Der Pearl-Index

Wie ist der Pearl-Index entstanden und was sagt er aus?

Eine junge Frau recherchiert mit ihrem Smartphone, was der Pearl Index ist und was er aussagt.
Inhalt

Die Geschichte der Verhütung reicht bis ins Altertum zurück. Ein entscheidender Durchbruch gelang jedoch erst im Jahr 1930, als Kondome erstmals in großem Umfang produziert und verkauft werden konnten. Einen weiteren Meilenstein markiert das Jahr 1960, in dem die Antibabypille auf den Markt kam. Seitdem hat sich die Auswahl an Verhütungsmitteln vervielfacht.

Schon früh suchte man nach einem geeigneten Maßstab, um die verschiedenen Methoden miteinander zu vergleichen. Bis heute hat sich der sogenannte Pearl-Index durchgesetzt. Er wird nahezu überall angegeben, wo eine Bewertung von Verhütungsmethoden stattfindet. So ist der Pearl-Index bei vielen Antibabypillen auf dem Beipackzettel angegeben.

Mehr Informationen zur Sicherheit der einzelnen Methoden befinden sich in unserem Artikel über die sichersten Verhütungsmethoden. Hier erklärt Zava die wissenschaftliche Aussagekraft des Pearl-Index, stellt unterschiedliche Verhütungsmethoden vor und informiert über Vor- und Nachteile der Verhütungsmittel.

Was ist der Pearl-Index?

Der Pearl-Index lässt sich am Beispiel der Markteinführung einer Antibabypille erklären. Wenn ein Arzneimittelhersteller ein neues Präparat auf den Markt bringt, wird in vielen Fällen eine Studie durchgeführt, bei der Frauen im gebärfähigen Alter die neue Pille über einen bestimmten Zeitraum hinweg einnehmen. Nach diesem Zeitraum wird festgestellt, wie viele Frauen trotzdem schwanger geworden sind. Am Ende erhält man bei Antibabypillen im Schnitt einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,9. Er sagt aus, dass von 1000 Frauen, die die Pille über ein Jahr zur Verhütung nehmen, eine bis neun Frauen trotzdem schwanger werden. Ob die Verhütung regelgerecht stattgefunden hat, kann man dem Pearl-Index jedoch nicht entnehmen.

Die Entstehung des Pearl-Index

Raymond Pearl, ein Biologieprofessor an der Johns Hopkins Universität in Baltimore, USA, beschäftigte sich in den 1920er- und 1930er-Jahren mit der Frage, wie Fruchtbarkeit wissenschaftlich und statistisch einwandfrei erfasst werden kann. Dazu veröffentlichte er im September 1933 eine Abhandlung in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet. In dieser Abhandlung beschreibt Pearl fünf wichtige Faktoren, um die Fruchtbarkeit statistisch zu erfassen:

  • die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs
  • die Häufigkeit des Auftretens einer Schwangerschaft in Relation zu der möglichen Häufigkeit (der Anzahl an Eisprüngen, siehe weiblicher Zyklus)
  • die Anzahl des Nachwuchses (ein Kind, Zwillinge, Drillinge, etc.)
  • die Anzahl fehlgeschlagener Schwangerschaften
  • und die Anzahl lebend geborener Kinder

Der heute gebräuchliche Pearl-Index wurde vereinfacht, um die Anwendung zu erleichtern. Die Ungenauigkeiten, die durch die Vereinfachung entstehen, sind gering und werden daher vernachlässigt.

Wenn ein Hersteller ein neues Verhütungsmittel auf den Markt bringen möchte, muss er vorher eine Studie durchführen, die den Nutzen beweist. Er muss zudem untersuchen, ob die Anwendung der Verhütungsmethode zu Schäden führen kann. Dafür wird eine möglichst große Gruppe von fruchtbaren, sexuell aktiven Frauen verschiedenen Alters gesucht, die über einen bestimmten Zeitraum ausschließlich mit der neuen Methode verhüten müssen. Am Ende wird gezählt, wie viele Frauen trotz Verhütung schwanger geworden sind. Diese Zahl wird ins Verhältnis gesetzt zu der Anzahl aller Frauen, die an der Studie teilgenommen haben. Wenn man diesen Wert mit 12 geteilt durch den Anwendungszeitraum multipiliziert, erhält man den Pearl-Index.

Die Berechnungsformel des Pearl-Index

Pearl-Index = (Schwangerschaften x 12 Monate x 100) / (Anwendungsmonate x Teilnehmerinnen der Studie)

Zur besseren Vergleichbarkeit wird der Wert normiert. Das heißt, dass man ihn auf Schwangerschaften je 100 Frauen im Jahr umrechnet. Damit sagt der Pearl-Index aus, wie viele von 100 Frauen schwanger werden, wenn Sie ein Jahr lang mit einer bestimmten Methode verhüten.

Es gibt zwei verschiedene Berechnungsarten des Pearl-Index, die aktuell Verwendung finden. Beim klassischen Pearl-Index werden alle Schwangerschaften im gesamten Versuchszeitraum berücksichtigt. Beim Perfect use oder Method Pearl-Index werden nur die Schwangerschaften berücksichtigt, die nach sachgemäßem, durchgängigen Gebrauch des Verhütungsmittels aufgetreten sind und nur die Zeiträume berücksichtigt, in denen das Verhütungsmittel durchgängig und richtig angewendet wurde. Dieser Wert ist normalerweise niedriger als der klassische Pearl-Index. Ohne Verhütung gibt der Pearl-Index die natürliche Fruchtbarkeit einer untersuchten Gruppe in einem bestimmten Zeitraum wieder. Dieser liegt etwa bei 85 im Zeitraum von einem Jahr.

Kritik am Pearl-Index

Dies ist einer der Kritikpunkte am Pearl-Index. Die Sicherheit einer Verhütungsmethode hängt entscheidend davon ab, dass sie richtig und durchgängig angewendet wird. Zusätzlich kann beispielsweise die Wirkung der Antibabypille von Medikamenten wie Antibiotika beeinflusst werden und so ungewollt eine Schwangerschaft auftreten. Des Weiteren berücksichtigt der Pearl-Index statistisch wichtige Parameter nicht, wie z. B. die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und er schreibt auch keine minimale Größe der untersuchten Gruppe vor. Je kleiner eine Gruppe, desto geringer ist die statistische Aussagekraft. Darüber hinaus sollte der Hersteller sicherstellen, dass allen Studienteilnehmern die Methode einheitlich und vollständig erklärt wird. Dies ist nicht immer der Fall und kann das Ergebnis beeinflussen.

Ein weiterer beeinflussender Faktor ist die Tatsache, dass über den gesamten Untersuchungszeitraum einer Studie eine konstante Fehler-Rate (Anzahl an Schwangerschaften) angenommen wird. Diese Annahme ist aus zwei Gründen falsch. Erstens ist davon auszugehen, dass fruchtbarere (oft jüngere) Paare auch früher im Untersuchungszeitraum schwanger werden und damit aus der Studie ausscheiden. Zweitens hängt die Sicherheit und Effektivität einer Verhütungsmethode ganz entscheidend von der Erfahrung der Anwender ab. Verbleiben Paare länger in einer Studie, steigt Ihre Erfahrung mit der Verhütungsmethode und die Sicherheit steigt automatisch. Die Fehlerrate sinkt.

Fazit

Trotz offensichtlicher Schwächen ist der Pearl-Index zur orientierenden Beurteilung von Verhütungsmethoden geeignet und findet seit über 80 Jahren eine breite Anwendung. Es sollte berücksichtigt werden, dass die Sicherheit einer Verhütungsmethode unabhängig vom Pearl-Index entscheidend von der Erfahrung der Sexualpartner mit dieser Methode und der richtigen Anwendung abhängt. Bei der Anwendung einer Verhütungsmethode sollten sich die Sexualpartner ausführlich mit der richtigen Anwendung und den möglichen Fehlerquellen vertraut machen.

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Kundenrezensionen
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