Kohlenhydratblocker – eine Hilfe beim Abnehmen?

Natalia Olaizola-Heil

Medizinisch geprüft von

Natalia Olaizola-Heil

Letzte Änderung: 27 Jan 2023

Zur Gewichtskontrolle oder bei Übergewicht setzen viele Menschen auf sogenannte Kohlenhydratblocker aus Drogerien, Apotheken oder Online-Shops: Denn die Nahrungsergänzungsmittel sollen die Verdauung von Zucker und Stärke einfach blockieren. Doch wie sinnvoll sind Kohlenhydratblocker? Können diese Präparate auch gefährlich sein? Und welche Alternativen gibt es? ZAVA klärt auf.

Inhalt
Kohlenhydratblocker zum Abnehmen in Tabletten- und Pulverform mit einem Maßband.
 

Was sind Kohlenhydratblocker?

Bei Kohlenhydratblockern handelt es sich um rezeptfrei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel oder Medizinprodukte – zugelassene Arzneimittel gibt es bisher nicht. Ähnlich wie Fettbinder sollen auch diese Produkte die Aufnahme von Nährstoffen aus den Hauptmahlzeiten hemmen. Laut Angaben der Hersteller können die Anwender so die Kalorienaufnahme aus der Nahrung verringern und dank eines gesenkten Blutzuckerspiegels auch Heißhungerattacken vorbeugen. Wie genau die verschiedenen Präparate die Verdauung der Kohlenhydrate aus der Nahrung unterbinden sollen, unterscheidet sich aber je nach Produkt.

Zu den Effekten von Kohlenhydratblockern auf den Körper gibt es bisher kaum verlässliche Studien. Denn im Gegensatz zu Arzneistoffen zum Abnehmen, wie zum Beispiel Liraglutid oder Orlistat, benötigen Nahrungsergänzungsmittel keine Zulassung. Das bedeutet: Behörden prüfen sie weder auf Wirksamkeit noch auf Sicherheit.

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Inhaltsstoffe: Welche Kohlenhydratblocker gibt es?

Der Abnehm-Effekt der verschiedenen Kohlenhydratblocker beruht auf einem bekannten Diät-Prinzip: Low Carb (engl. für „wenig Kohlenhydrate“). Die Bezeichnung fasst verschiedene Konzepte zur Ernährungsumstellung zusammen, bei denen vor allem kohlenhydratreiche Lebensmittel vom Speiseplan verschwinden sollen. Am bekanntesten ist dabei die sogenannte Atkins-Diät, die bereits 1970 Aufsehen erregte.

Kohlenhydratblocker sollen diese Form der Ernährungsumstellung unterstützen, indem sie die Verdauung von Kohlenhydraten reduzieren – und so die Kalorienaufnahme verringern und Heißhungerattacken vorbeugen. Die Wirkung sowie die möglichen Risiken dieser Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte sind bislang jedoch kaum erforscht. Da deshalb auch der tatsächliche Nutzen von Kohlenhydratblockern in den meisten Fällen nicht geklärt ist, raten Mediziner dazu, diese Produkte und Wirkstoffe allenfalls als kurzfristige Motivationshilfe beim Abnehmen einzusetzen.

Phaseolamin: Kidneybohnen-Extrakt als Kohlenhydratblocker

Die meisten Kohlenhydratblocker, die es als Tabletten in Drogerien, Supermärkten oder Apotheken zu kaufen gibt, enthalten einen Extrakt aus der weißen Kidneybohne. Der Inhaltsstoff gehört zu den sogenannten Glycoproteinkomplexen und soll ein Enzym hemmen, das spezielle Kohlenhydrat-Verbindungen während des Verdauungsprozesses aufspaltet.

Gut zu wissen: In den verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln sind diese Bohnen-Extrakte nicht einheitlich benannt. Der Inhaltsstoff Phaseolamin lässt sich stattdessen oft nur über Hinweise in der markeneigenen Wirkstoff-Bezeichnung ableiten. Üblich sind dabei Wortbestandteile wie „Phase…“ oder „Glyco…“.

Ähnlich fragwürdig wie die Bezeichnung der Blocker-Substanzen ist auch die Studienlage zu diesen Inhaltsstoffen: Denn bisher ist keine Untersuchung nach medizinischen Standards bekannt, die den positiven Effekt von Phaseolamin-Tabletten beim Abnehmen zweifelsfrei belegt.

Wie wirksam die Kohlenhydratblocker-Tabletten mit Phaseolamin tatsächlich sein könnten, ist zudem unklar – denn das oben genannte Verdauungsenzym ist nur für etwa 60 % der Stärke-Komplexe zuständig, die sich bei einer normalen Ernährung in den Mahlzeiten finden. Diese unverdauten Stärken gelangen im Anschluss in den Darm, wo sie von Bakterien zersetzt werden. Dabei kann es zu Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall kommen. Die Verdauung der restlichen Kohlenhydrate aus der Nahrung – und somit auch die Kalorienaufnahme – findet dagegen vor allem bei einfachem Zucker ungehindert statt.

Bockshornklee und K2-Tropfen:

Daneben gibt es auf dem Markt zahlreiche weitere Tabletten und Präparate, die laut Angaben der Hersteller hauptsächlich natürliche Inhaltsstoffe enthalten. Besondere Aufmerksamkeit erregten dabei sogenannte K2-Kohlenhydratblocker, die als Tropfen ausschließlich in Internet-Shops – häufig aus dem Ausland – verkauft werden. Die Hersteller werben dabei meist mit äußerst unrealistischen Abnehm-Erfolgen, die angeblich ganz ohne Ernährungsumstellung möglich seien.

Wichtig: Viele Apotheken führen Tabletten oder Tropfen mit dem Vitamin K2, das keine Auswirkungen auf den Kohlenhydrat- oder Fettstoffwechsel hat. Stattdessen dienen diese Nahrungsergänzungsmittel vor allem zur Gesunderhaltung des Knochenbaus. Trotz der ähnlichen Bezeichnungen sind solche K2-Vitamin-Präparate klar von Abnehm-Produkten abzugrenzen, wie dem sogenannten K2-Kohlenhydratblocker. Letztere sind weder in zertifizierten (Online-)Apotheken noch in Drogerien erhältlich.

Die Angaben zu den Inhaltsstoffen der bildreich beworbenen K2- oder Keto-Kohlenhydratblocker sind in der Regel dürftig. Zu den aufgeführten Bestandteilen gehören zum Beispiel:

  • Hanföl oder Hanf-Extrakte
  • Olivenöl und Omega-3-Fettsäuren
  • Bitterstoffe
  • Bockshornklee
  • verschiedene Vitamine und Aminosäuren

In welcher genauen Zusammensetzung diese jedoch in den beworbenen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sind, verschweigen die Hersteller für gewöhnlich. Und auch der Nutzen solcher Präparate ist aus medizinischer Sicht fragwürdig – denn bisher gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit der aufgeführten Inhaltsstoffe als Abnehmhilfe belegen. Im Gegenteil: Dem Bockshornklee wird in der Naturheilkunde sogar eine appetitanregende Wirkung nachgesagt.

Sind Kohlenhydratblocker gefährlich?

Das kommt auf das jeweilige Produkt an. Zahlreiche Kohlenhydratblocker haben keinen nennenswerten Effekt auf den Körper und sind oftmals auch nicht gefährlich. Einige Produkte, insbesondere solche, die aus unseriösen Quellen stammen, sind wissenschaftlich unzureichend erforscht. Somit lässt sich auch nicht abschätzen, ob gesundheitsrelevante Neben- und Wechselwirkungen von ihnen ausgehen.

Achtung: Verbraucherzentralen und Gesundheitsbehörden warnen immer wieder vor der Einnahme von Schlankheitsmitteln mit unklarer Herkunft und Zusammensetzung. Besonders in dubiosen Internet-Shops tauchen beispielsweise Präparate auf, in denen verbotene Inhaltsstoffe wie Dinitrophenol oder Sibutramin versteckt sind. Beziehen Sie Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente zum Abnehmen deshalb immer nur aus vertrauenswürdigen Quellen – zum Beispiel von zertifizierten Online-Apotheken oder einer Apotheke vor Ort.

Doch auch die Anwendung von scheinbar seriösen Kohlenhydratblocker-Tabletten kann unter Umständen mit Gefahren einhergehen: So besteht zum Beispiel bei Produkten mit Extrakten aus der weißen Kidneybohne die Möglichkeit einer Belastung mit dem Schadstoff Phasin.

Das Gift ist von Natur aus in den Schalen roher Bohnen enthalten und verliert erst durch Hitze seine gesundheitsschädliche Wirkung. Vor allem für Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen können bereits geringe Mengen Phasin ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellen. Die Substanz bewirkt, dass die roten Blutkörperchen zusammenkleben. Das führt dazu, dass das Blut weniger lebenswichtigen Sauerstoff transportieren kann.

Ebenso ist es möglich, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Bockshornklee bei Menschen mit Kichererbsen- oder Erdnussallergie zu Reaktionen führen. Besonders bei Vorerkrankungen und gesundheitlichen Einschränkungen sollten Sie die Einnahme von Kohlenhydratblockern deshalb vorsorglich mit einem Arzt oder Apotheker besprechen – und im Zweifel lieber auf sichere Alternativen setzen.

Alternativen zu Kohlenhydratblockern: Welche Medikamente gibt es?

Als Alternative zu Nahrungsergänzungsmitteln wie Kohlenhydratblockern oder Fettbindern gibt es verschiedene Medikamente, die auch Mediziner zur unterstützenden Behandlung von starkem Übergewicht und Adipositas einsetzen.

Da es sich hierbei meist um verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt, die einen komplexen Zulassungsprozess durchlaufen müssen, ist die Wirksamkeit von Produkten wie Xenical® oder Saxenda® gut erforscht – und auch Neben- und Wechselwirkungen sind für Mediziner wesentlich besser abzuschätzen als bei Nahrungsergänzungsmitteln.

Mit dem Service von ZAVA erhalten Sie eine individuelle und ganzheitliche Behandlungsempfehlung, die speziell auf Ihren persönlichen Gesundheitszustand zugeschnitten ist. Als Einstieg dient dabei unser medizinischer Fragebogen. Im Anschluss begleiten Sie die Ärzte von ZAVA auf Ihrem Weg zum Wunschgewicht – und verschreiben Ihnen bei medizinischer Angemessenheit beispielsweise eines der folgenden Medikamente, die Sie beim Abnehmen unterstützen können:

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Häufig gestellte Fragen

Was sind Kohlenhydratblocker?

Bei Kohlenhydratblockern handelt es sich um Nahrungsergänzungsmittel, die die Aufnahme von Zucker und Stärke aus der Nahrung hemmen sollen. Laut Angaben der Hersteller verringern die Präparate so die Kalorienaufnahme.

Wie gefährlich sind Kohlenhydratblocker?

Im Vergleich zu zugelassenen Medikamenten ist die Wirkung von Kohlenhydratblockern generell nur sehr schlecht erforscht. Da auch Neben- und Wechselwirkungen oft unklar sind, sollten rezeptfreie Nährstoffblocker nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.

Welcher ist der beste Kohlenhydratblocker?

Die Wirksamkeit der meisten Kohlenhydratblocker ist generell kaum belegt. Zwar gibt es Studien zu Präparaten mit dem Extrakt der weißen Kidneybohne – diese entsprechen jedoch nicht dem medizinischen Standard und sagen deshalb wenig über den tatsächlichen Nutzen zur Gewichtskontrolle oder Gewichtsreduktion aus.

Welche Lebensmittel sind Kohlenhydratblocker?

Die weiße Kidneybohne enthält sekundäre Pflanzenstoffe, die die Verdauung von bestimmten Kohlenhydraten hemmen können. Das betrifft jedoch nur einen Teil der Stärkeverbindungen in kohlenhydratreichen Lebensmitteln. Gegen zu viel Zucker helfen sie nicht.

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Natalia Olaizola-Heil Medizinische Autorin

Natalia Olaizola-Heil erhielt nach dem Studium der Pharmazie an der Freien Universität Berlin 1997 ihre Approbation als Apothekerin. Sie arbeitete sowohl in Krankenhausapotheken als auch in öffentlichen Apotheken und absolvierte Weiterbildungen im Bereich Ernährungsberatung und Palliativmedizin. Natalia Olaizola-Heil unterstützt ZAVA bei der medizinischen Texterstellung und -prüfung.

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Letzte Änderung: 27 Jan 2023

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