Ursachen von Adipositas

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Dr. med. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 20 Dez 2022

Menschen mit Adipositas sind faul und undiszipliniert? Das ist nicht nur beleidigend, sondern auch medizinisch falsch – denn neben Sport und Ernährung spielen psychische und genetische Faktoren eine große Rolle bei der Entstehung von Übergewicht. Selbst Erkrankungen oder einige Medikamente, etwa Antiepileptika oder Kortison, können die Gewichtszunahme begünstigen. Oft spielen mehrere Faktoren zusammen, bis eine Person unter starkem Übergewicht leidet. Auf dieser Seite finden Sie ausführliche Informationen zu den Ursachen von Adipositas bei Erwachsenen und Kindern und erfahren, wie unsere Ärzte Ihnen bei der Gewichtsabnahme helfen können.

Inhalt
Adipositas Ursachen
 

Ursachen und Risikofaktoren für Adipositas: Überblick

Zur Entstehung von Adipositas tragen oft mehrere Faktoren bei, die sich in Kombination gegenseitig begünstigen.

Diese Faktoren können bei der Entstehung von Adipositas eine Rolle spielen:

  • hochkalorische Ernährung
  • ungünstiges Essverhalten (z.B. unregelmäßiges oder emotionales Essen)
  • genetische Veranlagung (u.a. zu niedriger Grundumsatz und/oder ungünstiges Fettverteilungsmuster)
  • Bewegungsmangel
  • Stress (fördert speziell die Einlagerung von Bauchfett)
  • Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder Morbus Cushing
  • Medikamente wie Psychopharmaka, Antiepileptika und Cortison
  • psychische Ursachen (etwa Binge-Eating-Störung)

Positive Energiebilanz als Ursache

In der Theorie gilt: Wer seinem Körper langfristig mehr Energie über Essen und Getränke zuführt, als er verbraucht, wird zunächst übergewichtig und auf Dauer adipös. Hier ist auch von einer positiven Energiebilanz die Rede. Ist diese langfristig vorhanden, lagert der Körper immer mehr Energie in seine Fettdepots ein.

Für ein gleichbleibendes Gewicht ist eine ausgeglichene Energiebilanz erforderlich, für die Gewichtsabnahme eine negative. Warum die Bilanz über einen längeren Zeitraum hinweg positiv ist, dafür gibt es verschiedene Gründe. Viele Faktoren beeinflussen den Stoffwechsel und die individuelle Energiebilanz.

Unsere Ärzte können Sie beim Gewicht verlieren unterstützen – bei medizinischer Notwendigkeit erhalten Sie dazu eine Verschreibung für ein Medikament zum Gewichtsverlust (z.B. Saxenda©, Orlistat-ratiopharm© oder Xenical©). Füllen Sie dazu einfach online unseren kurzen medizinischen Fragebogen aus. Im Anschluss erhalten Sie eine Einschätzung unserer Ärzte: schnell, professionell und unvoreingenommen.

Hauptursache: Kalorienreiche Ernährung

Grundsätzlich führt eine Ernährung, die viele kalorienreiche Lebensmittel enthält, eher zu Übergewicht und Adipositas als eine, die auf natürlichen Lebensmitteln beruht. In der Regel besteht eine kalorienreiche Ernährung aus vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln.

Stark verarbeitete Lebensmittel: Viele Kalorien

Stark verarbeitete Lebensmittel wie Chips, Süßigkeiten und Fertiggerichte haben eine geringe Nährstoff- und gleichzeitig hohe Energiedichte. Das heißt: Viele Kalorien bei wenig Nährstoffen (Vitamine und Mineralstoffe). Hier spricht man auch von hochkalorischen Lebensmitteln. Natürliche Lebensmittel wie zum Beispiel Obst, Gemüse, unverarbeitetes Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte zeichnen sich hingegen durch eine hohe Nährstoffdichte aus. Das heißt, sie enthalten viele Nährstoffe bei verhältnismäßig geringer Kalorienzahl.

Menschen, bei denen die Ernährung hauptsächlich aus natürlichen Lebensmitteln besteht, haben ein geringeres Risiko adipös zu werden als Menschen, die in der Ernährung zum Großteil auf stark verarbeitete, hochkalorische Lebensmitteln zurückgreifen. Diese sollten daher nur in Maßen verzehrt werden. Hochkalorische natürliche Lebensmittel wie Nüsse oder Öl zum Braten sind meistens nicht der entscheidende Faktor bei der Entstehung von Adipositas.

Häufiges Missverständnis: Anders als viele glauben, hängt die Sättigung nicht davon ab, wie viel Energie beziehungsweise Kalorien das Lebensmittel enthält. Vielmehr entsteht das gesättigte Gefühl durch das Volumen des Essens im Magen und bestimmten Makronährstoffen, vor allem Ballaststoffen (in Vollkornprodukten, Obst, Gemüse) und Proteinen (z.B. in Eiern, Bohnen, Linsen). Hochkalorische Lebensmittel machen daher weniger satt, obwohl sie mehr Kalorien enthalten.

Getränke mit Zucker: Versteckter Dickmacher

Nicht nur Lebensmittel, sondern auch zuckerhaltige Getränke können zu einer Gewichtszunahme führen und Patienten am Abnehmen hindern. Studien haben ergeben, dass sogar schon der tägliche Konsum von 250 ml (1 Glas) Softdrinks wie Limonade oder Cola zu einer stetigen Gewichtszunahme führen kann. Was viele Patienten nicht wissen: Nicht nur Softdrinks, sondern auch Säfte enthalten viel Zucker. Anstelle von zuckerhaltigen Getränken sollte eher Wasser oder ungesüßter Tee getrunken werden. Wichtig ist dabei die Regel und nicht die Ausnahme: Hin und wieder ein Glas Cola oder Multivitaminsaft ist nicht entscheidend.

Wer an zuckerhaltige Getränke gewöhnt ist, kann sich mitunter schwer tun, auf ungesüßte Flüssigkeiten umzusteigen. Eine schrittweise Reduzierung vereinfacht die Umgewöhnung.

Ungesunde Ernährung bei Kindern

Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern wird Adipositas zu einem zunehmenden Problem. Kinder sind besonders anfällig für Zucker und kalorienreiche Lebensmittel, gleichzeitig können sie noch nicht von allein einschätzen, welche Auswirkungen die Lebensmittel auf ihre Gesundheit nehmen. Bei Kindern liegt daher die Verantwortung für ihr Gewicht und ihre Gesundheit in den Händen der Eltern oder gegebenenfalls anderer Erwachsener, durch die sie betreut werden. Dabei gelten die gleichen Ernährungsregeln wie auch für Erwachsene. Es ist besonders wichtig, dass den Kindern Freude an gesundem Essen vermittelt wird, um wirklich nachhaltige Veränderungen zu erzeugen. Wie auch bei Erwachsenen ist ein geringes Maß an kalorienreichen Lebensmitteln und Süßigkeiten keine Gefahr für die Gesundheit, solange im Normalfall gesundes Essen zu jeder Mahlzeit auf dem Plan steht.

Genetische Veranlagung zu Adipositas

Viele adipöse Menschen haben eine genetische Veranlagung zu Übergewicht. Vor allem Zwillingsstudien haben ergeben, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Erbgut eines Menschen und der Entstehung von Adipositas gibt. Bestimmte Konstellationen von Genen können etwa dafür sorgen, dass der Energieverbrauch besonders niedrig ist und Betroffene entsprechend schneller zunehmen. Andere begünstigen wiederum die Anlagerung von Bauchfett.

Studie: Genetik beeinflusst Hungergefühl

Ebenso kann ein vermehrtes Hungergefühl erblich bedingt sein. Denn auch Appetit und Sättigung unterliegen genetischen Einflüssen. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien konnten zeigen, dass genetische Risikofaktoren das Essverhalten eindeutig beeinflussen. Hierzu werteten sie Daten einer finnischen Kohortenstudie von insgesamt 4.036 Zwillingen hinsichtlich genetischer Veranlagung, Essverhalten, Body-Mass-Index und Taillenumfang aus.

Insgesamt wurden so 4 typische Essverhaltensmuster identifiziert: „Snacking“, „unregelmäßiges und ungesundes Essen“, „restriktives Essen“ und „emotionales Essen“. Sie alle zeigten eine klare genetische Disposition. Bei eineiigen Zwillingspaaren war das Essverhalten noch ähnlicher ausgeprägt als bei zweieiigen.

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Bewegungsmangel

Vor allem Menschen, die am Schreibtisch arbeiten, bewegen sich im Alltag eher wenig. Zu wenig Bewegung führt zu einem geringen Energieverbrauch. Neben einem Übermaß an zugeführten Kalorien trägt ein zu geringer Verbrauch zu einer positiven Energiebilanz bei. Sie können mehr Bewegung in ihren Alltag einbauen, indem Sie regelmäßig Sport treiben und Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt 10.000 Schritte am Tag zu gehen. Diese können Sie mit Apps, Schrittzählern oder Tracking-Armbändern überprüfen und festhalten. Es gilt immer: Je mehr Bewegung, desto mehr Kalorien verbrennt der Körper täglich.

Auch Kinder verbringen mehr und mehr ihre Freizeit vor dem Bildschirm von Fernseher, Handy, Tablet und Co. Um den Nachwuchs zu mehr Bewegung zu motivieren, sind Sportvereine, Spielzeiten im Freien und gemeinsame Familienaktivitäten gute Möglichkeiten.

Stress fördert Übergewicht

Stress fördert die Gewichtszunahme deutlich. Viele Menschen essen bei Stress mehr – insbesondere hochkalorische und zuckerreiche Produkte. Psychischer Stress hat aber nicht nur ungünstige Auswirkungen auf das Essverhalten, sondern fördert auch die Einlagerung von Körperfett.

Stresshormon Cortisol hemmt Fettverbrennung

Vor allem Dauerstress, dem viele Menschen etwa durch einen herausfordernden Job ausgesetzt sind, hindert den Körper daran, in gesundem Maße Fett zu verbrennen. Wenn Sie oft unter Stress stehen, wird jede Menge Cortisol ausgeschüttet. Das Hormon hemmt die Fettverbrennung und fördert zudem die Einlagerung von Bauchfett. Wenn sich bereits ein vermehrtes Bauchfett angesammelt hat, ist es durch den gestörten Stoffwechsel besonders schwer, das Gewicht beziehungsweise Fett wieder abzubauen.

Bestimmte Erkrankungen

Auch manche Erkrankungen können dazu beitragen, dass Adipositas entsteht. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion etwa ist der Energieverbrauch gemindert und die Fettverbrennung gehemmt. Der Körper lagert vermehrt Fett ein und das Gewicht steigt. Bei anderen Erkrankungen wie Arthrose oder Rheuma ist die Bewegung eingeschränkt, womit der tägliche Energieverbrauch sinkt. Bei Morbus Cushing wird zu viel Kortisol ausgeschüttet, das den Körper daran hindert, Fett zu verbrennen und gleichzeitig die Einlagerung von Fett in der Bauchregion fördert.

Medikamente

Medikamente, die zum Beispiel bei Diabetes eingesetzt werden, können das Gewicht zusätzlich erhöhen. Ebenso Antidepressiva, die oftmals den Appetit steigern und so eine Gewichtszunahme fördern. Tabletten mit Cortison können auf Dauer ebenfalls zu Adipositas führen, da hier die Fettverbrennung gehemmt und die Ansammlung von Bauchfett gefördert wird. Weiterhin führen Antiepileptika als Nebenwirkung häufig zu einer Gewichtssteigerung.

Psychische Ursachen

Neben Stress und seinen bereits beschriebenen Auswirkungen auf den Körper können auch andere psychische Ursachen die Entstehung von Adipositas fördern, und das bereits ab dem Kindesalter. Depressionen oder Angsterkrankungen führen bei manchen Menschen dazu, dass sie mehr essen als zuvor – zum Beispiel, um sich zu beruhigen oder zu trösten. Bei adipösen Menschen wiederum ist das Risiko für Depressionen erhöht. Oftmals entsteht hier eine Spirale aus seelischem Leid und Essen. Betroffene nutzen das Essen als Trost. Dieses Muster wird auch als emotionales Essen bezeichnet. Das Essen bei Frust, Stress, Ärger, Traurigkeit und anderen unangenehmen Gefühlen spielt bei vielen adipösen Menschen eine große Rolle.

Gefährliche Essstörung: Binge-Eating

Der englische Begriff Binge-Eating (engl. binge = Exzess) steht für übermäßiges, anfallartiges Essen. Das Binge-Eating-Syndrom führt auf Dauer nicht nur zu Übergewicht und Adipositas, sondern ist auch eine psychische Störung, die behandelt werden muss. Bei dieser Essstörung verschlingen Betroffene große Mengen an Essen und erleben dabei das Gefühl eines Kontrollverlustes. Anschließend empfinden sie oft große Scham, Ekel und Schuldgefühle. Auf Dauer führen diese Essanfälle bei den meisten Betroffenen zu Übergewicht und Adipositas.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. med. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Medizinische Leiterin ZAVA Deutschland

Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA Deutschland und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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Letzte Änderung: 20 Dez 2022

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