Erektionsstörungen: Tabuthema mit Folgen

Keine reine „Altmännerkrankheit”, kein Tabuthema – sondern ein übliches Krankheitsbild: die erektile Dysfunktion, die umgangssprachlich auch als Impotenz bezeichnet wird. Etliche Mythen kursieren um das Thema Impotenz, doch kaum jemand traut sich, die Problematik offen anzusprechen. Sind wir dafür noch zu prüde oder überwiegt die reine menschliche Scham?
Wir erklären Ihnen in diesem Report gemeinsam mit Dr. med. Ulrike Thieme, stellvertretende Ärztliche Leiterin bei ZAVA, was hinter den Mythen steckt, ob Mann wirklich allein mit dem Thema ist und welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf unser Sexualleben nimmt. Testen Sie sich vorher in unserem großen Quiz und finden Sie heraus, was Sie schon über erektile Dysfunktion wissen:
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Inhalt:

  • Zahlen, Daten und Fakten: Erektile Dysfunktion als Volkskrankheit?
  • Ist das Alter ausschlaggebend
    • Erektionsstörungen mit 20 Jahren
    • Erektionsprobleme: Männer unter 40 Jahren
  • Betroffene suchen selten Hilfe: Hindert das Stigma?
  • Totschweigen: Die Scham der Impotenz führt zu zahlreichen Problemen
  • Mythen rund um Erektionsstörungen
  • Erektionsstörungen und Corona
  • Das Schweigen brechen: Warum Männer erektile Dysfunktion nicht ignorieren sollten
  • Mutig sein! Was Männer mit Erektionsstörungen tun können
  • Fazit: Erektionsstörungen sind behandelbar: Der Gang zum Arzt hilft!

Zahlen, Daten und Fakten: Erektile Dysfunktion als Volkskrankheit?

Der Begriff der erektilen Dysfunktion wird im Volksmund oft mit der Impotenz gleichgesetzt. Jedoch fallen unter den Begriff der Impotenz weitere Funktionsstörungen. Die erektile Dysfunktion ist lediglich eines von vielen Problemen beim Geschlechtsverkehr. Weitere Begriffsklärungen finden Sie in unserem Beitrag Erektionsstörungen.
Was definiert eine erektile Dysfunktion?
Eine erektile Dysfunktion besteht dann, wenn in einem Zeitraum von 6 Monaten in über 70 Prozent der Fälle keine Erektion aufrechterhalten oder aufgebaut werden kann. Das Phänomen ist keine Seltenheit. Was alles unter eine erektile Dysfunktion fällt, wer davon betroffen ist und welche Ursachen infrage kommen, fassen wir hier in Kürze zusammen:
  • Jeder 5. Mann in Deutschland leidet unter Erektionsstörungen (22,3 %, Stand 2020; Ärzteblatt).
  • Je älter ein Mann wird, umso eher leidet er unter Erektionsproblemen:

Häufigkeit von Erektionsproblemen innerhalb des letzten Jahres (2019-2020) nach Altersgruppe

Here goes chart...

Quelle: Ärzteblatt

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  • Experten vermuten, dass bis zum Jahr 2025 bis zu 322 Millionen Männer weltweit an erektiler Dysfunktion leiden werden.
  • Die Ursachen der erektilen Dysfunktion können unterschiedlichen Ursprungs sein: Unter Umständen sind sie organisch, psychogen (psychisch bedingt), durch Erkrankungen oder deren Behandlung bedingt. Zu den häufigsten Ursachen zählen organische Gründe (75 Prozent). Jedoch spielen bei 15 Prozent der Betroffenen auch psychische Gründe eine Rolle, bei 10 Prozent sind es medikamentöse Gründe.
  • Zu den organischen Ursachen zählen folgende:

Die häufigsten Ursachen für Erektionsstörungen

Quelle: Zentrum für Erektionsstörungen

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  • 38 Prozent der Männer, die an einer Depression erkranken, leiden auch an erektiler Dysfunktion.
  • 84 Prozent der Männer in Deutschland haben Angst vor Potenzproblemen.
  • 4 von 10 Männern geben Stress die Schuld an Erektionsstörungen, gefolgt von Müdigkeit (36 Prozent), Angstzuständen (29 Prozent) und zu hohem Alkoholkonsum (26 Prozent).
  • 31 Prozent haben sich aufgrund des Problems sogar von einem Partner getrennt.
  • 25 Prozent haben wegen Erektionsstörungen ihr Selbstvertrauen bei der Partnersuche verloren.
  • 21 Prozent haben aufgrund der Störung psychische Probleme entwickelt.
  • 31 Prozent der betroffenen Männer in den 30ern haben VIAGRA® von einem Arzt verschrieben bekommen.
  • 33 Prozent der Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren gaben an, dass sie noch niemandem von ihrer erektilen Dysfunktion erzählt haben.
  • 9 Prozent haben ihre Erektionsstörung mit einem anderen Mann aus der Familie besprochen.
  • 43 Prozent der von Impotenz Betroffenen sagen, sie könnten das Thema nicht mit Freunden besprechen.

Ist das Alter ausschlaggebend?

Erektile Dysfunktion tritt nicht so selten auf wie von der Gesellschaft suggeriert. Die Herausforderung: Die meisten Männer sprechen nicht offen über ihre Erektionsprobleme. Millionen von Männern leiden darunter – und das nicht nur im fortgeschrittenen Alter. Die weitverbreitete Annahme, dass Erektionsprobleme bei jungen Männern nicht auftreten, ist ein Irrglaube. Erektile Dysfunktion kann auch junge Männer treffen.

Erektionsstörungen mit 20 Jahren

Das Klischeebild der Männer in ihren 20ern: jung, unbeschwert, voller Tatendrang und immer potent. Doch der Schein trügt, denn aus einer Studie von 2004 (Rosen, R. C., Fisher, W. A., Eardley, I., Niederberger, C., Nadel, A., & Sand, M.: The multinational Men's Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) study, 2004) geht hervor, dass die Häufigkeit für erektile Dysfunktion bei Männern in den 20ern bei 8 Prozent liegt. Jüngste Ergebnisse geben das Vorkommen einer Erektionsstörung bei den 18- bis 25-Jährigen mit 6,5 Prozent an. Eine Publikation von Mialon, Berchthold, Michaud, Gmel und Suris aus dem Jahr 2012 lässt sogar auf eine Häufigkeit von 30 Prozent bei den 18- bis 25-Jährigen schließen.
Ursachen für Erektionsprobleme im Alter von 20:
Viele Faktoren, die zu erektiler Dysfunktion beitragen, können in jedem Alter auftreten. Dazu gehören unter anderem körperliche und emotionale Faktoren – die beide für die sexuelle Aktivität wichtig sind.
Im Allgemeinen lassen sich 15 Prozent der Gründe für eine erektile Dysfunktion auf psychische Ursachen zurückführen. Insbesondere bei der jüngeren Generation liegt nahe, dass die Erektionsstörungen psychischer Natur sind: Stress, Beziehungsprobleme, hohe Erwartungen an das Sexualleben und Depressionen sind keine Seltenheit.

Erektionsprobleme: Männer unter 40 Jahren

Verschiedene Quellen kommen zu unterschiedlichen Antworten, doch eins steht fest: Impotenz fängt nicht erst im hohen Alter an. Ganz im Gegenteil: Selbst die unter 20-Jährigen werden mit Impotenz konfrontiert. Wiederkehrende oder anhaltende erektile Dysfunktion ist üblicherweise ein Problem des mittleren oder höheren Alters, jedoch trifft auch eine zunehmende Anzahl von jüngeren Männern diese Beschwerden. Fast jede 4. Neudiagnose der erektilen Dysfunktion fällt heutzutage auf einen Mann unter 40 Jahren.

Anteil von Männern mit sexuellen Problemen in Deutschland nach Altersgruppe und Problem im Jahr 2020

18-25 Jahre26-35 Jahre36-45 Jahre46-55 Jahre56-65 Jahre66-75 Jahre05101520253035404550ErektionsproblemeVerfrühte EjakulationOrgasmusprobleme

Quelle: Statista 2021

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Betroffene suchen selten Hilfe: Hindert das Stigma?

Die wenigsten Männer wagen es, das Problem der erektilen Dysfunktion anzugehen und diagnostizieren zu lassen: Ausgehend von einer weltweiten Studie haben nur 17,6 Prozent der von Sexualstörungen betroffenen Männer in Deutschland medizinische Hilfe gesucht. Es besteht eine deutlich erkennbare Abweichung zwischen der Anzahl derer, die unter einer Sexualstörung leiden und derer, die medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
Doch warum lassen sich Männer so wenig zum Thema Sexualität beraten?
4 verschiedene Ansätze werden als Ursachen diskutiert:
  1. fehlender realer Leidensdruck
  2. allgemeine Hemmungen, ehrlich über das Thema zu sprechen: Der soziale Kontext bietet häufig kaum vertrauenswürdige „Safe Spaces”, um das Thema offen anzusprechen
  3. fehlende Kenntnisse über Behandlungsmöglichkeiten
  4. unzureichende Versorgungsangebote auf Seiten der Medizin
Insbesondere Punkt 2 hat Auswirkungen auf die Tabuisierung des Themas. Medien verzerren das Bild der Impotenz, Schlagzeilen zur Standfestigkeit dominieren das Internet und Mythen kursieren auf verschiedensten Foren. Sexualität hat in der Gesellschaft einen wichtigen, jedoch irreführenden und teilweise verzerrten Stellenwert. Für viele Männer (und Frauen) wird die Männlichkeit mit der Potenz des Mannes gleichgesetzt. Tiefe psychische Prozesse laufen bei uns ab: Wir bewegen uns trotz aufgeklärter Definitionen von Männlichkeit und Weiblichkeit weiterhin in diesem Denkmuster, wenn auch oft verdeckt oder unbewusst. Aus einer Umfrage geht sogar hervor, dass 84 Prozent der Männer Angst vor Potenzversagen haben. Eine Angst, die unbegründet ist – denn es ist ein Problem, das zwar jeden 5. Mann betrifft, jedoch gut behandelt werden kann.
Doch warum weicht die Gesellschaft trotz zunehmender Offenheit gegenüber dem Thema Sexualtität der Aufklärung und verbalen Behandlung von Impotenz weiterhin aus?
Auch Beziehungsprobleme werden selten thematisiert:
Erektile Dysfunktion ist nur eines der Themen, die in der Männerwelt ungerne kommuniziert werden: Über ein Drittel der Männer (35 Prozent) vermeidet es, bei aufkommenden Beziehungsproblemen mit Außenstehenden darüber zu sprechen – ein Defizit in der Kommunikation liegt vor. Durch die soziale Prägung werden Jungen bereits in ihrer frühen Kindheit dazu verleitet, Schmerzen oder Probleme eher zu ignorieren. Die soziale und mediale Umwelt steuert ebenfalls zu diesem Stereotyp bei.
Gerade der Umgang mit Gesundheit lässt hautnahe Rückschlüsse auf die Produktion des klassischen Männerbildes zu. Sein Profil wird direkt aus der körperlichen Beschaffenheit abgeleitet, etwa wie folgt:
Körpergröße = Stärke = Potenz = Männlichkeit
Eine in dieser Form interpretierte Männlichkeit wirkt sich negativ auf den Umgang mit gesundheitlichen Problemen aus.

Totschweigen: Die Scham der Impotenz führt zu zahlreichen Problemen

Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, in der Männer und Frauen meist wenig authentisch über Sex und die damit verbundenen Probleme und Herausforderungen sprechen. Was ist „richtig”, „falsch” oder „normal” beim Sex? Gibt es so etwas überhaupt? Wer definiert, wie man seine Sexualität auslebt? Aufklärung und Offenheit gegenüber dem Thema sind bis dato nicht überall verbreitet. Laut der Jugendsexualitätstudie aus dem Jahr 2019 halten sich 8 Prozent der Jungen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren für nicht aufgeklärt und 13 Prozent „wissen es nicht”. Was richtig, falsch oder völlig in Ordnung ist, wird meist von der Gesellschaft und den Medien definiert. So greifen laut der Studie ganze 62 Prozent der Jungen zwischen 14 und 17 Jahren beim Thema Aufklärung auf das Internet zurück. Die Scham scheint noch immer groß, sich in direktem Kontakt mit Mitmenschen über das Thema auszutauschen.
Das Schweigen der Gesellschaft zu Themen wie Sexualität und erektiler Dysfunktion hat Konsequenzen für die Forschung: Schwankungen in den Ergebnissen. Nicht nur Betroffene tappen damit im Dunkeln, auch Forscher und Mediziner können keine klaren Erkenntnisse aus den Umfragen ziehen. Durchgeführte Studien unterscheiden sich sehr in den Ergebnissen und sind schwer vergleichbar, denn die Selbsteinschätzung zu sexuellen Problemen schwankt bei Männern sehr stark.
In verschiedenen Ländern werden zusätzlich verschiedene Erhebungsmethoden herangezogen. Andere Erhebungen und das verzerrte Bild der Wahrnehmung führen ebenfalls zu uneindeutigen Erkenntnissen. So stießen Forscher auf Schwankungen der Häufigkeit im internationalen Raum zwischen 3 und 77 Prozent. Selbst Untersuchungen innerhalb Europas gaben ein Vorkommen zwischen 17 und 65 Prozent an. Demnach kann eine klare Erhebung des Krankheitsbilds aktuell nicht durchgeführt werden.
Die Fehleinschätzung und das Schweigen haben noch weitere Folgen:
Schon bei ersten Anzeichen des Krankheitsbildes sollten Betroffene einen Arzt konsultieren. Denn durch die rechtzeitige Abklärung mit dem Arzt können zukünftige Krankheitsbilder früh erkannt und gleichzeitig die Behandlung eingeleitet werden. In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass die erektile Dysfunktion ein erstes Anzeichen für chronische Herzkrankheit bei Männern sein kann.

Mythen rund um Erektionsstörungen

Um das Thema Erektionsstörungen kursieren eine Vielzahl an Mythen im Internet. Diese Mythen verunsichern viele. Unsere Expertin Dr. med. Ulrike Thieme klärt die prominentesten Mythen rund um das Thema erektile Dysfunktion auf:
Wer zu viel Zeit auf Social-Media-Plattformen verbringt, entwickelt eher Erektionsprobleme
Mythos: Zwar haben soziale Medien keinen direkten Einfluss auf die Potenz des Mannes, jedoch können sie helfen, über erektile Dysfunktion aufzuklären und deren Probleme mit Gleichgesinnten zu diskutieren.
Unsere Expertin Dr. med. Ulrike Thieme sagt: „Natürlich haben soziale Medien keinen direkten Einfluss auf die Potenz des Mannes. Allerdings können soziale Medien helfen, über die Thematik aufzuklären und zu sensibilisieren. Infolgedessen können Plattformen den Anstoß geben, über das Problem zu sprechen und den Patienten zu einem Gang zum Arzt motivieren.”
Häufiger Sex schützt vor Erektionsproblemen
Wahrheit: Eine bundesweite Studie der DGMG belegt, dass Männer, die mindestens einmal pro Woche Sex haben, deutlich weniger von Erektionsstörungen betroffen sind.
Radfahren macht impotent
Mythos: Eine norwegische Studie mit 260 Radfahrern ergab, dass zwischen einer erektilen Dysfunktion und Radfahren kein kausaler Zusammenhang hergestellt werden kann. Viel Sport und Bewegung könnten sogar eher ein Schutzfaktor dagegen sein.
Dr. med. Ulrike Thieme sagt: „Aufgrund des Sattels und der Sitzposition während des Radfahrens glauben viele, dass sich dies negativ auf die Potenz des Mannes auswirkt. Da Radfahren jedoch einen positiven Einfluss auf die körperliche Gesundheit hat, könnten dem eher positive Auswirkungen auf erektile Funktionen zugesprochen werden. Insgesamt ist es jedoch nicht möglich einen kausalen Zusammenhang zwischen erektiler Dysfunktion und Radfahren herzustellen.
Erektionsprobleme bedeuten auch Unfruchtbarkeit
Mythos: Erektile Dysfunktion und Unfruchtbarkeit hängen nicht zwingend zusammen. Ein unfruchtbarer Mann kann eine Erektion bekommen. Umgekehrt kann ein Mann mit gestörter Erektion dennoch fruchtbar sein. Es kommt auch vor, dass beide Erscheinungen gleichzeitig auftreten.
Enge Unterhosen führen zu Erektionsproblemen
Mythos: Das Tragen enger Unterhosen führt nicht zur erektilen Dysfunktion. Der Druck auf die Nerven und Gefäße ist nicht hoch genug.
Dr. med. Ulrike Thieme meint: „Auch wir kennen diesen Mythos: Zu enge Unterhosen oder auch Hosen würden aufgrund von Druck auf Nerven und Gefäße eine erektile Dysfunktion hervorrufen. Dem kann allerdings klar widersprochen werden, da solche Druckverhältnisse nicht ausreichen, um Schäden an den Gefäßen und Nerven auszulösen. Es handelt sich hierbei also um einen Irrglauben.”
Handystrahlung schadet der Fruchtbarkeit und sorgt für Erektionsstörungen
Mythos: Bisher konnte kein Zusammenhang zwischen Handystrahlung und (männlicher) Fruchtbarkeit hergestellt werden.
Je älter der Mann, desto häufiger treten Erektionsstörungen auf
Wahrheit: Im höheren Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an erektiler Dysfunktion zu leiden. Jedoch schließt dies nicht aus, dass auch jüngere Patienten von einer erektilen Dysfunktion betroffen sein können.
Unsere Expertin Dr. med. Ulrike Thieme sagt: „Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Erektionsproblemen zu leiden. Dies liegt an der zunehmenden Verschlechterung des Blutflusses und der Nervenversorgung durch Schäden kleiner Gefäße und Nerven, die mit steigendem biologischem Alter auftreten. Unter anderem können Faktoren wie Rauchen, Diabetes und Erkrankungen der Prostata diese Funktionsstörungen verstärken. Allerdings schließt dies nicht aus, dass möglicherweise auch jüngere Männer von einer erektilen Dysfunktion betroffen sind.”
Erektionsprobleme können Symptome einer psychischen Erkrankung sein
Wahrheit: Psychische Erkrankungen gehen oft mit medizinischen Erkrankungen einher. Folgende psychologische Faktoren können zu einer erektilen Dysfunktion führen:
  • Depressionen
  • Ängste
  • Stress
  • Selbstbewusstsein oder Nervosität beim Sex
  • Beziehungsprobleme
  • andere psychische Störungen
Sitzheizung (z. B. im Auto) macht impotent
Mythos: Eine Sitzheizung hat keinerlei Zusammenhang mit der Potenz oder Impotenz des Mannes, da die Einwirkung der Hitze zu gering ist.
Dr. med. Ulrike Thieme sagt: „Zwar ist Hitze dauerhaft nicht gesund für die Spermienproduktion, jedoch ist die Einwirkung durch eine Sitzheizung so gering, dass diese weder der Spermienproduktion noch der Potenz eines Mannes gefährlich werden könnte.”
Fleischesser werden schneller impotent
Wahrheit: Eine Ernährung mit wenig Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst und viel rotem Fleisch, vielen Vollfett-Milchprodukten, zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken ist mit einem erhöhten Risiko für erektile Dysfunktion verbunden.
Dr. med. Ulrike Thieme sagt: „Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil wirken sich förderlich auf die gesamte Gesundheit und das Wohlbefinden aus. So auch bei den erektilen Funktionen des Mannes. Da durch gesunde Ernährung viele essenzielle Nährstoffe und Vitamine aufgenommen werden, fördert dies die Durchblutung und wirkt sich somit positiv auf die Potenz des Mannes aus.”
Faule und unsportliche Menschen leiden öfter an Erektionsstörungen
Wahrheit: „Faulheit” per se lässt sich nur schwierig definieren. Allerdings verringern ein gesunder Lebensstil und sportliche Aktivität das Risiko, an einer erektilen Dysfunktion zu erkranken.
Zu viel Selbstbefriedigung macht impotent
Mythos: Nein, grundsätzlich führt auch häufige Masturbation nicht zu Impotenz. Wenn sich ein Mann zu sehr an ganz bestimmte sexuelle Stimuli gewöhnt, kann es jedoch zu Erektionsstörungen kommen, sobald diese Reize fehlen.
Pornografiekonsum macht impotent
Mythos: Es gibt keine offizielle Studie, die einen Zusammenhang zwischen Pornografiekonsum und erektiler Dysfunktion belegt, jedoch ist es möglich, dass der regelmäßige Konsum unnatürliche und überhöhte Erwartungen an das eigene Sexualleben weckt, die sich negativ auf die Potenz des Mannes auswirken.
Austern, Ingwer, Fisch? “Falsches” Essen macht impotent !
Mythos: Ganz im Gegenteil: Austern sind natürliche Potenzmittel. Durch ihren hohen Anteil an Zink stärken sie die Produktion von Testosteron und somit auch die männliche Potenz. Außerdem steigern die Omega-3-Fettsäuren den Blutfluss und wirken sich damit begünstigend auf die Potenz aus. Dies gilt auch für andere Fischarten und Lebensmittel wie Ingwer.
Zu viele Partys machen impotent
Naja fast! Nicht wahr und nicht falsch, denn: Rauchen und Alkohol können zu Impotenz führen. Eine Party ohne Alkohol und Rauchen wird aber weniger zur Impotenz führen. Doch wie steht es um die Sucht? Zwar zeigte eine Kölner Studie (Braun, M., et al., Epidemiology of erectile dysfunction: results of the »Cologne Male Survey«) keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Rauchen oder Alkohol und der erektilen Dysfunktion, dennoch könnte eine Verbindung bestehen. Vor allem häufiger Nikotinkonsum kann zu Durchblutungsstörungen und weiteren Erkrankungen führen. Dem Alkohol- und Nikotinkonsum alleine kann die Ursache der Impotenz im Alter aber nicht zugeordnet werden. Den Folgeerkrankungen, die durch regelmäßigen Nikotin- und Alkoholkonsum entstehen, allerdings schon.
Impotenz kann nur mit OPs behandelt werden
Mythos: Eine Operation sollte immer der letzte Ausweg bei einer erektilen Dysfunktion sein. In vielen Fällen kann eine Erektionsstörung sehr gut mit Medikamenten, wie zum Beispiel Viagra, aus der Gruppe der sogenannten Phosphodiesterase-Hemmer behandelt werden. Ebenso kann die Umstellung des Lebensstils oder eine Psychotherapie helfen. In jedem Fall müssen vor der Behandlung die Gründe für die erektile Dysfunktion genau evaluiert werden, sodass der Arzt eine passende Behandlungsmöglichkeit vorschlagen kann.
Plastik sorgt für Impotenz
Wahrheit: Der Grundstoff für Plastik (Bisphenol A) kann der männlichen Potenz schaden. Dieser Plastikgrundstoff ist in beinah allen alltäglichen Gegenständen enthalten.
Zu viel Sex macht impotent
Mythos: Häufiger Sex macht nicht impotent. Auch gibt es keine begrenzte Menge des männlichen Ejakulats, da es stetig nachproduziert wird.

Erektionsstörungen und Corona

Erektionsstörungen während der Corona-Pandemie: Wie sich die psychische Belastung auf die Sexualität auswirkt
Eine Zunahme psychisch bedingter Störungen durch die Corona-Krise wird von vielen Fachärzten erwartet und bereits beobachtet. Depressionen werden aktuell von 79 Prozent der befragten Psychiater und Psychotherapeuten häufiger behandelt.
Eine häufige Ursache für erektile Dysfunktion sind Depressionen. Bei 38 Prozent der Männer, die unter Depressionen leiden, geht die erektile Dysfunktion mit ihrer psychischen Erkrankung einher. Keine Überraschung, denn: Depressionen weisen nicht nur psychische, sondern auch eine Reihe von physischen Symptomen auf. Selbst ein im gesunden Zustand erfülltes Sexualleben kann unter der Krankheit leiden. Auch therapiebegleitende Medikamente begünstigen mitunter eine erektile Dysfunktion.
Die Chance, dass nach und während der Corona-Pandemie mehr Menschen an einer erektilen Dysfunktion leiden werden, ist durch den Anstieg an psychisch bedingten Erkrankungen erhöht, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, sowie Mitglied des medizinischen Beirats und Autor bei der Online-Arztpraxis ZAVA:
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Corona bedeutet für viele: psychische Belastung. Die einen treiben Geld- und Existenzängste um, die anderen bekommen zu wenig Bewegung und die wieder nächsten sehen ihre Beziehungen auf die Probe gestellt. Diese Situationen bedeuten vor allem Stress. Für die Seele und auch für den Körper. Solche Ängste, depressive Verstimmungen oder gar ausgewachsene Depressionen spiegeln sich auch in der Sexualität wider. So ist es durchaus möglich, dass in der Pandemie nicht nur mehr Männer an erektiler Dysfunktion leiden, sondern die Nachwirkungen auch noch nach der Pandemie zu erkennen sein werden.

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Mitglied des medizinischen Beirats und Autor bei ZAVA
Erektionsstörungen durch Corona-Infektion: Potenzstörungen als Long-COVID-Symptom Ein kleiner Teil der mit dem neuartigen Coronavirus Infizierten leidet auch noch Monate später an den Folgen. Das neuartige Coronavirus greift nicht nur in der akuten Phase die Lunge an, in einigen Fällen kann es auch langfristige Gesundheitsschäden verursachen. Noch immer bleiben Fragen zu den möglichen langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit offen. Derzeit sind die Langzeitfolgen von COVID-19 eines der meisterforschten Felder in der Medizin. Ob die erektile Dysfunktion auch eine der häufiger aufkommenden Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion sein wird, wird momentan geklärt.
Eine weitere Studie (Evaluation of SARS-CoV-2 in Human Semen and Effect on Total Sperm Number: A Prospective Observational Study) stellt den Zusammenhang zwischen der vom Virus verursachten endothelialen Dysfunktion und der erektilen Dysfunktion her. Das Virus kann in die Zellen, die die Blutgefäße auskleiden (Endothelzellen) und den Penis mit Blut versorgen, eindringen und somit zu erektiler Dysfunktion führen.
Themen, die in dieser Studie nicht geklärt werden:
  • ob der Schweregrad der erektilen Dysfunktion mit dem Schweregrad von COVID-19 übereinstimmt
  • die wahre Häufigkeit der erektilen Dysfunktion unter COVID-19-Überlebenden
1. Vaskuläre Effekte (vaskulär = die Gefäße betreffend)
Die erektile Dysfunktion ist eine Vorhersagevariable für Herzkrankheiten. Das Gefäß- und das Fortpflanzungssystem sind miteinander verbunden. COVID-19 kann eine Hyperinflammation im ganzen Körper verursachen, besonders im Herzen und den umliegenden Muskeln. Die Blutzufuhr zum Penis kann durch eine neue oder verstärkte Gefäßerkrankung, die durch das Virus verursacht wird, blockiert oder verengt werden.
2. Psychologische Auswirkungen
Das Sexualleben ist eng mit der psychischen Gesundheit verbunden. Der Stress, die Angst und die Depression, die gegebenenfalls durch das Virus und die Pandemie verursacht werden, können mit sexueller Dysfunktion und fehlender Libido verbunden sein.
Somit sind sekundäre Langzeitfolgen durch Depressionen möglich, denn Angstzustände oder Depressionen wurden laut einer Studie bei 23 Prozent der an Corona erkrankten Patienten angegeben. Zusätzlich kann erwartet werden, dass die durch Depressionen aufkommende erektile Dysfunktion in der Bevölkerung ansteigen wird.
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Genaue Zahlen können hierzu nicht vorhergesagt werden. Genauso wie die Pandemie selbst kann sich auch ihr Einfluss auf die Zahlen, die Ausprägung und sekundäre Folgen psychologischer Syndrome wandeln. Hinzu kommt, dass nicht genügend Erfahrungswerte mit derartigen globalen Ereignissen in der modernen Zeit vorliegen, die eine vorläufige Einschätzung erlauben. Aus diesem Grund ist und bleibt es wichtig, die psychische Gesundheit im Auge zu behalten, um rechtzeitig auf Probleme eingehen zu können.

Dr. med. Ulrike Thieme – stellvertretende Ärztliche Leiterin bei ZAVA
Sind Männer mit erektiler Dysfunktion anfälliger für eine COVID-19 Infektion? Eine Studie aus Italien weist darauf hin, dass das Vorhandensein von erektiler Dysfunktion auch die Anfälligkeit von Männern für eine SARS-CoV-2-Infektion erhöht. Demnach weisen Männer mit erektiler Dysfunktion ein mehr als fünfmal so hohes Risiko auf, an COVID-19 zu erkranken. Für Männer, die bereits an COVID-19 erkrankt waren, war das geschätzte Risiko, eine erektile Dysfunktion zu entwickeln, um mehr als das Fünffache höher. Diese Zahlen blieben auch nach Berücksichtigung anderer Faktoren bestehen.
Es handelte sich hierbei zwar um eine vorläufige Studie, jedoch weisen die Daten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einer COVID-19-Infektion und einer erektilen Dysfunktion hin.

Das Schweigen brechen: Warum Männer erektile Dysfunktion nicht ignorieren sollten

Sexuelle Probleme wie die erektile Dysfunktion stehen oft ganz oben auf der Liste der Erkrankungen, über die Menschen sich scheuen zu sprechen. Leider bedeutet die „Schweigen und Ignorieren"-Taktik, dass viele Betroffene einsam und im Stillen leiden.
Das Verschweigen des Problems führt zur dauerhaften Tabuisierung und macht die Datenerhebung und Forschung in der Thematik sehr schwierig. Betroffene können das Problem oft erst spät erkennen und behandeln lassen. Das Ignorieren von Erektionsproblemen kann sehr frustrierend sein, sowohl physisch als auch psychisch. Auch die eigentliche Ursache der Symptome kann unentdeckt bleiben. Offene Kommunikation und Akzeptanz helfen dabei, die Störung im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern und auf sie aufmerksam zu machen.

Soziales Stigma überwinden - mit dem Arzt sprechen

Körperliche Probleme auf sexueller Ebene können Betroffenen schnell das Gefühl vermitteln, ein Einzel- oder Ausnahmefall in der Gesellschaft zu sein. Fakt ist: Die erektile Dysfunktion stellt ein wiederkehrendes, häufiges und ernstzunehmendes gesundheitliches Problem dar. Jeder kann betroffen sein, sodass die Krankheit nicht mit einem bestimmten Maß an Männlichkeit oder Stärke gleichgesetzt werden darf.
Der erste Schritt, um die Scham zu überwinden, ist der Gang zum Arzt. In professionellem Austausch mit einem Arzt zu sprechen, hilft, das Tabu und die Scham zu brechen. So können die Symptome diagnostiziert und gezielt behandelt werden. Schwere Krankheitsverläufe lassen sich somit bestenfalls ausschließen.
Mit dem Partner sprechen Versagensängste und Stress können Auslöser der erektilen Dysfunktion sein, das steht fest. Das Problem gegenüber seinem Partner anzusprechen, kann erste Spannungen lösen und deutlich machen, dass Geschlechtsverkehr nicht an Erwartungen gekoppelt sein darf. Den meisten Betroffenen fällt die Kommunikation schwer, denn letztlich stellt sexuelle Dysfunktion nicht nur ein Problem für den Mann dar, sondern auch für das Paar. Wiederum kann Schweigen zu Vertrauensverlust, mehr Stress und anhaltenden Beziehungsproblemen führen. Das Schweigen zu brechen und das Thema als natürliches gesundheitliches Problem in der Beziehung zu sehen, welches nicht an eine schwindende Libido gekoppelt ist, ist ratsam.
Mangel auf Seiten der Ärzte Nicht nur auf Seiten der Patienten ist Arbeit zu leisten, auch Ärzte sind dazu aufgerufen, das Thema der erektilen Dysfunktion offener, breiter und bereitwilliger zu kommunizieren. Viele Versorgungsangebote werden momentan unzureichend angeboten.
Einschätzungen des Robert Kochs Instituts kommen auf erstaunliche Ergebnisse:
„Dazu zählt, dass die Verbreitung von sexuellen Funktionsstörungen von Seiten der Ärzteschaft teilweise unterschätzt wird. Auch bestehen Ängste, das Thema von sich aus anzusprechen, z. T. aufgrund mangelnder Kenntnisse. Danach befragt, ob ein Arzt/eine Ärztin routinemäßig gezielte Fragen nach sexuellen Problemen stellen sollte, bejahen dies jedoch laut GSSAB über die Hälfte der Männer in allen Altersgruppen.”
Um das Tabu zu brechen, sind zahlreiche Stimmen aus der Medizin notwendig. Offener Umgang und aktives Ansprechen der erektilen Dysfunktion sollte für Ärzte zur Norm gehören.
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Problematisch ist, dass Erektionsstörungen und deren Ursachen in verschiedenen medizinischen Fachrichtungen zwar thematisiert sind, in vielen Fällen aber nur eine Randnotiz darstellen. Wenn ein Thema wie Erektionsstörungen ohnehin schambehaftet ist, wird so der Zugang zu einer systematischen Ab- und Aufklärung leider zusätzlich erschwert. Ursachen für Erektionsstörungen sind nicht nur in der Urologie zu finden, auch wenn der erste und manchmal einzige Gang zum Urologen erfolgt. Wenn eine körperliche Ursache vermutet wird, lohnt es sich aber in jedem Fall diese abzuklären, da eine angemessene Behandlung hier auch einem Fortschreiten der Erektionsstörung entgegenwirken kann.

Dr. med. Ulrike Thieme – stellvertretende Ärztliche Leiterin bei ZAVA

Mutig sein! Was Männer mit Erektionsstörungen tun können

Die meisten Männer haben gelegentlich Schwierigkeiten damit, ihren Penis hart zu bekommen oder eine Erektion zu halten. Eine erektile Dysfunktion wird jedoch erst dann als besorgniserregend angesehen, wenn eine zufriedenstellende sexuelle Leistung über einen längeren Zeitraum nicht möglich war.
Seit der Entwicklung von Medikamenten wie VIAGRA®, die die Erektion stabilisieren, ist den meisten Menschen bewusst, dass erektile Dysfunktion ein behandelbarer medizinischer Zustand ist. Männer, die ein Problem mit ihrer sexuellen Leistungsfähigkeit haben, zögern jedoch weiterhin, ihren Arzt zu konsultieren. Für viele Betroffene bleibt das Problem ein zu schambehaftetes Thema. Dabei steht ihnen in der heutigen Zeit eine Reihe von Behandlungen zur Verfügung. Der erste Schritt ist der direkte Austausch mit dem Arzt.
Beziehungsprobleme, Stress und andere emotionale Zustände können Ursache für Sexualstörungen sein. Sich mit dem Partner zusammenzusetzen, kann helfen, erste Berührungsängste mit dem Thema zu überwinden und Lösungen sowie Ventile für emotionale Blockaden zu finden.
Psychologische Belastungen wie Stress und Depressionen sind häufige Ursachen von erektiler Dysfunktion. Damit einhergehender Leistungsdruck, steigender Alkoholkonsum oder andere Probleme können weitere Einflussfaktoren für eine vorübergehende erektile Dysfunktion sein. Um psychologische Blockaden zu lösen, empfehlen wir, mit einem Psychologen zu sprechen.
Medikamente, Operationen und Trainings sind Behandlungsmaßnahmen, die mit dem Arzt abgesprochen werden können. Insbesondere bei schwerwiegenden oder langfristigen Krankheitsbildern sollte ein Arzt konsultiert werden.

Fazit: Erektionsstörungen sind behandelbar: Der Gang zum Arzt hilft!

Sex wird häufig als Tabu- oder emotional stark aufgeladenes Thema gesehen, über das man sowohl als Betroffener als auch als Mediziner nur schwer sprechen kann. Dabei sind Erektionsstörungen gängig und treten in allen Altersgruppen auf. Es ist wichtig, dass Betroffene Mut zeigen und offen mit dem Thema umgehen lernen.
Sich der erektilen Dysfunktion zu stellen ist nicht einfach, medizinische Unterstützung nimmt jedoch die Last. So können Symptome bekämpft und schlimmere Krankheiten ausgeschlossen werden. Der erste Schritt ist somit: mit einer Vertrauensperson (Arzt, Partner, Freund oder Psychologe) zu reden und Lösungsansätze durchzusprechen.
Das veraltete Bild des starken und unverwüstlichen Mannes benötigt Zeit, um sich neu zu definieren. Potenzschwierigkeiten sind weder ein Zeichen von Schwäche noch von unzureichender „Männlichkeit”. Medien und Gesellschaft stehen in der Verantwortung, erektile Dysfunktion nicht als Versagen, sondern als gängiges Krankheitsbild zu akzeptieren und zu kommunizieren.
Proaktive Aufklärung seitens der Ärzte und intensivere Forschung sind notwendig, um das Stigma zu lösen und Männern eine Zukunft mit akzeptierten Krankheitsbildern zu ermöglichen.
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Erektile Dysfunktion kann ein peinliches Thema sein, besonders für junge Männer, aber es ist wichtig zu bedenken, dass das Problem Millionen von anderen Männern betrifft und dass es viele Behandlungsmöglichkeiten gibt. Es ist vielleicht nichts, was Sie gerne mit Ihren Freunden besprechen, aber holen Sie sich unbedingt ärztlichen Rat, wenn Sie sich Sorgen machen.

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Mitglied des medizinischen Beirats und Autor bei ZAVA
Quellen:
Primäre Quellen
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