Pille wechseln

Dr. Emily Wimmer

Medizinisch geprüft von

Dr. Emily Wimmer

Letzte Änderung: 24 Sep 2019

Schon seit etlichen Jahren belegt die Antibabypille unangefochten den Spitzenplatz unter den meistverwendeten Verhütungsmitteln. Mehr als die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 35 Jahren in Deutschland entscheiden sich für diese Methode der Schwangerschaftsverhütung. Mittlerweile gibt es die Auswahl zwischen über 80 Produkten in unterschiedlicher Dosierung, mit verschiedenen Hormonen und Zusatzwirkungen. Doch nicht jede Frau verträgt die unterschiedlichen Präparate gleich gut. Manchmal sind auch positive Nebeneffekte erwünscht, die nicht jeder Wirkstoff bietet. Aus diesen Gründen kann ein Wechsel der Pille erforderlich werden. Doch was muss dabei beachtet werden?

Inhalt

Welche Unterschiede zwischen den Pillen gibt es?

Seit der Markteinführung des oralen Verhütungsmittels im Jahr 1960 ist der durchschnittliche Hormongehalt in den Pillen gesunken, sodass Nebenwirkungen seltener und schwächer auftreten.

Grundsätzlich lässt sich zwischen einem Kombinationspräparat und der Minipille unterscheiden.

Die Kombinationspille enthält ein künstlich hergestelltes Östrogen in Kombination mit einem Gestagen. Da der überwiegende Teil der aktuell erhältlichen Präparate sehr gering dosiert ist, werden diese auch als Mikropille bezeichnet. Die Minipille enthält nur ein Gestagen in schwacher Konzentration bzw. geringer Dosierung.

Je nach beigesetztem Gestagen können verschiedene Zusatzwirkungen erzielt werden. So wirken Drospirenon, Dienogest, Chlormadinonacetat und Cyproteronacetat gegen Hautunreinheiten, Pickelbildung und fettiges Haar. Drospirenon beugt zudem Wassereinlagerungen vor, die Ursache für eine geringe Gewichtszunahme unter der Pille sein können.

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In welchem Fall sollte über einen Pillenwechsel nachgedacht werden?

Je nach Art der Pille treten bei manchen Anwenderinnen unterschiedliche Nebenwirkungen auf, die vorübergehend oder andauernd sein können.

Zu den häufigsten Begleiterscheinungen gehören Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen und Übelkeit. Diese Symptome zeigen sich bei manchen Frauen schon zu Beginn der Einnahme, andere bemerken sie erst nach einiger Zeit. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt kann dieser ein anderes Präparat mit besserer Verträglichkeit anordnen.

Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen oder fehlende Entzugsblutungen sowie ein Spannen der Brust zeigen sich meist nur in den ersten Zyklen der Pilleneinnahme und lassen nach, je länger die Pille eingenommen wird. Manche Frauen verwenden die Pille, um positive Nebeneffekte wie eine Verbesserung des Hautbildes oder weniger Schmerzen vor und während der Menstruation zu erzielen. Bleibt die erwünschte Wirkung aus, könnte ein Wechsel des Präparates empfehlenswert sein.

Nikotinkonsum in Verbindung mit einer östrogenhaltigen Pille bedingt ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Da Rauchen als Kontraindikation für die Pilleneinnahme gilt, wird Raucherinnen anstelle der Mikropille die Minipille verschrieben. Doch auch hier ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Der Pillenwechsel zu einem rein gestagenhaltigen Präparat kann auch dann von Vorteil sein, wenn Regelschmerzen oder eine starke Monatsblutung zu Beschwerden führen. Die Intensität der Blutung sinkt bei vielen Frauen durch die Einnahme der Minipille.

Sollte, zum Beispiel aufgrund eines unregelmäßigen Tagesrhythmus, die zeitgenaue Einnahme erschwert sein, ist der Umstieg von einer Mini- zur Mikropille empfehlenswert. Letztere haben ein verlängertes Einnahmefenster von meist 12 Stunden im Vergleich zu 3 bis 4 Stunden beim Großteil der Minipillen. Das heißt, dass schon bei einer Verzögerung der Einnahme um 4 Stunden der Verhütungsschutz durch die gestagenhaltigen Pillen nicht mehr garantiert werden kann.

Minipillen führen häufiger zu Menstruationsstörungen in Form von Durchbruchblutungen, also Blutungen zwischen den Perioden, sowie verkürzten oder verlängerten Zyklen bis zum Ausbleiben der Blutung. Hierbei kann der Umstieg auf ein niedrig dosiertes Kombinationspräparat Abhilfe schaffen.

Wann kann ein Pillenwechsel stattfinden?

Der Zeitpunkt, wann man die Pille wechseln kann, richtet sich unter anderem danach, zu welcher Art von Pille gewechselt wird. Im Einzelfall entscheidet immer der behandelnde Arzt.

Es empfiehlt sich, die Monatspackung der vorherigen Pille aufzubrauchen. Wird von einer Mikropille auf eine andere Mikropille gewechselt, so kann die Anwendung des neuen Präparats jederzeit erfolgen.

Gleiches gilt für den Wechsel zwischen 2 verschiedenen Minipillen. Dies bedeutet, dass direkt nach Einnahme der letzten Pille aus dem Blister oder nach der 7-tägigen Pause gewechselt werden kann. Bei starken Beschwerden kann der Umstieg auch mitten im Zyklus erfolgen, sofern es zu keinem einnahmefreien Tag zwischen beiden Präparaten kommt. Hierbei spielt es auch keine Rolle, ob das neue Präparat höher oder geringer dosiert ist. Die empfängnisverhütende Wirkung wird dadurch nicht herabgesetzt. Es muss allerdings beachtet werden, dass bei einem Umstieg nach der Einnahmepause die üblichen 7 Tage auf keinen Fall überschritten werden. Der Hormonspiegel könnte dadurch zur Schwangerschaftsverhütung nicht mehr ausreichend hoch sein.

Beim Wechsel von einer Minipille zur Mikropille wird allgemein empfohlen, die Pause auszulassen und während der ersten Woche eine zusätzliche Barrieremethode (z. B. ein Kondom) anzuwenden. Die gleiche Richtlinie gilt, wenn von einer Mikropille zur Minipille gewechselt wird.

Je nach Präparat gibt es bei der Vielzahl von Antibabypillen oft Besonderheiten, die bei einem Wechsel zu beachten sind. Deshalb sollte unbedingt mit dem verschreibenden Arzt Rücksprache gehalten werden. Entsprechende Informationen finden sich auch im Beipackzettel der Präparate.

Die sicherste Methode ist in jedem Fall, das neue Präparat ohne vorangehende Pause einzunehmen. Eine zusätzliche Verhütung mit nicht hormonellen Methoden, wie Kondomen, während der ersten 7 Tage nach dem Wechsel wird ebenfalls von einigen Herstellern angeraten.

Welche Folgen hat ein Pillenwechsel?

Der Wechsel auf ein neues Hormonpräparat bedeutet für den Körper immer eine Umstellung. Diese kann einige Wochen bis wenige Monate in Anspruch nehmen und sich durch verschiedene Begleiterscheinungen äußern.

Neben einer unregelmäßigen oder ausbleibenden Menstruation kann es auch zu Schmierblutungen kommen. Seltener können Unterleibsbeschwerden und Kopfschmerzen auftreten oder sich verstärken. Manche Anwenderinnen berichten von unreiner Haut, Haarausfall, Stimmungsschwankungen sowie Übelkeit. Normalerweise vermindern sich diese Symptome innerhalb der ersten 3 Monate, weshalb den Frauen geraten wird, erst nach einem gewissen Zeitraum über die Wirkung der neuen Pille zu urteilen.

Der behandelnde Arzt sollte dennoch über entsprechende Beschwerden informiert werden.

Wird die Pille wegen eines gewünschten positiven Effektes auf die Haut oder zur Reduzierung von Wassereinlagerungen gewechselt, können erste Veränderungen nach wenigen Wochen feststellbar sein.

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Dr. Emily Wimmer Ärztin

Dr. Emily Wimmer ist seit 2015 eine unserer deutschen Ärzte bei Zava. 2009 schloss sie ihr Studium der Humanmedizin an der Universität zu Lübeck ab. Danach arbeitete sie in der Abteilung für Hämatologie und Onkologie an der MedUni Wien sowie als Assistenzärztin in Hamburg bzw. Prüfärztin am Hamburger Institut für Versorgungsforschung in Dermatologie. Seit 2020 arbeitet Sie zudem in Teilzeit in der Praxis von Dr. Jürgen Kolbeck in Hamburg.

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Letzte Änderung: 24 Sep 2019




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