Blasenentzündung während der Schwangerschaft

Dr Friederike Ebigbo

Medizinisch geprüft von

Dr. med. Friederike Ebigbo

Letzte Änderung: 21 Feb 2022

Die Blase drückt ständig und es brennt beim Wasserlassen: Viele Frauen kennen die typischen Symptome einer Blasenentzündung (Zystitis) allzu gut. Eine in der Regel harmlose Blasenentzündung wird in der Schwangerschaft schnell zu einem großen Problem: Bakterien in der Blase können unbemerkt bis zu den Nieren hinaufwandern und eine Nierenbeckenentzündung verursachen, die unter Umständen Schwangerschaftskomplikationen, wie eine schwere Nierenbeckenentzündung, zur Folge hat. Aber warum genau ist eine Zystitis bei schwangeren Frauen so gefährlich? Wann sollten Sie zum Arzt gehen? Und wie können Sie selbst vorbeugen? Erfahren Sie hier, was bei Harnwegsinfekten während der Schwangerschaft zu beachten ist.

Inhalt
Blasenentzündung während der Schwangerschaft: Schwangere Frau liegt auf dem Bett und hält sich mit einer Hand den Bauch.
 

Bakterien im Urin: Schwangerschaft und Harnwegsinfekt

Bakterien in den Harnwegen sind bei schwangeren wie nicht-schwangeren Frauen keine Seltenheit. Normalerweise kann sich der Körper selbst gegen solche Keime wehren. In der Schwangerschaft ändern sich aber einige Faktoren wie zum Beispiel die Weite der Harnleiter oder die Urinkonzentration. Dies begünstigt das Risiko, dass die Bakterien doch aufsteigen und zu einer Infektion führen. Bei Beschwerden sollte daher immer eine Untersuchung des Urins erfolgen, um Mutter und Kind vor einer Infektion zu schützen.

„Wenn Sie Beschwerden beim Wasserlassen verspüren, sich aber nicht sicher sind: Gehen Sie lieber einmal zu oft zum Arzt, als dass sich eine unkomplizierte Blasenentzündung zu einer riskanten Infektion des Nierenbeckens entwickelt!“, so Dr. Friederike Ebigbo, Gynäkologin.

Blasenentzündung in der Schwangerschaft? Diese Symptome weisen darauf hin

Wer sie früher schon einmal durchgemacht hat, wird die Symptome einer Blasenentzündung in der Schwangerschaft ebenfalls erkennen. Dennoch herrscht manchmal Unsicherheit – insbesondere da sich durch die veränderten anatomischen Bedingungen und das heranwachsende Kind der ganze Unterleib anders anfühlt.

Typische Anzeichen eines Harnwegsinfekts sind immer:

Hinzu können Schmerzen im Unterbauch oder trüber Urin kommen, gelegentlich auch Blut im Urin. Ist außerdem die Harnröhre entzündet (Urethritis), äußert sich das durch Brennen oder krampfartige Schmerzen in diesem Bereich.

Übrigens: Oft tritt ein Gefühl wie eine leichte Blasenentzündung bei Frauen im Verlauf der Schwangerschaft auf. So lässt sich das Ziehen im Unterleib nicht immer genau lokalisieren. Es kann entweder von der Blase kommen oder durch das Wachsen der Gebärmutter bedingt sein. Ebenso kann die Gebärmutter, wenn sie wächst, auf die Blase drücken. Das resultiert womöglich in dem Gefühl, ständig auf Toilette zu müssen. Auch vermehrter Ausfluss kann zu Verwechslungen führen. Im Zweifel ist immer ein Arztbesuch angebracht, um Komplikationen für Mutter und Kind auszuschließen.

Weshalb ist das Risiko für Harnwegsinfekte während der Schwangerschaft erhöht?

Während der Schwangerschaft nimmt die Gebärmutter (Uterus) deutlich an Größe zu, gleichzeitig steigt die Konzentration des Schwangerschaftshormons Progesteron an. Die vergrößerte Gebärmutter übt Druck auf die Harnwege aus, was den Urinabfluss behindern und im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft sogar die Harnwege unterhalb der Niere deutlich verengen kann.

Daneben erhöht die geringere Muskelspannung der Harnröhre das Risiko einer Blasenentzündung in der Schwangerschaft. Denn das Sexualhormon Progesteron verändert die Eigenschaften der Harnwege: Sie erweitern sich, sodass Erreger einen vergleichsweise einfachen Zugang zur Blase haben. Zusätzlich begünstigen Schwangerschaftshormone eine vermehrte Zuckerausscheidung über den Urin. Dies wiederum schafft förderliche Bedingungen für das Wachstum von Bakterien und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Im letzten Trimester (Schwangerschaftsdrittel) ist die Gefahr für eine schwere Entzündung bis hinauf zu den Nieren am größten.

Welche Bakterien lösen Blasenentzündungen aus?

Der häufigste Erreger, der Harnwegsinfekte wie Blasenentzündungen verursacht, ist das Bakterium Escherichia coli (E. coli). Es kommt hauptsächlich im menschlichen Darm vor. Durch mangelnde Hygiene auf einer öffentlichen Toilette oder auch durch falsches Abwischen gelangt E. coli schnell in den Harntrakt. Andere Erreger wie Enterokokken oder Staphylokokken können ebenfalls Auslöser für Harnwegsinfektionen sein.

Welche Folgen können Harnwegsinfekte bei Schwangeren haben?

Die größte Gefahr bei einer Harnwegsinfektion in der Schwangerschaft ist ein Aufsteigen der Bakterien und damit eine drohende Entzündung des Nierenbeckens. Schon eine asymptomatische Bakteriurie, also ein Vorkommen von Bakterien im Urin ohne Symptome, stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Nierenbeckenentzündung dar. 4-7 % aller schwangeren Frauen sind von einer symptomlosen Bakteriurie betroffen. Das Risiko, dadurch eine Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) zu entwickeln, erhöht sich dann und tritt bei 2 % der Schwangerschaften auf. Das macht die Nierenbeckenentzündung neben der Blutarmut (Anämie) zu einem häufigen Problem während der Schwangerschaft.

Greift eine Blasenentzündung bei schwangeren Frauen auf das Nierenbecken über, drohen ernste Komplikationen. Um diese zu vermeiden, sollten werdende Mütter bei jedem möglichen Symptom mit einem Arzt Rücksprache halten und dadurch Sorge tragen, dass eine schwere Infektion der Harnwege gar nicht erst entsteht.

„In der Schwangerschaft wird bei jeder Vorsorgeuntersuchung der Urin auf bestimmte Veränderungen, wie Eiweiße oder Zucker, überprüft. In der Regel finden diese Analysen zu Beginn alle 4 Wochen und im späteren Verlauf der Schwangerschaft alle 2 Wochen statt. Auf Hinweise einer Blasenentzündung wird der Urin nicht kontrolliert. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihrem Frauenarzt von Beschwerden berichten, damit er die richtige Untersuchung vornehmen kann.“, so Dr. Friederike Ebigbo, Gynäkologin.

Wie kann ich einer Blasenentzündung in der Schwangerschaft vorbeugen?

Eine gezielte Urinuntersuchung bei Beschwerden kann die auftretenden Symptome besser abklären. Falls dabei eine Blasenentzündung nachgewiesen wird, sollte anschließend zeitnah die Behandlung einsetzen Dies kann eine Ausbreitung der Bakterien bis zu den Nieren verhindern.

Aber können werdende Mütter auch selbst etwas tun, um einer Blasenentzündung vorzubeugen? Einige Faktoren lassen sich in der Schwangerschaft nicht beeinflussen. Verschiedene Tipps und Hausmittel können allerdings nützlich sein:

  • Halten Sie Ihr Immunsystem fit, indem Sie sich vor Kälte schützen und auf eine gesunde Ernährung setzen.
  • Wischen Sie sich nach dem Stuhlgang von vorne nach hinten ab, damit keine Bakterien vom Analbereich in den Harntrakt gelangen.
  • Ein Toilettengang nach dem Geschlechtsverkehr hilft dabei, Keime direkt auszuspülen.
  • Tragen Sie Unterwäsche aus Baumwolle – sie lässt sich bei 60 Grad Celsius waschen, sodass Bakterien abgetötet werden.
  • Trinken Sie viel Wasser, am besten 1,5 bis 2 Liter täglich. (Die richtige Flüssigkeit bei Blasenentzündung ist Wasser oder ungesüßter Kräuter- beziehungsweise Früchtetee.)

Achtung: Blasentees sind in der Schwangerschaft wegen ihrer entwässernden Eigenschaften nur eingeschränkt zu empfehlen. Sprechen Sie die Anwendung daher immer mit Ihrem Haus- oder Frauenarzt ab.

Schmerzmittel: Erlaubt bei Blasenentzündung in der Schwangerschaft?

Bei manchen Frauen rufen Harnwegsinfektionen regelrecht stechende oder krampfartige Schmerzen im Unterbauch hervor. Insbesondere in der Schwangerschaft belastet das zusätzlich. Dann kommt schnell der Gedanke auf, zu Schmerzmitteln zu greifen – zum Beispiel zu Ibuprofen oder Paracetamol.

Sprechen Sie die Anwendung von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft immer mit Ihrem Arzt ab. In der Regel ist die Einnahme von Paracetamol in allen Stadien der Schwangerschaft möglich; die von Ibuprofen hingegen nur zu Beginn. Apotheker können Ihnen ebenfalls Auskunft geben, welche Präparate für werdende Mütter geeignet sind. Viele Frauenärzte empfehlen auch die Website https://www.embryotox.de/, die durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird. Dort ist es möglich, die Verträglichkeit bestimmter Medikamente und Wirkstoffe in der Schwangerschaft und Stillzeit zu recherchieren.

Nierenbeckenentzündung: Gefahr in der Schwangerschaft

Das Nierenbecken hat die Funktion eines Sammeltrichters für den Harn. Im Nierenbecken wird also der von der Niere produzierte Harn gesammelt und zum Harnleiter geführt. Durch Bakterien (z.B. E. coli) kann es zu einer Entzündung des Nierenbeckens kommen, wobei meistens nur eine Niere (oft die rechte) von der Entzündung betroffen ist. Die Erreger steigen aus den unteren Harnwegen auf, also über die Harnröhre, Harnblase und den Harnleiter bis zu dem Organ. Nur in sehr seltenen Fällen gelangen sie über das Blut zur Niere.

Eine Nierenbeckenentzündung hat unter Umständen schwerwiegende Folgen. So kann es zu Nierenschäden und einem akuten Nierenversagen kommen. Wenn Keime über das Blutgefäßsystem von den Nieren aus in den ganzen Körper gelangen, droht eine Blutvergiftung (Sepsis). In der Folge treten hohes Fieber und im schlimmsten Fall Organversagen auf.

Achtung: Bei angeborenen Nierenerkrankungen oder chronischen Leiden wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck ist das Risiko für eine Nierenbeckenentzündung erhöht.

Welche Symptome habe ich bei einer Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft?

Eine Nierenbeckenentzündung, die Mediziner bei Schwangeren auch Pyelonephritis gravidarum nennen, kann von diesen Symptomen begleitet werden:

  • Fieber und Schüttelfrost
  • Flankenschmerzen (meistens im rechten Nierenlager)
  • ständiger Harndrang mit wenig Urinabgang (Pollakisurie)
  • schmerzhafte Blasenentleerung (Dysurie)
  • heftiges Krankheitsgefühl

Bei manchen Frauen weichen die Beschwerden von den oben genannten ab. Weil diese individuellen, untypischen Symptome nicht sofort auf eine Nierenbeckenentzündung schließen lassen, kommt es teilweise vor, dass der Arzt die Entzündung erst spät erkennt. So wird die Krankheit unter Umständen nicht festgestellt, bevor die Nierenfunktion schon erheblich eingeschränkt ist. Suchen Sie daher unbedingt einen Arzt auf, sobald Beschwerden aufkommen, die Sie selbst nicht klar einordnen können.

Lesen Sie bei ZAVA weitere Informationen zu den Symptomen einer Blasenentzündung, auf die eine Nierenbeckenentzündung folgen kann.

Wie behandelt man eine Nierenbeckenentzündung?

Mit einer Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft ist nicht zu spaßen – sie kann nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Ungeborene gefährlich werden. Mit der richtigen Medikation lässt sich die Infektion in der Regel noch abfangen.

Erleiden Sie als Schwangere eine akute Nierenbeckenentzündung mit Fieber und starken Schmerzen im Bereich des mittleren Rückens, sollte die Therapie über die Vene erfolgen. Meistens ist die stationäre Betreuung in einem Krankenhaus notwendig.

Die Bakterien, welche die Entzündung auslösen, lassen sich mit einer gezielten Antibiotika-Therapie behandeln. Bei der Untersuchung des Urins wird getestet, auf welches Antibiotikum der Erreger anspricht beziehungsweise ob er Resistenzen aufweist. Die Behandlung mit Antibiotika muss anschließend für 7-14 Tage erfolgen und von ausreichender Flüssigkeitszufuhr begleitet sein. Das Trinken von Wasser ist sehr wichtig, um das körpereigene Abwehrsystem beim Ausschwemmen der Bakterien zu unterstützen. Nach der Therapie erfolgt eine erneute Testung des Urins, um sicher zu gehen, dass die Infektion ausgeheilt ist.

Behandlung von Blasenentzündung bei Schwangerschaft mit Antibiotika?

Bei einer gesicherten Blasenentzündung muss eine Therapie mit einem Antibiotikum erfolgen. Wenn aber Unsicherheit besteht, ob es sich wirklich um eine Zystitis handelt, werden Antibiotika nicht voreilig eingesetzt. Dieses Vorgehen soll Resistenzentwicklungen verhindern.

In der Schwangerschaft muss der Mediziner Nutzen und Risiken der Antibiotika-Gabe genau abwägen: Tritt ohne Therapie eine Verschlechterung der Situation auf und besteht damit eine Gefahr für Mutter und Kind? Wenn dies der Fall ist, muss der Arzt die Situation neu beurteilen. Dann ist die Einleitung der richtigen Therapie wichtig und gegebenenfalls ein Antibiotikum zu wählen, das Schwangere einnehmen dürfen.

Wenden Sie – insbesondere als werdende Mutter – nie Antibiotika ohne Rezept ein! Sprechen Sie jede medikamentöse Behandlung mit Ihrem Haus- oder Frauenarzt ab. Er wird Ihnen ein Mittel verschreiben, das in der Schwangerschaft verwendet werden kann. Richtig eingenommen, können Antibiotika somit ernste Komplikationen durch eine Harnwegsinfektion oder eine Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft verhindern.

Passendes Antibiotikum bei Blasenentzündung bestimmen

Beim Verdacht auf einen Harnwegsinfekt in der Schwangerschaft ist ein Arztbesuch dringend angeraten. Durch eine Urinkultur kann der Mediziner überprüfen, ob das verschriebene Antibiotikum auf den Keim sensibel reagiert. Das bedeutet: Es kann die Bakterien wirklich bekämpfen. Sitzt die Entzündung weiter oben im Harntrakt, ist manchmal die Einnahme eines anderen Antibiotikums vonnöten.

Unter Umständen kann es sein, dass die Symptome gar nicht von einer Entzündung der Harnwege herrühren. Kommt dazu beispielsweise übelriechender Ausfluss, liegt der Verdacht auf eine bakterielle Vaginose oder eine Pilzinfektion nahe. Wie bei allen Symptomen in der Schwangerschaft ist auch hier ein Arztbesuch unumgänglich.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. med. Friederike Ebigbo Fachärztin für Frauenheilkunde in gynäkologischer Praxis

Dr. med. Friederike Ebigbo arbeitet seit Anfang 2022 als Partnerärztin für ZAVA, hier berät und behandelt sie Patienten über die ZAVA App. Darüber hinaus unterstützt sie bereits seit vielen Jahren bei der medizinischen Text-Prüfung. 2011 schloss Dr. med. Friederike Ebigbo ihr Medizinstudium an der Technischen Universität München ab. Danach arbeitete sie an Frauenkliniken in Trier, Aachen und in der Schweiz – dort war Sie von 2019 bis 2020 Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Dr. med. Friederike Ebigbo ist seit September 2020 Ärztin in einer gynäkologischer Praxis in Hamburg.

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