Ursachen von Adipositas

Dr. Jürgen Kolbeck, Arzt bei ZAVA

Medizinisch geprüft von

Dr. Jürgen Kolbeck

Letzte Änderung: 24 Nov 2020

Die als chronische Erkrankung eingestufte Adipositas kann verschiedene Ursachen haben. Oftmals ist das hohe Körpergewicht multifaktoriell bedingt. Das heißt, mehrere Faktoren führen zur Entstehung der Adipositas.

Inhalt
Adipositas Ursachen

Positive Energiebilanz als Ursache

In der Theorie gilt: Wer seinem Körper langfristig mehr Energie zuführt, als er verbraucht, wird zunächst übergewichtig und auf Dauer adipös. Hier ist auch von einer positiven Energiebilanz die Rede. Ist diese langfristig vorhanden, lagert der Körper immer mehr Energie in seine Fettdepots ein.

Für ein gleichbleibendes Gewicht ist eine ausgeglichene Energiebilanz erforderlich, für die Gewichtsabnahme eine negative. Warum die Bilanz über einen längeren Zeitraum hinweg positiv ist, dafür gibt es verschiedene Gründe. Es gibt viele Faktoren, die einen Einfluss auf den Stoffwechsel und die individuelle Energiebilanz haben.

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Ursachen und Risikofaktoren für Adipositas

Zur Entstehung von Adipositas tragen oft mehrere Faktoren bei, die sich in Kombination gegenseitig begünstigen.

Diese Faktoren können bei der Entstehung von Adipositas eine Rolle spielen:

  • hochkalorische Ernährung, ungünstiges Essverhalten
  • genetische Veranlagung (u.a. zu niedriger Grundumsatz und/oder ungünstiges Fettverteilungsmuster)
  • Bewegungsmangel
  • Stress (fördert speziell die Einlagerung von Bauchfett)
  • Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder Morbus Cushing
  • Binge-Eating-Störung
  • Medikamente wie Psychopharmaka, Antiepileptika und Cortison
  • Psychische Ursachen

Hauptursache: Kalorienreiche Ernährung

Grundsätzlich führt eine Ernährung, die viele hochkalorische Lebensmittel enthält, eher zu Übergewicht und Adipositas als eine, die auf natürlichen Lebensmitteln beruht. In der Regel besteht eine hochkalorische Ernährung aus vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln.

Stark verarbeitete Lebensmittel: viele Kalorien

Stark verarbeitete Lebensmittel wie Chips, Süßigkeiten und Fertiggerichte, haben eine geringe Nährstoff- und gleichzeitig hohe Energiedichte. Das heißt: Viele Kalorien bei wenig Nährstoffen. Hier spricht man auch von hochkalorischen Lebensmitteln. Natürliche Lebensmittel, wie zum Beispiel Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte, zeichnen sich hingegen durch eine hohe Nährstoffdichte aus. Das heißt, sie enthalten viele Nährstoffe bei verhältnismäßig geringer Kalorienzahl.

Menschen, bei denen die Ernährung hauptsächlich aus natürlichen Lebensmitteln besteht, haben ein geringeres Risiko adipös zu werden als Menschen, bei denen die Ernährung zum Großteil aus stark verarbeitenden, hochkalorischen Lebensmitteln besteht. Diese sollten daher nur in Maßen verzehrt werden. Hochkalorische natürliche Lebensmittel wie Nüsse oder Öl zum Braten, sind meistens nicht der entscheidende Faktor bei der Entstehung von Adipositas.

Getränke mit Zucker: Versteckter Dickmacher

Nicht nur Lebensmittel, sondern auch zuckerhaltige Getränke können zu einer Gewichtszunahme führen beziehungsweise Patienten am Abnehmen hindern. Studien haben ergeben, dass sogar schon der tägliche Konsum von 250 ml an Softdrinks wie Limonade oder Cola zu einer stetigen Gewichtszunahme führen können. Was viele Patienten nicht wissen: Nicht nur Softdrinks, sondern auch Säfte enthalten viel Zucker. Anstelle von zuckerhaltigen Getränken sollte stattdessen eher Wasser oder ungesüßter Tee getrunken werden.

Genetische Veranlagung

Viele adipöse Menschen haben eine genetische Veranlagung zu Übergewicht. Vor allem Zwillingsstudien haben ergeben, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Erbgut eines Menschen und der Entstehung von Adipositas gibt. Bestimmte Konstellationen von Genen können etwa dafür sorgen, dass der Energieverbrauch besonders niedrig ist und Betroffene entsprechend schneller zunehmen. Andere begünstigen wiederum die Anlagerung von Bauchfett.

Studie: Genetik beeinflusst Essverhalten

Ebenso kann ein vermehrtes Hungergefühl erblich bedingt sein. Denn auch Appetit und Sättigung unterliegen genetischen Einflüssen. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien konnten zeigen, dass genetische Risikofaktoren das Essverhalten eindeutig beeinflussen. Hierzu werteten sie Daten einer finnischen Kohortenstudie von insgesamt 4.036 Zwillingen hinsichtlich genetischer Veranlagung, Essverhalten, Body-Mass-Index und Taillenumfang aus.

Insgesamt wurden so vier typische Essverhaltensmuster identifiziert: „Snacking“, „unregelmäßiges und ungesundes Essen“, „restriktives Essen“ und „emotionales Essen“. Sie alle zeigten eine klare genetische Disposition. Bei eineiigen Zwillingspaaren war das Essverhalten noch ähnlicher ausgeprägt als bei zweieiigen [1].

Bewegungsmangel

Vor allem Menschen, die am Schreibtisch arbeiten, bewegen sich im Alltag eher wenig. Zu wenig Bewegung führt zu einem geringen Energieverbrauch. Neben einem Übermaß an zugeführten Kalorien trägt ein zu geringer Verbrauch zu einer positiven Energiebilanz bei. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher 10.000 Schritte am Tag zu gehen. Diese können sie mit Apps, Schrittzählern oder Tracking-Armbändern überprüfen und festhalten. Es gilt immer: Je mehr Bewegung, desto mehr Kalorien verbrennt der Körper täglich.

Stress

Stress fördert die Gewichtszunahme deutlich. Viele Menschen essen bei Stress mehr – insbesondere hochkalorische und zuckerreiche Produkte. Psychischer Stress hat aber nicht nur ungünstige Auswirkungen auf das Essverhalten, sondern fördert auch physisch die Einlagerung von Körperfett.

Cortisol hemmt Fettverbrennung

Vor allem Dauerstress, den viele Menschen etwa durch einen herausfordernden Job ausgesetzt sind, hindert den Körper daran, in gesundem Maße Fett zu verbrennen. Wenn Sie oft unter Stress stehen, wird jede Menge Cortisol ausgeschüttet. Das Hormon hemmt die Fettverbrennung und fördert zudem die Einlagerung von Bauchfett. Wenn sich bereits ein vermehrtes Bauchfett angesammelt hat, ist es durch den gestörten Stoffwechsel besonders schwer, das Gewicht beziehungsweise Fett wieder abzubauen.

Bestimmte Erkrankungen

Auch manche Erkrankungen können dazu beitragen, dass Adipositas entsteht. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion etwa, ist der Energieverbrauch gemindert und die Fettverbrennung gehemmt. Der Körper lagert vermehrt Fett ein und das Gewicht steigt. Bei anderen Erkrankungen wie Arthrose oder Rheuma ist die Bewegung eingeschränkt, womit der tägliche Energieverbrauch sinkt. Bei Morbus Cushing wird zu viel Cortisol ausgeschüttet, welches den Körper daran hindert, Fett zu verbrennen und gleichzeitig die Einlagerung von Fett in der Bauchregion fördert.

Binge-Eating-Störung

Der englische Begriff Binge-Eating (engl. binge = Gelage) steht für übermäßiges, anfallartiges Essen. Das Binge-Eating-Syndrom führt auf Dauer nicht nur zu Übergewicht und Adipositas, sondern ist eine psychische Störung, die behandelt werden muss. Bei dieser Essstörung verschlingen Betroffene große Mengen an Essen und erleben dabei das Gefühl eines Kontrollverlustes. Anschließend empfinden sie oft große Scham, Ekel und Schuldgefühle. Auf Dauer führen diese Essanfälle bei den meisten Betroffenen zu Übergewicht und Adipositas.

Medikamente

Medikamente, die zum Beispiel bei Diabetes eingesetzt werden, können das Gewicht zusätzlich erhöhen. Ebenso Antidepressiva, die oftmals den Appetit steigern und so eine Gewichtszunahme fördern. Mittel, die Kortison enthalten, können auf Dauer ebenfalls zu Adipositas führen, da hier, wie bereits beschrieben, die Fettverbrennung gehemmt und die Ansammlung von Bauchfett gefördert wird. Weiterhin führen Antiepileptika als Nebenwirkung häufig zu einer Gewichtssteigerung.

Psychische Ursachen

Neben Stress und seinen bereits beschriebenen Auswirkungen auf den Körper, können auch andere psychische Ursachen die Entstehung von Adipositas fördern. Depressionen oder Angsterkrankungen führen bei manchen Menschen dazu, dass sie mehr essen als zuvor – zum Beispiel, um sich zu beruhigen oder zu trösten. Bei adipösen Menschen wiederum ist das Risiko für Depressionen erhöht. Oftmals entsteht hier eine Spirale aus seelischem Leid und Essen. Betroffene nutzen das Essen als Trost. Dieses Muster wird auch als emotionales Essen bezeichnet. Das Essen bei Frust, Stress, Ärger, Traurigkeit und anderen unangenehmen Gefühlen, spielt bei vielen adipösen Menschen eine große Rolle.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. Jürgen Kolbeck Facharzt Innere Medizin

Dr. Jürgen Kolbeck ist seit über 15 Jahren als Internist in seiner Hamburger Hausarztpraxis tätig. 2007 erhielt er den Zusatztitel Ernährungsmediziner.

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Letzte Änderung: 24 Nov 2020

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trustpilot-ratings-5-star von Dieter, 08 Sep 2021
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trustpilot-ratings-5-star von Marco, 09 Sep 2021
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