Augenmigräne

Was ist Augenmigräne?

Letzte Aktualisierung: 10 Jun 2019

Eine junge Frau greift sich mit den Fingern auf ihre Augen und vermutet, eine Augenmigräne während ihrer Arbeit erleidet zu haben.
Inhalt

Die Augenmigräne, in der Fachsprache ophthalmische Migräne genannt, ist eine besondere Form der Migräne. Vordergründig treten hierbei Sehstörungen an beiden Augen und gegebenenfalls Schmerzen in den Augen auf. Kopfschmerzen können bei einer ophthalmische Migräne auftreten, sind aber eher selten mit dieser verbunden. Wie diese Form der Migräne entsteht, was man während des Augenmigräne-Anfalls und zur Vorbeugung machen kann und wann ein Arzt aufgesucht werden sollte, erklärt Zava im folgenden Artikel.

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Was unterscheidet die Augenmigräne von anderen Migräneformen?

Die Augenmigräne, in der Fachsprache auch als ophthalmische Migräne bezeichnet, ist im Unterschied zur allgemein bekannten Migräne nicht in jedem Fall von Kopfschmerzen begleitet. Die Augenmigräne muss hierbei vor allem von der Migräne mit Aura abgegrenzt werden. Bei der Migräne mit Aura treten die visuellen Erscheinungen vor dem eigentlichen Kopfschmerz-Anfall auf.

Die Augenmigräne hingegen ist durch die starke Augenbeteiligung während des Anfalls gekennzeichnet. Hier sind die Kopfschmerzen, falls sie überhaupt auftreten, meist weniger ausgeprägt als die Beschwerden in den Augen.

Eine vestibuläre Migräne kann ebenfalls Sehstörungen auslösen, zeichnet sich aber vorwiegend von durch Schwindel begleitete Kopfschmerzen aus. Die Sehstörungen sind allerdings durch den Schwindel bedingt oder treten im Zusammenhang mit einer Aura auf, welche auch die vestibuläre Migräne begleiten kann.

Die retinale Migräne betrifft nur die Retina, also die Netzhaut im Augenhintergrund. Im Gegensatz zur Augenmigräne ist jedoch bei der retinalen Migräne nur ein Auge betroffen.

Welche Symptome hat eine Augenmigräne?

Die Augenmigräne betrifft immer beide Augen. Typisch für die ophthalmische Migräne sind:

  • Skotome, also Einschränkungen des Gesichtsfeldes
  • Flimmerskotome und Lichtblitze
  • Sehverlust auf einem Auge

Sehr häufig kommt es bei der Augenmigräne zu Ausfällen des Gesichtsfeldes, den sogenannten Skotomen. Sie entstehen entweder als Verengung des normalen Blickfeldes von außen nach innen oder als Ausfälle mitten im Gesichtsfeld. Bei einer leichten Verengung kann diese unter Umständen erst später wahrgenommen werden, da die Rundumsicht mit einem Drehen des Kopfes in die entsprechende Richtung – beispielsweise beim Autofahren – noch erreicht wird. Treten jedoch größere Ausfälle oder Ausfälle inmitten des Gesichtsfeldes auf, bleibt dies nicht unbemerkt und kann starke Ängste oder sogar Panikattacken bei den Betroffenen auslösen.

Diese Ausfälle sind individuell unterschiedlich ausgeprägt. Manche Betroffene berichten von einer Gesichtsfeldeinschränkung mit dunkler Umgebung, also einer Wahrnehmung wie mit Scheuklappen. Oft treten auch Flimmerskotome auf, also Einschränkungen der Sicht, bei denen jedoch nicht „nichts“ wahrgenommen wird. Bei einem Flimmerskotom zeigt sich der Ausfall dergestalt, dass ein Teil des Gesichtsfeldes unscharf oder flimmernd erscheint. Wie bei einer Migräne-Aura können diese Skotome auch wandern oder sich im Verlauf verändern.

Auch Lichtblitze gehören zu einer Augenmigräne. Diese zeigen sich ähnlich wie wenn man in eine sehr helle Lampe schaut und die entstandenen grellen Flecken anschließend nicht mehr aus dem Sichtfeld verschwinden.

Auch eine Kombination der beschriebenen Symptome tritt immer wieder auf. Lichtblitze und Flimmern gehen unter Umständen in Skotome über, bis eine starke Gesichtsfeldeinschränkung vorliegt. Diese Symptome können sich bei den Betroffenen über die Jahre auch ändern und in andere Migräne-Formen übergehen.

Was passiert bei sehr stark ausgeprägter Augenmigräne?

Bei starken Formen der ophthalmischen Migräne können solche Sehstörungen sogar bis hin zu einem einseitigen Sehverlust oder optischen Halluzinationen führen. Dabei werden Gegenstände o.a. wahrgenommen, die in der Realität nicht vorhanden sind.

Die Augenmigräne kann, muss aber nicht von Kopfschmerzen begleitet werden. Die Kopfschmerzen sind auch bei der ophthalmischen Migräne pulsierend. Durch eine ausgeprägte Einschränkung des Gesichtsfeldes kann es allerdings häufig auch zu Gleichgewichtsstörungen kommen, der als Schwindelanfall beschrieben wird.

Prinzipiell kann jedes Symptom der allgemeinen Migräne auch bei einer Augenmigräne auftreten. Meist dauert der Anfall bei einer ophthalmischen Migräne im Gegensatz zu anderen Formen weniger als eine Stunde.

Wer ist von ophthalmischer Migräne betroffen?

Die ophthalmische Migräne ist eine Unterform der klassischen Migräne. Wie bei jeder Migräneform sind Frauen häufiger betroffen als Männer, und zwar etwa im Verhältnis 3:1. Die Augenmigräne tritt am häufigsten bei Menschen zwischen 15 und 45 Jahren auf.

Migräne zählt zu den neurologischen Erkrankungen und kann prinzipiell jeden Menschen treffen, es gibt jedoch starke Hinweise auf genetische Einflussfaktoren. Wenn also in der Familie bereits Migräne-Erkrankungen vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten von Migräne-Anfällen deutlich erhöht. Die verschiedenen Migräne-Arten treten jedoch bei jedem Betroffenen unterschiedlich auf: Patienten berichten, dass die Arten ineinander übergehen, sich nach Jahren verändern oder stets gleichbleibend sein können.

Eine ophthalmische Migräne kann also bei einem Migräne-Patient erst nach Jahren zum ersten Mal auftreten. Häufiger ist es jedoch, dass sich die Augen-Beteiligung nach und nach einschleicht oder bereits von Beginn an vorhanden ist.

Was sind die Ursachen für eine Augenmigräne?

Die Ursachen für eine Augenmigräne sind, wie für alle Arten der Migräne, noch nicht vollständig erforscht. Es wird eine unter anderem genetisch bedingte Fehlregulation der Blutgefäße im Gehirn vermutet. Dadurch kommt es zu Durchblutungsstörungen verschiedener Teile des Gehirns. Außerdem schütten die Blutgefäße bestimmte Botenstoffe aus, die den streng geregelten Signalhaushalt durcheinander bringen. Bei der ophthalmischen Migräne kommt es vermutlich zu Durchblutungsstörungen im Bereich der Sehrinde, also in dem Teil des Gehirns, der die visuellen Reize verarbeitet. Dadurch kommen an dieser Stelle Fehlinformationen an, die als Sehstörungen wahrgenommen werden.

Eine andere Erklärung, die die Durchblutungsstörungen allerdings nicht ausschließt, bezieht eine nervale Ursache ein: Bei der Augenmigräne findet ein Ungleichgewicht von Erregung und Hemmung der Nerven statt, die mit dem Sehnerv in Verbindung stehen. Dadurch leitet der Sehnerv die wahrgenommenen Bilder nicht mehr korrekt weiter, sondern wird in der Übertragung der visuellen Reize gestört. Auch dies kann zu Erscheinungen wie Lichtblitzen, Ausfällen oder Doppelbilder führen.

Zu solchen Gefäß- oder Nervenstörungen tragen bestimmte Triggerfaktoren wie Alkohol, Stress, manche Lebensmittelbestandteile und Lichtreize bei. Oft kennen die Patienten die Auslöser und meiden diese, wodurch Anfälle seltener werden. Da die Ursachen innerhalb des Gehirns liegen, findet die Symptomatik in der Regel auch bei geschlossenen Augen statt. Besonders Lichtblitze und Flimmern gehen mit dem Schließen der Augen nicht weg, was den Leidensdruck der Betroffenen sehr groß macht.

Wie kann man einen akuten Augenmigräne-Anfall behandeln?

Bei einem leichten Anfall helfen oft auch Hausmittel gegen Migräne. Besonders Ruhe und Dunkelheit werden von Betroffenen als sehr erleichternd beschrieben, wodurch Schmerzmittel nicht immer notwendig sind.

Bei starken, akuten Migräne-Anfällen helfen am besten schnell wirksame Schmerzmittel. Da ein Anfall bei der ophthalmischen Migräne meist maximal eine Stunde lang andauert, kann bei sofortiger Reaktion mit Triptanen wie Sumatriptan eine schnelle Besserung erreicht werden. Auch frei verkäufliche Schmerzmittel können helfen, dies ist individuell sehr unterschiedlich und muss von Betroffenen selbst beurteilt werden. Da die Anfälle aber meistens sehr kurz sind (5-10 Minuten), wird in der Regel keine medikamentöse Therapie benötigt.

Kann man den ophthalmischen Migräne-Anfällen vorbeugen?

Eine Vorbeugung ist besonders dann gut möglich, wenn die Triggerfaktoren bekannt sind. Diese sind individuell sehr unterschiedlich, sehr häufig zählen Alkohol, Stress, bestimmte Lebensmittelbestandteile oder ungewohnte Lichtreize dazu. Eine Vermeidung solcher Faktoren reduziert die Häufigkeit von Migräne-Anfällen erheblich.

Wann muss bei Augenmigräne ein Arzt aufgesucht werden?

Tritt die Augenmigräne das erste Mal auf, sollte dies in jedem Fall von einem Arzt abgeklärt werden. Hinter den Symptomen können auch ernste Augenerkrankungen stecken, was ein Augenarzt jedoch mit einem Blick in den Augenhintergrund meist zügig beurteilen kann. Auch bei Verschlimmerung der ophthalmischen Migräne und bei starkem Leidensdruck ist es sinnvoll, einen Arzt um Rat zu fragen.

Eine sehr seltene, aber ernst zu nehmende Komplikation der ophthalmischen Migräne ist die ophthalmoplegische Migräne. Dabei kommt es zu einer Lähmung von Nerven, die zur Augenmuskulatur führen. Sie macht sich durch eine Fehlstellung der Augen bemerkbar und klingt nicht immer von alleine ab, deshalb sollte bei einer solchen Symptomatik sofort ein Arzt aufgesucht werden. Hiervon sind besonders Kinder und Jugendliche betroffen.

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Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab und begann anschließend ihre klinische Forschung am National Hospital for Neurology and Neurosurgery London.

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