Kälteallergie (Kälteurtikaria)

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Ulrike Thieme, Ärztin

Letzte Änderung: 03 Jun 2020

Die Kälteallergie, auch Kälteurtikaria genannt, ist eine spezielle Form der Nesselsucht (Urtikaria). Die Symptome der Pseudoallergie ähneln denen einer allergischen Reaktion (Hautausschlag, Juckreiz etc.). Für die Betroffenen ist dies mit großen Einschränkungen im Alltag verbunden. Doch es gibt eine tröstende Nachricht: So spontan wie die Kälteallergie kommt, geht sie auch wieder.

Inhalt
Frau mit Kälteallergie (Kälteurtikaria) leidet an juckender und trockener Haut.

Kurzübersicht

Häufigkeit: In Deutschland sind geschätzt 50.000 Menschen betroffen, wobei die Kälteallergie in skandinavischen Ländern zum Beispiel häufiger als in wärmeren Regionen vorkommt. Frauen sind etwa doppelt so häufig wie Männer betroffen und meistens im jungen Erwachsenenalter.

Auslöser und Ursachen: Hauptauslöser ist der Kontakt der Haut mit Kälte, wodurch verschiedene Entzündungsstoffe (Histamine) ausgeschüttet werden. Bestimmte Medikamente wie Aspirin, Ibuprofen, die Pille und Antibiotika können ebenfalls Auslöser sein. Mehr dazu hier.

Dauer: Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt etwa 5 Jahre.

Symptome: Häufig: Stark juckende Haut mit Rötungen und Schwellungen, Quaddeln und Schleimhautveränderungen. Selten: Allergischer Schock. Mehr dazu hier.

Behandlung: Antibiotische Behandlung, wenn ein Infekt zugrunde liegt. Antihistaminika, um die sogenannten Mastzellen zu stabilisieren und die Symptome zu unterbinden sowie Therapie mit kalten Bädern oder Bestrahlung mit UV-Licht. Mehr dazu hier.

Vorbeugung: Kälteschutz durch dichte, warme Kleidung, Bäder in kaltem Wasser sowie kalte Speisen und Getränken vermeiden. Mehr dazu hier.

Wann zum Arzt: Nach 6 Wochen chronischer Kälteallergie (Kinder früher), bei einer Schockreaktion, bei Atemnot und Schluckbeschwerden.

Über Kälteallergie

Die Symptome der Kälteallergie ähneln denen einer allergischen Reaktion, wobei es sich um keine Allergie im eigentlichen Sinne handelt. Betroffene können die Symptome lindern, indem sie sich vor Kälte schützen.

Die genaue Ursache ist bis heute nicht geklärt. Fest steht jedoch, etwa jeder vierte Betroffene unter mehreren Urtikatiaerkrankungen leidet. Zudem treten Nahrungsmittelallergien, Asthma und Tiergiftreaktionen häufiger auf.

Symptome

Die Symptome sind bei allen Betroffenen ähnlich, nur die Reizschwelle, das heißt die Temperatur, bei der die Symptome auftreten, ist individuell verschieden.

Die Hauterscheinungen treten meist auf unbekleideten Körperregionen wie Händen und Gesicht auf und klingen nach 30 Minuten, zum Teil auch erst nach mehreren Stunden ab.

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Risikofaktoren

Bei Krankenhausaufenthalten und bei Operationen unter Vollnarkose können Infusionslösungen, die vor Verabreichung nicht auf Körpertemperatur erwärmt wurden, bei Betroffenen einen generalisierten Schub hervorrufen.

Bei einem “Sprung ins kalte Wasser”, wenn also der ganze Körper auf Kälte trifft, sind Bewusstlosigkeit und Ertrinken mögliche Folgen.

Der Genuss von kalten Getränken und Speisen kann zu Schwellungen, Schluckbeschwerden und sogar Atemnot führen.

Auslöser und Ursachen

Körpereigene Mastzellen setzen als Reaktion auf die Kälte Histamin frei, was zu den unangenehmen Hautausschlägen führt. Die Schwellentemperatur, bei der der Körper auf die Kälte reagiert, ist individuell unterschiedlich. Auch ein rascher Temperaturwechsel kann die Kälteallergie auslösen.

Krankheiten, die mit der Kälteallergie in Verbindung gebracht werden, sind Infektionskrankheiten wie Syphilis, Hepatitis, Masern, Windpocken, HIV-Infektionen und Atemwegsinfektionen.

Medikamente wie Antibiotika, Aspirin, Ibuprofen und orale Verhütungsmittel können ebenfalls Auslöser einer Kälteallergie sein.

Diagnose

Zur Diagnose einer Kälteallergie werden 2 Methoden herangezogen:

1) Beim Eiswürfeltest wird ein mit Wasser und Eiswürfeln gefülltes Glas auf die Haut des Patienten gesetzt, was einen Kältereiz von 4° C auslöst. Um die genaue Reizschwelle zu ermitteln, lässt man das Glas unterschiedlich lang auf die Haut einwirken, bis die typischen Quaddeln auftreten.

2) Eine weitere Methode zur Diagnose einer Kälteallergie ist die mithilfe eines elektronischen Testgerätes. Das Besondere an dieser Methode ist, dass die genaue Schwellentemperatur ermittelt werden kann, ab der die Symptome auftreten.

Behandlung

Die Kälteallergie verschwindet meist, wenn eine damit assoziierte Erkrankung behandelt wurde. Sollte dies nicht möglich sein, gibt es neben medikamentöser Therapie auch eine Reihe von Behandlungsformen, deren Wirkweise jedoch nicht vollständig geklärt ist:

  • Bei einer Infektion wird eine antibiotische Behandlung zur Therapie eingesetzt.
  • Die Behandlung mit Capsaicin (Wirkstoff aus der Paprikafrucht) reduziert in erster Linie den Juckreiz sowie das Auftreten von Quaddeln. Einen Nachteil stellt die häufige Anwendung dar.
  • Bei der Hardening-Therapie wird der Patient immer wieder kalten Bädern ausgesetzt, damit der Körper sich an die Kälte gewöhnt.
  • Eine weitere Behandlungsform ist die Bestrahlung mit UV-Licht.

Medikamente

Um die Symptome einer Kälteallergie zu unterbinden, werden Antihistaminika eingesetzt. Außerdem kann mithilfe von Cromoglicinsäure eine Mastzellenstabilisierung erreicht werden. Da die Medikamente nicht bedenkenlos eingenommen werden können, muss die Behandlung immer vorher mit dem Arzt besprochen werden.

Auch dürfen Schwangere, Stillende und Kinder bestimmte Medikamente nicht einnehmen.

Hausmittel

Zu den bewährten Hausmitteln zählen:

  • Essigwickel
  • Zinksalbe zur Heilung und Beruhigung der Haut
  • Hamamelissalbe gegen den Juckreiz und die Entzündung
  • Baden mit Backpulver-Zusatz gegen den Juckreiz

Homöopathie

Homöopathische Mittel sollen die Symptome wie Juckreiz, Rötung und Quaddelbildung reduzieren. Dazu zählen:

  • Brennnessel
  • Honigbiene
  • Waldameise
  • Ameisensäure
  • Giftsumach
  • Seidelbast

Für die homöopathische Behandlung chronischer Hauterkrankungen sollte ein erfahrener Homöopath zu Rate gezogen werden.

Kälteallergie bei Babies und Kindern

Die Kälteallergie tritt bei den meisten Betroffenen im jungen Erwachsenenalter auf, sie kann jedoch auch bereits im Säuglings- und Kindesalter erscheinen. Wenn typische Symptome wie Hautrötungen, Juckreiz und Quaddeln festgestellt werden, sollten Eltern zeitnah ärztlichen Rat einholen. So kann eine frühzeitige Behandlung der, insbesondere für Kinder, meist unerträglichen Symptome erfolgen.

Bitte beachten Sie: Medikamente dürfen nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt zwischen Erwachsenen und Kindern geteilt werden, da nicht alle Medikamente für Kinder geeignet sind und darüber hinaus häufig eine Dosisanpassung für Kinder erforderlich ist.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Kälteallergie und den Symptomen sollten Betroffene sich in erster Linie vor Kälte und schnellen Temperaturwechseln schützen.

  • Kälteschutz: Dichte, warme Kleidung, Handschuhe und warme Schuhe und Socken
  • Ungeschützte Hautpartien wie Gesicht mit fetthaltiger Creme versorgen
  • Kälteschocks” wie Springen in kaltes Wasser vermeiden
  • Kalte Speisen und Getränke vermeiden
  • Notfallset mit Cortisonpräparat und Antihistaminikum mitführen
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Medizinisch geprüft von:
Ulrike Thieme, Ärztin

Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei Zava arbeitete Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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Artikel erschienen: 03 Jun 2020

Letzte Änderung: 03 Jun 2020

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trustpilot-ratings-5-star von Arthur, 27 Jun 2020
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