Urinkultur anlegen – wann ist das sinnvoll?

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. med. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 21 Feb 2022

Harnwegsinfekte sind vor allem für Frauen ein häufiges – oftmals sogar wiederkehrendes – Problem. Obwohl die meisten Blasenentzündungen einen unkomplizierten Verlauf nehmen, kann die Untersuchung des Urins mittels einer Urinkultur eine wertvolle Hilfe zur raschen Behandlung darstellen. Warum das so ist und wie das Labor beim Anlegen einer Urinkultur vorgeht, erklären wir in diesem Beitrag.

Inhalt
Urinkultur: Urin in verschiedenen Farben in Behältnissen. Eine Person begutachtet die Flüssigkeit.
 

Was versteht man unter einer Urinkultur?

Bei einer Urinkultur werden einige Milliliter Urin des Patienten auf mikrobiologischen Nährböden in Petrischalen ausgestrichen. Die so präparierten Nährböden lässt das Labor dann bei 37 Grad Celsius für einige Stunden bis wenige Tage bebrüten. Das ermöglicht eventuell vorhandenen Erregern, sich auszubreiten – Tests auf krankheitsauslösende Keime schlagen nun an. Anschließend werden die Erregerart und gegebenenfalls auch deren Anzahl überprüft. Für diese Bestimmungen stehen mehrere unterschiedliche Methoden zur Verfügung, sodass 2 Befunde, die über verschiedene Techniken entstanden sind, nicht direkt miteinander vergleichbar sein müssen.

Eine Urinkultur ermöglicht dem Arzt nicht nur, schädliche Bakterien oder Hefepilze nachzuweisen, sondern lässt auch konkrete Aussagen darüber zu, in welcher Menge die Keime vorliegen, ob Resistenzen gegen Antibiotika bestehen und welche Behandlung am besten geeignet ist.

Wann ist eine Urinkultur sinnvoll?

Eine Urinkultur muss der Arzt nicht bei allen Harnwegsinfekten anordnen. Im Gegensatz zum Urinstatus mittels Teststreifen ist es mit relativ hohem Kosten- und Zeitaufwand verbunden, eine Urinkultur anzulegen. Bei den meisten Harnwegsinfekten ist ihr Ergebnis zudem nicht entscheidend für die Wahl der Behandlungsmethode. Die überwiegende Zahl der behandlungsbedürftigen Harnwegsinfektionen kann mit Standard-Medikamenten (von Schmerzmitteln bis hin zu Antibiotika) erfolgreich therapiert werden.

Bei ZAVA haben Patienten mit einer Blasenentzündung die Möglichkeit, über den medizinischen Fragebogen ein entsprechendes Antibiotikum anzufragen. Eignet sich die Behandlung damit, verschreiben die ZAVA Ärzte:

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Abgesehen von unkomplizierten Blasenentzündungen gibt es gewisse Fälle, die eine Urinkultur zwingend erforderlich machen. Dazu zählen unter anderem komplizierte Harnwegsinfekte (beispielsweise Blasenentzündungen bei Männern), häufig wiederkehrende Infektionen des Harntrakts, Harnwegsinfekte mit Verdacht auf Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) sowie ein erfolgloser Behandlungsversuch mit Antibiotika.

Kann der Urin für eine Urinkultur jederzeit abgegeben werden?

Im Prinzip kann das Labor eine Urinkultur jederzeit aus Urin erstellen. Allerdings ist der Nachweis von Erregern umso besser möglich, je länger der letzte Toilettengang her ist. Ein größerer zeitlicher Abstand bedeutet, dass sich mehr Erreger in den Harnwegen ansammeln und vermehren konnten, ohne ausgespült zu werden. Ärzte empfehlen deshalb, falls möglich Morgenurin für eine Urinkultur zu verwenden.

Idealerweise fängt der Patient nur den Mittelstrahl auf. Soll bei Ihnen eine Urinkultur angelegt werden, geben Sie daher zuerst ein paar Sekunden lang den Harn in die Toilette ab. Dann halten Sie den Auffangbecher unter den laufenden Urinstrahl und füllen ihn bis zur angegebenen Markierung. Achten Sie hier darauf, dass der Behälter nicht mit Ihren Beinen oder dem Genitalbereich in Kontakt kommt. Andernfalls riskieren Sie Verunreinigungen der Probe. Ist Ihre Blase daraufhin noch nicht vollständig geleert, können Sie Ihren Toilettengang wie gewohnt beenden.

Was sagt das Ergebnis einer Urinkultur aus?

Das Ergebnis einer Urinkultur liefert vor allem 2 wichtige Informationen. Es gibt an, welche Erreger in der Probe gefunden wurden. Damit lässt sich zielgerichtet ein passendes Medikament auswählen, das auf den entsprechenden Erregertyp zugeschnitten ist. Eine Urinkultur kann also bei Bedarf nicht nur zur Diagnose, sondern auch zur Therapie beitragen.

Sie leiden gerade unter einem Harnwegsinfekt? Bei der Online-Arztpraxis ZAVA können Sie zur Behandlung diese Medikamente gegen Blasenentzündung anfragen:

Um ein Rezept zu erhalten, beantworten Sie den medizinischen Fragebogen. Unsere Ärzte prüfen daraufhin Ihre Angaben und stellen, falls angemessen, eine entsprechende Verordnung aus.

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Eine Urinkultur liefert außerdem meist eine Angabe zur ungefähren Menge an Erregern. Diese Information hilft bei der Einschätzung der Schwere der Infektion und bestätigt dem behandelnden Arzt, dass nicht lediglich eine Verunreinigung für den Erreger-Fund verantwortlich ist.

Hin und wieder passiert es, dass bei Frauen die Schamlippen andere Keime in die Urinprobe bringen; auch beim Öffnen oder Verschließen des Urinbechers können einige wenige Bakterien von den Händen in die Probe eingeschleppt werden. Die Urinkultur weist sie dann zwar möglicherweise nach, der Arzt kann sie aber aufgrund ihrer geringen Anzahl eindeutig als Verunreinigung identifizieren.

In manchen Fällen schließen sich an die bloße Bestimmung der Erreger und ihrer Anzahl noch weiterführende Untersuchungen der Urinkultur an. Durch verschiedene Techniken erfolgt zum Beispiel eine Resistenz-Testung. Dabei überprüft das Labor, gegenüber welchen Medikamenten die Erreger resistent oder anfällig sind. Besonders bei zuvor therapieresistenten Harnwegsinfekten ist dies eine wertvolle diagnostische Information zur effektiven Behandlung und Heilung.

Ist ein positives Ergebnis in einer Urinkultur immer ein Zeichen für einen Harnwegsinfekt?

Nicht jeder Erregernachweis in einer Urinkultur ist behandlungsbedürftig. Häufig können in Urinproben geringe Mengen an krankheitsverursachenden (pathogenen) Erregern festgestellt werden. Solange die Patienten keine Symptome wie

liegt laut der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie kein Harnwegsinfekt, sondern lediglich eine asymptomatische Bakteriurie vor. Bei einer asymptomatischen Bakteriurie empfehlen Mediziner nur in Ausnahmefällen – wie beispielsweise bei Schwangeren oder vor einer transurethralen Operation bei Prostatatumoren – eine entsprechende Therapie. Auch Menschen, die unter Erkrankungen leiden oder Arzneimittel einnehmen, bei denen das Immunsystem eingeschränkt arbeitet, erhalten zur Sicherheit Antibiotika.

Kann bei einer negativen Urinkultur ein Harnwegsinfekt sicher ausgeschlossen werden?

Das wichtigste diagnostische Kriterium bei Harnwegsinfekten sind die klinischen Symptome des Patienten, insbesondere Beschwerden beim Wasserlassen oder Flankenschmerz. Auch ohne positiven Erregernachweis in einer Urinkultur kann der Arzt bei Vorliegen dieser Symptome von einem Harnwegsinfekt ausgehen.

Zusätzlich muss er beachten, dass durch normale Urinkulturen bestimmte Erreger nicht nachweisbar sind. Dazu zählen insbesondere Chlamydien und Gonokokken, also 2 häufige Bakterien, die bei sexuellen Kontakten übertragen werden. Falls sexuell aktive Patienten über typische HWI-Beschwerden klagen, sollten daher auf einen negativen Urinkultur-Befund Tests auf Chlamydien und Gonorrhoe folgen.

Können mit einer Urinkultur auch andere Erkrankungen des Harntrakts diagnostiziert werden?

Eine Urinkultur zielt einzig und allein auf den Nachweis von krankheitsverursachenden Bakterien oder Hefepilzen ab. Krankheiten des Harntrakts, die auf anderen Mikroorganismen beruhen, kann das Labor nicht mit einer Urinkultur diagnostizieren. Allerdings wird zusammen mit einer Urinkultur oder bereits im Vorfeld auch der sogenannte Urinstatus bestimmt. Darunter versteht man die Überprüfung einer Reihe an typischen Inhaltsstoffen und Merkmalen des Urins. Dazu gehören zum Beispiel:

  • der pH-Wert
  • Glucose
  • Proteine
  • Nitrit
  • das Vorhandensein von weißen und roten Blutkörperchen

Je nach Umfang der gewünschten Analysen kann der Urinstatus entweder mittels eines Urinteststreifens oder (wie die Urinkultur) in einem medizinischen Labor erhoben werden.

Auf einen Blick: Was sind Harnwegsinfekte?

Unter Harnwegsinfekten (HWI) verstehen Mediziner Infektionen der ableitenden Harnwege. Dazu gehören, in anatomischer Reihenfolge, die Nieren, die Harnleiter, die Harnblase sowie die Harnröhre.

Infekte entstehen in diesem Bereich so gut wie immer durch das Einschleppen von Bakterien in die äußere Mündung der Harnröhre. Von dort steigen die Erreger auf, nisten sich ein und führen zu einer Entzündung. Außerdem können sich die Keime vom äußeren Harnröhreneingang in Richtung Blase beziehungsweise Nieren weiter ausbreiten und zunehmende Beschwerden verursachen. Man spricht dann je nach erreichter Höhe der Infektion von einer Blasen- oder Nierenbeckenentzündung.

Durch ihre bedeutend kürzere Harnröhre sind Frauen weitaus häufiger betroffen als Männer – die Erreger müssen in ihrem Fall kürzere Wege zurücklegen.

Symptome von Harnwegsinfekten

Die akuten Symptome von Blasenentzündungen sind Schmerzen beim Wasserlassen und vermehrter Harndrang. Wenn sich die Infektion bis zu den Nieren ausgebreitet hat, leiden Betroffene oftmals unter Fieber, starken Schmerzen und Klopfschmerz in der Nierengegend sowie allgemeiner Abgeschlagenheit. Bei schweren Verläufen kann eine Funktionsbeeinträchtigung der Nieren (Niereninsuffizienz) oder eine Urosepsis, also eine Blutvergiftung, auftreten. Solche schwerwiegenden und schlimmstenfalls lebensbedrohlichen Erkrankungen sind jedoch äußerst selten.

Sollten Ihre Beschwerden auch nach einigen Tagen nicht nachlassen oder sogar stärker werden, vereinbaren Sie zur Sicherheit einen Termin bei Ihrem Arzt. Er kann die Situation richtig einschätzen und die passende Therapie verordnen.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. med. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Medizinische Leiterin ZAVA Deutschland

Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA Deutschland und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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