Abführmittel zum Abnehmen?

Dr. med. Ulrike Thieme, Medizinische Leiterin bei ZAVA , Foto rund

Medizinisch geprüft von

Dr. med. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 08 Dez 2023

Wenn der Stuhlgang beschwerlich wird, greifen viele Menschen zu Abführmitteln: Mit natürlicher oder chemischer Unterstützung bringen sie den Darm in Schwung. Doch auf die Dauer ist das keine gute Idee: Abführmittel können starke Nebenwirkungen haben und langfristig abhängig machen. Das gilt auch, wenn mit Hilfe von Abführmitteln ein Gewichtsverlust angestrebt wird. Lesen Sie hier, wie Abführmittel wirken, welche Nebenwirkungen sie haben, warum sie sich nicht für eine Diät eignen und welche Alternativen zum Abnehmen es gibt.

Inhalt
Mit Tabletten gelegter Umriss eines Darms auf hellblauem Hintergrund
 

Was sind Abführmittel?

Abführmittel werden von Fachleuten als Laxanzien bezeichnet. Sie fördern die Darmentleerung und werden gegen Verstopfung eingesetzt. Es gibt zahlreiche pflanzliche und chemische Abführmittel auf dem Markt, die sich hinsichtlich ihrer Wirkungsweise im Körper unterscheiden.

Alle chemischen Abführmittel haben gemein, dass sie auf die Dauer zur Gewöhnung führen und daher nicht langfristig eingesetzt werden sollten. Die beste Alternative, seinen Darm dauerhaft in Schwung zu bringen, ist die langfristige Umstellung des Lebensstils inklusive Ernährungsanpassung und mehr Bewegung.

Wie wirken Abführmittel?

Je nach Wirkungsweise im Körper werden verschiedene Arten von Abführmitteln unterschieden:

  • Quellmittel binden große Mengen Wasser und quellen auf. Das macht den Stuhl weicher und vergrößert die Stuhlmenge. Die meisten Quellmittel – wie Flohsamenschalen, Leinsamen oder Trockenpflaumen – sind pflanzlichen Ursprungs und werden oral eingenommen.
  • Gleitmittel sorgen dafür, dass der Stuhl leichter und schmerzfreier ausgeschieden werden kann. Sie basieren auf Paraffin oder Docusat-Natrium und werden entweder über den Mund aufgenommen oder als Zäpfchen oder Klistier verabreicht.
  • Osmotische Abführmittel ziehen Wasser in den Darm und weichen den Stuhl dadurch auf. Dazu werden entweder elektrolytreiche Stoffe wie Glaubersalz, Mannitol oder Lactulose eingesetzt oder Medikamente, die die Abgabe der Elektrolyte aus der Nahrung ins Blut blockieren und so die Elektrolytkonzentration im Darm erhöhen.
  • Stimulierende Abführmittel regen die Muskulatur des Darms an und sorgen so dafür, dass der Darminhalt schneller ausgeschieden wird.

Nebenwirkungen von Abführmitteln

Der regelmäßige Gebrauch von Abführmitteln kann (außer bei den Quellmitteln) zu starken Störungen des Elektrolythaushaltes führen. Durch den Flüssigkeitsverlust kommt es zu einem Mangel an Mineralstoffen – und besonders ein Kaliummangel kann Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Nierenversagen hervorrufen. Außerdem kommt es bei manchen Abführmitteln zu einer Gewöhnung, sodass der Darm immer träger wird und ein Teufelskreis aus Verstopfung und Abführmitteleinnahme beginnt.

Wer Quellmittel einnimmt, leider mitunter unter akuten Blähungen, bei längerer Einnahme von Paraffin kann es zur Bildung von Fremdkörpergranulomen (knötchenförmige Neubildungen) im Darm kommen.

Sind Abführmittel zum Abnehmen geeignet?

Nein. Hartnäckig hält sich die Idee, dass der Körper durch die beschleunigte Darmpassage nach der Einnahme von Abführmitteln weniger Zeit hätte, Nährstoffe aufzunehmen. Das ist jedoch falsch: Die Nährstoffe werden überwiegend im Magen und Dünndarm aufgenommen, während Abführmittel vor allem im Dickdarm wirken. Der in einigen Fällen wahrgenommene Gewichtsverlust nach der Einnahme von Abführmitteln ist lediglich auf den Flüssigkeitsverlust zurückzuführen, Abführmittel als Diät funktionieren also nicht.

Welche Risiken birgt das Abnehmen mit Abführmitteln?

Werden Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit (in diesem Fall: Verstopfung) eingenommen, sprechen Fachleute von einem Medikamentenmissbrauch. Der Gebrauch von Abführmitteln zum Abnehmen fällt in diese Kategorie – und kann zudem schwere Nebenwirkungen haben.

Wer regelmäßig Laxantien einsetzt, verliert übermäßig Flüssigkeit und Elektrolyte, was zu Herzrhythmusstörungen und Nierenversagen führen kann. Außerdem wird der Darm auf die Dauer abhängig von Abführmitteln, sodass ein Stuhlgang ohne Unterstützung irgendwann möglicherweise gar nicht mehr möglich ist.

Gemäß einer Studie aus den 1990er-Jahren kann die missbräuchliche Einnahme von Abführmitteln das Risiko für Nieren- oder der Harnwegskrebs erhöhen, aktuelle Forschungen deuten zudem auf ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko hin.

Alternativen zum Abnehmen mit Abführmitteln

Wer ernsthaft und dauerhaft Gewicht verlieren will, sollte seine Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten umstellen. Eine fettreduzierte, zuckerarme und ballaststoffreiche Mischkost, eine ausreichende Trinkmenge sowie regelmäßige sportliche Aktivität sind unerlässlich. Wichtig ist, dass die Umstellung und der damit verbundene Gewichtsverlust nicht zu schnell erfolgen: Ein halbes Kilo pro Woche ist ein gesunder Richtwert. Bei einer deutlich schnelleren Gewichtsabnahme droht der berühmte Jojo-Effekt.

Wer an starkem Übergewicht mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen oder Adipositas leidet, kann sich ergänzend Tabletten oder Fertigpens verschreiben lassen, die das Hungergefühl reduzieren und nachweisbar bei der Gewichtsreduktion helfen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Alternativen, die sich in 3 Gruppen unterteilen lassen:

  • Fettbinder vermindern die Aufnahme von Fetten aus der Nahrung. Ein Teil der aufgenommenen Fette bleibt unverdaut und wird mit dem Stuhl wieder ausgeschieden.
  • Kohlenhydratblocker hemmen die Verdauung von Zucker und Stärke. So wird nicht nur die Kalorienaufnahme verringert, sondern – dank eines gesenkten Blutzuckerspiegels – auch Heißhungerattacken vorgebeugt.
  • Appetitzügler hemmen das Hungergefühl und sorgen so dafür, dass die Anwender die Kalorienzufuhr einschränken.

➤ In dieser Übersicht erfahren Sie alles über die verschiedenen Medikamente zum Abnehmen.

Häufig gestellte Fragen

Sind Abführmittel verschreibungspflichtig?

Die meisten Abführmittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich – und müssen dann auch selbst bezahlt werden. Wenn der Verstopfung eine andere Erkrankung – wie beispielsweise Krebs oder Mukoviszidose – zugrunde liegt oder vor einer Darmspiegelung abgeführt werden soll, werden Abführmittel vom Arzt verschrieben. In diesen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das Medikament.

Kann man mit Abführmitteln abnehmen?

Nein. Abführmittel wirken im Dickdarm, die Nährstoffaufnahme erfolgt jedoch in Magen und Dünndarm. Abführmittel verhindern also nicht die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung, der eventuell messbare Gewichtsverlust beruht auf dem Verlust von Flüssigkeit und ist nicht von Dauer.

Ist es gefährlich, mit Abführmitteln abzunehmen?

Ja. Abführmittel dienen lediglich der Behandlung von hartnäckiger Verstopfung, alles andere ist Medikamentenmissbrauch und kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Machen Abführmittel abhängig?

Die regelmäßige Einnahme von Quellmitteln wie Leinsamen oder Flohsamenschalen ist unbedenklich, alle anderen Abführmittel führen auf die Dauer zu einer Gewöhnung. Die Dosis muss immer weiter erhöht werden, irgendwann ist ein geregelter Stuhlgang ohne Abführmittel überhaupt nicht mehr möglich.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. med. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Medizinische Leiterin ZAVA Deutschland

Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA Deutschland und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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Letzte Änderung: 08 Dez 2023

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