Ausfluss aus der Scheide

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 13 Aug 2021

Obwohl viele Frauen Sekretausfluss aus der Scheide kennen, ist dies ein unangenehmes Thema. Dennoch ist ein gesteigerter Scheidenausfluss häufig und wird von Ärzten auch Fluor vaginalis, vaginaler Ausfluss oder vaginaler Fluor genannt. Etwa 20-30 % der Frauen leiden an vermehrtem Ausfluss aus der Scheide. Der Ausfluss kann unterschiedliche Ursachen haben, die im Folgenden näher beschrieben und erläutert werden. Zusätzlich wird ein Überblick über die Häufigkeit der einzelnen Ursachen gegeben.

Inhalt
Rosa Unterhose mit Ausfluss.

Wozu dient das natürliche Sekret aus der Scheide?

Das normalerweise saure weißliche und geruchlose Scheidensekret (pH-Wert 3,8 bis 4,5) dient in erster Linie als natürliche Abwehrbarriere für Keime. Es besteht aus Drüsensekret aus dem Gebärmutterhals, abgegebener Flüssigkeit (Transsudat) und Hautschüppchen aus der Scheide, die sehr glykogenreich sind. Glykogen ist eine Speicherform des Zuckers und wichtig für das Scheidenmilieu. Dort befinden sich zur Aufrechterhaltung des sauren Milieus Milchsäurebakterien, die durch die Zersetzung des Glykogens Milchsäure produzieren. Milchsäure ist für den sauren pH-Wert verantwortlich und stabilisiert die natürliche Flora der Scheide. Die Aufrechterhaltung der Scheidenflora ist wichtig, da Krankheitskeime im sauren Milieu weniger gut überleben und so eine natürliche Schutzbarriere aufgebaut wird.

Wie verändert sich das Scheidensekret im Zyklusverlauf?

Im normalen Zyklusverlauf unterliegt der Scheidenausfluss hormonellen Schwankungen. Eine Steigerung des Ausflusses findet vor allem in der Zyklusmitte statt – in der Zeit des Eisprungs. In der Zyklusmitte wird der Scheidenausfluss etwas klarer und weniger zäh. Auch vor dem Einsetzen der Regelblutung findet eine Vermehrung des Sekrets statt.

Woran erkennt man eine krankhafte Veränderung des Sekretes?

Ein verändertes Scheidensekret in Farbe, Beschaffenheit, Menge und Geruch kann vielfältige Ursachen haben.

Veränderungen finden sich bei

  • Infektionen (Pilze, Bakterien)
  • Entzündlichen Veränderungen der Scheide, der Eierstöcke und des Uterus
  • Falscher Intimpflege (Spülungen, Intimsprays)
  • Sexueller Erregung
  • Hormonveränderungen
  • Gynäkologischen Tumoren

Bei einem Mangel des Hormons Östrogen, das wichtig für den Menstruationszyklus ist, kommt es zu einer Veränderung des Ausflusses aus der Scheide. Auch das Hormon Gestagen, das neben Östrogen in der Schwangerschaft vermehrt ausgeschüttet wird, sorgt für eine Veränderung des Scheidensekrets. Östrogen ist im Zyklusverlauf in den fruchtbaren Tagen wichtig, um den Schleimpfropf aufzuweichen, der als natürliche Schutzbarriere normalerweise zäh und undurchlässig im Uterushals liegt. In der Zyklusmitte wird das Sekret der Gebärmutter durch den Östrogeneinfluss klarer und dünnflüssiger, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Welche Erreger können Ausfluss aus der Scheide verursachen?

Das Spektrum an Erregern, die einen Ausfluss aus der Scheide verursachen können, ist vielfältig. Im Folgenden wird auf die häufigsten Erreger mit typischen Symptomen und deren Behandlungsmöglichkeit eingegangen.

Bakterien

Streptokokken und Staphylokokken: Erreger aus der Kokkenfamilie führen zu Ausfluss, Jucken und Brennen sowie einem strengen Geruch aufgrund einer bakteriell bedingten Entzündung der Scheide. Oft handelt es sich um eine Mischinfektion verschiedener Erreger der Kokkenfamilie, sowie durch Gardnerella vaginalis und Enterobakterien. Gardnerella Vaginalis und Mykoplasmen sind mögliche Erreger der bakteriellen Vaginose. Die Infektion wird durch Antibiotika (Metronidazol oder Clindamycin) als Creme oder Tablette behandelt.

Wenn Sie früher schon unter einer bakteriellen Vaginose gelitten haben und die Symptome kennen, können sie sich bei ZAVA ein Rezept für ein entsprechendes Präparat ausstellen lassen. Anhand eines Online-Fragebogens ermitteln Ärzte, ob eine Behandlung medizinisch geeignet ist und stellen ein Rezept aus. Das Medikament wird per Post zugestellt oder kann in einer Apotheke in der Nähe abgeholt werden.

Falls Sie sich jedoch unsicher sind, kann auch zunächst ein Test auf Geschlechtskrankheiten sinnvoll sein.

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Chlamydien: Einen gesteigerten Ausfluss findet man ebenfalls bei einer zum Beispiel durch einen Harnwegsinfekt hervorgerufenen Chlamydieninfektion. Vor allem bei Frauen bleibt die Infektion oft asymptomatisch. Jedoch besteht die Gefahr einer aufsteigenden Infektion welche letztendlich zur Sterilität führen kann. Bei einer aufsteigenden Infektion, gelangen Keime aus der Scheidenregion über die Scheide bis zur Gebärmutter und den Eierstöcken und können hier eine Infektion und Schäden verursachen. Behandelt wird die Infektion durch Antibiotika wie Azithromycin, Doxycyclin oder Erythromycin.

Sie sind sich unsicher, ob es sich bei Ihnen um eine Chlamydieninfektion handeln könnte? Mit einem Chlamydien-Test-Kit können Sie sich ganz bequem von zuhause aus testen.

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Gonorrhoe: Auch bei Gonorrhoe (Tripper) kommt es zu einem gesteigerten Scheidenausfluss infolge einer Harnröhrenentzündung. Des Weiteren kann es zu Harnverhalt (Probleme beim Wasserlassen), analen Schmerzen, Schluckbeschwerden und einer eitrigen Entzündung der Hornhäute kommen. Der Ausfluss ist oft zu Beginn eitrig, später auch wässrig. Eine aufsteigende Infektion und Sterilität ist auch hier möglich. Behandelt wird die Gonorrhö bei vorliegender Entzündung der Harnröhre durch Cefixim oder Ceftriaxon. Jedoch werden bei diesen Medikamenten häufig Resistenzentwicklungen beobachtet. Dies bedeutet, dass das Medikament gegen den Erreger nicht mehr wirksam ist.

Sie sind sich unsicher, ob es sich bei Ihnen um Gonorrhoe (Tripper) handeln könnte? Mit einem Gonorrhoe-Test-Kit beziehungsweise einem Test für Chlamydien oder Gonorrhoe können Sie sich ganz bequem von zuhause aus testen.

Trichomonas vaginalis: Durch den Erreger Trichomonas vaginalis kann eine Trichomoniasis verursacht werden, die sich – wenn sie überhaupt symptomatisch wird – durch Scheidenausfluss und durch eine Entzündung von Harnröhre und Vagina zeigt. Männer sind oft die Überträger, merken aber selbst nichts von ihrer Infektion. Die Therapie besteht aus der Verabreichung von Metronidazol oder Tinidazol. Wenn bei Ihnen oder Ihrem Partner eine Trichomonaden-Infektion diagnostiziert wurde, können Ihnen unsere Ärzte ein Antibiotikum zur Behandlung von Trichomonaden verschreiben.

Mykoplasmen: Als letzte häufige bakterielle Ursache eines gesteigerten Ausflusses sind Mycoplasmen zu nennen (Mycoplasma Hominis und Mycoplasma Genitalium). Infektionen durch diese sehr kleinen Einzeller sind meist asymptomatisch, können jedoch neben dem gesteigerten Scheidenausfluss häufig Harnverhalt und Bauchschmerzen verursachen. Die Infektion wird ebenfalls mit Antibiotika behandelt (z.B. mit Azithromycin oder Clindamycin).

Viren

Herpes Viren: Auch Viren können zu einem gesteigerten Ausfluss führen. Hier ist vor allem das Herpes simplex Virus (HSV) zu nennen, welches sich bei einer Infektion zusätzlich zum Ausfluss durch schmerzhafte Bläschen und Geschwüre zeigt. Behandelt wird die Infektion z.B. durch Aciclovir. Die Infektionen mit Herpes simplex und die zugehörigen Symptome können immer wieder auftreten und selten auch die Gesäßregion (gluteale Region) befallen.

Humanes Papillomavirus: Eine wichtige, aber häufig unentdeckte Ursache für vaginalen Ausfluss, können Humane Papillomaviren (HPV) sein. Diese sind gleichzeitig auch ein Auslöser von Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen.

Pilze

Liegt eine Pilzinfektion vor, so finden sich neben dem gesteigerten Ausfluss, der oft weißlich-bröckelig ist, häufig Hautrötungen. Zudem äußert sich die Infektion in Jucken, Brennen und Schmerzen. Typische Erreger sind Candida albicans und Dermatophyten. Therapiert wird die Infektion mit Medikamenten, die die Wirkstoffe Nystatin oder Azole enthalten. Auch hier kann es zu einer Resistenzentwicklung kommen. Eine Infektion durch Pilze wird durch Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Adipositas und ein geschwächtes Immunsystem gefördert (z.B. aufgrund einer Chemotherapie, HIV-Infektion oder einer dauerhaften Kortisoneinnahme).

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Wie wird zwischen den einzelnen Krankheitsbildern unterschieden?

Eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung hilft dem Arzt, zwischen den Ursachen für die Veränderung des Scheidenausflusses zu unterscheiden. So finden sich zum Beispiel bei öfter wechselnden Sexualpartnern häufiger Pilzinfektionen. Daher ist es wichtig, im ärztlichen Gespräch offen über die Sexualkontakte zu reden. Auch die Schilderung der Symptome ist für den behandelnden Arzt hilfreich. So ist zum Beispiel ein starker Juckreiz in der Scheidenregion zusammen mit einem fischähnlichen weißlich-grauen Ausfluss hinweisend auf eine bakterielle Entzündung (Vaginose) der Scheide. Jedoch muss, besonders bei häufig wechselnden Sexualpartnern und dem Vorhandensein von Symptomen einer Infektion, auch an sexuell übertragbare Erkrankungen gedacht werden.

Weitere Abgrenzungen können durch spezifische Tests (z.B. einem Chlamydien-Gonorrhö-Test, einer pH-Wert Bestimmung des Scheidensekrets, dem Nachweis von Erregern im Sekret und Untersuchungen im Labor) erfolgen, sodass letztendlich die Ursache gefunden werden kann.

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Was ist bei krankhaften Veränderungen zu beachten?

Scheidenausfluss ist etwas ganz Normales. Die Menge des Ausflusses schwankt von Frau zu Frau und während des Zyklusverlaufes.

Auch wenn das Thema Scheidenausfluss für viele ein unangenehmes Thema ist, so ist es wichtig zu wissen, dass eine gesteigerte Sekretproduktion oft auf physiologische Ursachen, wie zum Beispiel Zyklusveränderungen oder sexuelle Erregung, zurückzuführen ist und bei vielen Frauen häufig vorkommt. Dennoch sollte bei länger bestehenden Auffälligkeiten, wie etwa veränderter Farbe, Konsistenz und Geruch, eine gynäkologische Abklärung erfolgen. Hierbei ist es wichtig, dass dem Arzt genaue Angaben über die Sekretbeschaffenheit, Symptombeginn, sonstige gesundheitsbezogene Auffälligkeiten, aber auch über Partnerschaft, gegebenenfalls wechselnde Geschlechtspartner und erfolgte Reise gemacht werden.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Stellv. Ärztliche Leiterin Deutschland

Dr. Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei ZAVA und vertritt zur Zeit Beverley Kugler als ärztliche Leiterin. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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