Krätze (Skabies)

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 23 Feb 2021

Bei der Krätze handelt es sich um eine ansteckende Hauterkrankung. So viel wissen die meisten Menschen. Aber wie sieht sie eigentlich genau aus? Woher kommt sie? Und wie wird man sie wieder los? Damit Sie im Zweifelsfall eine Krätze erkennen könnten und wissen, was dann zu tun ist, betrachten wir die Hautkrankheit hier im Detail.

Inhalt

Kurzübersicht

Definition & Häufigkeit: Unter Krätze versteht man eine ansteckende Erkrankung der Haut, die sich meist durch direkten Hautkontakt ausbreitet.

Symptome: Neben eher unspezifischen Beschwerden wie Juckreiz und Brennen ist die Krätze meist eindeutig an den charakteristischen Kanälen in der Haut zu erkennen.

Ursachen: Auslöser der Krätze ist ein Parasit, die sogenannte Skabiesmilbe. Sie kommt auf der ganzen Welt vor.

Behandlung: Die Therapie beruht in erster Linie auf Salben und Cremes, die die Parasiten abtöten. Seltener kommen Tabletten zum Einsatz.

Über die Krätze

Kindertagesstätten, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser: Sie alle haben eines gemeinsam – nämlich einen engen Kontakt zwischen dort arbeitenden und betreuten Menschen. Für Parasiten wie die Skabiesmilbe bietet das ideale Voraussetzungen. Einmal eingeschleppt, verbreitet sie sich anfangs so unbemerkt, dass es in den Einrichtungen zu regelrechten Ausbruchswellen kommt. Darüber hinaus kann Krätze (medizinisch Skabies) auch beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Besonders fatal für die Eindämmung: Wer sich zum ersten Mal mit den verantwortlichen Milben ansteckt, zeigt oft erst nach 2-5 Wochen Beschwerden. In dieser Zeit können Erkrankte die Parasiten unbemerkt an mehrere andere Personen weitergeben. Ist die Krätze aber erst einmal identifiziert und wird sie passend behandelt, hat sich die Ansteckungsfähigkeit in der Regel innerhalb 1 Woche nach Therapiebeginn erledigt. Die jeweilige Einrichtung muss über die Diagnose unterrichtet werden.

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Symptome: Wie sieht Krätze im Anfangsstadium aus?

Können sich Krätzemilben auf der Haut ausbreiten, dauert es bis zu 5 Wochen, bis Betroffene an typischen Symptomen leiden. Dann treten im Anfangsstadium meist folgende Beschwerden auf:

  • Brennen auf der Haut
  • Juckreiz (verschlimmert sich mitunter im warmen Bett)
  • dünne, weißlich bis rot gefärbte Linien auf der Haut (bis zu 1 Zentimeter lang)
Kinderfuß mit Krätze

Die Symptome entstehen, weil das Immunsystem auf Kot, Eier und andere Ausscheidungen der Milben reagiert. Besonders gerne verbreiten sie sich in Bereichen mit warmer, weicher Haut. Seien Sie also vor allem in diesen Körperregionen besonders aufmerksam:

  • Falten zwischen Fingern und Zehen
  • Handgelenke und Fußknöchel
  • Ellenbogen
  • Kniekehlen
  • Brustwarzen
  • unter den Brüsten
  • Achseln
  • Bauchnabel
  • Leisten
  • Gesäßfalte
  • Genitalien, insbesondere auf dem Penis

Wer genau hinsieht, kann die Milben manchmal auch als gerade noch sichtbare, dunkle Punkte auf der Haut erkennen. Je länger sie Zeit haben, sich auszubreiten, desto mehr verschlimmern sich beim Betroffenen auch die Symptome. Nach der Anfangsphase kann es daher zusätzlich zu geröteten Pusteln und Bläschen kommen, eventuell sogar zu eitrig entzündeten Hautarealen. Ohne Behandlung gewinnt der allergische Ausschlag bei vielen Patienten immer mehr an Größe.

Wichtig:

Haben Sie im Vorfeld bereits eine Krätze-Erkrankung durchgemacht, entwickelt sich die Symptomatik bei erneuter Ansteckung meist schneller. Das liegt daran, dass sich das Immunsystem in diesem Fall an die Ausscheidungen der Milben „erinnert“ und früher dagegen vorgeht. Beschwerden entwickeln sich oft schon nach 1-4 Tagen.

Unterschiedliche Verläufe bei Krätze

Abhängig von der Stärke der Abwehrkräfte lassen sich bei Krätzepatienten verschiedene Verläufe beobachten. Besonders häufig treten auf:

Gewöhnliche Skabies

Die gewöhnliche Krätze macht den Löwenanteil der Fälle aus. Hier stecken sich ansonsten gesunde Menschen mit normal arbeitendem Immunsystem an. Typische Beschwerden bilden sich aus; die Handinnenflächen und Fußsohlen sowie Kopf- und Halsbereich bleiben in der Regel verschont.

Krätze bei Babys und Kleinkindern

Erkranken sehr kleine Kinder an Krätze, entstehen meist starke Ausschläge. Betroffen sind nicht nur die bei Erwachsenen charakteristischen Bereiche – die Irritationen können sich auch auf den Beinen, dem Kopf, im Gesicht und auf Handflächen sowie Fußsohlen ausbreiten. Säuglinge sind besonders weinerlich und wirken generell krank, manchmal verweigern sie sogar die Nahrungsaufnahme.

Borkenkrätze (Scabies crustosa)

Menschen mit geschwächtem Immunsystem reagieren besonders empfindlich auf den Befall mit Krätzemilben. Auftretende Symptome sind deutlich stärker ausgeprägt als bei ansonsten gesunden Menschen. Die Abwehrkräfte sind hier nicht dazu in der Lage, die Ausbreitung der Parasiten wenigstens einigermaßen in Schach zu halten: Teilweise können Millionen Milben auf der Haut nachgewiesen werden. Ihren Namen verdankt die Borkenkrätze den Krusten, die sich aufgrund der starken Immunreaktion auf der Haut bilden. Durch die hohe Zahl an Parasiten ist die Borkenkrätze besonders ansteckend.

Ursache: Die Skabiesmilbe

Ausgelöst wird Krätze von der sogenannten Krätzemilbe, auch Skabiesmilbe oder Sarcoptes scabiei genannt. Dieser Parasit hat sich auf den Menschen spezialisiert. Er bevorzugt vergleichsweise warme Hautareale, die nur von einer dünnen Hornschicht überzogen sind. Nach der Paarung tunneln die begatteten Weibchen die für Krätze typischen und von außen sichtbaren Gänge in die Haut. Dort legen sie die Eier und ihren Kot ab. Da die Spinnentiere dennoch auf die Versorgung mit Sauerstoff angewiesen sind, graben sie nicht senkrecht in den Körper hinein, sondern legen die Tunnel parallel zur Hautoberfläche an.

Die geschlüpften Larven kehren zur Oberfläche zurück und entwickeln sich dort über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu Nymphen und schließlich zu erwachsenen Milben. Diese Entwicklungszeit muss bei der Behandlung berücksichtigt werden. Bei Mitteln, die Eier und Larven zeitweilig unbehelligt lassen (kann beispielsweise bei Ivermectin vorkommen), sollten Sie die Therapie in Rücksprache mit Ihrem Arzt nach 2 Wochen wiederholen.

Wie kann man sich mit Krätze anstecken?

Die Übertragung der Parasiten erfolgt in den meisten Fällen über direkten Hautkontakt. Kurze, flüchtige Berührungen reichen dafür selten aus – oft sind längere Berührungen von mehr als 5-10 Minuten für die Übersiedlung nötig, da sich die Milben langsam fortbewegen.

Abgesehen von Hautkontakt müssen für eine Ansteckung keine weiteren Faktoren gegeben sein. Anders als im Volksmund verbreitet, hat Krätze also nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.

Typischerweise erkranken Menschen, die privat oder beruflich engen Kontakt mit anderen haben, zum Beispiel:

  • Ärzte, Krankenschwestern und anderes Pflegepersonal
  • Patienten in Krankenhäusern
  • Kinder in Betreuungseinrichtungen und ihre Familien
  • Heimbewohner (beispielsweise von Altenheimen oder Heimen für Geflüchtete)
  • Gefängnisinsassen
  • Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern

Wann zum Arzt?

Befürchten Sie, an Krätze erkrankt zu sein, sollten Sie so bald wie möglich einen Termin bei Ihrem Hausarzt vereinbaren. Sind weitere Untersuchungen nötig oder müssen tiefergehende Hautschäden behandelt werden, überweist er Sie an einen Hautarzt.

Diagnose

Wenn Sie Ihrem Arzt die entstandenen Symptome genau schildern, wird er dadurch meist schon hellhörig werden und Krätze im Verdacht haben. Um ganz sicherzugehen, sollten Sie ihm betroffene Hautstellen zeigen. Alternativ können Sie auch Fotos machen – achten Sie hier auf eine möglichst nahe Ansicht und scharfe Darstellung der Strukturen.

Zweifelsfrei erfolgt die Diagnose Skabies durch mikroskopische Untersuchungen: Dafür kann der Arzt vorsichtig einige Hautzellen abschaben oder mit Klebeband abziehen und auf die Parasiten überprüfen lassen.

Stellt der Arzt fest, dass tatsächlich Krätze vorliegt, wird er Sie etwa 1 Woche lang krankschreiben. Das gilt insbesondere, wenn Sie in einer Betreuungseinrichtung oder Unterkunft arbeiten, in der es oft zu Hautkontakt kommt. Den Arbeitsplatz dürfen Sie dann nicht betreten, bis die Gefahr der Ansteckung gebannt ist. Umgekehrt gilt das in Kindertagesstätten und Schulen auch für erkrankte Kinder und Jugendliche. Die Institution muss zudem über Verdacht und Diagnose unterrichtet werden.

Die Behandlung von Krätze

Krätze lässt sich in der Regel gut therapieren. Im Fokus steht es, gegen die Milben inklusive ihrer Eier und Larven vorzugehen, um der Erkrankung schnell und dauerhaft ein Ende zu setzen. Außerdem sollen Präparate die Hautausschläge und damit verbundene Beschwerden lindern.

Zum Einsatz kommen also:

  • äußerlich angewendete Antiscabiosa: Bei Antiscabiosa handelt es sich um Arzneimittel, die Krätzemilben und ihre Abkömmlinge abtöten. Sie werden in Form von Salben oder Cremes großflächig oder sogar vom Hals abwärts auf dem ganzen Körper aufgetragen.
  • Antiscabiosa zum Einnehmen: Seltener setzen Ärzte auf die Behandlung mit Tabletten. Sie kommen zum Beispiel infrage, wenn nicht mit Therapietreue zu rechnen ist, die Therapie von außen zu umständlich oder die Haut durch Vorerkrankungen zu empfindlich dafür wäre.
  • Kortikosteroide: Um Ausschläge, Juckreiz und weitere Beschwerden zu bessern, kann der Arzt außerdem entzündungshemmende Wirkstoffe verordnen, mit denen betroffene Hautareale eingecremt werden.

Wird ein Krätzefall bekannt, ist es oftmals sinnvoll, direkt auch die Familie oder Menschen zu behandeln, die Kontakt zum Erkrankten hatten – auch wenn es bei ihnen noch nicht zu Symptomen gekommen ist. So lässt sich die Ausbreitung der Skabies oftmals unterbinden.

Was kann man tun, wenn man Krätze hat?

Neben der Behandlung von Krätze mit Arzneimitteln sollten Sie außerdem einige weitere Maßnahmen umsetzen:

  • Wenn längerer Hautkontakt mit dem Betroffenen notwendig ist, unter anderem bei kleinen Kindern, sollten Sie vorsichtshalber Einmalhandschuhe und andere schützende Kleidung tragen.
  • Gegenstände wie Hausschuhe oder Kuscheltiere sollten Sie luftdicht verpacken und entweder mindestens 3 Tage abwarten oder sie für mindestens 1 Tag in den Gefrierschrank legen.
  • Achten Sie darauf, die Wäsche täglich zu wechseln und in die Waschmaschine zu geben (mindestens bei 60 Grad für mindestens 10 Minuten). Dazu gehören neben Unterwäsche und Kleidung auch Bettwäsche und Handtücher.
  • Polstermöbel oder Matratzen können Sie entweder professionell desinfizieren lassen oder regelmäßig und gründlich absaugen.
  • Handtücher, Bettzeug und Co. sollten mindestens für die Dauer der Erkrankung nicht mit anderen geteilt werden.

Wie lange Sie sich daran halten sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt – auf jeden Fall so lange, bis auf der Haut keine Milben mehr nachzuweisen sind.

Hausmittel?

Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass Hausmittel wie Essig, Lavendel- oder Teebaumöl gegen Krätzemilben wirksam sein sollen. Dafür fehlen ausreichende, wissenschaftliche Belege. Auf eine ärztliche Behandlung sollten Sie daher keinesfalls verzichten! Begleitend zu den Medikamenten können Sie aber beispielsweise Aloe Vera einsetzen, um die gereizte Haut zu beruhigen.

Können Sie der Krätze vorbeugen?

Einer Ansteckung mit Skabies grundsätzlich vorzubeugen, ist schwierig, denn auf engen Hautkontakt kann und sollte nicht immer verzichtet werden. Pflegepersonal und andere Menschen, die in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten, können ihre Haut aber regelmäßig auf verdächtige Veränderungen überprüfen.

Ist bekannt, dass sich die Krätze am Arbeitsplatz, in der Kita oder Schule ausbreitet, sollten Sie

  • engen Kontakt mit Erkrankten vermeiden.
  • Ihren Kindern erklären, warum es wichtig ist, beim Spielen die Köpfe nicht zu sehr zusammenzustecken.
  • bereits darauf achten, Wäsche und Co. häufiger zu reinigen, um den Milben die Ausbreitung zu erschweren.
  • auf eine besonders gründliche Körperhygiene achten. Sie beugt einer Infektion zwar nicht generell vor, kann die Vermehrung aber hemmen.

Entscheidend ist zudem, zum Arzt zu gehen und in der Einrichtung Bescheid zu geben, sobald bei sich selbst oder Ihrem Kind verdächtige Symptome auffallen. So stellen Sie sicher, dass sich die Erkrankung wenigstens nicht noch weiter ausbreitet.

Wie merkt man, dass man Krätze hat?

Krätze zeigt sich an Symptomen wie Jucken und Brennen auf der Haut, die sich beide über große Hautflächen ausbreiten können. Als eindeutiges Zeichen weisen die typischen Milbengänge in der Haut auf Krätze hin. Sie sind in der Regel sehr dünn, weiß bis rot und bis zu 1 cm lang.

Wie lange dauert es, bis die Krätze weg ist?

Wird die Erkrankung zügig erkannt und behandelt, dauert es bis zu 5 Tage bis die Parasiten abgestorben sind. Ansteckungsgefahr besteht danach keine mehr – Juckreiz und Ausschläge können aber noch bis zu 2 Wochen lang andauern.

Ist die Krätze meldepflichtig?

Besteht die Diagnose oder nur der Verdacht auf Krätze, müssen Sie in der Einrichtung, in der Sie arbeiten oder die Ihr Kind besucht, Bescheid geben. Die Einrichtung wiederum meldet den Fall dem Gesundheitsamt. Besucht werden darf sie erst wieder nach einer erfolgreichen Behandlung.

Kann man Krätze selbst behandeln?

Hier lautet die Antwort ganz klar: Nein! Um die Erkrankung in den Griff zu bekommen, sind spezielle milbenabtötende Mittel notwendig, die Ihnen nur ein Arzt verordnen kann.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Stellv. Ärztliche Leiterin Deutschland

Dr. Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei ZAVA und vertritt zur Zeit Beverley Kugler als ärztliche Leiterin. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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