Herzinfarkt bei Frauen

Besonderheiten eines Herzinfarkts bei Frauen

Ältere Frau verspürt am Morgen einen drückenden Schmerz in der Brust und macht sich Sorgen über einen Herzinfarkt.
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Entgegen häufiger Annahmen ist der Herzinfarkt keine typische Männerkrankheit. Im Gegenteil ist es ein schwerwiegendes Ereignis, das Männer und Frauen gleichermaßen betrifft. Allerdings können sich die Symptome bei Frauen deutlich von denen bei Männern unterscheiden. Studien zufolge fällt es Frauen deshalb oft schwerer, die Anzeichen richtig zu deuten. So kann unter Umständen ein Herzinfarkt bei Frauen zu spät erkannt werden, was die Erfolgsaussichten einer Behandlung verschlechtert.

Zava erklärt die häufigsten Ursachen und die typischen Anzeichen eines Herzinfarktes bei Frauen.

Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt entsteht durch ein Blutgerinnsel, das ein Herzkranzgefäß verstopft. Die medizinische Bezeichnung für ein Blutgerinnsel ist Thrombus. Der Thrombus schwimmt im Blut mit, bis er ein kleines Gefäß erreicht, wo er nicht mehr hindurch passt. Dort verhindert er den Blutfluss für die von diesem Gefäß versorgten Zellen. Das kann alle Regionen des Körpers betreffen. Ein verstopftes Gefäß im Gehirn bezeichnet man als Schlaganfall, wird ein Herzgefäß verstopft, so ist das ein Herzinfarkt. Dabei befindet sich der Thrombus nicht im Herz selbst, sondern in einem Gefäß, das die Herzmuskulatur versorgt (Herzkranzgefäß). So kann das Herz in dem betroffenen Gebiet nicht mehr schlagen, was je nach Ausmaß des Infarkts lebensbedrohliche Folgen haben kann.

Welche Frauen haben ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt?

Die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind bei Frauen überwiegend sehr ähnlich wie bei Männern. Für einen Herzinfarkt gibt es unterschiedliche Risikofaktoren, von denen manche beeinflussbar sind und andere nicht. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen vor allem Rauchen, ungesunde Ernährung, Fettleibigkeit, mangelnde körperliche Betätigung und Bluthochdruck. Nicht beeinflussbar hingegen sind das Alter, das vor allem bei Frauen über 55 als riskant gilt sowie eine Familiengeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Folge von einem oder mehreren dieser Risikofaktoren ist in erster Linie die Arteriosklerose, eine Verkalkung der Blutgefäße. In den Herzkranzgefäßen wird die Arteriosklerose als koronare Herzkrankheit bezeichnet. Eine gefürchtete Komplikation der koronaren Herzkrankheit ist der Herzinfarkt.

Gibt es spezielle Risiken für Frauen?

Ein wichtiger Risikofaktor, der nur bei Frauen vorkommt, ist die Präeklampsie in der Schwangerschaft. Sie wird umgangssprachlich auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet. Bei der Präeklampsie kommt es unter anderem zu einem ausgeprägten Bluthochdruck, der akut für Fötus und Mutter lebensbedrohlich ist. Zusätzlich konnte in Studien gezeigt werden, dass bei der Präeklampsie eine starke Belastung für den Herzmuskel entsteht. Dadurch kann sich langfristig eine Herzinsuffizienz entwickeln. Aus bisher nicht vollständig geklärten Ursachen ist die Eklampsie auch der wichtigste Risikofaktor, der speziell für Frauen berücksichtigt werden muss.

Bei Frauen kann in äußerst seltenen Fällen auch die Einnahme der Pille eine Thrombose auslösen. Dabei sind jedoch venöse Thrombosen wie zum Beispiel eine tiefe Beinvenenthrombose häufiger. Ebenso können andere hormonelle Verhütungsmethoden wie der Vaginalring und das Verhütungspflaster eventuell das Risiko für Blutgerinnsel erhöhen.

Der Risikofaktor Alter spielt nicht nur allgemein bezüglich der Entstehung von Arteriosklerose eine wichtige Rolle. Ärzte haben festgestellt, dass Frauen ab den Wechseljahren aufgrund der Hormonumstellung ein erhöhtes Thromboserisiko haben. Bei Männern steigt das Risiko mit zunehmendem Alter ebenfalls. Für Frauen konnte jedoch eine Kurve mit deutlichem Anstieg ab dem Zeitpunkt der Wechseljahre nachgewiesen werden. Vor dem Alter von etwa 55 Jahren liegt die Ereignisrate für thrombotische Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Männern wesentlich höher. Ab 55 treten jedoch bei Frauen vermehrt Komplikationen auf, was vermutlich vor allem auf die veränderte Hormonkonstellation zurückzuführen ist.

Welche Symptome des Herzinfarkts treten bei beiden Geschlechtern häufig auf?

Typische Symptome eines Herzinfarkts sind Brustenge sowie Schmerzen oder Stechen besonders in der linken Schulter, was in den linken Arm oder den oberen Rücken ausstrahlen kann. Vor diesen Anzeichen wird häufig gewarnt und die meisten Menschen kennen sie als Alarmsignal für einen Herzinfarkt. Sie sind jedoch eher männer-typisch und können bei Frauen abgeschwächt oder gar nicht auftreten.

Welche Anzeichen eines Herzinfarkts treten typischerweise eher bei Frauen auf?

Bei Frauen zeigen sich häufig nicht die typischen Symptome eines Herzinfarkts. Andere, noch unspezifischere Anzeichen für einen Herzinfarkt sind bei Frauen jedoch ebenfalls sehr häufig. Die durch den Herzinfarkt ausgelösten Schmerzen spüren viele Frauen nicht im Arm oder im Rücken, sondern vor allem im oberen Bauch. Nur wenige Menschen wissen, dass dazu auch Übelkeit und Erbrechen kommen können.

Nicht immer sind es jedoch unbedingt Schmerzen, die bei Frauen auf einen Herzinfarkt hinweisen. Besonders im Bereich der Brust und des Oberbauchs sind Frauen oft eher von einem Druckgefühl anstelle stechender Schmerzen betroffen. Auch Atemnot tritt bei Frauen immer wieder, besonders in Zusammenhang mit einem Engegefühl in der Brust auf.

Solche Anzeichen treten allerdings häufiger auch bei anderen Erkrankungen auf und sind nicht unbedingt ein Grund zur Sorge. Symptome wie Atemnot und Oberbauchbeschwerden kommen relativ oft vor, sodass sie nicht richtig gedeutet oder gar nicht ernst genommen werden. Besonders wenn die Symptome erstmals oder extrem stark ausgeprägt auftreten, muss aber unbedingt an einen Herzinfarkt gedacht werden.

Gibt es andere Therapiemöglichkeiten für Frauen als für Männer?

Die Akuttherapie mit sofortigem Transport ins Krankenhaus, Medikamentengabe oder Herzkatheterisierung erfolgt bei beiden Geschlechtern gleich. Ziel ist es, die Durchblutung des Herzmuskels an der betroffenen Stelle so schnell wie möglich wieder zu gewährleisten. So kann das Überleben gesichert und Folgeschäden verhindert werden.

Die Erkenntnis, dass die Herzinfarktrate bei Frauen ab der Menopause deutlich ansteigt, begünstigte Überlegungen, ob eine Hormonersatztherapie einen Infarkt unter Umständen verhindern kann. Zahlreiche Studien zum Zusammenhang zwischen einer Hormonersatztherapie mit Östrogen und dem Vorkommen von Herzinfarkten konnten jedoch keine deutliche Verbesserung zeigen. Wegen der zahlreichen Nebenwirkungen von Östrogentherapien wird deshalb von einer Hormonbehandlung zur Vorbeugung von Herzinfarkten aus ärztlicher Sicht abgeraten.

Die wichtigsten Bestandteile einer Therapie nach Herzinfarkt bei Männern und Frauen sind Medikamente, die die Gerinnung beeinflussen (Blutverdünner wie zum Beispiel Aspirin), Blutdrucksenker und Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels.

Wie sollten Frauen sich nach einem Herzinfarkt verhalten?

Wenn es bereits zu einem Herzinfarkt kam, sind verschiedene Verhaltensmaßnahmen zur Rehabilitation und Vorbeugung weiterer Infarkte wichtig.

Besonders dringend wird geraten, die Medikamente laut ärztlicher Vorschrift einzunehmen und nicht eigenständig abzusetzen. Bei einem Arztwechsel sollten alte Briefe stets vorgezeigt werden, damit der Behandler immer über die Krankengeschichte informiert ist.

Frauen mit einem Herzinfarkt vor den Wechseljahren, die die Pille eingenommen haben oder einnehmen möchten, müssen ihrem Arzt von der Erkrankung erzählen. Ein thrombotisches Geschehen wie ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall schließen nämlich die Einnahme der Pille aus.

Nach einem Herzinfarkt ist die Rehabilitation mit angemessener körperlicher Betätigung, gesunder Ernährung und gezielter Entspannung äußerst wichtig. Dazu wird im Krankenhaus und bei ambulanter Weiterbehandlung ausführlich beraten. Gegebenenfalls wird auch eine stationäre Reha angeraten.

Langfristig gelten für Patientinnen die gleichen Regeln wie zur Vorbeugung eines Herzinfarktes. Die gesunde Lebensweise betrifft vor allem die Bereiche Ernährung und Bewegung.

Wie können Frauen einem Herzinfarkt vorbeugen?

Die Herzinfarkt-Prävention ist nicht nur für Patientinnen mit erhöhtem Risiko für einen Infarkt von Bedeutung. Eine gezielte Herzinfarkt-Vorbeugung umfasst die Einnahme bestimmter Medikamente bei Hochrisikopatienten mit Arteriosklerose oder Herzinsuffizienz.

Auch eine gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung zählen zu den Vorbeugungsmaßnahmen. Mit Hilfe einer Veränderung des Lebensstils kann die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits verringert werden. Dazu zählt vor allem die gesunde Ernährung mit wenig Cholesterin und mehr pflanzlichen Fetten. Zusätzlich wird regelmäßige körperliche Betätigung im leichten Ausdauerbereich empfohlen.

Wichtig ist auch der Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Ein entscheidender Unterschied zwischen Frauen und Männern sind die von der WHO beschriebenen Maximalgrenzen bezüglich des Alkoholkonsums. Frauen sollten laut dieser Empfehlung nur maximal 12 Gramm Alkohol am Tag trinken, das sind etwa 0,25 bis 0,3 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein. Bei Männern liegt die Grenze immerhin doppelt so hoch. Frauen sollten deshalb besonders darauf achten, ihren Alkoholkonsum einzuschränken. Damit wird nicht nur das Herzinfarkt-Risiko, sondern auch das Risiko für andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie unter anderem Erkrankungen der Leber gesenkt.

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