Tennisarm

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 22 Feb 2021

Einen Tennisarm bekommt nur, wer Tennis spielt? Nicht ganz: Grundsätzlich kann jeder Mensch, der seine Arme besonders stark oder durch immer gleiche Bewegungsabläufe belastet, daran leiden. Die Beschwerden sind dann oft langwierig. Lesen Sie hier, wie Sie einen Tennisarm erkennen, wie die Behandlung beim Arzt aussieht und welche Übungen Sie auch in Eigenregie durchführen können.

Inhalt
Mann mit dunklem Bart hält seinen Ellenbogen

Kurzübersicht

Definition: Beim Tennisarm (medizinisch auch Epicondylitis) sind Sehnen im betroffenen Unterarm so stark überlastet, dass es zu Schmerzen und mitunter auch zu einer Entzündung kommen kann. Besonders anfällig dafür sind Menschen mittleren Alters.

Symptome: Typischerweise treten Schmerzen auf der äußeren Seite des Ellenbogens auf. Sie können ausstrahlen – dann schmerzen zum Beispiel auch Unterarm und Hand.

Ursachen: Verantwortlich für einen Tennisarm ist Überlastung, insbesondere durch einseitige, regelmäßige und immer gleich ablaufende Bewegungen.

Behandlung: Zur Therapie gehört es, gerade anfangs den Auslöser zu meiden. Um die Beschwerden zu lindern, kommen unter anderem Schmerzmittel und entzündungshemmende Wirkstoffe, aber auch spezielle Übungen zum Einsatz.

Über den Tennisarm

Seinen etwas irreführenden Namen verdankt der Tennisarm der Tatsache, dass die Bewegungen beim Tennisspielen ein Paradebeispiel für seine Ursache darstellen: wiederholte, nahezu identische Bewegungsabläufe oder die starke Belastung eines Arms. Durch diese Überbeanspruchung entstehen am Ansatz bestimmter Sehnen im Unterarm kleinste Verletzungen. Sie können bis hin zu Entzündungen oder sogar zum Verschleiß der betroffenen Bereiche führen. Eine Entzündung der umliegenden Muskulatur spielt, anders als früher vermutet, keine Rolle.

Keineswegs entsteht ein Tennisarm (oder auch Tennisellenbogen) aber nur bei Tennisspielern. Zur Risikogruppe gehören alle Menschen, die mit dem Arm immer wieder dieselbe Bewegung ausführen; zum Beispiel Handwerker oder Berufsmusiker. Ärzte sprechen auch von einer Epicondylitis humeri lateralis. Der Begriff „Epicondylitis” meint eine Entzündung an einem Knochenvorsprung; „humeri lateralis” steht für die Außenseite des Oberarmknochens und gibt damit den Ort der Entzündung genauer an.

In vielen Fällen erkranken Menschen im mittleren Lebensalter von etwa 40-60 Jahren am Tennisarm – ab dieser Altersgruppe scheinen die Strukturen im Arm anfälliger für Schäden durch übermäßige Belastung zu sein. Eng verwandt ist das Phänomen mit dem Golferarm (auch Epicondylitis humeri medialis), also mit Beschwerden auf der Innenseite des Ellenbogens.

Symptome und Verlauf

Ein Tennisarm gibt sich oftmals durch einige charakteristische Beschwerden zu erkennen. Dazu gehören:

  • Schmerzen auf der äußeren Seite des Ellenbogens
  • ausstrahlende Schmerzen im Ober- und Unterarm sowie im Bereich des Handgelenks
  • eingeschränkte Bewegungsfähigkeit des Arms
  • Schwierigkeiten beim Zupacken
  • gefühlt weniger Kraft im betroffenen Arm

In der Anfangsphase äußern sich die Symptome meist nur bei typischen Bewegungen. Der Schmerz flammt auf, wenn auf empfindliche Bereiche am Ellenbogen oder Unterarm Druck ausgeübt wird. Je weiter die Überlastung fortschreitet, desto häufiger schmerzt der Arm auch bei geringer Belastung oder sogar in Ruhe. In diesem Stadium ist die Beweglichkeit des Arms und seine Fähigkeit, Kraft auszuüben, meist stark eingeschränkt. Bis zur vollständigen Ausheilung kann es dann mehrere Monate dauern, seltener sogar länger als 1 Jahr.

Sie bemerken Beschwerden bei sich, die auf einen Tennisellenbogen hinweisen könnten? Gehen Sie am besten zeitnah zum Arzt: Wenn der Tennisarm frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass er sich verschlimmert oder wiederkehrt.

Ursachen: Warum ein Tennisarm entsteht

Zwei Arten von Bewegungen begünstigen einen Tennisarm:

  • Bewegungen, die den Unterarm und Ellenbogen plötzlich und stark beanspruchen.
  • Bewegungen, die den Arm einseitig belasten und sowohl besonders häufig als auch immer gleich ausgeführt werden.

Die Folge kann in beiden Fällen dieselbe sein: Die Sehnenansätze am Ellenbogen werden so stark belastet, dass kleinste Verletzungen aufkommen. Diese Läsionen verursachen unter Umständen eine Entzündung der betroffenen Sehne oder langfristig ihren Verschleiß.

Entsteht ein Tennisarm, zieht das vor allem die Sehnen an der Außenseite des Ellenbogens in Mitleidenschaft. Sie sind in erster Linie dafür verantwortlich, dass wir unser Handgelenk strecken können. Greifen, Heben oder Strecken tragen hier also mitunter zu einem Tennisarm bei.

Soweit die Theorie. Aber bei welchen Bewegungen kann es konkret zur Epicondylitis kommen? Typische Beispiele sind:

  • Klavierspielen
  • häufiges Tippen am Handy
  • regelmäßiges Häkeln oder Stricken
  • Arbeit an der Kasse
  • Computertätigkeiten (besonders die Arbeit mit der Maus)
  • Schreinern
  • Malern
  • Krafttraining
  • Tennis
  • Rudern
  • schweres Heben

Seltener entwickelt sich der Tennisellenbogen auch dann, wenn die Sehnenansätze durch einen Sturz, eine Operation oder eine Gelenkerkrankung Schaden nehmen. Dazu ziehen Experten Risikofaktoren wie schwache Muskeln in den Unterarmen oder mittleres bis höheres Lebensalter in Betracht. Etwa ab dem 40. Lebensjahr können die Strukturen im Arm nämlich an Widerstandskraft und die Sehnen an Elastizität verlieren.

Was macht der Arzt bei einem Tennisarm?

Treten Schmerzen am oder um den Ellenbogen sowie an anderen Bereichen des Arms auf, sollten Sie zum Hausarzt gehen. Egal, was tatsächlich dahintersteckt: Eine frühzeitige Diagnose kann zu einer schnellen und richtigen Behandlung beitragen und Ihnen damit viele Schmerzen ersparen.

Gehen Ihre Beschwerden auf einen Tennisarm zurück, fokussiert sich der Arzt auf 3 Punkte: die Linderung akuter Symptome, die Identifikation des Auslösers und eine passende Vorbeugung, um künftige Probleme mit den Sehnenansätzen zu umgehen. Krankschreiben wird Sie der Fachmann nur, wenn der Tennisarm auf Ihre berufliche Tätigkeit zurückzuführen ist. Dann kann es passieren, dass der Arzt Sie für etwa 2-3 Wochen als arbeitsunfähig einstuft.

Für eine Krankschreibung müssen Sie nicht extra das Haus verlassen: Bei einem Termin in der Telefon- oder Videosprechstunde von Zava können Sie ganz einfach auch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhalten.

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Diagnose

Wie genau geht der Arzt bei der Diagnose eines Tennisarms vor? Besonders hilfreich ist es für ihn, wenn

  • Sie die Beschwerden möglichst genau beschreiben.
  • er den betroffenen Arm in Augenschein nehmen kann.
  • Sie unter seiner Anleitung bestimmte Bewegungen ausführen, die beim Tennisarm typischerweise Schmerzen verursachen.

Den Verdacht erhärten hier beispielsweise Bewegungen, bei denen Sie die ganze Hand oder nur den Mittelfinger trotz eines Widerstands ausstrecken oder nach oben drücken sollen. Bringt die Untersuchung kein eindeutiges Ergebnis oder könnte eine andere Erkrankung für die Schmerzen verantwortlich sein, stehen dem Arzt bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen zur Verfügung.

Behandlung

Hat der Arzt einen Tennisarm als Ursache für Ihre Schmerzen ausgemacht, geht er gemeinsam mit Ihnen die Therapie an. Zu Anfang geht es vor allem darum, die akuten Schmerzen zu lindern und Ihnen so Erleichterung zu verschaffen. Dabei unterstützen gängige Optionen wie:

  • Schmerzmittel: Diese Präparate können kurzfristig gegen die Schmerzen helfen. Zur Verfügung stehen Tabletten, aber beispielsweise auch Salben oder Gele, die direkt aufgetragen werden.
  • Kühlung: Neben Schmerzmitteln hilft vorsichtiges Kühlen dabei, die Beschwerden einzudämmen.
  • Bandage oder Spange: Spezielle Epicondylitis-Spangen werden ringförmig um die Stelle getragen, an der der Ellenbogen in den Unterarm übergeht. Das soll den dortigen Sehnen und Muskeln Entlastung bringen und so zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Tapen: Das Tapen des Ellenbogens und Unterarms kann einen ähnlichen Effekt haben wie Tennisarm-Bandagen. Dabei lassen Sie kinesiologisches Tape auf dem äußeren Arm anbringen – empfohlen wird dabei meist eine gerade Bahn über den Ellenbogen bis etwa zur Hälfte des Unterarms und ein X auf der oberen Außenseite des Ellenbogens.
  • Ultraschalltherapie: Durch die Bestrahlung mit Ultraschallwellen sollen die Strukturen im Arm wärmer und besser durchblutet werden. Die Behandlung wird in der Regel beim Physiotherapeuten angeboten und kann eine schnellere Heilung der Verletzungen an den Sehnenansätzen bewirken.
  • Injektionen in den Ellenbogen: Beim direkten Einspritzen von Wirkstoffen in den Ellenbogen ist die Studienlage bislang noch unklar – zum Einsatz kommen die Injektionen in der Regel erst, wenn andere Therapiemethoden keine oder nicht ausreichend Wirkung zeigen und die Schmerzen sehr stark sind. Der Arzt verwendet dann beispielsweise Kortikosteroide (entzündungslindernde Substanzen) oder Hyaluronsäure, die auch bei Arthrose gespritzt werden kann.
  • Stoßwellentherapie: Bei der Stoßwellentherapie wendet der Arzt oder Physiotherapeut spezielle Druckwellen an, um die Durchblutung im Arm zu erhöhen. Die Wirksamkeit ist hier ähnlich umstritten wie bei den Injektionen.

Anders als vielleicht instinktiv vermutet, hilft es dem Ellenbogen beim Tennisarm nicht, wenn er übermäßig geschont wird. Zwar ist es fürs Erste sinnvoll, die Bewegung zu meiden, die die Epicondylitis ausgelöst hat. Ansonsten empfehlen Ärzte aber viel eher bestimmte Übungen, die die Strukturen im Ellenbogen und Unterarm stärken.

Übungen gegen den Tennisarm

Bei Betroffenen, die unter Anleitung Ihres Arztes oder Physiotherapeuten Übungen zur Dehnung und Kräftigung ausführen, lässt sich oftmals eine Schmerzreduktion und sogar eine schnellere Heilung beobachten.

Probieren Sie zum Beispiel folgende Übungen aus:

  • Um den betroffenen Arm zu dehnen, strecken Sie ihn gerade vor sich aus, mit dem Handrücken nach oben. Die Hand selbst lassen Sie einfach locker nach unten hängen. Mit der anderen Hand greifen Sie nun die hängende Hand und ziehen Sie vorsichtig zu sich, also in Richtung Körper. Der Arm bleibt dabei weiterhin ausgestreckt. Versuchen Sie, die Position etwa eine halbe Minute zu halten und pausieren Sie dann etwa genauso lange. Wiederholen Sie den Ablauf anschließend 3 Mal.
  • Greifen Sie ein zusammengerolltes Handtuch mit beiden Händen. Die Handrücken zeigen dabei nach oben. Mit der betroffenen Hand wringen Sie das Handtuch nach vorne hin aus. Die andere Hand bewegt sich nicht. Die Übung können Sie beliebig oft wiederholen.

Am besten nehmen Sie sich mehrmals am Tag Zeit für Dehnungs- und Kräftigungsübungen.

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Wie Sie richtig vorbeugen

Um nach dem manchmal langwierigen Genesungsprozess einen erneuten Tennisarm zu vermeiden, sollten Sie Ihren Fokus auf Ihre persönliche Ursache legen: Ist es die Arbeit am Computer? Ihre Technik beim Klavierspielen? Oder sind vielleicht doch eher die Übungen beim Krafttraining schuld? Haben Sie den Auslöser entlarvt, gehen Sie ihn an:

  • Sorgen Sie beispielsweise für einen ergonomischen Arbeitsplatz.
  • Wärmen Sie sich vor körperlich anstrengenden Tätigkeiten ausreichend auf.
  • Lassen Sie sich beim Rudern, Krafttraining und Co. richtig anleiten – am besten von einem Profi.
  • Wenn Sie ein Instrument spielen, nehmen Sie ein paar Unterrichtsstunden und optimieren, falls nötig, Ihre Technik.
  • Denken Sie daran, bei der Arbeit regelmäßig kurze Pausen zu machen.
  • Ab und an kann es sich auch lohnen, eine Massage zu buchen.

Und ganz wichtig: Behalten Sie die Übungen bei, die Sie auch bei der Heilung unterstützt haben. Sie können nicht nur akute Beschwerden lindern, sondern auch maßgeblich zur Vorbeugung beitragen.

Was kann man gegen einen Tennisarm tun?

Um einen Tennisarm zu lindern, gibt es mehrere Möglichkeiten. Neben Kühlung und Schmerzmitteln haben sich insbesondere spezielle Bandagen und Übungen zur Dehnung sowie Kräftigung als hilfreich erwiesen. Lassen Sie sich hierzu auf jeden Fall von einem Arzt beraten.

Wie lange dauert es, bis ein Tennisarm geheilt ist?

Bis die kleinen Verletzungen an den Sehnenansätzen vollständig abgeklungen sind, kann es mehrere Wochen bis Monate dauern. Selten leiden Betroffene auch 1 Jahr oder länger unter Schmerzen.

Wann ist ein Tennisarm chronisch?

Von einem chronischen Tennisarm spricht der Arzt, wenn die Beschwerden länger als ein halbes Jahr andauern.

Wann muss ein Tennisarm operiert werden?

Ist der Tennisarm chronisch geworden oder bringen die Therapiemaßnahmen keine ausreichende Linderung, kann ein operativer Eingriff im Raum stehen. Dann verödet der Chirurg zum Beispiel Nerven, die an der Schmerzübertragung beteiligt sind, oder entfernt geschädigtes Gewebe.

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Dr. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Stellv. Ärztliche Leiterin Deutschland

Dr. Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava und vertritt zur Zeit Beverley Kugler als ärztliche Leiterin. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei Zava arbeitete Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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