Abnehmspritzen in der Schwangerschaft – geht das?

Dr. med. Ulrike Thieme, Medizinische Leiterin bei ZAVA , Foto rund

Medizinisch geprüft von

Dr. med. Ulrike Thieme

Letzte Änderung: 08 Jan. 2026

Sie planen eine Schwangerschaft und fragen sich, wie Sie in der kommenden Zeit mit Abnehmspritzen umgehen sollen? Wir erklären Ihnen, wann Sie Mounjaro® oder Wegovy® absetzen müssen, warum diese Medikamente in der Schwangerschaft nicht geeignet sind und was bei bestehendem Kinderwunsch wichtig ist.

Inhalt
Eine Frau, die Abnehmspritzen nimmt, sitzt auf dem Bett und schaut einen Schwangerschaftstest an.
 

Kurzübersicht zur Abnehmspritze in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft:

  • Wegovy® und Mounjaro® nicht anwenden
  • Risiken für das Baby noch nicht ausreichend erforscht

Ungeplante Schwangerschaft während der Therapie:

  • Medikament sofort absetzen und mit dem Arzt sprechen

In der Stillzeit:

  • Abnehmspritzen nicht anwenden
  • Wirkstoffe gehen in die Muttermilch über: Ausmaß und Auswirkungen sind noch nicht ausreichend untersucht

Wegovy® und Mounjaro® nach der Schwangerschaft:

  • Ohne Stillen: nach ca. 6-12 Wochen möglich, abhängig von Erholung und ärztlicher Einschätzung
  • Stillen: Anwendung weiterhin nicht empfohlen

Abnehmspritze und Kinderwunsch:

  • Abnehmspritze mindestens 2 Monate vor der geplanten Schwangerschaft absetzen

Antibabypille und Abnehmspritze:

  • Verlangsamte Magenentleerung reduziert unter Umständen die Aufnahme der Wirkstoffe
  • Erbrechen oder Durchfall können die Pillenwirkung beeinträchtigen
  • Bei Nebenwirkungen und bei Dosissteigerungen zusätzlich verhüten, etwa mit Kondomen

Wegovy® oder Mounjaro® in der Schwangerschaft?

Frauen sollten Wegovy® und Mounjaro® in der Schwangerschaft nicht verwenden.

Die 2 wichtigsten Gründe:

  • Wenige Studien zu möglichen Risiken: Bisher fehlen Studien, in denen schwangere Frauen die Wirkstoffe Semaglutid (Wegovy®) oder Tirzepatid (Mounjaro®) über längere Zeit angewendet haben. Die Hersteller betonen deshalb, dass die Sicherheit in der Schwangerschaft nicht ausreichend untersucht ist.
  • Gefahr einer Unterversorgung: Die Medikamente können den Appetit stark senken und zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen. Während einer Schwangerschaft beeinträchtigt das möglicherweise die Nährstoffversorgung der Mutter und damit auch die des Babys. Für eine gesunde Entwicklung ist es wichtig, dass die Mutter ausreichend und ausgewogen isst.

Unbemerkt schwanger: Was tun?

Wenn Sie Mounjaro® oder Wegovy® anwenden und bemerken, dass Sie schwanger geworden sind, sollten Sie Ihr Medikament umgehend absetzen und Rücksprache mit Ihrem Arzt halten. Die Anwendung von Abnehmspritzen im 1. Schwangerschaftsdrittel könnte zu Fehlbildungen führen. Auch scheinen die Präparate die Wahrscheinlichkeit für eine Risikoschwangerschaft zu steigern – Fachleute nehmen etwa ein um 30 % höheres Risiko für Schwangerschaftsdiabetes an.

Wie sich die GLP-1-Rezeptor-Agonisten im 2. und 3. Trimester einer Schwangerschaft auswirken, ist ebenfalls noch nicht ausreichend ermittelt. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass es auch in dieser Phase zu Fehlbildungen kommen kann. Experten vermuten, dass ein Mangel an wichtigen Nährstoffen – verursacht durch das große Kaloriendefizit der Mutter – Fehlbildungen begünstigen könnte.

Abnehmspritzen Wegovy® oder Mounjaro® nach der Schwangerschaft

Viele Frauen möchten nach der Geburt abnehmen und fragen sich, wann und wie sie GLP-1-Medikamente wie Wegovy® oder Mounjaro® nach der Schwangerschaft sicher einsetzen können. Dabei spielen Faktoren wie Stillen, körperliche Erholung und individuelle gesundheitliche Voraussetzungen eine wichtige Rolle.

Auf einen Blick:

  • Wenn Sie stillen: Nein, Sie sollten Wegovy® oder Mounjaro® in der Stillzeit nicht verwenden.
  • Wenn Sie nicht stillen: Möglicherweise können Sie die Behandlung nach 6-12 Wochen beginnen – abhängig von Ihrer Erholung und nach Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Ist eine Anwendung in der Stillzeit möglich?

Frauen sollten Abnehmspritzen wie Wegovy® und Mounjaro® nicht in der Stillzeit anwenden. Die Hersteller raten ausdrücklich davon ab: Es gibt noch keine eindeutigen Studien dazu, wie viel von den Wirkstoffen in die Muttermilch übergeht und welchen Einfluss sie auf die Entwicklung des Kindes haben.

Erste, sehr kleine Studien geben Hinweise auf die Sicherheit in der Stillzeit: In einer aktuellen Untersuchung fand sich in der Muttermilch von Mounjaro® Anwenderinnen kein relevanter Wirkstoffgehalt. Selbst mit der höchsten theoretisch möglichen Wirkstoffmenge würde ein Baby rein rechnerisch nur verschwindend geringe Spuren aufnehmen.

Diese Spuren liegen deutlich unter dem üblichen Sicherheitsgrenzwert für Medikamente in der Stillzeit. Das spricht dafür, dass das Risiko für gestillte Säuglinge eher gering zu sein scheint. Allerdings ist die Datenlage noch sehr begrenzt: Bevor Experten klare Empfehlungen aussprechen können, braucht es größere Studien. Sie müssen zeigen, wie sicher die Anwendung wirklich ist und ob sie sich langfristig auf die Entwicklung des Kindes auswirkt.

Wann kann ich nach der Schwangerschaft mit Wegovy® oder Mounjaro® beginnen?

Wenn Sie nicht stillen, können Sie in der Regel etwa 6-12 Wochen nach der Geburt wieder mit einem GLP-1-Medikament starten. Entscheidend ist, wie gut Sie sich erholt haben und wie Ihr individueller Gesundheitszustand ausfällt. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wann für Sie der geeignete Zeitpunkt ist, um Wegovy® oder Mounjaro® nach einer Schwangerschaft zu verwenden.

Abnehmspritze und Kinderwunsch: Wirken Mounjaro® und Wegovy® auf die Fruchtbarkeit?

GLP-1-Medikamente wie Mounjaro® und Wegovy® beeinflussen die Fruchtbarkeit nicht direkt. Sie sorgen also nicht selbst dafür, dass eine Frau schneller schwanger wird. Indirekt können sie die Chancen auf eine Schwangerschaft aber erhöhen. Daher tauchen in den Medien häufig Begriffe wie “Ozempic® Babys” oder “Mounjaro® Babys” auf. Der eigentliche Grund für eine gesteigerte Fruchtbarkeit liegt aber für gewöhnlich im Gewichtsverlust der Frau.

Beeinflusst Übergewicht die Fruchtbarkeit?

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Unfruchtbarkeit. Ein zu hohes Körpergewicht kann den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen und den Eisprung stören oder ganz aussetzen. Eine Gewichtsreduktion stabilisiert dagegen die hormonellen Abläufe. Dadurch normalisiert sich der Zyklus und der Eisprung findet wieder regelmäßiger statt. Eine Gewichtsabnahme – egal ob mit Abnehmspritze oder ohne – verbessert nachweislich die Fruchtbarkeit.

Typische positive Effekte sind zum Beispiel:

  • regelmäßigere Zyklen
  • häufigere Eisprünge
  • eine verbesserte Insulinempfindlichkeit, die den Hormonhaushalt weiter stabilisiert

Diese Verbesserungen können bereits relativ früh nach Beginn einer Gewichtsabnahme einsetzen und steigern damit die Wahrscheinlichkeit für eine spontane Schwangerschaft.

Erhöht die Abnehmspritze die Fruchtbarkeit bei Frauen mit PCOS?

PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ist eine häufige hormonelle Störung bei Frauen. Sie führt zu unregelmäßigen Zyklen, seltenen Eisprüngen, mehr männlichen Hormonen und oft auch zu einer Gewichtszunahme.

Neue Studien, veröffentlicht etwa in den Sage Journals und bei Reproductive Biomedicine Online, zeigen: GLP-1-Wirkstoffe wie Semaglutid oder Liraglutid können Frauen mit PCOS dabei unterstützen, den Zyklus zu stabilisieren und wieder regelmäßiger einen Eisprung zu haben. Durch die Gewichtsabnahme und die verbesserte Insulinempfindlichkeit normalisiert sich der Hormonhaushalt, was die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöht. Große Studien, die gezielt Schwangerschafts- oder Geburtenraten messen, stehen allerdings noch aus.

Kann ich mit der Abnehmspritze ungeplant schwanger werden?

Die Begriffe “Ozempic® Babys” und “Mounjaro® Babys” beschreiben in den Medien ungeplante Schwangerschaften während der Verwendung von Abnehmspritzen. Die Schwangerschaften treten in der Regel auf, weil sich der Zyklus unter der Behandlung normalisiert und der Eisprung sich wieder einstellt. Einige Frauen rechnen damit schlichtweg nicht: Viele Schwangere hatten zuvor aufgrund von Übergewicht, hormonellen Störungen oder Zyklusproblemen mit eingeschränkter Fruchtbarkeit zu tun.

Positive Veränderungen treten durch die Abnehmspritzen meist schneller auf als erwartet. Deshalb werden viele Frauen von einer ungeplanten Schwangerschaft überrascht. Ärzte raten, während der Therapie mit Wegovy® und Mounjaro® auf eine zuverlässige Verhütung zu achten, um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden.

Gibt es Wechselwirkungen von Wegovy® und Mounjaro® mit der Antibabypille?

Laut aktuellem Kenntnisstand soll es keine direkte Wechselwirkung zwischen Semaglutid oder Tirzepatid und den Wirkstoffen der Antibabypille geben. Dennoch ist bei der Verwendung der Abnehmspritze und der Pille Vorsicht geboten: Die langsamere Leerung des Magens kann die Aufnahme der Pillenwirkstoffe beeinträchtigen.

Zudem: Wegovy® und Mounjaro® können Durchfall oder Erbrechen verursachen. Diese Nebenwirkungen führen unter Umständen dazu, dass die Antibabypille nicht mehr ausreichend wirkt. Sprechen Sie in diesem Fall mit Ihrem Arzt und verhüten Sie zusätzlich, etwa mit Kondomen. Gleiches gilt in der Phase mit regelmäßigen Dosissteigerungen.

Wie lange vor der Schwangerschaft sollte man Mounjaro® oder Wegovy® absetzen?

Frauen sollten Wegovy® laut Anwendungshinweisen mindestens 2 Monate vor einer möglichen Empfängnis absetzen. Bei Mounjaro® raten die Hersteller ebenfalls dazu, die Anwendung frühzeitig zu stoppen.

Beide Wirkstoffe haben eine lange Wirkdauer und werden langsam ausgeschieden. Das heißt, dass sie über einen längeren Zeitraum im Körper verbleiben. Der Organismus baut sie nach und nach ab, sodass ihr Effekt auch nach dem Absetzen noch über mehrere Wochen bestehen bleibt.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich nach Absetzen der Abnehmspritze sofort schwanger werden?

Ja, nach dem Absetzen der Abnehmspritze können Sie grundsätzlich sofort schwanger werden. Wenn Sie eine Schwangerschaft planen, sollten Sie die Abmehmspritze mindestens 2 Monate vorher absetzen, um mögliche Risiken für das Kind zu vermeiden.

Gibt es Unterschiede im Risikoprofil zwischen Mounjaro® und Wegovy® in der Frühschwangerschaft?

Aus den verfügbaren Daten lassen sich keine klaren Unterschiede im Risikoprofil zwischen Mounjaro® (Tirzepatid) und Wegovy® (Semaglutid) in der Frühschwangerschaft ableiten. Dafür fehlen ausreichende Studien an Menschen.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. med. Ulrike Thieme Fachärztin für Neurologie, Medizinische Leiterin

Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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Letzte Änderung: 08 Jan. 2026

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