Insektenstiche

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. med. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 12 Aug 2022

Nahezu alle Menschen leiden vor allem im Sommer an Insektenstichen. Meist sind diese harmlos und nach wenigen Tagen verschwunden. Besonders bei Allergien gegen Insektengifte können die Stiche aber gefährlich werden. Um einen Insektenstich abklären zu lassen, steht Ihnen bei ZAVA online die Foto-Diagnose zur Verfügung.

Inhalt
Insektenstich: Frau in kurzer Hose und Wanderschuhe mit einem Rucksack am Rücken sprüht ihre Beine mit einem Spray ein.
 

Kurzübersicht

Definition & Häufigkeit: Insektenstiche können von Wespen, Bienen, Hornissen, Zecken, Flöhen und noch anderen existierenden Insekten verursacht werden. Im Sommer treten sie bevorzugt auf. Bis zu 3 % der Gesamtbevölkerung reagieren auf Bienen- und Wespenstiche mit einer starken allergischen Reaktion.

Symptome: Meist zeigt sich eine Hautreaktion mit einer Rötung, Schwellung sowie Juckreiz und/oder Schmerzen. In manchen Fällen sieht die Rötung auch großflächiger aus. Bei einer allergischen Reaktion können bisweilen schwere Symptome wie Atemnot und Erbrechen auftreten, die mitunter auf einen anaphylaktischen Schock hinweisen.

Ursachen: Insekten stechen je nach Art entweder zum Blutsaugen als Nahrungsaufnahme oder zur Verteidigung. Die Symptome des Stichs entstehen durch eine Reaktion des Körpers auf die Inhaltsstoffe des Insektengiftes.

Behandlung: Die meisten Stiche können durch kühlende Umschläge oder mit antiallergischen Cremes behandelt werden und verschwinden nach wenigen Tagen. Bei einer Allergie sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden und eine adäquate Behandlung erfolgen.

Über Insektenstiche

Insektenstiche sind eine häufige und meist lediglich lästige Reizung der Haut durch Bestandteile von Insektengiften, die sich im Speichel befinden. Innerhalb weniger Tage bilden sie sich meist wieder vollständig zurück. In Mitteleuropa werden nur in sehr seltenen Fällen auch Krankheiten durch Insektenstiche übertragen. Allerdings können bestimmte Insektenstiche für einen Teil der Bevölkerung bedrohlich sein, wenn sie eine Allergie gegen das entsprechende Insektengift haben. So zeigen bis zu 25 % der Gesamtbevölkerung eine verstärkte Hautreaktion auf Bienen- und Wespenstiche, während rund 1-3 % eine schwere Allergie mit körperlichen Symptomen ausbilden, die bis zum anaphylaktischen Schock führen kann.

Sind Insektenstiche gefährlich?

Ob von einem Insektenstich eine Gefahr ausgeht, hängt von der Art des Insekts und von der individuellen Reaktion des Körpers auf den Stich ab. Der Großteil der Insektenstiche in unseren Breiten ist relativ ungefährlich und nur für eine kurze Zeit symptomatisch. Auch die Angst, sich durch Insektenstiche mit Krankheiten zu infizieren, ist in Mitteleuropa fast unbegründet. Trotzdem können Insektenstiche in bestimmten Situationen gefährlich sein:

  • Wenn Sie von einem Insekt gestochen wurden, gegen dessen Gift Sie allergisch sind. Ungefähr jeder 30. Mensch zeigt eine deutliche allergische Reaktion auf Bienen- oder Wespenstiche. Wenn Sie zu dieser Personengruppe gehören und nach einem Stich durch die entsprechenden Insekten allergische Symptome bemerken, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.
  • Wenn Sie nach einem Insektenstich typische Symptome einer schweren allergischen Reaktion entwickeln, bspw. Atemnot, Schwindel, Kreislaufprobleme, Bewusstseinstrübung oder Erbrechen.
  • Wenn Sie von Bienen, Wespen, Hornissen oder anderen Insekten in Zunge, Mund oder Rachen gestochen wurden. Es kann zu einer dramatischen Schwellung kommen, die einen Verschluss der Atemwege nach sich zieht, wobei Erstickungsgefahr besteht.
  • Wenn Sie in bestimmten anderen Regionen der Welt von Insekten gestochen werden. Vor allem in Afrika, Südostasien und Südamerika existieren Insekten, die durch ihren Stich schwere Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber übertragen können. Auch in einigen Teilen der Mittelmeerstaaten kommen solche Krankheitsübertragungen immer wieder vor.

Symptome von Insektenstichen

Die Symptome der Insektenstiche hängen teilweise von der Art des Insekts ab. Nahezu alle Insektenstiche hinterlassen einen Hautausschlag mit einer Rötung und einer Schwellung. Außerdem kann es zu Juckreiz und/oder Schmerzen kommen. In manchen Fällen treten zusätzlich Bläschen oder Quaddeln auf. Bei einer allergischen Reaktion auf den Stich sind typische Allergiesymptome wie großflächige Schwellungen, Kreislaufbeschwerden, tränende Augen und eine laufende Nase, Erbrechen und Durchfall, Bewusstseinsstörungen sowie Atemnot möglich. Wenn aus dem Stich Eiter austritt und Sie Fieber bekommen oder Ihre Lymphknoten anschwellen, kann dies zudem ein Zeichen für eine Infektion des Stichs sein.

Zur Diagnose unkomplizierter Insektenstiche können Sie auch die Foto-Diagnose von ZAVA nutzen. Sie müssen dazu lediglich 2 gut sichtbare Bilder des Stichs hochladen.

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Lässt sich am Stich das verantwortliche Insekt erkennen?

Es ist nur in ganz bestimmten Fällen möglich, das Insekt sicher am Stich zu erkennen. Häufig lassen sich aber die möglichen Insekten eingrenzen:

  • Stiche durch Hautflügler (Hymenoptera) wie Bienen, Wespen und Hornissen verursachen fast immer Schmerzen und eher keinen Juckreiz. Umgekehrt zeichnen sich Stiche durch Zweiflügler (Diptera) wie Stechmücken und Bremsen durch stärkeren Juckreiz und geringe bis keine Schmerzen aus. Auch Floh- und Bettwanzenstiche zeigen vor allem einen ausgeprägten Juckreiz.
  • Wenn ein Stachel und gegebenenfalls ein Giftsack im Stich steckengeblieben sind, handelt es sich um eine Biene. Wespen und Hornissen ziehen ihre Stachel wieder heraus und können demnach auch mehrmals zustechen.
  • Nächtliche Stiche werden häufig durch Stechmücken oder Bettwanzen hervorgerufen. Ein weiteres Merkmal von Bettwanzenstichen sind mehrere Stiche in einer Reihe, sogenannte Stichstraßen.
  • Flöhe hinterlassen häufig Stiche, die in Dreiergruppen nah beieinander liegen, da Flöhe zuerst mehrere Probestiche durchführen, bevor sie mit dem Blutsaugen beginnen.
  • Stiche, die nach einem Ausflug in den Wald oder durch Wiesen auftreten, können auf Zeckenbisse hindeuten. Zecken sind eigentlich gar keine Insekten, sondern gehören zu den Spinnentieren. Ihre Stiche können äußerlich aber meist nicht von denen der Insekten unterschieden werden. Einzige Ausnahme ist eine kreisrunde Rötung, die sich über Tage von der Einstichstelle hinweg ausbreitet (Erythema migrans). Diese Rötung ist typisch für eine Borrelien-Infektion durch einen Zeckenbiss und erfordert eine antibiotische Behandlung.

Behandlung von Insektenstichen

Falls Sie im Stich einen Stachel mit Giftsack sehen, entfernen Sie diesen zunächst vorsichtig durch seitliches Herauskratzen mit den Fingernägeln. So bricht der Stachel nicht in der Haut ab und Sie quetschen nicht das restliche Gift aus Stachel und Giftsack in den Stich hinein.

Unkomplizierte Insektenstiche, die nur durch den Juckreiz oder die Schmerzen störend sind, können mit feuchten Umschlägen oder kühlenden Salben behandelt werden. Zur Linderung des Juckreizes können Antihistaminika wie Dimetinden eingenommen werden. Auch die Behandlung des Stichs mit cortisonhaltigen Salben über maximal 3-4 Tage kann eine Linderung verschaffen.

Bei Stichen, die eine großflächige Rötung oder Schwellung der Haut zeigen, ist möglicherweise auch die Einnahme von Cortison-Tabletten notwendig. Im Falle einer Infektion des Stichs kommen zudem desinfizierende Substanzen oder Antibiotika zum Einsatz.

Beim Auftreten von starken allergischen Reaktionen wie Atemnot und Kreislaufproblemen muss der Notarzt verständigt werden und die Behandlung im Krankenhaus erfolgen.

Wenn Sie eine bekannte Allergie gegen Bienen-, Wespen- oder Hornissengift haben, sollten Sie stets ein Notfallset mit sich führen.

Hyposensibilisierung gegen Insektengifte

Um die Gefahr durch eine Insektengiftallergie zu minimieren, kann eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, SIT) erfolgen. Dabei werden über einen Zeitraum von mehreren Jahren bestimmte Bestandteile des jeweiligen Insektengifts in steigenden Dosierungen verabreicht, um den Körper an das Gift zu gewöhnen und die allergische Reaktion zu mindern. Hyposensibilisierungen sind langwierig, aber sehr wirkungsvoll mit Erfolgsraten von fast 100 % bei der Wespen- und 70-90 % bei der Bienengiftallergie.

Wann zum Arzt?

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn

  • Sie eine großflächige Rötung, eine starke Schwellung oder eine sonstige übermäßige Hautreaktion auf den Stich bemerken.
  • die Beschwerden auch nach mehreren Tagen unverändert anhalten oder sich verschlimmern.
  • Zeichen für eine Infektion des Stichs vorliegen wie die Absonderung von Eiter, eine zunehmend gespannte Haut, Fieber, körperliche Abgeschlagenheit oder geschwollene Lymphknoten.
  • Sie eine ringförmige Rötung um den Stich bemerken, die sich über mehrere Tage hinweg ausbreitet. Sie wurden dann wahrscheinlich von einer Zecke gebissen und möglicherweise mit Borrelien infiziert, die eine Behandlung mit einem Antibiotikum erfordern.

Umgehend muss ein Arzt verständigt oder der Rettungsdienst alarmiert werden, wenn

  • Sie von einem Insekt im Mund, an der Zunge, im Rachen oder im Hals gestochen wurden. Es kann zu einer lebensgefährlichen Schwellung der Atemwege kommen.
  • Sie an einer bekannten Bienen- oder Wespenallergie leiden und möglicherweise von diesen Insekten gestochen wurden.
  • bei Ihnen nach einem Insektenstich Symptome einer schweren allergischen Reaktion auftreten, unter anderem Schwellungen im Kopf- und Halsbereich, Atemnot, Krämpfe, Erbrechen, ausgeprägte Nesselsucht oder Kreislaufprobleme.

Lässt sich Insektenstichen vorbeugen?

Zum Teil lässt sich das Risiko für Insektenstiche senken. Tragen Sie nach Möglichkeit lange Kleidung, insbesondere bei Waldspaziergängen und in der Nähe von ungemähten Wiesen. Wespen werden von süßen Düften, beispielsweise Obst, von Fleisch, Schweiß, Körpergeruch, manchen Parfüms und anderen Gerüchen angelockt. Durch die Vermeidung solcher Gerüche können Wespen teilweise ferngehalten werden. Machen Sie in der Nähe von Bienen und Wespen keine hektischen Bewegungen, versuchen Sie nicht, sie mit Handbewegungen zu verscheuchen und blasen Sie sie nicht von sich weg. Dadurch provozieren Sie lediglich eine aggressive Reaktion dieser Insekten.

Hausmittel wie Nelken- oder Lavendelöle können durch ihren Geruch in begrenztem Maß Insekten fernhalten. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, Sprays oder Cremes mit Insektenabwehrstoffen wie DEET aufzutragen. Halten Sie sich dabei unbedingt an die Gebrauchsanweisung, da bei unsachgemäßem Gebrauch die Haut geschädigt werden kann. Um Mücken aus Innenräumen fernzuhalten, ist es empfehlenswert, abends die Fenster nur bei ausgeschaltetem Licht zu öffnen.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich erkennen, was mich gestochen hat?

Die Beschwerden, das Aussehen, die Anordnung und die Tageszeit des Stichs können Hinweise auf das Insekt geben. Die Identifizierung ist aber nicht immer sicher möglich. Stiche durch blutsaugende Insekten wie Mücken oder Wanzen sind häufig nicht schmerzhaft, sondern verursachen eher Juckreiz. Ein schmerzhafter Stich mit deutlicher Rötung und Schwellung, der tagsüber auftritt, deutet hingegen eher auf Bienen oder Wespen hin. Wenn mehrere Stiche hintereinander angeordnet und nachts entstanden sind, können Bettwanzen dafür verantwortlich sein. Stiche, die in Gruppen jeweils zu dritt angeordnet sind, machen einen Befall mit Flöhen wahrscheinlich.

Welche Insekten stechen zur Zeit?

Die Aktivität der meisten Insekten nimmt im Sommer zu. Besonders Stiche durch Bienen, Wespen, Mücken und Bremsen treten fast nur in der warmen Jahreszeit auf. Andere Insekten wie Bettwanzen, Flöhe oder Läuse sind jedoch ganzjährig aktiv.

Welche Insekten stechen im Bett?

Wenn Sie im Bett gestochen werden, können dafür Bettwanzen verantwortlich sein. Diese bewohnen dunkle Ritzen in Möbeln, werden nachts aktiv und saugen alle 5-10 Tage Blut, um sich davon zu ernähren. Dabei stechen sie mehrmals hintereinander, wodurch sogenannte Stichstraßen entstehen. Die Stiche sind gerötet und jucken stark. Auch Stechmücken stechen gerne nachts.

Wie sieht ein entzündeter Insektenstich aus?

Entzündete Insektenstiche zeigen eine deutliche Rötung und Schwellung. Zudem können sie überwärmt und schmerzhaft sein. Bei einer Infektion des Stichs mit Krankheitserregern kann außerdem Eiter austreten, manchmal bilden sich auch Pusteln.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. med. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Medizinische Leiterin ZAVA Deutschland

Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA Deutschland und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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