nicht nur Staubpartikel hängen, sondern auch Erreger, die die Atemwege befallen. Das Infektionsrisiko ist deutlich erhöht.

Ist Rauchen die einzige Ursache für eine COPD?

Nein, bei jedem zehnten der Patienten, der im Laufe seines Lebens eine COPD entwickelt, ist das Rauchen nicht die Ursache. Demnach ist Rauchen verantwortlich in 90% der Fälle von COPD, weshalb Raucherentwöhnung die beste Vorsorgemaßnahme gegen COPD darstellt. Aber auch andere Faktoren können die Lungen in ähnlicher Art und Weise schädigen. Dies kann durch Feinstaubbelastung in der Umwelt oder am Arbeitsplatz geschehen. Gefährdet sind dabei zum Beispiel Personen, die im Bergbau tätig sind. In Ländern, wo der „Hausbrand“ noch verwendet wird, eine offene Feuerstelle im Wohnraum ohne adäquaten Abzug, ruft die dauerhafte Rauchexposition ebenfalls häufig eine COPD hervor. Zudem beeinflussen auch genetische Faktoren die Anfälligkeit für die Erkrankung.

Was passiert bei einer COPD in der Lunge?

Die chronische Entzündung führt zu einer Hyperreagibilität der Bronchien, die so leichter verkrampfen. Durch Kontraktion der Bronchien kommt es so zur Obstruktion der Atemwege. Zudem werden Immunzellen, insbesondere neutrophile Granulozyten, aktiviert. Diese setzen gewebetoxische Substanzen frei, z.B. Elastase und Matrixmetalloproteinasen. Dies sind Enzyme, die letztlich zur Zerstörung von Lungengewebe führen. Dadurch kommt es zur Entwicklung eines Lungenemphysems. Die Lunge wird überbläht. Dies ist zum Teil auch äußerlich als Fassthorax sichtbar.

Betrifft die COPD nur die Atemwege und die Lungen?

Nein, es handelt sich um eine systemische Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Unmittelbar belastet durch die erschwerte Atmung ist die Atemmuskulatur. Sie wird chronisch überbeansprucht. Infolge der Anstrengung fällt Bewegung insgesamt schwerer und viele Patienten mit COPD werden zunehmend immobil. Dadurch verlieren viele Muskelgruppen an Kraft und Masse, es kommt zur Muskelatrophie. Weitere häufige Begleiterscheinungen sind Osteoporose (Abnahme der Knochendichte) und Depressionen. Ein Großteil der Effekte entsteht durch die chronische Entzündung, die sich nicht auf die Atemwege beschränkt, sondern den ganzen Körper betrifft. Hinzu kommt außerdem eine permanente neurohumorale Aktivierung. Diese wird über den Sympathikus vermittelt, einem Teil unseres vegetativen Nervensystems, der für Stresssituationen zuständig ist. Mit einer COPD ist der Körper unter Dauerstress.

Im Laufe der Erkrankung verändert sich das Lungengewebe immer weiter. Man spricht von einem "Fibrotischen Umbau". Dadurch werden auch die Gefäße der Lunge starrer und es entwickelt sich häufig eine pulmonale Hypertonie, ein Bluthochdruck der Lungengefäße. Gegen diesen erhöhten Druck muss die rechte Herzkammer arbeiten, die die Pulmonalarterien mit Blut versorgt. Durch die chronische Druckbelastung des rechten Ventrikels des Herzens wird diese Herzkammer dilatiert und kann dadurch insuffizient werden.

Was ist der Unterschied zwischen Asthma und COPD?

Sowohl COPD als auch Asthma zählen zu den obstruktiven Atemwegserkrankungen. In beiden Fällen treten die Probleme bei der Exspiration auf, die Einatmung ist in der Regel nicht beeinträchtigt. Im Unterschied zur COPD ist die Verengung der Atemwege beim Asthma allerdings reversibel. Dies wird auch zur diagnostischen Unterscheidung beider Erkrankungen genutzt. Der dabei entscheidende Parameter der Lungenfunktionsuntersuchung ist der Tiffeneau-Wert. Für den Tiffeneau-Test muss der Patient maximal tief einatmen und anschließend in ein Spirometer so kräftig wie möglich ausatmen. Das Gerät misst, wie viel Volumen der Atemluft innerhalb der ersten Sekunde ausgeatmet wurde. Dieser Wert ist das Forcierte Exspiratorische Volumen (FEV1). Der Volumenanteil an der Vitalkapazität, also dem gesamten ausgeatmeten Volumen, sollte dabei beim gesunden Erwachsenen über 70 Prozent liegen. Diese relative Einsekundenkapazität ist der Tiffeneau-Wert. Dieser kann sowohl bei Asthma als auch bei COPD erniedrigt sein. Um nun beide Krankheiten unterscheiden zu können, wird ein Bronchospasmolyse-Test durchgeführt. Nach Gabe eines schnell wirksamen Asthmasprays ist die Obstruktion im Falle von Asthma reversibel und der Tiffeneau-Wert steigt um mindestens 20 Prozent an. Man spricht von einem positiven Bronchospasmolyse-Test. Bei der COPD hingegen fällt der Test negativ aus.

Auch das klinische Bild beider Krankheiten ist unterschiedlich. Während die COPD kontinuierlich voranschreitet und vor allem symptomatisch durch Atemnot bei Belastung und Husten mit trübem Auswurf gekennzeichnet ist, treten die Symptome beim Asthma anfallsartig auf und der Auswurf ist eher klar. Zudem zählt die COPD zu den Erkrankungen des höheren Lebensalters, während sich Asthma meist schon im Kinder- und Jugendalter manifestiert.

Kann man auch an beiden Krankheiten gleichzeitig leiden?

Dies schließt sich leider nicht aus. Rauchen erhöht auch das Risiko an Asthma zu erkranken und somit ist die Wahrscheinlichkeit, Asthma und zusätzlich eine COPD zu bekommen, gar nicht so gering. Treten beide Atemwegserkrankungen zugleich auf, nennt man dies Asthma COPD Overlap Syndrome, kurz ACOS.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Beseitigung der Ursache der COPD spielt die größte Rolle zu Verbesserung der Prognose. In den Industrieländern bedeutet das in den meisten Fällen, dass eine Rauchentwöhnung an erster Stelle steht. In Deutschland gibt es mittlerweile viele Raucherambulanzen, die dabei Unterstützung anbieten. Um plötzliche durch Infekte bedingte Verschlechterungen der Erkrankung zu vermeiden, ist eine ausreichende aktive Immunisierung notwendig. Impfungen gegen Pneumokokken und Influenzaviren stehen dabei an erster Stelle.

Um die Atmung etwas zu verbessern wird auch Atemgymnastik und eine pneumologische Reha-Behandlung empfohlen. Studien haben gezeigt, dass die Re-Hospitalisierungs-Rate nach der Rehabilitation deutlich gesunken ist. Aber eine nichtmedikamentöse Therapie allein reicht oftmals nicht aus.

Für Akutfälle wird ein schnell wirksames Asthmaspray eingesetzt, das eine Weitstellung der Bronchien bewirkt. Reicht dies nicht aus und sind die Symptome der COPD dauerhaft ausgeprägt, kommen zusätzlich lang wirksame Beta-2-Mimetika (z.B. Salbutamol Spray) oder Anticholinergika (z.B. Tiotropiumbromid) zum Einsatz. Auch wenn die Obstruktion nicht reversibel ist, bringt die medikamentöse Therapie zumindest eine gewisse Erleichterung der Atmung und eine Linderung der Symptome, da beide Substanzklassen einer Engstellung der Bronchien entgegenwirken.

Bei der Verordnung der Medikamente und zur Beurteilung des Schweregrades der COPD spielen auch die Lungenfunktion und die Anzahl der Exazerbationen eine Rolle. Bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium werden dann neben den Beta-2-Mimetika und Anticholinergika auch inhalative Glucocorticoide verschrieben.

Wann kann ein Patient ein Sauerstoffgerät erhalten?

Wird bei der Blutgasanalyse wiederholt ein Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut unter 55mmHg festgestellt (normal sind 80 - 90 mmHg), besteht die Indikation zur Langzeitsauerstofftherapie. Wichtig dabei ist jedoch, den Kohlendioxidgehalt zu ermitteln. Denn für die Regulation im Atemzentrum spielen sowohl der Sauerstoff- als auch der Kohlendioxidgehalt des Blutes eine wichtige Rolle. Ist die Atemarbeit bei COPD soweit eingeschränkt, dass CO2 zu wenig abgeatmet wird und damit der CO2-Gehalt im Blut steigt, gewöhnen sich die Rezeptoren an die erhöhte Kohlendioxid-Konzentration. Der normalerweise durch Erhöhung des CO2-Partialdrucks ausgelöste Atemreiz entfällt damit. Das Atemzentrum wird trotzdem weiter durch den verminderten Sauerstoffgehalt des Bluts angetrieben. Wird nun aber zusätzlich Sauerstoff zugeführt, sodass der Sauerstoffpartialdruck wieder im Normbereich liegt, entfällt diese Stimulation der Atmung und es kommt im schlimmsten Fall zur Kohlendioxid-Narkose.

Unter engmaschiger Kontrolle kann die Langzeitsauerstoff-Therapie aber durchaus sinnvoll sein und nicht zuletzt die Lebensqualität verbessern. Dabei werden tragbare Geräte mit flüssigem Sauerstoff eingesetzt, die mindestens 16 Stunden pro Tag verwendet werden müssen.

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Medizinisch geprüft von:
Ulrike Thieme

Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab und begann anschließend ihre klinische Forschung am National Hospital for Neurology and Neurosurgery London.

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