Risiko Pille

Was sollten Frauen vor der Pilleneinnahme berücksichtigen?

Letzte Aktualisierung: 18 Jan 2019

Eine junge Frau sitzt an ihrem Smartphone. Sie versucht sich über die Risiken der Pille zu informieren.
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Seitdem die Pille in den 60er Jahren auf den Markt kam, gehörte sie trotz des Risikos, den die neue Verhütungsmethode mit sich brachte, schnell zu den beliebtesten und zuverlässigsten Verhütungsmitteln. Ihre gute Verfügbarkeit, die einfache Anwendung und ihre sehr gute Verlässlichkeit führten zu einem Wendepunkt in der Familienplanung. Frauen konnten erstmals in Punkto Schwangerschaftsverhütung selbst Einfluss nehmen und ihre Sexualität selbstbestimmt und unabhängig ausleben, ohne Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft haben zu müssen.

Welche Risiken birgt die Einnahme der Pille?

Wie bei jedem Arzneimittel, gibt es auch bei der Einnahme der Pille Risiken und Nebenwirkungen, die möglicherweise auftreten können. Neben häufigen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit, können selten auch ernsthaftere Beschwerden auftreten. Zu diesen gehört das Risiko einer venösen Thrombose.

Thrombosen entstehen, wenn sich Blutgerinnsel bilden, die den Blutfluss behindern oder sogar gänzlich blockieren. Die nachfolgenden Organe werden daraufhin nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Hält dieser Zustand der Unterversorgung zu lange an, kommt es zu Nekrosen und absterbendem Gewebe.

Thromben (=Blutpfropfen) können in Blutgefäßen des gesamten Körpers entstehen. Treten sie in Gefäßen des Herzens auf, spricht man von einem Herzinfarkt, in Gefäßen des Gehirns von einem Schlaganfall.

Die Pille dagegen birgt insbesondere ein Risiko für die Entstehung venöser Thrombosen, also in Gefäßen mit sauerstoffarmen Blut. Venöse Thrombosen entstehen meistens in den tiefen Beinvenen. Aus solch einer Beinvene kann sich ein Thrombus allerdings auch ablösen und stromabwärts weiter transportiert werden. Im schlimmsten Fall gelangt der Blutpfropf so entlang des Körperkreislaufs bis in die Lunge, wo er schließlich hängen bleibt und dort den Gasaustausch behindert. Das nennt man eine Lungenarterienembolie. Eine Lungenarterienembolie ist ein medizinischer Notfall, der tödlich enden kann.

Ist die Pille also gefährlich?

In einer Metaanalyse, die sich auf 24 Studien bezog, wurde herausgefunden, dass das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle für Frauen, die die Pille nehmen, 1,6 mal höher ist im Vergleich zu Frauen, die keine kombinierten oralen Kontrazeptiva einnahmen. Dabei bestand für Präparate, die mehr als 50 Mikrogramm Östrogen enthielten, ein besonders hohes Risiko. Ebenfalls wurde in dieser Metaanalyse bestätigt, dass die Pille das Risiko für venöse Thrombosen erhöht. Insgesamt sind diese Krankheiten bei jungen Frauen, die zur Pille greifen, jedoch sehr selten.

Ist das Risiko für die Pille lediglich durch Medien aufgebauscht?

In den letzten Jahren erlangte die Pille jedoch mediale Kritik, weil Frauen sich an die Öffentlichkeit wandten, bei denen vermeintlich genau dieses seltene Risiko eingetroffen ist. Die Betroffenen klagten gegen den Pharmakonzern Bayer, der ein Präparat auf den Markt gebracht hatte, welches ein neues Gestagen (Drospirenon) enthielt, das zu den neueren Generationen zählt. Diese "Pillenwarnung" erhielt großes öffentliches Interesse, was dazu führte, dass viele Frauen erstmals die Pille in Frage stellten.

Tatsächlich liegen dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seit dem Jahr 2000 circa 500 Fälle von thrombotischen Ereignissen vor, die mit Drospirenon in Verbindung gebracht werden. Von den 500 Verdachtsfällen handelt es sich bei 18 Fällen um Todesfälle. Letztendlich lässt sich in den meisten Fällen allerdings nicht sicher klären, ob das Drospirenon ursächlich für das thrombotische Ereignis war.

Fakt ist, dass Pillen mit Gestagenen der sogenannten dritten und vierten Generation (wie Drospirenon, Desogestrel) ein höheres Thromboserisiko gegenüber Pillen älterer Generationen aufweisen.

Von 10.000 Frauen, die keine Pille einnehmen, erkranken jährlich etwa zwei an einer venösen Thrombose. Bei Pillen-Anwenderinnen mit einem Gestagen der 2. Generation (z.B. Levonorgestrel) erkranken ca. doppelt so viele. Betrachtet man nun Frauen, die ein Gestagen der 3. und 4. Generation einnehmen, so erleiden ca. fünf mal so viele Frauen eine Thrombose. Für einige Gestagene der jüngeren Generationen ist dagegen das Risiko noch nicht bekannt, weshalb weitere Studien geplant sind.

Was wird unternommen, um das Risiko der Pille zu vermindern?

Das BfArM und die EMA führten zuletzt 2013 eine Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses der Pille durch und kamen zu dem Ergebnis, dass der Nutzen der Pille die Risiken überwiegt.

Erstanwenderinnen und Frauen, die jünger als 35 Jahre sind, wird ein levonorgestrelhaltiges Präparat empfohlen, welches das geringste bekannte Thromboserisiko besitzt. Vor der Anwendung oraler kombinierter Verhütungsmittel sollte zusammen mit dem Arzt immer das individuelle Risiko abgewogen werden. Weitere Thrombose-Risikofaktoren sind z.B. Rauchen und ein Alter über 35 Jahren. Alleiniger Nikotinkonsum erhöht bei über 35-Jährigen das Risiko auf das drei- bis elffache. Nehmen diese Frauen auch noch zusätzlich die Pille ein, so steigt das Risiko bis auf über das 20-fache an.

Abschließend lässt sich also zusammenfassen, dass durch die Pille das Risiko für venöse Thrombosen steigt. Insgesamt ist dieses jedoch gering, weil Frauen in dieser Altersgruppe selten gefährdet sind. Insgesamt hängt das Risiko jedoch sowohl von individuellen Faktoren, sowie von der eingenommenen Wirkstoffkombination des Pillenpräparats ab. Es ist also vor Einnahme der Pille ein Abwiegen des individuellen Risikos mit Hilfe des Arztes zu empfehlen.

Welche Vorteile bietet die Pille, trotz aller Risiken?

Die Mikropille gehört zu den kombinierten hormonellen Verhütungsmitteln. Das bedeutet, dass sie aus zwei unterschiedlichen weiblichen Hormonen zusammengesetzt ist: Östrogen und Gestagen. Diese Hormone verhindern, dass der Eisprung stattfindet und somit auch eine Schwangerschaft. Außerdem verhindern sie, dass sich eine befruchtete Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut einnistet und dass Spermienzellen in die Gebärmutter eindringen.

Die Minipille dagegen gehört nicht zu den kombinierten hormonalen Verhütungsmitteln, da sie nur das Hormon Gestagen enthält. Sie hat in der Regel etwas weniger Nebenwirkungen und kann auch während des Stillens angewendet werden, ist allerdings genauer einzunehmen und hat dadurch ein höheres Risiko nicht richtig angewendet zu werden.

Die Pille greift also in den weiblichen Hormonhaushalt ein und verhindert so sehr zuverlässig eine ungeplante Schwangerschaft. Darüber hinaus stellt sich durch die Einnahme der Pille ein regelmäßiger Menstruationszyklus ein, der es Frauen ermöglicht, besser auf ihre Periode vorbereitet zu sein und diese sogar planen bzw. verschieben zu können. Zudem fallen Menstruationsbeschwerden unter Einnahme der Pille meist milder aus: Die Blutung ist oft schwächer und kürzer und auch die mit der Regel auftretenden Schmerzen werden oft gelindert.

Studien belegen, dass kombinierte hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille sogar das Risiko für die Entstehung von Endometriumkrebs senken. Dies sind die Gründe, weshalb die Pille zu den am häufigsten angewendeten Mitteln in der Schwangerschaftsverhütung gehört.

Ist die Einnahme risikoreicher, wenn man die Pille als Lifestyleprodukt anwendet?

Dass die Pille neben einem zuverlässigen Verhütungsschutz auch noch andere positive Nebeneffekte mit sich bringt, ist weit bekannt und auch bewiesen. So wurde bereits in den neunziger Jahren von amerikanischen Herstellern die Pille als „Lifestyle-Drug“ beworben, indem sie sich auf die sekundären Effekte der hormonellen Verhütungsmethode konzentrierten. Tatsächlich wirkt sich die Pille positiv auf das Hautbild, das prämenstruelle Syndrom und Menstruationsbeschwerden aus. Da die Pille allerdings ein Arzneimittel ist, das mit ernsthaften Nebenwirkungen verbunden sein kann, darf sie nicht aus rein kosmetischen Gründen verschrieben werden.

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Beverley Kugler ist seit November 2018 die ärztliche Leiterin von Zava Deutschland. Sie studierte Medizin am University College London (UCL) und schloss das Studium 2010 mit Auszeichnung ab. Im Anschluss war sie an verschiedenen Krankenhäusern in London tätig, bevor sie 2016 Teil des deutschen Ärzteteams von Zava wurde.

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