Vorsorgeuntersuchungen für den Mann: Wann und warum?

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 18 Nov 2020

Mir fehlt doch nichts… Für einen Arzttermin habe ich keine Zeit… Haben Sie sich das auch schon einmal gedacht? Vielleicht gerade, wenn es um die jährliche Vorsorgeuntersuchung geht? Dann sind Sie nicht alleine. Gerade diese Termine werden häufig vor sich hergeschoben.

Inhalt

Unsere Ärztin Dr. Ulrike Thieme hat für Sie zusammengefasst, wann Sie zum Urologen gehen sollten, wie Sie Selbst-Checks durchführen können und ab welchem Alter welche Untersuchungen von der Krankenkasse gezahlt werden.

Wie oft sollten Männer zum Urologen?

Ein Besuch beim Urologen ist immer dann sinnvoll, wenn Probleme beim Wasserlassen, Erektionsstörungen, Schmerzen, Ausfluss, Blutungen oder Gewebsveränderungen, beispielsweise Knoten, im Intimbereich auftreten. Bei bestimmten Vorerkrankungen, zum Beispiel einem Hodenhochstand in der Kindheit, sollte generell eine jährliche Untersuchung stattfinden, da diese Patienten ein höheres Risiko für Hodentumore haben.

Hodenkrebs und auch Geschlechtskrankheiten sind in frühen Stadien sehr gut behandelbar. Die Spätfolgen können jedoch oft auch immens lebenseinschränkend oder sogar lebensbedrohlich sein. Der Gang zum Arzt ist somit bei allen Auffälligkeiten dringendst zu empfehlen. Risikogruppen sollten sich übrigens unabhängig von auftretenden oder ausbleibenden Symptomen regelmäßig untersuchen lassen. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der monatliche Selbst-Check. Mehr dazu auf unserer Seite zum Thema „Hoden richtig abtasten”.

Vorsorgeuntersuchungen für Männer

In diesem Abschnitt finden Sie eine Übersicht über alle, von der Krankenkasse bezahlten, Vorsorgeuntersuchungen für Männer. Zusätzlich sollten Sie ab dem 14. Lebensjahr Ihre Hoden monatlich selbst checken.

Vor 14 Jahren:

  • Kinderarzt: U- und J-Untersuchungen; Standard- und Auffrischungsimpfungen (z.B. Hepatitis B)

14-35 Jahre:

  • Urologe: Test auf sexuell übertragbare Krankheiten, bei risikoreichem Sexualverhalten (z.T. Selbstzahlerleistung)
  • Hausarzt: Impfpass mitbringen und Impfstatus überprüfen

Ab 35 Jahren:

  • Hausarzt: alle 2 Jahre Gesundheits-Check-up ab 35 (Herz-Kreislauf, Diabetes); außerdem Impfstatus überprüfen
  • Dermatologe: alle 2 Jahre Hautkrebs-Früherkennung

Ab 40 Jahren (Männer ab dem 40. Lebensjahr mit familiärer Vorbelastung):

  • Urologe: jedes Jahr Prostatakrebs-Früherkennung

Ab 45 Jahren:

  • Urologe: jedes Jahr Prostatakrebs-Früherkennung, äußere Geschlechtsorgane und Lymphknoten (bei familiärer Vorbelastung ab 40 Jahren)
  • Hausarzt: Impfstatus überprüfen

Ab 50 Jahren:

  • Hausarzt: jährliche Darmkrebs-Früherkennung mit Test auf Blut im Stuhl, außerdem Impfstatus überprüfen

Ab 55 Jahren:

  • Gastroenterologe: 2 Darmspiegelungen im Abstand von 10 Jahren oder alle 2 Jahre Test auf Blut im Stuhl
  • Hausarzt: Impfstatus überprüfen

Ab 65 Jahren:

Hodenkrebs: Früherkennung und Vorsorge

Hodenkrebs ist bei jungen Männern im Alter zwischen 20 und 25 Jahren die häufigste Krebsart. Da man diesen Krebs bei frühzeitiger Entdeckung mit moderner Chemotherapie und Bestrahlung sehr gut behandeln kann, ist es wichtig, ihn rechtzeitig zu entdecken. Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Überlebenschancen, weil sich so die Tumorzellen nicht im Körper ausbreiten können. Durch die Chemotherapie kommt es in der Regel jedoch zur Unfruchtbarkeit (Infertilität). Außerdem wird vorher meistens der betroffene Hoden chirurgisch entfernt (Orchiektomie).

Da es im Gegensatz zu den Brustkrebs- und Gebärmutterhalskrebsuntersuchungen keine Vorsorgeuntersuchung für Hodenkrebs gibt, sollten auch schon junge Männer ab der Pubertät ihre Hoden einmal pro Monat auf Veränderungen abtasten. Wer seine Hoden gut kennt und weiß, wie sie sich anfühlen, erkennt Veränderungen schnell.

Hoden richtig abtasten
Schritt-für-Schritt-Anleitung

Was sind Risikofaktoren für Hodenkrebs?

Das Risiko für die Entstehung von Hodenkrebs vergrößern:

  • Angeborene Leistenbrüche (Hernien)
  • Hodenhochstand (Kryptorchismus)
  • Familiäre Vorbelastung (nahe Verwandte mit bestimmten Krebsarten)
  • Unfruchtbarkeit (Infertilität)

Pendelhoden und Hodenhochstand

Knapp jedes 3. Frühgeborene (Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche) ist von Hodenhochstand (Kryptorchismus) betroffen. Hodenhochstand entsteht, wenn bei der Entwicklung des männlichen Fötus die Hoden unvollständig aus dem Bauch in den Hodensack wandern (Maldescensus testis). Nur ungefähr 3 von 100 reifen Neugeborenen (Geburt ab der 37. Schwangerschaftswoche) weisen einen Hodenhochstand auf.

Hodenhochstand geht in 75 % der Fälle in den ersten 6 Lebensmonaten von alleine weg. In den übrigen Fällen liegt meistens ein angeborener Leistenbruch vor (offener Processus vaginalis). Hier wird der Hodenhochstand durch einen kleinen operativen Eingriff beseitigt, da der Hoden nach den ersten 6 Lebensmonaten meist nicht von selbst in den Hodensack wandert. Beim Hodenhochstand können die Hoden im Bauch oder der Leiste bleiben.

Beim sogenannten Gleit- und Pendelhoden lässt sich die Position der Hoden z.B. durch Kälte variieren. Bleibt der Hodenhochstand bestehen, erhöhen sich das Risiko für Hodenkrebs um ein Vielfaches sowie die Gefahr der Entstehung einer Zeugungsunfähigkeit. Darüber hinaus steigt auch die Gefahr einer Hodenverdrehung (Hodentorsion) und eines Leistenbruchs.

Prostatavergrößerung und Prostatakrebs: So beugen Sie vor

Viele der typischen Männerkrankheiten betreffen das kastanienförmige Männerorgan, die Prostata (Vorsteherdrüse). Prostatakrebs (Prostatakarzinom), Prostatavergrößerung (benignes Prostatasyndrom) und die Prostataentzündung (Prostatitis) gehören neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen von älteren Männern.

Prostatakrebs ist vor Lungen- und Darmkrebs die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Deshalb ist es für Männer äußerst wichtig, die Prostata in regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen von einem Urologen checken zu lassen. Falls es zu einer Vergrößerung oder sonstigen Veränderung der Prostata kommt, sollte vom Arzt abgeklärt werden, ob die Veränderung gutartig oder bösartig ist.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen ab 45 Jahren die Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung beim Urologen. Bei familiärer Vorbelastung wird die Früherkennungsuntersuchung ab 40 Jahren empfohlen und übernommen, denn falls bereits der Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt ist, besteht ein höheres Risiko, ebenfalls Prostatakrebs zu entwickeln.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken jedes Jahr mehr als 50.000 Männer an Prostatakrebs. Erschreckend ist, dass das kostenlose Vorsorgeangebot der Krankenkassen von nur weniger als jedem 5. Mann wahrgenommen wird. Dies ist fatal, da bei einem früh erkannten Prostatakrebs gute Heilungschancen bestehen. Wird der Krebs zu spät erkannt und befinden sich bereits Metastasen im Becken und der Wirbelsäule, bestehen schlechtere Heilungschancen.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Stellv. Ärztliche Leiterin Deutschland

Dr. Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava und vertritt zur Zeit Beverley Kugler als ärztliche Leiterin. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei Zava arbeitete Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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