Weicher Schanker

Wie äußert sich Weicher Schanker und wie wird er behandelt?

Letzte Aktualisierung: 16 Jun 2019

Eine Frau verspürt bei ihrem Spaziergang immer wieder schmerzen im Genitalbereich, die von der Krankheit weicher Schanker ausgelöst werden.
Inhalt

Der weiche Schanker, auch Ulcus molle oder Chancroid genannt, ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Haemophilius ducreyi hervorgerufen wird.

Übertragen wird der Weiche Schanker überwiegend durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Seinen Namen verdankt er den durch ihn hervorgerufenen Geschwüren im Genitalbereich, die ein weiches Infiltrat enthalten.

Beim Verdacht auf eine vorliegende Geschlechtskrankheit kann ein Geschlechtskrankheiten-Test Klarheit verschaffen.

Was ist weicher Schanker und was macht er?

Der Weiche Schanker ist eine Geschlechtskrankheit, die durch ein Bakterium namens Haemophilius ducreyi ausgelöst wird. Der Übertragungsweg erfolgt beim Geschlechtsverkehr über direkten Schleimhautkontakt. Eine Infektion wird durch vorhandene Verletzungen im Genitalbereich begünstigt. Obwohl das Ansteckungsrisiko vergleichsweise hoch ist, kommt diese Krankheit in Europa und anderen Industrieländern sehr selten vor. Das liegt daran, dass sich das Bakterium besonders gut in Bevölkerungsgruppen mit schlechten hygienischen Bedingungen ausbreiten kann. Aus diesem Grund ist der Weiche Schanker, anders als in Europa, wo er nur gelegentlich als importierte Krankheit auftritt, hauptsächlich in Afrika, Südostasien und Lateinamerika verbreitet. Außerdem sind Männer häufiger vom weichen Schanker betroffen als Frauen. Diese infizieren sich dagegen oft unbemerkt und zeigen keine Symptome. Auch sie sind Trägerinnen des Erregers und können andere mit diesem anstecken.

Welche Symptome bringt eine Weiche Schanker-Infektion mit sich?

Hat man sich mit dem Bakterium angesteckt, treten nach ca. ein bis fünf Tagen mehrere, sehr schmerzhafte und scharf begrenzte Geschwüre im Genitalbereich auf. Diese äußern sich als Eiterbläschen und Knötchen, die einen weichen Randwall aufweisen. In den meisten Fällen treten diese im Bereich der männlichen Vorhaut und des Vorhautbändchens bzw. der weiblichen Schamlippen auf. Bei Frauen können die Geschwüre auch in der Vagina, am Gebärmutterhals oder um den Anus herum auftreten.

Ebenfalls kann eine Infektion durch ungeschützten Oralverkehr stattfinden. In diesen Fällen beobachtet man die Hautgeschwüre im Bereich der Mund- und Rachenschleimhaut. In seltenen Fällen können die beulenähnlichen Geschwüre auch außerhalb des Genitalbereiches durch sogenannte „Autoinokulation“, also Selbstinfektion durch Keimverschleppung auftreten, wie zum Beispiel an den Innenschenkeln, Brüsten oder Fingern.

Die Eiterbläschen platzen meistens nach wenigen Tagen auf und bilden schmerzhafte, eiternde Geschwüre mit knötchenförmigen Grund. Nach Tagen bis Wochen kann man bei den Erkrankten ein- oder beidseitige Lymphknotenschwellungen mit Rötungen in der Leistengegend beobachten. Diese sind eitrig entzündet und bilden Fisteln. Tastet ein Arzt die geschwollenen Lymphknoten ab, ist das für die Betroffenen sehr schmerzhaft. Werden die entzündeten Lymphknoten längere Zeit nicht behandelt, können sich sog. Bubonen (= Beulen) bilden, die nach außen durchbrechen können, wenn sie vorher nicht durch eine Drainage von einem Arzt abgeleitet werden.

Welche Risiken birgt eine Infektion mit Weichem Schanker?

Eine Infektion mit Weichem Schanker erleichtert eine Infektion mit anderen Geschlechtskrankheiten, wie z.B. HIV. Das liegt zum einen daran, dass Menschen die sowohl mit HIV, als auch mit dem Weichen Schanker infiziert sind, das HI-Virus durch die eitrigen Geschwüre im Genitalbereich vermehrt ausscheiden. Beim Geschlechtsverkehr können diese Geschwüre bluten und auf diesem Weg das HI-Virus freisetzen. Der Übertragungsweg von HIV wird mit einer Weiche Schanker-Erkrankung also erheblich erleichtert und die Infektiösität bzw. Ansteckungsgefahr für HIV ist erhöht.

Auf der anderen Seite sind Menschen, die mit dem Weichen Schanker infiziert sind, auch anfälliger für eine HIV-Infektion. Das liegt zum einen daran, dass die Geschwüre im Genitalbereich die vor Keimen schützende Schleimhautbarriere zerstören und somit HI-Viren leichter in den Körper und in die Blutbahn gelangen können. Zum anderen nimmt man an, dass Hämophilius ducreyi bestimmte Immunzellen aktiviert, die vom HI-Virus befallen werden können und diese an die Oberfläche der Genitalgeschwüre lockt. Das HI-Virus hat es auf diese Weise besonders leicht, einen neuen Wirt zu befallen und sich dort zu vermehren.

Neue Erkenntnisse zeigen außerdem, dass das Weiche Schanker-Bakterium spezifische Antigene enthält, die die HI-Wirtszellen, die sogenannten T-Zellen, besonders anfällig für das HI-Virus machen. Aus diesen Gründen kann ein Weicher Schanker als Eintrittspforte für HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten dienen.

Wie wird eine Weiche Schanker-Infektion diagnostiziert?

Anhand der körperlichen Befunde, wie Genitalgeschwüre und Lymphknotenschwellungen in der Leistengegend, ist es schwierig festzustellen, ob es sich um eine Infektion mit Weichem Schanker handelt. Sogar erfahrenen Ärzten und Ärztinnen fällt es anhand der körperlichen Untersuchung oft nicht leicht zwischen einer primären Syphilis-, Genitalherpes- oder Weicher Schanker-Infektion zu unterscheiden. Da man das Bakterium schlecht auf einem Nährboden anzüchten und anschließend per Mikroskop betrachten kann, hat in den letzten Jahren der Erbgut-Nachweis von Hämophilius ducreyi im Blut an Bedeutung gewonnen. Auf diese Weise wird mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR), ein enzymabhängiges Verfahrens zur Vervielfältigung bestimmter DNA-Sequenzen, die DNA des Weicher Schanker-Erreger nachgewiesen.

Allerdings erfordert der Erregernachweis durch PCR einen Zugang zu Laboren mit spezialisierten technischen Geräten und Fachpersonal und er dauert meistens mehrere Tage. Aus diesem Grund ist dieser Weg des Erregernachweises nicht überall möglich. Insbesondere in den Ländern, in denen Patienten mit Weichem Schanker medizinische Hilfe benötigen, wird vorwiegend symptomatisch behandelt und auf den aufwendigen Erregernachweis verzichtet.

Wie wird eine Weiche Schanker-Infektion behandelt?

Es hat sich herausgestellt, dass es erfolgreicher ist, Patienten und Patientinnen mit den beschriebenen Symptomen im Genitalbereich mit einem Antibiotikum zu behandeln, als die Krankheit zuerst im Labor nachzuweisen oder spezifische Algorithmen anzuwenden. Als medikamentöse Therapie wird derzeit eine der folgenden Antibiotika-Anwendungen empfohlen:

  • 1 g Azithromycin (oral - einmalig)
  • 250 mg Ceftriaxon (intramuskulär - einmalig)
  • Ciprofloxacin (3 Tage)
  • Erythromycin (7 Tage)

Normalerweise ist die Antibiotikatherapie sehr erfolgreich. In seltenen Fällen, z.B. bei Patienten mit einer HIV-Infektion, ist die Antibiotika-Therapie erfolglos. Es ist außerdem bekannt, dass die Wundheilung bei HIV-positiven Patienten reduziert ist. Aus diesen Gründen benötigen diese Patienten eine intensivere Nachkontrolle.

Falls Bubonen vorhanden sind, werden diese von einem Arzt durch eine Drainage abgeleitet. Alle Patienten sollten außerdem nach abgeschlossener Behandlung nachkontrolliert werden, um sicherzustellen, dass die Wunden abgeheilt sind und um auszuschließen, dass sich die Person erneut infiziert hat. Aus diesem Grund gehört neben der medikamentösen Behandlung bei Weichem Schanker auch die gesundheitliche und sexuelle Aufklärung, um einer erneuten Infektion vorzubeugen.

Kann man sich immer wieder mit Weichem Schanker anstecken?

Ja, man kann sich immer wieder mit Weichem Schanker anstecken, da es sich hierbei um eine bakterielle Erkrankung handelt. Eine Immunität durch bereits erfolgte Erkrankung kann nur bei Virusinfektionen erreicht werden, wie z.B. Masern. Aus diesem Grund schützt eine erfolgreich behandelte Infektion mit dem Weiche Schanker-Bakterium nicht vor einer erneuten Ansteckung.

Wie kann man sich vor Weichem Schanker schützen?

Ein wichtiger Schutz vor Weichem Schanker ist Safer Sex, also z.B. das Verwenden von Kondomen bzw. das Vermeiden von direktem Schleimhautkontakt beim Geschlechtsverkehr. Dies trifft im Fall des Weichen Schankers insbesondere beim Geschlechtsverkehr mit „Risikokontakten“ zu, z.B. in tropische Ländern, wo diese Krankheit vermehrt auftritt. Auch beim Petting kann das Bakterium übertragen werden. Infizierte Personen sollten bis zum Abschluss der Behandlung und Abheilen aller Wunden keinen Geschlechtsverkehr haben. Sexualpartner sollten aufgeklärt, untersucht und beraten werden.

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Dr. Friederike Ebigbo Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Dr. Friederike Ebigbo ist Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Derzeit arbeitet sie an einer Frauenklinik in der Schweiz. Sie schloss 2011 das Medizinstudium an der Technischen Universität München ab.

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