Kontraindikationen der Pille

Dr. Emily Wimmer

Medizinisch geprüft von

Dr. Emily Wimmer

Letzte Änderung: 18 Jul 2019

Übergewicht, Alkoholkonsum, Rauchen - Wann sollte die Pille nicht eingenommen werden? Die Pille gilt als ein sehr sicheres Medikament zur Verhütung. Dennoch können wie bei anderen Medikamenten Kontraindikationen die Einnahme einschränken. Kontraindikationen oder Gegenanzeigen sind Gesundheitszustände oder Einflüsse, die die Wirkung der Pille beeinflussen oder zu schweren Nebenwirkungen führen können. Welche das sind, beantworten wir in diesem Artikel.

Inhalt

Wie wirkt die Pille?

Die Pille enthält als Wirkstoffe synthetisch hergestellte Formen der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen. Sie hemmen die Ausschüttung der Hormone LH und FSH im Hypophysenvorderlappen, einem Teil des Gehirns. Die konstante Zufuhr von Östrogen und Gestagen unterdrückt unter anderem den Eisprung, weshalb Antibabypillen auch Ovulationshemmer genannt werden (Ovulation ist das Fremdwort für den Eisprung). Präparate, die Östrogene und Gestagene enthalten, werden als Kombinationspräparate bezeichnet. Es gibt auch Monopräparate, die nur Gestagene enthalten und bei Unverträglichkeit eines Kombinationspräparates verschrieben werden.

Erhöht die Pille das Thromboserisiko?

Eine Thrombose beschreibt ein Blutgerinnsel innerhalb eines Gefäßes. Dadurch kann ein Blutgerinnsel (Thrombus) entstehen. Dieses Blutgerinnsel kann mit dem Blutstrom davongetragen werden und sich in kleinen Gefäßen und Kapillaren festsetzen. Besonders häufig sind arterielle Gefäße, die tiefen Beinvenen und die Gefäße in der Lunge betroffen. Ärzte sprechen dann von Beinvenenthrombosen bzw. Lungenembolien. Mögliche Anzeichen einer tiefen Beinvenenthrombose sind ein Anschwellen des Beins oder Fußes, eine Erwärmung des betroffenen Beins oder ein Druckschmerz.

In mehreren Studien wurde festgestellt, dass sich das Thromboserisiko bei Einnahme der Antibabypille erhöht. Es steigt mit zunehmendem Östrogengehalt in der Pille und dem Alter einer Frau. Zudem gibt es Unterschiede in der Anhebung des Thromboserisikos, abhängig von der genauen Zusammensetzung der jeweiligen Pille. Zusätzlich können noch Faktoren wie rauchen das Risiko erhöhen.

Pille bei Übergewicht: Was müssen übergewichtige Frauen beachten, wenn sie die Pille nehmen?

Weitere Risikofaktoren für ein erhöhtes Thromboserisiko sind ein erhöhtes Körpergewicht und Bewegungsmangel. Das Herz-Kreislauf-System von Frauen mit leichtem oder starkem Übergewicht (Adipositas) ist einer höheren Grundbelastung ausgesetzt als das von Frauen mit Normalgewicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Blutgerinnsel bildet, ist dadurch ebenfalls erhöht. In Kombination mit einer Antibabypille kann das Thromboserisiko sehr hoch werden.

Im Rahmen einer schweren Operation kann ein Bewegungsmangel zu einer schlechteren Durchblutung der Gefäße führen. Deshalb können sich hier schneller Blutgerinnsel entwickeln. Dieses Risiko ist besonders hoch, wenn gleichzeitig die Pille eingenommen wird. Verschiedene Östrogen-Gestagen-Präparate haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Entstehung von Blutgerinnseln. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel zu den Nebeneffekten der Antibabypille.

Pille und rauchen: Was müssen Raucherinnen bei der Einnahme der Pille beachten?

Ein weiterer Risikofaktor ist der Konsum von Zigaretten. Die Ursachen dafür sind unklar. Als möglichen Grund vermutet man die gefäßschädigenden Wirkungen des Nikotins. Bei rauchenden Frauen erhöht sich durch die Einnahme von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Besonders Frauen über 35 Jahren sollten auf andere Verhütungsmethoden zurückgreifen, wenn sie nicht mit dem Rauchen aufhören können. Neben dem erhöhten Risiko für Thrombosen bei Einnahme der Antibabypille existieren noch weitere gesundheitsschädliche Folgen des Rauchens.

Können Naturheilprodukte oder homöopathische Mittel ein Risikofaktor bei der Verwendung der Pille sein?

Die Anwendung von Johanniskraut ist ein Risiko für die Wirksamkeit der Antibabypille. Östrogen und Gestagen zählen zu den Steroidhormonen. Sie müssen in der Leber abgebaut werden. Dafür sind verschiedene Enzyme notwendig. Johanniskraut (wird vor allem bei depressiven Verstimmungen, Stress und Anspannung eingesetzt) aktiviert die Enzyme, die Steroidhormone abbauen. Durch die gesteigerte Aktivität werden auch die Wirkstoffe aus der Antibabypille vermehrt abgebaut, weshalb die Wirksamkeit der Pille nachlässt und diese nicht mehr zuverlässig schützt.

Pille und Antibiotika: Besteht ein Risiko bei der gleichzeitigen Einnahme von Antibiotika und der Pille?

Bei der Einnahme der Pille sollte berücksichtigt werden, dass Antibiotika Einfluss auf die ideale Wirkweise von Kombinationspräparaten haben können. Dadurch wird die Wirksamkeit von Östrogen-Gestagen-Kombinationen beeinträchtigt. Antibiotika schädigen durch ihre Wirkmechanismen die natürliche Flora des Darms. In Folge können die Estrogene schneller eliminiert und nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden. Die Wirkstoffkonzentration im Körper kann dadurch so weit herabgesetzt werden, dass der Eisprung nicht mehr verhindert wird.

Es gibt eine Reihe weiterer Risikofaktoren und Kontraindikationen, die vor der Einnahme der Pille beachtet werden sollten. Die unten stehende Tabelle gibt einen Überblick der möglichen Risiken neben den im Artikel erwähnten Kontraindikationen. In jedem Fall sollte vor der ersten Verschreibung eine Beratung durch einen Frauenarzt/eine Frauenärztin erfolgen.

Bei diesen Erkrankungen sollte ein anderes Verhütungsmittel verwendet werden:

  • akute und chronische Lebererkrankungen, Leberkrebs
  • tiefen Beinvenenthrombose oder Thrombosen in anderen Organen
  • Brustkrebs
  • Herzinfarkt, unregelmäßig auftretender Bluthochdruck
  • Schlaganfall
  • Schwangerschaft
  • Diabetes mellitus mit Gefäßschäden
  • unklare vaginale Blutungen
  • Raucherinnen über 35 Jahren, starke Raucherinnen unter 35 Jahren (mehr als 10 Zigaretten am Tag)
  • schwere Fettstoffwechselstörungen
  • lange Bewegungsunfähigkeit, z.B. auf Grund von Operationen

Bei dieses Erkrankungen kann ein erhöhtes Risiko für Komplikationen bestehen:

  • Erkrankungen der Leber, Gallenblase und den Gallengängen, besonders in der Schwangerschaft
  • Blutgerinnsel in oberflächlichen Venen
  • Migräne mit Aura (abhängig von Art der Pille, einige Präparate können nicht genommen werden)
  • Herzkrankheiten in der Familie, gut eingestellter Bluthochdruck (abhängig von Art der Pille, einige Präparate können nicht genommen werden)
  • starkes Übergewicht
  • Diabetes mellitus ohne Gefäßschäden, Schwangerschaftsdiabetes
  • leichte Fettstoffwechselstörungen
  • Rauchen bis 10 Zigaretten am Tag
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Medizinisch geprüft von:
Dr. Emily Wimmer Ärztin

Dr. Emily Wimmer ist seit 2015 eine unserer deutschen Ärzte bei Zava. 2009 schloss sie ihr Studium der Humanmedizin an der Universität zu Lübeck ab. Danach arbeitete sie in der Abteilung für Hämatologie und Onkologie an der MedUni Wien sowie als Assistenzärztin in Hamburg bzw. Prüfärztin am Hamburger Institut für Versorgungsforschung in Dermatologie. Seit 2020 arbeitet Sie zudem in Teilzeit in der Praxis von Dr. Jürgen Kolbeck in Hamburg.

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