Herpesviren

Welche verschiedenen Herpesviren treten bei Menschen auf?

Letzte Aktualisierung: 05 Jun 2019

Ein Mann hat sein Smartphone in der Hand und liest sich eine Liste von verschiedenen Herpesviren durch.
Inhalt

Herpesviren stellen eine große Gruppe von Krankheitserregern dar. Entsprechend sind die Krankheitsbilder, die sie auslösen können, sehr unterschiedlich. Die Symptome reichen von Bläschen und Ausschlägen bis hin zu fieberhaften Erkrankungen mit Beteiligung von Organen. Manche Menschen entwickeln bei einer Infektion keine oder nur leichte Beschwerden.

Insbesondere Immungeschwächte können jedoch auch lebensbedrohlich an einer Herpes-Infektion erkranken. Welche Herpesviren es gibt, welche Krankheiten sie auslösen und wie man sich vor ihnen schützen kann, erklärt Zava.

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Welche Herpesviren gibt es?

Insgesamt sind mehr als 130 verschiedene Herpesviren bekannt, von denen aber nicht alle den Menschen befallen können. Bislang ist dies nur für acht Herpesviren bekannt. Mindestens fünf Herpesarten sind sehr häufig im Menschen anzutreffen:

Darunter das Herpes-Simplex-Virus 1 (HSV-1), das Herpes-Simplex-Virus 2 (HSV-2), das Varicella-Zoster-Virus, das Ebstein-Barr-Virus sowie das Zytomegalie-Virus. Mehr als 90 Prozent aller Erwachsenen sind mit mindestens einem dieser Viren infiziert, wenn auch teilweise unbemerkt.

Die drei weiteren Herpes-Arten, die im Menschen vorkommen können, sind das Humane Herpesvirus 6A/6B und 7 sowie das Kaposi-Sarkom-assoziierte Herpesvirus (KSHV).

Alle Herpesviren haben die Gemeinsamkeit, dass sie leicht übertragen werden und im Körper lange Zeit überdauern können, ohne Krankheitssymptome zu verursachen.

„Herpes“ stammt von dem griechischen Wort „herpein“, was so viel wie „kriechen“ heißt und darauf hindeutet, dass sich das Virus entlang von Nervenbahnen im Körper ausbreitet und dann unbemerkt auf seine nächste Möglichkeit des Ausbruchs wartet.

Welche Erkrankungen können die fünf häufigsten Herpesviren auslösen?

Herpes-simplex-Virus 1 und 2 (HSV-1 und HSV-2)

HSV-1 und HSV-2 sind sich in ihrer Ausprägung sehr ähnlich. Beide dringen bei einer Infektion in Schleimhautzellen ein, wo sie sich vermehren. Um sich auf weitere Zellen ausbreiten zu können, müssen sie die Zelle, in der sie enthalten sind, zerstören.

Hierdurch bildet sich an der Infektionsstelle eine Entzündung aus, die sich in einem Bläschen oder einem kleinen Geschwür zeigt. In den Bläschen befindet sich eine hochinfektiöse Flüssigkeit mit Herpesviren, die sich nun an feine Nervenendungen anlagern können und auf diese Weise zur Nervenzelle gelangen. Hier überdauert das Virus geschützt vor dem Immunsystem des Menschen eine lange Zeit und kann bei einer Immunschwäche erneut reaktiviert werden. Man spricht hierbei von einer persistierenden Infektion.

HSV-1 und HSV-2 unterscheiden sich vor allem in ihrer Häufigkeit und der Körperregion, die sie infizieren. Während HSV-1 als sogenannter „Lippenherpes“ vor allem den Bereich im Mund und um die Lippen herum oder die Mundwinkel befällt und etwa 80 bis 90 Prozent der Herpes-Fälle ausmacht, betrifft HSV-2 als „Genitalherpes“ vor allem die Haut an den Geschlechtsorganen. Nur etwa 8 bis 23 Prozent aller Menschen sind mit diesem Virus infiziert.

Das Varizella-Zoster-Virus

Das Varizella-Zoster-Virus (auch HHV-3) verursacht Windpocken und Gürtelrose. Auch dieses Herpesvirus ist über Tröpfchen hochansteckend und führt typischerweise bei Kindern zu Windpocken. Wird diese Infektion durchgemacht, besteht ein lebenslanger Schutz vor einer Neuansteckung.

Auch das Varizella-Zoster-Virus verbleibt aber in den Nervenzellen des Infizierten und kann bei einer Immunschwäche nach einigen Jahren erneut ausbrechen. Dieser Ausbruch stellt sich dann allerdings nicht als die typischen Windpocken, sondern als Gürtelrose (Herpes zoster) oder Zoster sine herpete (Zoster ohne Bläschen) dar. Die Gürtelrose zeichnet sich durch einen äußerst schmerzhaften, bläschenbildenden Hautausschlag aus.

Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus, um einer späteren Gürtelrose und anderen lebensbedrohlichen Komplikationen bei einer Infektion mit diesem Virus vorzubeugen.

Das Ebstein-Barr-Virus

Das Ebstein-Barr-Virus (auch HHV-4) löst das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch Mononukleose genannt, aus. Da es auch bevorzugt über Flüssigkeiten, insbesondere Speichel übertragen wird, wird diese Erkrankung auch „Kissing Disease“ genannt. Zumeist wird es bei einer Infektion jedoch nur bei Jugendlichen und Erwachsenen symptomatisch.

Erfolgt eine Ansteckung im Kindesalter, folgt darauf meistens keine Erkrankung. Dieser „stumme“ Verlauf bedingt, dass ab dem vierzigsten Lebensjahr etwa 98 Prozent aller Menschen mit diesem Virus infiziert sind. Das Pfeiffersche Drüsenfieber kann sich unter anderem durch geschwollene Lymphknoten, eine Halsentzündung, eine Milzvergrößerung und generelle Krankheitssymptome bemerkbar machen. Das Ebstein-Barr-Virus wird zudem verdächtigt, Krebserkrankungen wie Morbus Hodgkin und anderen Lymphdrüsenkrebs auszulösen.

Das Zytomegalie-Virus

Das Zytomegalie-Virus (auch HHV-5) ist unter Menschen ebenfalls weit verbreitet. Es sind etwa 30 bis 90 Prozent aller Menschen infiziert (abhängig vom Lebensstandard). Wer sich mit diesem Virus ansteckt, bemerkt davon in den meisten Fällen keinerlei Krankheitssymptome.

Gefährlich wird die Ansteckung nur für solche Menschen, die ein sehr schwaches Immunsystem haben, z.B. Frühgeborene, AIDS-Patienten oder Menschen, die ihr Immunsystem mit Medikamenten unterdrücken müssen (beispielsweise aufgrund einer Organtransplantation). Hier kann es zu Darmentzündungen, zu einer Netzhautentzündung mit folgender Erblindung oder auch zu einer Transplantatabstoßung kommen.

Auch ungeborene Kinder im Mutterleib sind durch eine Zytomegalie-Infektion stark gefährdet. Kommt die Mutter zum ersten Mal in Kontakt mit dem Virus und gelangt dieses über die Nabelschur zum Kind, kann dies zu Fehlbildungen und nachfolgend zum Tod oder zu Behinderungen beim Kind führen. Für Mütter, die bereits vor der Geburt mit dem Zytomegalie-Virus infiziert waren, besteht dagegen keine Gefahr.

Was sind seltenere Krankheiten, die durch Herpesviren ausgelöst werden?

Vom Humanen Herpes-Virus Typ 6 (auch HHV-6) gibt es zwei Typen: Typ 6A und Typ 6B. Während Typ 6A bislang noch mit keiner Erkrankung in Verbindung gebracht werden konnte, verursacht Typ 6B das sogenannte Drei-Tage-Fieber im Säuglings- oder Kleinkindalter. Ob das Virus an weiteren Erkrankungen wie z.B. Multipler Sklerose oder Unfruchtbarkeit beteiligt ist, wird derzeit diskutiert. Bekannt ist, dass es auch den Herzmuskel befallen und schädigen kann.

Auch das Humane Herpes-Virus Typ 7 (auch HHV-7) kann das Drei-Tage-Fieber auslösen, allerdings deutlich seltener als das HHV-6B. Es kann daneben Symptome wie z.B. einen grippalen Infekt, Fieber, Ausschlag und Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Zumeist verläuft eine Infektion aber symptomlos.

Darüber hinaus ist das Virus möglicherweise beteiligt an der Entstehung von Hirnstörungen, Leberentzündungen und der Röschenflechte.

Das Humane Herpes-Virus Typ 8 (auch HHV-8, oder Kaposi-Sarkom-Herpesvirus) verursacht das sogenannte Kaposi-Sarkom und seltene Formen von Lymphdrüsenkrebs. Auch das HHV-8 kann im Körper unbemerkt überdauern und wird durch eine Schmierinfektion übertragen. Vor allem bei immungeschwächten Menschen, z.B. bei AIDS, kann es die genannten Krebserkrankungen auslösen. Das Kaposi-Sarkom zeichnet sich durch braun-bläuliche Knoten in Haut und Schleimhäuten aus, die metastasieren können.

Was hilft gegen Herpesviren?

Da die meisten Herpesviren hochansteckend sind und auch von Menschen ausgeschieden werden können, bei denen keine Krankheitssymptome sichtbar sind, kann man sich nur schwer vor einer Herpes-Ansteckung schützen. Eine Ausnahme bildet hier das Varizella-Zoster-Virus, gegen das man sich impfen lassen kann.

Um einen erneuten Krankheitsausbruch von einem Herpesvirus zu vermeiden, sollte man seine Abwehrkräfte stärken, da ein geschwächtes Immunsystem eine Reaktivierung des Virus zur Folge haben kann. Im Falle einer ausgeprägten oder lebensbedrohlichen Herpesinfektion stehen sogenannte Virustatika, d.h. antivirale Medikamente zur Verfügung, die die weitere Ausbreitung des Virus verhindern können.

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Dr. Friederike Ebigbo Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Dr. Friederike Ebigbo ist Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Derzeit arbeitet sie an einer Frauenklinik in der Schweiz. Sie schloss 2011 das Medizinstudium an der Technischen Universität München ab.

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