Hirninfarkt

Wie äußert er sich und wie wird er behandelt?

Letzte Aktualisierung: 16 Jun 2019

Älterer Mann wird nach einem Hirninfarkt von einer Pflegerin im Rollstuhl gefahren.
Inhalt

Der Hirninfarkt (häufig auch als Schlaganfall oder Hirnschlag bezeichnet) ist ein potentiell lebensbedrohliches Ereignis: Ein oder mehrere Bereiche im Gehirn werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, meist aufgrund eines Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder einer Blutung im Gehirn (intrakranielle Blutung).

Besteht der Verdacht auf einen Hirninfarkt, so muss der Betroffene schnellstmöglich medizinische Hilfe erhalten, um Folgeschäden bis hin zum Tod zu verhindern.

Was ist ein Hirninfarkt?

Analog zum Herzinfarkt, bei dem durch einen Gefäßverschluss der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, wird beim ischämischen Hirninfarkt – in der Fachsprache auch Insult oder ischämischer Schlaganfall – ein Areal des Gehirns nicht mehr genügend durchblutet und leidet folglich unter Sauerstoffmangel (Ischämie). Die Gehirnzellen sind sehr empfindlich gegenüber einer Unterversorgung mit Sauerstoff und nehmen schnell Schaden, erleiden einen Funktionsverlust oder sterben sogar ganz ab.

Anders als beim Herzinfarkt kommen als direkte Ursache bei Verdacht auf Hirninfarkt entweder ein Gefäßverschluss im Gehirn oder eine Hirnblutung in Frage. In beiden Fällen werden die nachgeschalteten Blutgefäße nicht mehr ausreichend durchblutet und die Sauerstoffversorgung in den entsprechenden Bereichen kommt zum Erliegen oder ist zumindest stark reduziert.

Wie entsteht ein Hirninfarkt?

Der Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn kann verschiedene Ursachen haben. Meist ist ein arterielles Blutgefäß betroffen, das sauerstoffreiches Blut vom Herzen in Richtung Gehirn transportiert. Bei Verschluss eines arteriellen Gefäßes handelt es sich um einen ischämischen Hirninfarkt. Der ischämische Schlaganfall kann z.B. embolisch bedingt sein:

Von einem Blutgerinnsel oder einer arteriosklerotischen Plaque (meist aus der inneren Halsarterie, Arteria carotis interna) löst sich ein sogenannter Embolus, der mit dem Blutstrom ins Gehirn schwimmt. Da die Gefäße zunehmend enger werden oder sich durch Verkalkungen Engstellen ergeben, bleibt der Embolus irgendwann hängen und „verstopft“ das Blutgefäß. Durch die entstehende Verlangsamung und Verwirbelungen im Blutfluss lagern sich weitere Blutbestandteile an dem festsitzenden Embolus an, bis das Gefäß verschlossen wird.

Neben dem embolischen Gefäßverschluss können auch lokal an den Hirnarterien bestehende arteriosklerotische Gefäßwandveränderungen zu einem direkten Gefäßverschluss führen. Dort bestehende arteriosklerotische Wandveränderungen können aufbrechen und zur Bildung eines Blutgerinnsels führen.

Beim hämorrhagischen Infarkt, der deutlich seltener vorkommt als der ischämische Infarkt, verschließt sich eine intrakranielle Vene, die sauerstoffarmes Blut zum Herzen zurückführt. Durch den verminderten Abfluss staut sich das Blut vor dem venösen Verschluss und Blut tritt aufgrund des fehlenden Abflusses und aufgrund sekundärer Schäden des umliegenden Gewebes durch die Gefäßwände. Dadurch entsteht eine Blutung (hämorrhagischer Infarkt).

Die intracerebrale (arterielle) Blutung (ICB) ist eine wichtige Differentialdiagnose zum ischämischen Hirninfarkt. Bei der intrakraniellen Blutung reißt ein arterielles Blutgefäß auf und es entsteht eine Blutung im Gehirn. Der Grund dafür sind Erkrankungen der großen Gefäße wie z.B. eine Aussackung der Arterienwand (Aneurysma), die mit zunehmender Größe reißen kann. Eine andere häufige Ursache sind Erkrankungen der kleinen Gefäße (v.a. Mikroangiopathie) welche die Stabilität der Gefäßwände beeinträchtigen und spontan oder bei Blutdruckentgleisungen zu einer Blutung führen können. Die pathophysiologischen Ursachen für intrakranielle Blutungen sind insgesamt vielfältig, statistisch gesehen ist jedoch die Einstellung kardiovaskulärer Risikofaktoren nicht nur im Sinne der Herzgesundheit, sondern auch zur Verringerung des Schlaganfallrisikos, in jedem Fall zu empfehlen.

Eine fortschreitende Blutung führt aufgrund des begrenzten Platzes im Schädel zu einer Druckerhöhung und Verdrängung anderer gesunder Hirnareale, welche dadurch in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Das Resultat ist eine Schlaganfallsymptomatik mit neurologischen Ausfällen je nach Defektlokalisation und ggf. zunehmender Symptomatik bei Blutungszunahme. Die Blutung kann je nach Ausmaß und Lokalisation schnell zu lebensbedrohlichen Situationen führen und müssen, wie der ischämische Hirninfarkt unter der Faustregel ‘time is brain’, notfallmäßig diagnostiziert und versorgt werden. Die Behandlung von einer ICB unterscheidet sich aufgrund der oben beschriebenen Pathologie deutlich und gehört daher zu einer wichtigen Differentialdiagnose eines ischämischen Hirninfarktes.

Welche Symptome deuten auf einen Hirninfarkt hin?

Ein Hirninfarkt kann verschiedene Symptome hervorrufen. Prinzipiell werden die Hirninfarkt-Symptome dadurch bestimmt, welches Gehirnareal durch den Gefäßverschluss oder die Blutung ausfällt. Es kommt zu neurologischen Ausfällen, die möglicherweise einen Hinweis bieten, wo sich der Verschluss befindet.

Ein großes und wichtiges Gefäß im Gehirn ist die Arteria cerebri media, die häufig bei thromboemolischen Schlaganfällen betroffen ist. Ein Verschluss der Arteria cerebri media kann zu einer typischen sogenannten Halbseitensymptomatik führen, die in ausgeprägten Fällen eine totale Lähmung und/oder Gefühllosigkeit einer Körperhälfte zeigt.

Der einseitig hängende Mundwinkel oder einseitige Gesichtslähmung ist bekannt als ein Symptom eines möglichen Hirninfarkts. Weitere häufige Schlaganfallsymptome sind Sprachstörungen,bei der die Fähigkeit zu sprechen oder das Sprachverständnis beeinträchtigt sind, Sprech- und Schluckstörungen, Koordinationsstörungen oder auch akute Verwirrtheitszustände.

Treten stärkste Kopfschmerzen, Übelkeit oder Bewusstlosigkeit zusammen mit weiteren Symptomen auf, weist dies möglicherweise auf eine intrakranielle Blutung hin. Dies ist insbesondere dann wahrscheinlich, wenn in der Vorgeschichte ein Bluthochdruck (Hypertonus) bekannt ist.

Wie wird der Hirninfarkt therapiert?

Die Zeit bis zur Einleitung der Hirninfarkt-Therapie ist der entscheidende Faktor. Je schneller das Gefäß wieder geöffnet wird, desto geringer ist das Risiko, dass Gehirnareale ihre Funktion dauerhaft verlieren. Daher ist es sehr wichtig, bereits bei ersten Symptomen, die auf einen Hirninfarkt hinweisen könnten, einen Notarzt zu rufen und in ein geeignetes Krankenhaus gebracht zu werden.

Nicht alle Krankenhäuser versorgen Hirninfarkt-Patienten. Ein Notarzt oder der Rettungsdienst wird bei Verdacht auf Hirninfarkt schnell handeln und ein Krankenhaus anfahren, das eine sogenannte Stroke-Unit für Patienten mit Schlaganfall betreibt. Es wird zunächst eine Notfall-Computertomografie (CT) des Schädels zum Ausschluss einer intrakraniellen Blutung durchgeführt.

Wenn keine Gegenanzeigen vorliegen und sich die Diagnose ischämischer Hirninfarkt bestätigt hat, kann innerhalb des vorgegebenen Zeitfensters so schnell wie möglich eine systemischen Lysetherapie begonnen werden: Dabei werden Medikamente appliziert, die das verschließende Blutgerinnsel auflösen sollen, so dass der Blutfluss wieder hergestellt wird. Patienten, die einen Hirninfarkt erlitten haben, müssen für mindestens einige Tage stationär in einer entsprechenden Abteilung behandelt werden.

Neben der klassischen Lysetherapie gibt es weitere Therapieoptionen, wie z.B. die lokale Lyse, bei der ein Katheter bis zum betroffenen Gefäß vorgeschoben wird und die Medikamente dort appliziert werden. Bei schweren Fällen und je nach Verschlusslokalisation kommt außerdem eine mechanische Thrombektomie in Frage, bei der der Thrombus mit einem speziellen Katheter entfernt werden kann. Diese Technik wird auch bei Patienten erwogen, bei denen ein Lysetherapie aufgrund von Medikamenten nicht möglich ist.

Welche Folgen kann ein Hirninfarkt haben?

Die Spätfolgen eines Hirninfarkts können sehr variabel sein und hängen davon ab, welche Gehirnareale betroffen waren und wie schnell das Gefäß wieder geöffnet wurde. Möglicherweise bleibt eine Körperhälfte schwächer als die andere oder es bestehen Sensibilitäts- oder Sprachdefizite.

Durch regelmäßige Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie können teilweise andere, gesunde Gehirnareale einige Aufgaben der geschädigten Bereiche übernehmen. Mit viel Training und Ausdauer können so einige Spätfolgen abgemildert werden.

Welche Risikofaktoren für einen Hirninfarkt gibt es?

Die Risikofaktoren für den Hirninfarkt decken sich mit denen anderer, vorwiegend arteriosklerotisch bedingter Erkrankungen. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Übergewicht, Bewegungsarmut und Nikotinkonsum erhöhen das Risiko, einen Hirninfarkt zu erleiden. Zurückliegende Infarkte, sei es im Gehirn, Herzen oder anderen Gefäßen, zeigen ebenfalls an, dass es sich um einen Risikopatienten handelt.

Wie kann ein Hirninfarkt verhindert werden?

Hirninfarkten kann zum Teil vorgebeugt werden. So sollte ein vorhandener Bluthochdruck und ein Diabetes mellitus medikamentös gut eingestellt und Übergewicht abgebaut werden. Bei hochgradigen Verengungen (Stenosen) der Halsarterien durch artriosklerotische Plaques kann eine Operation, bei der die Plaques entfernt werden, sinnvoll sein. Bei bestimmten Risikokonstellationen wird der Arzt eine vorbeugende medikamentöse Therapie zur Gerinnungshemmung z.B. mit Aspirin 100 mg täglich einleiten.

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Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab und begann anschließend ihre klinische Forschung am National Hospital for Neurology and Neurosurgery London.

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