Vorsorgeuntersuchungen für den Mann: Wann und warum?

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. med. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 27 Okt 2021

„Mir fehlt doch nichts!”, „Für einen Arzttermin habe ich gar keine Zeit!”: Haben Sie sich das auch schon einmal gedacht? Vielleicht gerade, wenn es um Ihre Vorsorgeuntersuchungen ging? Dann sind Sie nicht alleine. Viele Männer schieben diese Termine vor sich her. So verständlich das auch sein mag – regelmäßige Check-ups sind essenziell, um Erkrankungen früh zu erkennen und rechtzeitig gegen sie vorzugehen. Wir haben für Sie zusammengefasst, wann Sie zum Arzt gehen sollten, wie Sie sich selbst untersuchen können und ab welchem Alter welche Untersuchungen empfohlen werden.

Inhalt
Vorsorgeuntersuchung für den Mann: Mann mittleren Alters sitzt in einem Wartezimmer.
 

Vorsorgeuntersuchungen für Männer – warum eigentlich?

Einige Erkrankungen machen direkt mit Beschwerden auf sich aufmerksam. Betroffene wissen sofort: Hier stimmt etwas nicht; die passende Behandlung ist gefragt. Andere Krankheiten entwickeln sich dagegen allmählich – manchmal sogar so schleichend, dass Symptome erst auffallen, wenn sie bereits weit fortgeschritten und möglicherweise schwierig zu therapieren sind. Genau bei dieser Problematik sollen sogenannte Vorsorgeuntersuchungen ansetzen.

Vorsorgeuntersuchungen – egal ob für Männer oder für Frauen – dienen dazu, solche langsam voranschreitenden Erkrankungen frühzeitig aufzuspüren. Eine zügige Diagnose und eine passende Behandlung können sie sowohl ausbremsen als auch dazu beitragen, lebensgefährliche Folgen abzuwenden. Das erhöht nicht nur die Chance auf eine vollständige Genesung, sondern steigert auch die Lebenserwartung.

Besonderes Augenmerk legen Ärzte bei den Vorsorgeuntersuchungen für Männer auf

  • hohen Blutdruck,
  • die koronare Herzkrankheit,
  • den Zustand der Prostata sowie der äußeren Geschlechtsorgane,
  • Diabetes und
  • Krebserkrankungen.

Übrigens: Die meisten Vorsorgeuntersuchungen sind in bestimmten zeitlichen Abschnitten vorgesehen – die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen. Für regelmäßig wahrgenommene Termine rechnen manche Versicherungen sogar Bonuspunkte an. Wer an diesen Programmen teilnimmt, kann von Prämien oder Vergünstigungen profitieren.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es für Männer?

Um typische Männerkrankheiten frühzeitig zu diagnostizieren, steht Medizinern eine Reihe verschiedener Vorsorgeuntersuchungen zur Verfügung. Dazu gehören:

  • Gesundheits-Check-Up: Hier untersucht Sie der Hausarzt ganz allgemein. Unter anderem misst er den Blutdruck, hört den Brustkorb ab, prüft individuelle Risikofaktoren wie Übergewicht und kontrolliert, ob Sie alle wichtigen Impfungen erhalten haben. Außerdem führt er eine Blutuntersuchung durch.
  • Hautkrebs-Screening: Für das Hautkrebs-Screening sind Hausärzte mit einer entsprechenden Fortbildung oder Dermatologen (Hautärzte) zuständig. Sie suchen dabei die Haut des gesamten Körpers nach Anzeichen für eine mögliche Hautkrebserkrankung ab.
  • Krebsfrüherkennungsuntersuchung der Genitalien und Prostata: Der Arzt, in der Regel ein Urologe, tastet Lymphknoten, Prostata und die äußeren Geschlechtsorgane nach Gewebeveränderungen ab. Zusätzlich nimmt er die Genitalien genau in Augenschein.
  • Früherkennung von Darmkrebs: Um den Zustand des Darms zu beurteilen, ist eine Darmspiegelung notwendig. Dabei führt der Arzt ganz vorsichtig einen dünnen Schlauch mit einer winzigen Kamera in den Verdauungstrakt ein. So kann er die dortigen Strukturen genau untersuchen und (wenn nötig) Proben entnehmen. Gegebenenfalls überprüft der Mediziner den Stuhlgang auf Spuren von Blut.
  • Früherkennung von Aneurysmen der Bauchschlagader: Ausbuchtungen, sogenannte Aneurysmen, der Bauchschlagader können im schlimmsten Fall einen lebensbedrohlichen Riss im Blutgefäß nach sich ziehen. Festgestellt werden sie mittels einer Ultraschalluntersuchung.

Sie möchten sich genauer informieren, was die einzelnen Untersuchungen beinhalten, oder sich generell zu Vorsorgeuntersuchungen beraten lassen? Über Ihr Patientenkonto stehen Ihnen unsere Ärzte gerne für Rückfragen zur Verfügung.

Vorsorgeuntersuchung für Männer – ab welchem Alter?

Bei der Vielzahl an Vorsorgeuntersuchungen für Männer ist es mitunter schwierig, den Überblick zu behalten. Welchen zeitlichen Rahmen empfehlen Ärzte?

Nicht vergessen: Zusätzlich sollten Sie ab dem 14. Lebensjahr Ihre Hoden monatlich selbst checken. Eine genaue Anleitung finden Sie in unserem Beitrag zum Thema „Abtasten der Hoden”.

Vor 14 Jahren

Bei Mädchen und Jungen unter 14 Jahren führt der Kinder- und Jugendarzt die sogenannten U- und J-Untersuchungen durch. Sie sind darauf ausgelegt, die Entwicklung nachzuverfolgen und Abweichungen von der Norm im Auge zu behalten. Zudem fallen bei diesen Checks Standard- und Auffrischungsimpfungen (z.B. gegen Hepatitis B) beziehungsweise eine Beratung rund um den Impfstatus an.

14-35 Jahre

Bis zu einem Alter von 35 Jahren sind bei Männern keine regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen. Sowohl Frauen als auch Männer haben allerdings Anspruch auf einen einmaligen Gesundheits-Check-Up. Bei Bedarf kann der Hausarzt den aktuellen Impfstatus überprüfen; möglich sind außerdem Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten (z.T. als Selbstzahlerleistungen).

Ab 35 Jahren

Bei Männern ab 35 Jahren geht der allgemeine Gesundheits-Check-Up in einen regelmäßigen Rhythmus über: Geplant ist er nun alle 3 Jahre. Einmalig kann im Rahmen der Untersuchung auch eine Ansteckung mit Hepatitis B oder C überprüft werden, die bisher unbemerkt (also symptomlos) verlaufen sein könnte.

Alle 2 Jahre gibt es die Möglichkeit, beim Dermatologen oder speziell ausgebildeten Hausarzt einen Termin zum Hautkrebs-Screening zu vereinbaren.

Ab 45 Jahren

Ab einem Alter von 45 Jahren werden die Vorsorgeuntersuchungen für Männer um die Krebsfrüherkennung im Bereich der Genitalien und Prostata ergänzt. Hier sollte ein jährlicher Termin beim Urologen stattfinden.

Ab 50 Jahren

Männer, die 50 Jahre alt sind, können sich entscheiden: Entweder sie wählen eine Stuhluntersuchung zur Darmkrebsvorsorge, die bis zu einem Alter von 54 Jahren jährlich durchgeführt wird, oder 2 Darmspiegelungen, die in einem zeitlichen Abstand von mindestens 10 Jahren stattfinden. Ab 55 Jahren kann der Test auf Blut im Stuhl alle 2 Jahre erfolgen, wenn Sie bis dahin noch keine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge wahrgenommen haben.

Ab 65 Jahren

Ab 65 Jahren haben Männer Anspruch auf einen einmaligen Ultraschall, bei dem der Arzt die Bauchschlagader auf mögliche Aneurysmen untersucht.

Wie oft sollen Männer zur Vorsorgeuntersuchung gehen?

Wie häufig Termine für Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sind, hängt zum einen vom Alter des Mannes und zum anderen von der jeweiligen Maßnahme ab. Eine regelmäßige, allgemeine Untersuchung gibt es mit dem Gesundheits-Check-Up, der ab einem Alter von 35 Jahren alle 3 Jahre stattfinden kann. Weitere regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kommen nach und nach dazu – je nachdem, ab wann statistisch betrachtet das Risiko für bestimmte Erkrankungen steigt.

Über die Nachrichtenfunktion in Ihrem Patientenkonto können Sie sich jederzeit auch an die Ärzte von ZAVA wenden – sie erklären Ihnen, ob und wann welche Maßnahmen für Sie infrage kommen.

Wie oft sollten Männer zum Urologen?

Ein Besuch beim Urologen ist immer dann sinnvoll, wenn

  • Probleme beim Wasserlassen,
  • Erektionsstörungen,
  • Schmerzen,
  • Ausfluss,
  • Blutungen oder
  • Gewebeveränderungen, bspw. Knoten, im Intimbereich auftreten.

Bei bestimmten Vorerkrankungen, zum Beispiel einem Hodenhochstand in der Kindheit, sollte generell eine jährliche Untersuchung stattfinden, da diese Patienten ein höheres Risiko für Hodentumore aufweisen.

Hodenkrebs und auch Geschlechtskrankheiten sind in frühen Stadien oft gut behandelbar. Die Spätfolgen können jedoch oft immens einschränken oder sogar lebensbedrohlich sein. Der Gang zum Arzt ist somit bei allen Auffälligkeiten dringendst zu empfehlen. Risikogruppen sollten sich unabhängig von auftretenden oder ausbleibenden Symptomen regelmäßig untersuchen lassen. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der monatliche Selbst-Check. Mehr dazu auf unserer Seite zum Thema „Hoden richtig abtasten”.

Hodenkrebs: Früherkennung und Vorsorge

Hodenkrebs ist bei jungen Männern im Alter zwischen 20 und 25 Jahren die häufigste Krebsart. Da man diesen Krebs bei frühzeitiger Diagnose mit moderner Chemotherapie und Bestrahlung sehr gut behandeln kann, ist es wichtig, ihn rechtzeitig zu entdecken. Je früher der Krebs festgestellt wird, desto besser sind die Überlebenschancen, weil sich so die Tumorzellen nicht im Körper ausbreiten können. Durch die Chemotherapie kommt es in der Regel jedoch zur Unfruchtbarkeit (Infertilität). Außerdem wird vorher meistens der betroffene Hoden chirurgisch entfernt (Orchiektomie).

Da es im Gegensatz zu den Brustkrebs- und Gebärmutterhalskrebsuntersuchungen bislang keine Vorsorgeuntersuchung für Hodenkrebs gibt, sollten auch schon junge Männer ab der Pubertät ihre Hoden 1-mal pro Monat auf Veränderungen abtasten. Wer seine Hoden gut kennt und weiß, wie sie sich anfühlen, nimmt Veränderungen schneller wahr.

Hoden richtig abtasten
Schritt-für-Schritt-Anleitung

Was sind Risikofaktoren für Hodenkrebs?

Das Risiko für die Entstehung von Hodenkrebs erhöhen:

  • angeborene Leistenbrüche (Hernien)
  • Hodenhochstand (Kryptorchismus)
  • eine familiäre Vorbelastung (nahe Verwandte sind in der Vergangenheit erkrankt)
  • Unfruchtbarkeit (Infertilität)

Hodenhochstand: Die wichtigsten Infos auf einen Blick

Knapp jedes 3. Frühgeborene (Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche) ist von Hodenhochstand (Kryptorchismus) betroffen. Hodenhochstand entsteht, wenn bei der Entwicklung des männlichen Fötus die Hoden unvollständig aus dem Bauch in den Hodensack wandern (Maldescensus testis). Nur ungefähr 3 von 100 reifen Neugeborenen (Geburt ab der 37. Schwangerschaftswoche) weisen einen Hodenhochstand auf.

Ein Hodenhochstand normalisiert sich in 75 % der Fälle in den ersten 6 Lebensmonaten von allein. In den übrigen Fällen liegt meist ein angeborener Leistenbruch vor (offener Processus vaginalis). Hier wird der Hodenhochstand durch einen kleinen operativen Eingriff beseitigt, da der Hoden nach den ersten 6 Lebensmonaten in der Regel nicht von selbst in den Hodensack wandert.

Bleibt ein Hodenhochstand bestehen, erhöht er das Risiko für Hodenkrebs sowie die Gefahr einer Zeugungsunfähigkeit um ein Vielfaches. Darüber hinaus kann sich eine Hodenverdrehung (Hodentorsion) oder ein Leistenbruch entwickeln.

Prostatavergrößerung und Prostatakrebs: So beugen Sie vor

Viele der typischen Männerkrankheiten betreffen die Prostata (Vorsteherdrüse), eine kastanienförmige Drüse beim Mann. Prostatakrebs (Prostatakarzinom), Prostatavergrößerung (benignes Prostatasyndrom) und die Prostataentzündung (Prostatitis) gehören neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen von Männern ab 50 Jahren.

Prostatakrebs ist vor Lungen- und Darmkrebs die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Deshalb ist es für Männer äußerst wichtig, die Prostata bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen von einem Urologen checken zu lassen. Falls es zu einer Vergrößerung oder sonstigen Veränderung der Prostata kommt, sollte vom Arzt abgeklärt werden, ob die Veränderung gutartig oder bösartig ist. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen ab 45 Jahren die Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung beim Urologen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken jedes Jahr mehr als 50.000 Männer an Prostatakrebs. Erschreckend ist, dass das kostenlose Vorsorgeangebot der Krankenkassen von weniger als jedem 5. Mann wahrgenommen wird. Dies ist fatal, da bei einem früh erkannten Prostatakrebs gute Heilungschancen bestehen. Wird der Krebs zu spät erkannt und befinden sich bereits Metastasen im Becken oder der Wirbelsäule, verringert sich die Wahrscheinlichkeit einer Genesung.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. med. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Medizinische Leiterin ZAVA Deutschland

Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA Deutschland und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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Letzte Änderung: 27 Okt 2021

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