Vestibuläre Migräne

Was ist das Besondere an vestibulärer Migräne?

Eine junge Frau leidet bei ihrer Büroarbeit an Schwindel und Kopfschmerzen. Das sind Anzeichen einer vestibulären Mirgäne.
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Migränekopfschmerzen, die von starkem Schwindel begleitet sind, sind ein häufiger Grund für Patienten, einen Neurologen aufzusuchen. Bei der vestibulären Migräne treten beide Symptome gemeinsam auf. Das Krankheitsbild wird daher auch als "migranöser Schwindel" oder "migräne-assoziierte Gleichgewichtsstörung" bezeichnet.

Wer ist von einer vestibulären Migräne betroffen?

Grundsätzlich kann eine vestibuläre Migräne in jedem Lebensalter auftreten. Es wurde jedoch beobachtet, dass viele Patienten erst eine deutliche Zeit nach Beginn der Migränekopfschmerzattacken auch einen Schwindel entwickeln. Es gibt eine familiäre Häufung für vestibuläre Migräne. Dazu wurde ein autosomal-dominanter Erbgang beschrieben, mit einer geringeren Penetranz bei Männern. Das heißt: Wie auch bei anderen Migräneformen sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Eine Besonderheit ist dabei, dass bei Frauen nach den Wechseljahren manchmal die typischen Migränekopfschmerzen von isolierten Schwindelattacken abgelöst werden. Während sie vor der Menopause von starken halbseitigen Kopfschmerzen oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen geplagt wurden, treten an diese Stelle nach der hormonellen Veränderung Schwindelanfälle, die ohne Schmerzen, allerdings häufig ebenfalls mit Übelkeit einhergehen.

Wie äußert sich eine vestibuläre Migräne?

Die Hauptmerkmale der vestibulären Migräne verrät bereits der Name: migranöse Kopfschmerzen und Schwindel. Für unseren Gleichgewichtssinn ist das Vestibularorgan zuständig, das im Innenohr sitzt. Kommt es zu Störungen in diesem Bereich oder in den zugehörigen Regionen des Gehirns, wird dem Betroffenen schwindelig. Patienten mit vestibulärer Migräne beschreiben häufig einen Schwank- oder Drehschwindel, der entweder spontan oder lageabhängig auftritt. Begleitend zum Schwindel können oft schnelle, zuckende Augenbewegungen beobachtet werden, ein sogenannter Nystagmus. Dadurch entsteht das Gefühl, dass sich die Umgebung dreht. Die Symptome können der Reisekrankheit ähneln und umfassen oft auch Übelkeit, zum Teil mit Erbrechen.

Wie entsteht eine vestibuläre Migräne?

Wie genau der Schwindel im Falle der vestibulären Migräne zustande kommt, ist bisher nicht sicher geklärt. Es spielen wahrscheinlich innere (familiäre Vorbelastung, Gene) und äußere Risikofaktoren eine Rolle. Aufgrund der engen Verbindungen zwischen Neuronen des Gleichgewichtssystems (vestibulären Systems) im Hirnstamm zum nozizeptiven System, das für die Schmerzempfindung zuständig ist, geht man von einer gegenseitigen Beeinflussung (Modulation) des schmerzverarbeitenden Systems und des Gleichgewichtssystems aus. Das Gebiet des Hirnstamms ist somit entscheidend an der Entstehung des Kopfschmerzes und des Schwindels beteiligt.

Welche äußeren Faktoren beeinflussen die vestibuläre Migräne?

Die Attacken dauern zwischen wenigen Sekunden, mehreren Minuten über Stunden bis hin zu Tagen. Dabei kann der Schwindel vor, während oder auch nach den Kopfschmerzen auftreten. Allerdings verlaufen ca. 30 Prozent aller vestibulären Migräne-Attacken ohne Kopfschmerzen. Dann sind zur Diagnosestellung andere Migräne-Symptome wie Licht- und Lärmempfindlichkeit und Auren-Phänomene entscheidend. Auren-Phänomene kündigen eine Migräne kurz vor der eigentlichen Attacke an. Sie äußern sich zum Beispiel durch Lichterscheinungen, wie Flimmern und Blitze oder durch Störungen der Sensibilität, wie Kribbeln in Armen und Beinen.

Physische und psychische Belastungen wie Stress, Schlafmangel oder hormonelle Veränderungen, zum Beispiel während der Menstruation, können das Auftreten einer Attacke begünstigen. Auch eine kalorische Testung, bei der der äußere Gehörgang mit kaltem und warmem Wasser gespült wird, um das Vestibularorgan zu untersuchen, kann eine Migräne-Attacke auslösen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schwindel im Kindesalter und vestibulärer Migräne?

Bereits im Kindesalter kann ein Schwindel als Vorläufer einer Migräne auftreten. Typischerweise treten periodisch wiederkehrend Schwindelattacken bei ansonsten komplett gesunden Kindern auf. Der Schwindel kommt dabei plötzlich und ohne Vorwarnung und bildet sich innerhalb von Minuten oder Stunden zurück. Häufig treten neben den schweren Schwindelattacken auch Erbrechen und ein Nystagmus auf. Unter Nystagmus versteht man die unkontrollierbare, rhythmisch verlaufende Bewegung der Augen während eines Schwindels, wie er auch bei Gesunden auftritt, die zum Beispiel aus einem sich bewegendem Fahrzeug schauen. Manche Kinder klagen zusätzlich bereits über einen einseitigen, pochenden Kopfschmerz.

Gibt es weitere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen?

Die Kombination von Kopfschmerzen und Schwindel ist nicht selten. Es ist wichtig, verschiedene Differentialdiagnosen abzuklären.

Neben Kreislaufproblemen, die ebenfalls ursächlich für Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit sein können, sollten andere neurologische Ursachen ausgeschlossen werden.

Migräne vom Basilaristyp: Eine Sonderform der Migräne, die ihre Ursache im Bereich des Hirnstamms hat und daher neben Kopfschmerzen besonders häufig auch Übelkeit verursacht, ist die Basilarismigräne. Dabei kommt es zur Kontraktion der Gefäße im Bereich der Hirnstammarterie, der Arteria Basilaris. Die Basilarismigräne ist durch Kopfschmerzen im Bereich des Hinterkopfes gekennzeichnet und verursacht charakteristische Hirnstammsymptome, zu denen beidseitige Gesichtsfeldausfälle, Doppeltsehen, Sprach- und Gangstörungen, Hörminderung, Tinnitus und beidseitige Sensibilitäts- und Lähmungserscheinungen zählen können. Durch das Zusammenspiel der Symptome lässt sich die Basilarismigräne in den meisten Fällen klar von der vestibulären Migräne abgrenzen. Die Migräne vom Basilaristyp betrifft besonders häufig Frauen.

Morbus Menière: Da Schwindel auch von Störungen im Bereich des Vestibularorgans ausgelöst werden, müssen auch Erkrankungen, die das Innenohr betreffen, abgeklärt werden. Ein Beispiel dafür ist der Morbus Menière, eine Erkrankung des Innenohrs mit Flüssigkeitsvermehrung der Endolymphe aufgrund fehlender Resorption. Die Endolymphe ist wichtig für das Hören und den Gleichgewichtssinn. Auch der Morbus Menière kann attackenartig auftretenden und Minuten bis Stunden anhaltenden Drehschwindel, Übelkeit und Hörminderung mit Tinnitus hervorrufen.

Die Schwierigkeit bei der Diagnose der vestibulären Migräne liegt insbesondere darin, dass der Migräne-Kopfschmerz unter Umständen fehlen kann. Außerdem können die Symptome auch bei Erkrankungen des Vestibularorgans, wie dem oben genannten Morbus Menière oder dem benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel auftreten. Deshalb ist es wichtig in diesen Fällen andere klassische Migräne-Symptome, wie Lärm- und Lichtempfindlichkeit, in die Diagnostik einzubeziehen.

Wie wird der migranöse Schwindel behandelt?

Akut steht die Therapie des Schwindels und der Übelkeit im Vordergrund. Dabei kommen Antivertiginosa zum Einsatz. Ein Beispiel dafür sind Flunarizin-Kapseln (Handelsname Sibelium). Flunarizin kann auch zur Migräne-Prophylaxe verwendet werden.

Ansonsten entspricht das Vorgehen dem bei der Migränetherapie. Es werden Triptane wie Sumatriptan und Nichtopiodanalgetika eingesetzt. Bei zu starker Übelkeit und Erbrechen empfiehlt sich ein nicht-oraler Applikationsweg (zum Beispiel durch Nasensprays oder intravenöse Darreichung).

Zusätzlich kann es helfen, Ansätze zur Stressbewältigung zu finden und Ausdauersport zu betreiben, um leichter im Gleichgewicht zu bleiben.

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