Gewicht stagniert trotz Mounjaro® oder Wegovy®: Was tun?
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Ulrike ThiemeLetzte Änderung: 21 Jan. 2026
Ein Abnehmplateau kann frustrierend sein und auch mit GLP-1-Medikamenten wie Mounjaro® oder Wegovy® eintreten. Dieser Stillstand ist kein Zeichen dafür, dass die Therapie versagt: Er gehört zu den natürlichen Reaktionen des Körpers auf Gewichtsverlust. Erfahren Sie, warum ein solches Plateau entsteht und welche Maßnahmen dabei helfen, die Abnahme wieder in Gang zu bringen.
Kurzübersicht zum Abnehmplateau
Was ist ein Abnehmplateau?
- Gewichtsabnahme stoppt trotz Diät, Bewegung und Medikament
- tritt häufig nach 6-13 Monaten auf und kann Wochen bis Monate anhalten
Warum stagniert das Gewicht trotz Mounjaro® oder Wegovy®?
- weniger Körpergewicht bedeutet geringeren Kalorienverbrauch
- Muskelverlust kann den Grundumsatz zusätzlich senken
- Appetit-Dämpfung stabilisiert sich nach der Anfangsphase
- Energieaufnahme und -verbrauch gleichen sich an
Wann tritt das Plateau typischerweise auf?
- Mounjaro®: häufig nach 24-36 Wochen
- Wegovy®: meist nach Woche 52
Was hilft gegen ein Abnehmplateau?
- mehr Proteine essen
- versteckte Kalorien vermeiden
- Krafttraining und mehr Alltagsbewegung
- Schlaf verbessern, Stress reduzieren
- bei langem Plateau: ärztliche Rücksprache
Abnehmspritzen bei starkem Übergewicht und Adipositas
Was ist ein Abnehmplateau?
Ein Abnehmplateau entsteht, wenn das Gewicht trotz Diät, Bewegung oder Verwendung von Abnehmspritzen “stehen bleibt”. Der Körper stellt sich auf den niedrigeren Energieverbrauch ein und bremst den Fortschritt. Für gewöhnlich tritt dieses Abnehmplateau 6-13 Monate nach Start der Abnehmreise auf.
Das bedeutet:
- Sie nehmen nicht weiter ab.
- Aufgenommene und verbrannte Kalorien gleichen sich aus.
Diese Phase kann mehrere Wochen oder sogar Monate anhalten. Sie gehört zum Abnehmprozess dazu und betrifft viele Menschen während einer Behandlung mit Mounjaro® oder Wegovy®.
Warum kann es trotz GLP-1-Medikamenten zu einem Abnehmplateau kommen?
Ein Abnehmplateau entsteht durch mehrere körperliche Anpassungen. Diese Veränderungen setzen während der Gewichtsabnahme ganz automatisch ein.
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In den ersten Wochen mit GLP-1-Analoga wie Wegovy® oder Mounjaro® verlieren viele Menschen besonders schnell Gewicht. Der Körper nutzt zunächst Glykogen (eine Speicherform von Kohlenhydraten) aus Muskeln und Leber als Energiequelle.
Da Glykogen Wasser bindet, verlieren Sie zu Beginn also vor allem „Wassergewicht”. Dieser schnelle Effekt hält nur kurz an: Sobald die Glykogenspeicher geleert sind, verlangsamt sich der Gewichtsverlust.
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GLP-1-Medikamente senken den Appetit und reduzieren die Kalorienaufnahme. Sobald Sie deutlich an Gewicht verloren haben, benötigt Ihr Körper weniger Energie als früher. Ihr Stoffwechsel passt sich an das niedrigere Gewicht an. Dadurch verbrennen Sie im Alltag weniger Kalorien, obwohl Sie sich gleich viel bewegen. Das kann ein Plateau auslösen.
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Auch unter GLP-1-Medikamenten verlieren Sie neben Fett etwas Muskelmasse. Muskeln verbrauchen allerdings viel Energie: Wenn weniger Muskelmasse vorhanden ist, sinkt der tägliche Kalorienverbrauch. Ihr Körper benötigt durch diese veränderte Körperzusammensetzung weniger Energie und die Gewichtsabnahme verlangsamt sich.
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Die stärksten Effekte treten meist in der Phase mit den Dosiserhöhungen und der Zeit danach auf. Mit der Erhaltungsdosis stabilisiert sich die Wirkung des Medikaments allmählich. Der Appetit ist weiterhin gedämpft, der Unterschied ist aber nicht mehr so stark wie zu Beginn. Das Kaloriendefizit schrumpft, was die Entstehung eines Plateaus unter Umständen begünstigt.
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In der Anfangsphase der Behandlung essen viele Menschen stark reduziert, oft ohne es zu merken. Nach einigen Monaten kann sich ein neues Essmuster einstellen: Die Portionsgrößen nehmen eventuell wieder zu und kleine Snacks schleichen sich ein. Dadurch steigt die Kalorienzufuhr unbewusst an, was zu einem Abnehmplateau führen kann.
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Der Körper reagiert auf längere Kalorienreduktion mit einem natürlichen Energiesparmodus. Er verbraucht weniger Energie bei denselben Tätigkeiten. Das passiert sowohl bei der Behandlung mit Abnehmspritzen als auch bei einer Diät ohne Medikamente. Der Stoffwechsel wird effizienter, der Verbrauch sinkt und die Abnahme stoppt.
Ein Abnehmplateau entsteht zusammengefasst also meist dann, wenn sich Kalorienaufnahme und -verbrauch angleichen. Das bedeutet, dass Sie genauso viele Kalorien verbrennen wie Sie aufnehmen. Wegovy® oder Mounjaro® sorgen zwar für weniger Hunger, aber der Körper gleicht den niedrigeren Energiefluss durch einen reduzierten Verbrauch aus. Die Folge: Das Gewicht stagniert.
Gewicht stagniert trotz Mounjaro®
Wie bei Diäten ohne Medikamente kann das Gewicht auch bei der Behandlung mit Mounjaro® irgendwann stehen bleiben. Das bestätigt eine Analyse der Studien SURMOUNT-1 und SURMOUNT-4. Demnach nimmt die Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme unter einer Behandlung mit dem Mounjaro® Wirkstoff Tirzepatid mit der Zeit ab und erreicht schließlich ein Plateau. In den Studien lag ein Abnehmplateau vor, wenn das Gewicht über einen Zeitraum von 12 Wochen hinweg um weniger als 5 % sank.
Je nach Start-BMI tritt das Plateau im Durchschnitt nach 24-36 Wochen auf. Menschen mit einem höheren Start-BMI erreichen es tendenziell später als Personen mit einem niedrigeren BMI.
| Ausgangslage | Durchschnittlicher Zeitpunkt des Plateaus mit Mounjaro® |
|---|---|
Leichtes Übergewicht |
nach etwa 24 Wochen |
Adipositas Grad I |
nach etwa 26 Wochen |
Adipositas Grad II |
nach etwa 36 Wochen |
Adipositas Grad III |
nach etwa 36 Wochen |
Fazit: Menschen mit stärkerem Übergewicht erreichen das Abnehmplateau mit Mounjaro® also meist etwas später.
Bis Woche 72 hatten laut der Untersuchung 88-90 % der Teilnehmenden trotz Behandlung ein Abnehmplateau erreicht. Das bedeutet konkret: Bei nahezu 9 von 10 Personen kommt es im Verlauf der Behandlung mit Mounjaro® zu einer Phase, in der das Gewicht nicht weiter sinkt.
Die Studienergebnisse zeigen: Ein Abnehmplateau unter Mounjaro® ist kein Therapieversagen. Es ist eine typische Phase im biologischen Anpassungsprozess Ihres Körpers. Mit sinkendem Körpergewicht reduziert sich der Energieverbrauch und der Stoffwechsel passt sich an. Dann kann auch unter Mounjaro® das Gewicht stagnieren.
Ich verwende Wegovy® und mein Gewicht stagniert
Daten aus der 2-jährigen STEP-5-Studie zeigen: Patienten verlieren mit Semaglutid (Wegovy®) bis Woche 52 der Therapie im Durchschnitt rund 16 % ihres Ausgangsgewichts und erreichen ab da ein Abnehmplateau.
Der mittlere Gewichtsverlust mit Semaglutid lag laut der Studie bei:
- -15,6 % in Woche 52 nach Therapiestart
- -15,2 % in Woche 104 nach Therapiestart
Somit blieb das Gewicht in der Untersuchung bis zum Ende der Studie ungefähr stehen (Woche 104).
Die Gründe für die Stagnation sind wie bei Mounjaro® biologisch begründet: Mit dem geringeren Körpergewicht sinken der Energie- sowie Kalorienverbrauch. Zudem stabilisieren sich Appetit- und Sättigungseffekte und Sie verbrauchen im Alltag bei geringerem Gewicht automatisch weniger Energie. Wenn Kalorienzufuhr und Verbrauch schließlich im Gleichgewicht sind, kann auch unter der Verwendung von Wegovy® das Gewicht stagnieren.
Was tun, wenn das Gewicht stagniert?
— Dr. med. Ulrike Thieme, Medizinische Leiterin bei ZAVAEin Abnehmplateau ist ganz normal. Es bedeutet nicht, dass die Behandlung nicht mehr wirkt. In dieser Phase hilft es, Gewohnheiten zu überprüfen und gezielt kleine Anpassungen vorzunehmen. Schon wenige Veränderungen können den Stoffwechsel aktivieren und das Kaloriendefizit wieder vergrößern.
Abnehmspritzen bei starkem Übergewicht und Adipositas
Ernährung gezielt anpassen
Eine ausgewogene Ernährung während der Verwendung von Mounjaro® oder Wegovy® unterstützt den Stoffwechsel und hilft dabei, das Kaloriendefizit trotz Plateau aufrechtzuerhalten.
- Proteine steigern: Eine höhere Eiweißzufuhr unterstützt den Muskelerhalt und erhöht leicht den Energieverbrauch. Außerdem sättigen Proteine: Das hilft, Snacks zu reduzieren und das Kaloriendefizit zu stabilisieren.
- Ballaststoffe erhöhen: Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sorgen für langanhaltende Sättigung. Sie stabilisieren den Blutzucker und dämpfen Heißhunger, was die insgesamt aufgenommene Menge an Energie senken kann.
- Versteckte Kalorien reduzieren: Auch kleine Mengen von Soßen, Öl, Snacks oder zuckerhaltigen Getränken summieren sich schnell. Dadurch kann es passieren, dass Sie mehr Kalorien zu sich nehmen als Ihnen bewusst ist. Kontrollieren Sie deswegen immer wieder Ihre tatsächlich aufgenommenen Kalorien.
- Routinen überprüfen: Viele Menschen essen in der Plateauphase unbewusst größere Portionen. Bewusstes Essen, kleinere Teller oder langsameres Essen helfen, die Portionsgröße zu kontrollieren.
Bewegung sinnvoll steigern
Mehr Aktivität erhöht den täglichen Energieverbrauch und kann dabei unterstützen, ein festgefahrenes Plateau zu durchbrechen.
- Alltagsbewegung erhöhen (NEAT): Kleine Anpassungen wie Treppensteigen oder kurze Spaziergänge erhöhen den Energieverbrauch. NEAT (Non-Exercise Activity Thermogenesis) kann nachweislich zur Gewichtsreduktion beitragen.
- Krafttraining einbauen: Krafttraining erhält oder steigert die Muskelmasse, was einen höheren Grundumsatz bedeutet.
- Moderates Ausdauertraining ergänzen: Sporteinheiten wie Radfahren oder Schwimmen erhöhen ebenfalls den täglichen Energieverbrauch. Das Training muss nicht intensiv sein, sollte aber regelmäßig stattfinden.
Schlaf und Stress im Blick behalten
Regeneration und ein ausgeglichener Stresshaushalt beeinflussen Hunger, Sättigung und Stoffwechsel – und damit den Gewichtsverlauf.
- Schlaf verbessern: Zu wenig Schlaf erhöht die Freisetzung von Hungerhormonen wie Ghrelin und senkt Sättigungshormone wie Leptin. Sie essen mehr, ohne es zu merken. Ausreichend Schlaf kann dabei helfen, den Gewichtsverlust wieder anzustoßen.
- Stress reduzieren: Dauerstress erhöht den Cortisolspiegel, der wiederum zu Heißhunger führen kann. Versuchen Sie, Ihr Stresslevel mit regelmäßigen Entspannungsübungen, Pausen und leichter Bewegung zu senken.
Realistische Erwartungen setzen
Ein Plateau gehört zum natürlichen Verlauf der Gewichtsabnahme und lässt sich besser bewältigen, wenn Sie den Prozess langfristig betrachten.
- Plateaus sind ganz normal: Der Gewichtsverlust verläuft in Wellen. Phasen schneller Abnahme werden durch Plateaus abgelöst. Das ist wissenschaftlich belegt.
- Auf Erfolge schauen: Weniger Appetit, verbesserte Blutwerte, mehr Energie und passende Kleidung sind wichtige Zeichen dafür, dass die Behandlung wirkt – selbst wenn das Gewicht gelegentlich stagniert.
- Langfristige Perspektive behalten: GLP-1-Medikamente wirken am besten über Monate hinweg. Kleine Fortschritte führen langfristig zu deutlichen Veränderungen.
Gewichtsplateau: Wann sollten Sie zum Arzt?
Ein Abnehmplateau ist meist unbedenklich. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Sie sich am besten an Ihren Arzt wenden. Er kann bei Bedarf prüfen, ob medizinische Ursachen vorliegen oder ob die Behandlung angepasst werden sollte.
Gehen Sie bei einem Abnehmplateau zum Arzt, wenn:
- das Plateau länger als 8-12 Wochen anhält: Eine kurze Stagnation ist normal. Wenn sich das Gewicht jedoch über mehrere Monate nicht bewegt, prüft der Arzt, ob eine Erhöhung der Wirkstoffdosis, ein Wechsel des Medikaments oder eine ergänzende Therapie sinnvoll ist.
- Sie gleichzeitig andere Medikamente einnehmen: Einige Arzneimittel beeinflussen das Gewicht, den Stoffwechsel oder die Verträglichkeit von GLP-1-Medikamenten. Der Arzt kann Wechselwirkungen erkennen und die Therapie darauf abstimmen.
- Sie eine Vorerkrankung haben: Erkrankungen der Schilddrüse, der Leber oder hormonelle Störungen können den Gewichtsverlauf verändern. Eine medizinische Kontrolle stellt sicher, dass alles richtig ineinander greift.
- Sie trotz Therapie wieder zunehmen: Eine unerwartete Gewichtszunahme weist unter Umständen auf Wassereinlagerungen, hormonelle Veränderungen oder medizinische Ursachen hin. Ein Arzt klärt den Zusammenhang gezielt ab.
- Sie unsicher sind, wie es weitergeht: Auch bei fehlender Motivation oder Unklarheit über Ernährung, Bewegung oder Dosierung ist Ihr Arzt die erste Anlaufstelle, um den passenden Weg zurück zu finden.
Ein Abnehmplateau ist ein normaler Teil des Gewichtsverlusts. Mit dem richtigen Wissen, realistischen Erwartungen und professioneller Begleitung können Sie diese Phase sicher überwinden und Ihre Behandlung erfolgreich fortsetzen.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Abnehmplateau bei Mounjaro® oder Wegovy®?
Ein Plateau unter Mounjaro® oder Wegovy® kann wenige Wochen bis mehrere Monate dauern. Viele erreichen diese Phase nach etwa 6-13 Monaten Therapie. Sie hält typischerweise an, bis sich Kalorienaufnahme und -verbrauch wieder unterscheiden.
Sollte ich die Dosis selbst erhöhen, wenn das Gewicht stagniert?
Nein, Sie sollten die Dosis nicht selbst erhöhen. Nur ein Arzt darf Ihnen eine höhere Dosierung verschreiben, da die Kontrolle und Beobachtung möglicher Nebenwirkungen besonders wichtig sind.
Ist es normal, dass die Gewichtsabnahme langsamer wird?
Ja, das ist völlig normal. Mit jedem verlorenen Kilo sinkt der Energieverbrauch des Körpers, sodass die Abnahme langsamer wird oder zeitweise stoppt.
Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.
Lernen Sie unsere Ärzte kennenLetzte Änderung: 21 Jan. 2026
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Franz DK, Smith RJ, Nguyen VH et al. Time to weight plateau with tirzepatide treatment in the SURMOUNT-1 and SURMOUNT-4 clinical trials. online: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39800653/, abgerufen 13.01.26
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Garvey W. T., Batterham R. L., Bhatta M. et al. Two-year effects of semaglutide in adults with overweight or obesity: the STEP 5 trial. Nature Medicine. 2022;28(10):2083-2091. online: https://www.nature.com/articles/s41591-022-02026-4, abgerufen 13.01.26
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Landry MJ et al. Switching diets after 6 months does not result in renewed weight loss. Scientific Reports. 2024; online: https://www.nature.com/articles/s41598-024-60547-z, abgerufen 13.01.26