Pille für den Mann

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. med. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 23 Jun 2022

Die Antibabypille für die Frau ist eines der beliebtesten Verhütungsmittel und wird von 47 % der sexuell aktiven Erwachsenen zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft verwendet. Die großen Vorteile der Pille liegen in einem hohen Einnahmekomfort und einem sehr geringen Risiko für eine Schwangerschaft, wenn die Pille wie vorgeschrieben eingenommen wird. Auch viele Männer wünschen sich eine ähnlich einfache Verhütungsmethode, mit der sie einerseits Eigenverantwortung für die Familienplanung übernehmen und andererseits ihre Partnerin entlasten können – zum Beispiel wenn die Frau die Pille nicht einnehmen kann oder aufgrund von Nebenwirkungen nicht verwenden möchte. Unterschiedliche Probleme in der Entwicklung haben bisher jedoch die Marktreife einer solchen Verhütungsmethode für den Mann weitgehend verhindert. Es existiert momentan also noch keine Pille für den Mann.

Inhalt
Pille für den Mann: Eine männliche Hand hält den Blister einer Verhütungspille.
 

Kurzübersicht

Definition: Als „Pille für den Mann” werden Medikamente bezeichnet, die von Männern zur Verhütung verwendet werden können. Es zählen nicht nur Pillen oder Tabletten dazu, sondern auch Spritzen, Gele und Implantate.

Wirkungsweise: Je nach Präparat soll die Pille für den Mann die Produktion oder die Funktionsfähigkeit der Spermien so weit einschränken, dass eine Schwangerschaft bei anderweitig ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht mehr möglich ist.

Vor- und Nachteile: Die Pille für den Mann ermöglicht eine selbstbestimmte Familienplanung für Männer. Zudem können sie die Verhütung übernehmen, wenn ihre Partnerin nicht medikamentös verhüten kann oder will. Mögliche Nachteile sind Nebenwirkungen oder eine eventuell andauernde Einschränkung der Zeugungsfähigkeit auch nach Absetzen der Pille für den Mann.

Verfügbarkeit: Es gibt aktuell noch keine Pille für den Mann. Mehrere Produkte befinden sich in der Entwicklung. Bis zur Marktreife vergehen vermutlich noch einige Jahre.

Was ist die Pille für den Mann?

Der Ausdruck „Pille für den Mann” wird stellvertretend für eine ganze Gruppe an Präparaten verwendet, die vom Mann angewendet werden können und nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft verhindern sollen. Im weiteren Sinne versteht man unter der Pille für den Mann nicht nur oral einzunehmende Medikamente, sondern auch Spritzen, Implantate oder Gele. Bisher gibt es unterschiedliche Ansätze, wie dies gelingen kann. Allerdings ist keiner davon bereits anwendungsreif. Aufgrund der Unterschiede im Sexualhormon-Stoffwechsel zwischen Männern und Frauen ist die Entwicklung einer zuverlässigen Verhütungspille bei Männern wesentlich komplizierter als bei Frauen.

Welche Ansätze für die Pille für den Mann werden derzeit verfolgt?

Es wird aktuell eine Reihe verschiedener Verhütungsmittel für Männer entwickelt. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Art der Anwendung, sondern teilweise auch ganz grundsätzlich im Wirkmechanismus. Man kann die Präparate in 3 Kategorien einteilen: hormonelle, nicht-hormonelle und mechanische Methoden.

Hormonelle Methoden

Sexualhormone regulieren die Reifung der Spermien in den Hoden. Insbesondere die beiden Hormone FSH und LH sind für eine korrekte Spermienproduktion wichtig. Die Ausschüttung von FSH und LH wird wiederum durch hohe Konzentrationen des Sexualhormons Testosteron gehemmt.

Ziel der hormonellen Verhütungsmethoden für Männer ist die Unterbrechung der hormonellen Regulation, damit die Spermienproduktion zum Erliegen kommt und keine Befruchtung einer Eizelle beim Geschlechtsverkehr stattfinden kann.

Verschiedene hormonelle Wirkstoffe werden teilweise bereits seit Jahrzehnten als Pille für den Mann erforscht. Das männliche Sexualhormon Testosteron und Varianten dieses Hormons, wie Testosteron-Undecanoat, führen zu einer Unterdrückung von FSH und LH und reduzieren so die Spermienzahl. Auch andere Wirkstoffe haben über leicht unterschiedliche Mechanismen den Effekt, dass die Ausschüttung von FSH und LH deutlich abnimmt.

Bei den hormonellen Methoden werden nicht nur eine Vielzahl an möglichen Wirkstoffen, sondern auch mehrere Arten der Verabreichung erforscht. Dazu zählen insbesondere:

  • Pillen
  • Spritzen
  • Implantate
  • Gele

Zusätzlich werden Kombinationen verschiedener Methoden untersucht, zum Beispiel die gemeinsame Anwendung eines Testosteron-Gels mit Progesteron-Tabletten. Aufgrund verschiedener Probleme wie starker Nebenwirkungen oder einer zu geringen Zuverlässigkeit hat es bislang noch keine hormonelle Methode bis zur Anwendungsreife gebracht.

Nicht-hormonelle Wirkstoffe

Wirkstoffe, die ohne Eingriff in den Hormonhaushalt für eine Empfängnisverhütung sorgen sollen, könnten in Zukunft als Tabletten oder in flüssiger Form angeboten werden. Es werden sowohl natürliche als auch künstlich hergestellte Wirkstoffe erforscht.

Die Wirkmechanismen sind dabei im Detail vielfältig, zielen aber meistens darauf ab, während der Anwendung die Funktion der Spermien zu stören. Es werden also weiterhin Spermien in den Hoden gebildet. Diese sind jedoch nicht mehr in der Lage, eine Eizelle zu befruchten. Um so einen Effekt zu erreichen, können bestimmte Enzyme oder Stoffwechselwege in den Spermien blockiert werden:

  • Der Retinsäure-Stoffwechsel ist wichtig für die Bildung funktionierender Spermien und kann mit sogenannten Bisdichloroacetyldiaminen (BDAD) blockiert werden.
  • Ein natürlicher Kandidat ist der Wirkstoff Gossypol aus der Baumwollpflanze.
  • Auch Extrakte der Pflanzen Justicia gendarussa und Tripterygium wilfordii könnten zukünftig mögliche nicht-hormonelle Verhütungsmittel für den Mann sein.

In Tests konnte bisher kein Wirkstoff hinreichend überzeugen, entweder aufgrund einer mangelnden Wirksamkeit, zu geringer Zuverlässigkeit oder zu starker Nebenwirkungen. Dies gilt auch für die pflanzlichen Kandidaten. Zudem spielen einige der infrage kommenden Stoffwechselwege auch in anderen Bereichen des Körpers eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei der Immunabwehr oder im Energiestoffwechsel. Bei Wirkstoffen, die in diese Reaktionen eingreifen, sind Langzeitbeobachtungen und eine besonders sorgfältige Prüfung vor der Zulassung nötig, um schwerwiegende Folgen sicher auszuschließen.

Mechanische Verhütung

Die einfachste und gleichzeitig am besten erprobte Methode ist die Verwendung von Kondomen. Die Spermien werden bei korrekter Verwendung am Übertritt in die Vagina gehindert, gleichzeitig schützen Kondome vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Gonorrhoe oder HIV.

Eine weitere, aber endgültige, mechanische Verhütungsmethode für Männer ist die Vasektomie. Dabei werden in einer kleinen Operation die Samenleiter durchtrennt, sodass beim Orgasmus keine Spermien mehr ejakuliert werden. Eine Vasektomie macht Männer permanent unfruchtbar und sollte daher nur nach abgeschlossener Familienplanung in Erwägung gezogen werden.

Eine neuere mechanische Verhütungsmethode, die sich noch in der Entwicklung befindet, ist das sogenannte Vasalgel. Dabei handelt es sich um ein flüssiges Kunststoffgel, das in den Samenleiter gespritzt wird und diesen verengt. Dadurch können Spermien den Samenleiter nicht mehr passieren. Auf diese Weise kommt es beim Orgasmus zur Ejakulation, ohne dass Spermien die Eizelle der Frau erreichen.

Besteht danach ein Schwangerschaftswunsch oder soll die Verhütungsmethode gewechselt werden, injiziert der Arzt ein Lösungsmittel in den Samenleiter und das Gel löst sich auf. Wie gut diese Art der Verhütung funktioniert und ob sie zuverlässig rückgängig gemacht werden kann, kann voraussichtlich erst dann endgültig beurteilt werden, wenn Vasalgel zugelassen wird.

Wird es in der nächsten Zeit eine Pille für den Mann auf dem Markt geben?

Einige Präparate wie Vasalgel sollten bereits in der Vergangenheit immer wieder einmal kurz vor der Zulassung stehen, allerdings stellten sich solche Meldungen leider stets als unzutreffend heraus.

Aufgrund der stagnierenden Forschung auf dem Gebiet der schwangerschaftsverhütenden Präparate beim Mann ist in der nächsten Zeit nicht mit einem zufriedenstellenden Medikament mit einer ähnlichen Sicherheit und Zuverlässigkeit wie der Antibabypille bei der Frau zu rechnen.

Kann ich als Mann mit frei verkäuflichen Mitteln verhüten?

Im Internet werden insbesondere pflanzliche Produkte wie Justicia gendarussa-Präparate als Verhütungsmittel für Männer beworben. Vom Kauf und der Anwendung dieser Produkte als Verhütungsmittel muss dringend abgeraten werden. Es gibt aktuell kein einziges Produkt, das nachweislich als zuverlässiges und gesundheitlich unbedenkliches Verhütungsmittel für Männer wirkt.

Mögliche Nachteile sind:

  • Die Produkte unterliegen keiner Kontrolle, deshalb gibt es keine Garantie, welche Stoffe darin überhaupt enthalten sind.
  • Es können Stoffe enthalten sein, die für Europa keine Zulassung haben, die giftig sind oder andere gesundheitliche Gefahren besitzen.
  • Die Einnahme kann Nebenwirkungen hervorrufen.
  • Es ist möglich, dass die Produkte mit anderen Medikamenten unbekannte Wechselwirkungen eingehen und so zu Gesundheitsschäden führen.
  • Je nach Inhaltsstoffen kann der Erwerb eine Straftat darstellen, beispielsweise wenn im Produkt Drogen enthalten sind.

Um sich vor einer ungewollten Schwangerschaft Ihrer Partnerin zu schützen, sollten Sie daher auf Kondome zurückgreifen oder mit Ihrer Partnerin besprechen, dass sie ein Verhütungsmittel für die Frau verwendet, beispielsweise die Antibabypille.

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Können Männer nicht einfach die Antibabypille für Frauen verwenden?

Nein, Männer sollten auf keinen Fall die Antibabypille für Frauen einnehmen. Die Antibabypille für Frauen ist speziell auf den weiblichen Hormonzyklus ausgelegt und sorgt dafür, dass die Reifung der Eizellen in den Eierstöcken unterdrückt wird. Wenn Männer die Antibabypille für Frauen verwenden, bietet dies daher keinen Schutz vor ungewollter Schwangerschaft. Es stört dagegen das hormonelle Gleichgewicht des Mannes.

Zudem besteht die Möglichkeit für das Auftreten von leichten oder auch schweren Nebenwirkungen. Dazu zählen unter anderem:

  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • Veränderungen der Stimmung oder der Libido
  • Wassereinlagerungen, Vergrößerung der Brüste
  • Veränderungen des Bart- und Haarwuchses

Was sind die Vorteile der Pille für den Mann?

Durch die Verhütung über eine Pille oder Spritze kann eine Schwangerschaft verhindert werden, wenn keine anderen Verhütungsmethoden zur Verfügung stehen. Auch wenn die Partnerin aufgrund von Nebenwirkungen keine Antibabypille einnehmen möchte oder kann, ist die Pille für den Mann eine Alternative. Zudem ergibt sich durch entsprechende Präparate für den Mann die Möglichkeit, die Verantwortung eines funktionierenden Schutzes vor ungewollter Schwangerschaft selbst zu tragen, falls er keine Kondome verwenden kann oder will.

Was sind die Nachteile der Pille für den Mann?

Wie bei allen Medikamenten wäre auch bei der Pille für den Mann mit Nebenwirkungen zu rechnen. In bisherigen Studien tauchten ähnliche Nebenwirkungen wie bei der Pille für die Frau auf, also beispielsweise Übelkeit, Gewichtsschwankungen, Libidoveränderungen oder Stimmungsschwankungen.

Eine weitere Frage ist, ob die Zeugungsfähigkeit nach dem Absetzen der Pille vollständig wieder hergestellt wird. Aktuell deuten die verfügbaren Daten darauf hin, dass die Spermienqualität und -menge innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten nach Ende der Medikamentenanwendung wieder auf das ursprüngliche Niveau zurückkehren. Eine abschließende Bewertung zu dieser Frage steht aber noch aus.

Wie sicher wäre die Pille für den Mann?

Die Sicherheit der jeweiligen Präparate unterscheidet sich nach dem Wirkmechanismus und kann noch nicht abschließend bewertet werden. Eine Zulassung für ein Präparat würde aber nur erteilt werden, wenn bei der Verwendung keine schwerwiegenden Sicherheitsrisiken bestehen. Außerdem müsste eine Pille für den Mann eine hohe Zuverlässigkeit beim Schutz vor ungewollter Schwangerschaft bieten und mindestens ähnlich sicher sein wie die Verwendung eines Kondoms. Glaubhafte Aussagen zur Sicherheit können aber erst getroffen werden, wenn ein konkretes Medikament zugelassen wird.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert die Pille für den Mann?

Es werden mehrere verschiedene Ansätze erforscht, die sich auch in ihrer Funktionsweise unterscheiden. Grundsätzlich soll die Pille für den Mann entweder die Produktion der Spermien hemmen oder ihre Funktionsfähigkeit einschränken und so die Zeugungsfähigkeit für die Dauer der Einnahme verhindern. Dafür testen Forscher derzeit sowohl hormonelle als auch nicht-hormonelle Wirkstoffe, von denen aber noch keiner marktreif ist.

Wann kommt die Pille für den Mann?

Es ist nicht sicher, ob oder wann eine zuverlässige Antibabypille für Männer auf den Markt kommt. Es wird seit rund 50 Jahren an einer Pille für den Mann geforscht und auch aktuell befinden sich mehrere Medikamente in der Entwicklung. Bislang ist aber kein Einführungsdatum sicher absehbar.

Warum gibt es keine Pille für den Mann?

Der Sexualhormonstoffwechsel und die Produktion der Spermien bei Männern funktionieren anders als die Reifung der Eizellen bei Frauen und unterliegen keinem geregelten, monatlichen Zyklus. Die Zahl der Spermien müsste daher mit Medikamenten permanent so stark reduziert werden, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist. Dies ist deutlich schwieriger zu erreichen als die Unterdrückung der Eizellreifung bei Frauen und hat bislang die Entwicklung einer zuverlässigen Pille für den Mann verhindert.

Wie kann ich als Mann verhüten?

Es existieren keine Medikamente für Männer, die eine zuverlässige Verhütung sicherstellen. Auch die Methode des Coitus interruptus stellt keine sichere Verhütung dar. Die einfachste Verhütungsmethode für Männer ist die Verwendung von Kondomen. Dadurch wird bei richtiger Anwendung nicht nur zuverlässig eine Schwangerschaft verhindert, sondern Sie schützen sich und Ihre Partnerin auch vor vielen Geschlechtskrankheiten. Eine weitere, allerdings permanente Verhütungsmethode für Männer ist die Vasektomie, also die chirurgische Durchtrennung der Samenleiter.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. med. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Medizinische Leiterin ZAVA Deutschland

Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA Deutschland und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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Letzte Änderung: 23 Jun 2022





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