Zu früh kommen

Welche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Junger Mann mit dem Problem, zu früh zu kommen, sitzt nachdenklich, mit gefalteten Händen vor seinem Mund, auf einem Sofa.
Inhalt

Was bedeutet “zu früh kommen”?

Unter “zu früh kommen” versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch einen vorzeitigen Samenerguss beim Mann in dessen Folge der Geschlechtsverkehr als zu kurz und dadurch unbefriedigend empfunden wird. Der medizinische Fachausdruck dafür lautet Ejaculatio praecox. Dabei handelt es sich um eine sexuelle Funktionsstörung des Mannes, die der Gruppe der Orgasmusstörungen zugeordnet ist und darunter häufig als Ejakulationsstörung klassifiziert wird. Diese Einordnung ist jedoch umstritten, da es sich nicht um eine gestörte, sondern eine verfrühte und unkontrollierte Ejakulation handelt.

In der Literatur finden sich unterschiedliche Kriterien, die ein „zu früh kommen“ definieren. Wichtig ist dabei immer das persönliche Empfinden des Sexualpartners und nur sehr selten die absolute Zeit zwischen dem Eindringen des Penis und dem Samenerguss. Vielmehr geht es um das Gefühl des Mannes die Ejakulation nicht ausreichend kontrollieren zu können. Der daraus resultierende Leidensdruck in Form von Angst, Frustration, Problemen in der Partnerschaft oder Verzicht auf Sex ist ein Kernpunkt der sexuellen Funktionsstörung. Um eine ausgeprägte Form von Ejaculatio praecox handelt es sich bei der sogenannten „Ejaculatio ante portas“. Dabei kommt der Mann so schnell, dass die Ejakulation bereits vor Einführen des Penis erfolgt.

Der Verzicht auf absolute Zahlen bezüglich der Dauer zwischen Stimulation und Ejakulation ergibt sich daraus, dass nicht alle Paare das frühe Kommen als störend empfinden.

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Wer ist am häufigsten von vorzeitigem Samenerguss betroffen?

Bei dem Geschlechtsverkehr zu früh zu kommen zählt mit zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen des Mannes und betrifft je nach Quelle zwischen 3 und 30 Prozent aller Männer. Die „International Society for Sexual Medicine“ kommt in einer großen Studie aus dem Jahr 2010 dazu, dass etwa 20 Prozent aller Männer mit dem Problem eines unkontrollierten Samenergusses zu kämpfen haben. Jedoch gehen lediglich ein Drittel der betroffenen Männer damit zum Arzt.

Da die Ursachen für einen vorzeitigen Samenerguss bisher noch nicht ausreichend bekannt sind, kann schlecht eine spezielle Bevölkerungsgruppe definiert werden, die besonders schwer von dieser sexuellen Funktionsstörung betroffen ist. Auch das Alter scheint bei der Ejaculatio praecox keine Rolle zu spielen, wobei der vorzeitige Samenerguss in seiner häufigsten, primären Form mit dem ersten sexuellen Kontakt auftritt.

Wie kommt es dazu, dass der Mann beim Sex zu früh kommt?

Glaubte man früher, “zu früh kommen” sei komplett auf eine psychologische Ursache zurückzuführen, ist man mittlerweile der Ansicht, dass auch körperliche Veränderungen zu einem vorzeitigen Samenerguss führen können. Trotz der großen Fortschritte in diesem Forschungsgebiet, ist die Ursache noch immer nicht vollständig geklärt.

Bei der sogenannten lebenslangen, primären Form besteht bereits seit Beginn der sexuellen Aktivität ein Problem mit einer verfrühten Ejakulation, das auch bei der Masturbation auftreten kann. In diesem Fall lassen neue Studien eine genetisch bedingte Veränderung des Hormonhaushalts vermuten. Insbesondere der Neurotransmitter Serotonin, der auch für den Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerz und das Limbische System verantwortlich ist und im Hirnstamm gebildet wird, scheint bei dieser Form der Ejaculatio praecox besonders wichtig zu sein.

Eine erworbene, sekundäre Ejaculatio praecox, die erst im Laufe des Lebens oder nur in bestimmten Situationen auftritt, ist hingegen meist das Symptom einer anderen Grunderkrankung. Dazu kann eine Prostataentzündung, Schilddrüsenerkrankung oder erektile Dysfunktion gehören.

Daneben werden aber auch weiterhin psychische Beschwerden als Auslöser für ein verfrühtes Kommen beim Geschlechtsverkehr gesehen. Insbesondere Streit und psychische Belastung in der Beziehung können zu Ejakulationsproblemen führen oder eine bestehende Ejaculatio praecox verschlimmern.

Wie wird vorzeitiger Samenerguss diagnostiziert?

Nur ein Drittel der betroffenen Patienten geht mit ihrem Problem auch tatsächlich zu einem Arzt und ermöglicht so eine Therapie ihrer sexuellen Funktionsstörung. Der für diese Art von Erkrankungen zuständige Ansprechpartner ist im Idealfall ein Facharzt für Urologie oder Sexualmedizin, jedoch kann ein solches Problem auch mit dem Hausarzt besprochen werden.

Für die Diagnostik kann man unterschiedliche Parameter erheben, die auf eine Ejaculatio praecox hinweisen. Zu den messbaren Werten zählt die Intravaginale Ejuklationszeit (IELT), welche die Zeit zwischen dem Eindringen des Penis und der Ejakulation beschreibt.

Die IELT beträgt bei gesunden Männern im Durchschnitt etwa 5,4 Minuten, wobei es hier natürlich große Varianzen in Abhängigkeit von Sexualpraktiken, Vorlieben und Situationen gibt. Bei Patienten mit der primären, lebenslangen Form erfolgt der Samenerguss unter einer Minute nach der Penetration. Bei allen betroffenen Patienten mit Ejaculatio praecox beträgt die IELT durchschnittlich 1,8 Minuten.

Die IELT ist jedoch nicht alleine als Kriterium für die Diagnose einer Ejaculatio praecox ausreichend. Nur wenn der verfrühte Samenerguss zu Problemen für den Patienten oder den Sexualpartner führt, also Leidensdruck besteht oder Beziehungsprobleme die Folge sind, kann die Diagnose einer Ejaculatio praecox gestellt werden.

Auch bei unregelmäßigem Geschlechtsverkehr, einem neuen Sexualpartner oder Geschlechtsverkehr nach einer langen Zeit der Abstinenz ist ein frühes Kommen des Mannes völlig normal und nicht auf eine behandlungsbedürftige Orgasmusstörung zurückzuführen.

Was kann man tun, um ein zu frühes Kommen beim Geschlechtsverkehr zu verhindern?

Die Therapie einer diagnostizierten Ejaculatio praecox richtet sich nach dem auslösenden Faktor. Liegt eine organische Ursache zu Grunde ist das Ziel der Therapie die Beseitigung der auslösenden Grunderkrankung wohingegen bei psychischen Problemen eine Verhaltenstherapie sehr hilfreich sein kann. In diesem Fall wird im Rahmen der Therapie ein besonderer Fokus auf Ängste, Selbstwertgefühl und die Beziehung des Patienten zum Partner gelegt. Sexualtherapeuten können außerdem dabei helfen, Techniken zu erlernen, die eine bessere Kontrolle des Samenergusses ermöglichen und somit ein zu frühes Kommen verhindern. Insbesondere die Squeeze- und die Start-Stopp-Technik sind weit verbreitete Varianten des Sensualitätstrainings zur besseren Kontrolle der Ejakulation.

Neben dem Versuch einer psychologischen Behandlung kann auch eine medikamentöse Therapie erfolgen. Das Antidepressivum Dapoxetin ist in Deutschland seit 2009 als Bedarfsmedikament bei einer Ejaculatio praecox auf dem Markt und konnte in Studien die IELT um das Zwei- bis Dreifache verlängern. Obwohl die Einnahme zu einer erhöhten sexuellen Zufriedenheit bei den Patienten führt, ist die Anwendung aufgrund der Nebenwirkungen umstritten.

Weiter verbreitet ist hingegen die Anwendung von Lokalanästhetika, beispielsweise in Form von betäubenden Cremes. Sie werden vor dem Geschlechtsverkehr auf die Eichel aufgetragen, wodurch die sexuelle Stimulation des Penis reduziert wird. Damit keine Missempfindungen beim Partner auftreten, sollte bei dieser Methode nach dem Auftragen 15-20 Minuten gewartet werden, bevor es zum Geschlechtsverkehr kommt.

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