Abnehmspritze & Krankenkasse: Wer übernimmt die Kosten?
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Ulrike ThiemeLetzte Änderung: 24 Okt. 2025
Abnehmspritzen wie Wegovy® oder Mounjaro® gelten als Mittel der Wahl, wenn starkes Übergewicht oder Adipositas mit medikamentöser Unterstützung behandelt werden soll. Obwohl Adipositas in Deutschland seit 2020 als anerkannte Krankheit gilt, übernehmen die Krankenkassen derzeit nicht die Kosten für die Abnehmspritzen. Lesen Sie hier mehr über die Gründe und Ihre Optionen, um dennoch einen Teil der Ausgaben zurückzuerhalten.
Warum wird Wegovy® bei Übergewicht nicht von der Krankenkasse bezahlt?
Da der zuständige Bundesausschuss Wegovy® als reines Lifestyle-Medikament eingeordnet hat, ist es von der Leistung gesetzlicher Krankenkassen ausgeschlossen. Aus diesem Grund übernehmen sie die Kosten nicht – obwohl der Arzt ein Rezept dafür ausstellt.
Zur Information: Die Einordnung als Lifestyle-Medikament nach § 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V schließt unter anderem Arzneimittel von der gesetzlichen Krankenversicherung aus, „bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht“. Darunter fallen per Gesetz auch solche Präparate, die „zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichts“ dienen.
Semaglutid zum Abnehmen
Warum bezahlt die Krankenkasse Mounjaro® nicht bei Adipositas?
Wie Wegovy® gilt auch die Abnehmspritze Mounjaro® nach § 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V als sogenanntes Lifestyle-Medikament. Sie ist damit ebenfalls als Kassenleistung ausgeschlossen. Patienten mit Adipositas und entsprechender medizinischer Notwendigkeit zum Gewichtsverlust können ein Privatrezept beim behandelnden Arzt erfragen – müssen die Kosten für die Abnehmspritze jedoch selbst tragen.
Im Abnehmmittel Mounjaro® ist der Wirkstoff Tirzepatid enthalten. Er wirkt ähnlich wie Semaglutid, der Wirkstoff in Wegovy®: Auch Tirzepatid beeinflusst den Stoffwechsel und reguliert so das Hungergefühl.
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Steht in Aussicht, dass die Kassen Abnehmspritzen künftig zahlen?
Derzeit gibt es keine konkreten Pläne, dass die Krankenkassen künftig die Kosten für Abnehmspritzen übernehmen. Ganz ausgeschlossen ist eine Änderung jedoch nicht.
Viele Politiker und Gesundheitsexperten fordern mittlerweile eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Ihre Argumentation: Starkes Übergewicht und Adipositas gehen besonders im fortgeschrittenen Stadium häufig mit Begleiterkrankungen einher. Trotz der hohen Kosten für die Medikamente würden die gesetzlichen Krankenkassen langfristig entlastet, wenn sich durch Abnehmspritzen gewichtsbedingte Begleiterkrankungen und Therapiekosten reduzieren ließen.
Kosten zurückerhalten: Abnehmspritzen von der Steuer absetzen
Auch wenn die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung nicht bezahlen – für Anwender ist dennoch finanzielle Entlastung möglich: Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie Abnehmspritzen von der Steuer absetzen.
Dazu müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:
- Ein Arzt hat Ihnen die Abnehmspritzen verschrieben, entweder in einer Praxis vor Ort oder in einer Online-Arztpraxis wie ZAVA.
- Sie sind in Deutschland steuerpflichtig.
- Sie haben die Abnehmspritzen in dem Jahr genutzt und bezahlt, für das Sie die Steuererklärung abgeben.
- Die Kassenbelege bzw. Rechnungen der Apotheke liegen vor und nennen den Namen der steuerpflichtigen Person, die Art des Rezepts, die Art der Leistung (z.B. den Medikamentennamen) und die Kosten.
- Die Kosten überschreiten die individuelle Belastungsgrenze. Dieser Richtwert wird individuell berechnet und orientiert sich an Familienstand, Einkommen und Anzahl der Kinder.
Tipp: Die Finanzämter der Bundesländer bieten häufig Online-Rechner an, die dabei helfen, die geltende Belastungsgrenze zu ermitteln. Ansonsten können Sie den Wert auch beim Steuerberater erfragen oder in der Steuersoftware einsehen. Typischerweise liegt die Grenze zwischen 1 und 7 % der Gesamteinkünfte.
In Ihrer Einkommensteuererklärung fallen die Ausgaben für Ihre Abnehmspritzen (zusammen mit allen weiteren Krankheitskosten in diesem Jahr) als sogenannte außergewöhnliche Belastung in die Kategorie der Sonderausgaben. Auf diesem Weg besteht die Möglichkeit, bis zu 40 % der Behandlungskosten zurückzuerhalten.*
* Wichtig: Die in diesem Abschnitt genannten Informationen sollen Ihnen Ihre Optionen aufzeigen und Orientierung bieten. ZAVA übernimmt keine Garantie für die Anerkennung der Ausgaben oder die Höhe der steuerlichen Ansprüche.
Was kostet eine Behandlung mit Abnehmspritzen für Selbstzahler?
Weil Abnehmspritzen als Lifestyle-Medikamente gelten, müssen Patienten die Arzneimittel grundsätzlich selbst bezahlen. Diese Regelung gilt sowohl bei einer Behandlung in einer Praxis vor Ort als auch bei einer Behandlung über eine Online-Arztpraxis wie ZAVA.
Wie hoch die Kosten genau ausfallen, hängt von mehreren Fragen ab:
- Welches Medikament verschreibt der Arzt?
- Kann die Dosierung in den Zeitabständen gesteigert werden, die der Hersteller vorsieht? Oder bleibt der Anwender länger bei einer niedrigeren Dosierung als geplant (z.B. weil Nebenwirkungen auftreten)?
- Bei welcher Erhaltungsdosis setzt der Arzt die langfristige Behandlung fest?
- Wie lange dauert die Behandlung?
Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, ergeben sich unterschiedliche Preise für die Behandlung.
Abnehmspritzen bei starkem Übergewicht und Adipositas
Sie möchten mehr dazu erfahren? In unserem Beitrag zu den Kosten von Abnehmspritzen können Sie sich einen detaillierten Überblick verschaffen.
Wieso sind Medikamente zum Abnehmen verschreibungspflichtig?
Um Medikamente gegen starkes Übergewicht und Adipositas in der Apotheke zu erhalten, muss ein Rezept vom Arzt vorliegen. Das dient dem Schutz der Patienten.
Nutzen-Risiko-Bewertung durch einen Mediziner
Nur ein Arzt kann beurteilen, ob ein bestimmtes Präparat für den Patienten geeignet ist: Durch die ärztliche Beratung lässt sich das Risiko für unerwünschte Begleiterscheinungen senken. Gleichzeitig kann ein Mediziner einschätzen, ob das Arzneimittel Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auslösen kann. Da Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid in den Stoffwechsel eingreifen und den Blutzucker regulieren, muss die Therapie immer unter ärztlicher Beobachtung erfolgen.
Medikamente zur Gewichtsregulierung nur bei medizinischer Notwendigkeit
Die Abnehmspritzen Wegovy® vom Hersteller Novo Nordisk und Mounjaro® von Eli Lilly eignen sich nicht gleichermaßen für jeden, der Gewicht verlieren möchte. Vor der Einnahme ist eine eingehende Nutzenbewertung durch einen Arzt nötig.
Mediziner verordnen Wegovy® oder Mounjaro® nur, wenn eine medizinische Notwendigkeit zum Abnehmen besteht und andere Maßnahmen kein Ergebnis erzielen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn
- der BMI (Body Mass Index) über 30 kg/m2 liegt – trotz Bewegungstherapie und Ernährungsumstellung
- der BMI zwischen 27 und 30 kg/m2 liegt und gewichtsbedingte Folgeerkrankungen vorliegen, wie Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Diabetes vom Typ 2
Zudem sollte die Anwendung von Abnehmmedikamenten immer von ergänzenden Adipositas-Therapiemaßnahmen begleitet werden. Dazu zählen eine umfassende Ernährungsumstellung und Sport.
Welche Alternativen gibt es zu Abnehmspritzen?
Neben den Original-Abnehmspritzen und ihren Nachahmerpräparaten (z.B. Nevolat® als Generikum von Saxenda®) können sogenannte Lipasehemmer (Fettbinder) infrage kommen. Lipasehemmer werden mehrmals täglich in Form von Kapseln eingenommen. Sie enthalten oft den Wirkstoff Orlistat, der die Aufnahme von Fett im Darm unterbindet.
Auch diese Präparate sind keine Kassenleistung – mit 70-120 € für eine Monatspackung sind sie aber günstiger als die Spritzen. Sie dienen ebenfalls dazu, Körpergewicht zu reduzieren, zeigen dabei aber einen geringeren Effekt als Abnehmspritzen. Eine Nutzen-Risiko-Bewertung muss auch in diesem Fall immer von einem Arzt vorgenommen werden. Nicht zuletzt, da auch Orlistat und ähnliche Präparate nur gegen die Vorlage eines Rezepts erhältlich sind.
Häufig gestellte Fragen
Wann bezahlt die Krankenkasse die Abnehmspritze?
Derzeit gar nicht: Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen momentan keine der verfügbaren Abnehmspritzen. Patienten müssen die Kosten von bis zu 490 € pro Monat selbst übernehmen – der Arzt stellt ein Privatrezept aus.
Kann der Hausarzt die Abnehmspritze verschreiben?
Ja, wenn die medizinische Notwendigkeit besteht, Gewicht zu verlieren, kann der Hausarzt Spritzen zum Abnehmen verschreiben. Das gilt bei einem BMI ab 30 – wenn Begleiterkrankungen wie Diabetes vom Typ 2 bestehen, auch schon ab einem BMI von 27. Trotz Rezept ist keine Kostenübernahme durch die Kassen möglich.
Was kostet die Abnehmspritze beim Arzt?
Mit bis zu 490 € pro Monat sind die Kosten für Abnehmspritzen wie Wegovy® oder Mounjaro® hoch. Sie werden nicht direkt beim Arzt bezahlt: Patienten holen die Fertigpens in der Apotheke ab oder lassen sie sich nach Hause schicken.
Übernimmt die private Krankenversicherung die Kosten für Abnehmspritzen?
Zur Kostenübernahme durch die private Krankenversicherung ist derzeit keine pauschale Antwort möglich. Ob private Versicherer die Kosten teilweise oder komplett erstatten, hängt von verschiedenen Faktoren ab – zum Beispiel von einem Nachweis über die medizinische Notwendigkeit und erfolglose Vorbehandlungen sowie von der ärztlichen Verordnung (ggf. mit zusätzlichem ärztlichem Attest). Auch der Tarif spielt eine Rolle: In einigen Fällen sind prinzipiell alle Lifestyle-Medikamente von der Erstattung ausgeschlossen. Patienten informieren sich im besten Fall vor Behandlungsbeginn bei ihrem Anbieter.
Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.
Lernen Sie unsere Ärzte kennenLetzte Änderung: 24 Okt. 2025
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Verordnungsausschluss von Lifestyle Arzneimitteln, Gemeinsamer Bundesausschuss, online: https://www.g-ba.de/themen/arzneimittel/arzneimittel-richtlinie-anlagen/lifestyle/, abgerufen 22.10.25
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Medikamentenkosten steuerlich absetzen: neue Regelungen ab 2025, Steuerring e.V. (Lohnsteuerhilfeverein), online: https://www.steuerring.de/steuererklaerung-hilfe-news/news/medikamentenkosten-steuerlich-absetzen-neue-regelungen-ab-2025.html, abgerufen 22.10.25
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Abnehmspritzen: Was Sie darüber wissen sollten, IKK classic, online: https://www.ikk-classic.de/gesund-machen/leben/abnehmspritze, abgerufen 22.10.25
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Semaglutid: Abnehmmedikamente als Lifestyle?, Deutsches, Ärzteblatt, online: https://www.aerzteblatt.de/archiv/238480/Semaglutid-Abnehmmedikamente-als-Lifestyle, abgerufen 22.10.25
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SGB V - Gesetzliche Krankenversicherung - § 34 Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, online: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__34.html, abgerufen 22.10.25