Was ist Hirsutismus?

Ursachen, Diagnose und Behandlung von übermäßigem Haarwuchs bei Frauen

Letzte Aktualisierung: 03 Apr 2019

Der Mund einer jungen Frau mit durch Hirsutismus bedingtem Damenbart.
Inhalt

Liegt bei Frauen ein übermäßig starker Haarwuchs vor, kann es sich um Hirsutismus handeln. Dabei tritt vor allem im Gesicht, am Rücken, an den Brustwarzenvorhöfen und dem Brustbein, dem Unterbauch, Gesäß und den Oberschenkeln eine eher für den Mann typische Körperbehaarung auf.

Ursachen von Hirsutismus

Hirsutismus kann verschiedene Ursachen haben, die meisten davon sind jedoch hormonell bedingt und beruhen auf einer vermehrten Androgenbildung. Androgene sind männliche Sexualhormone. Sie sind beim Mann unter anderem für die Ausbildung der Körperbehaarung, wie zum Beispiel dem Bartwuchs, verantwortlich. Bei der Frau werden sie normalerweise nur in kleiner Menge in den Eierstöcken und den Nebennierenrinden produziert.

Um eine individuell richtige und erfolgversprechende Behandlung zu finden, ist es wichtig, die genaue Ursache für die verstärkte Körperbehaarung zu kennen.

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine Stoffwechselstörung und zeichnet sich durch vergrößerte Eierstöcke mit Zystenbildung aus. Es gilt als der häufigste Grund für Hirsutismus. Die eigentlichen Funktionen der Eierstöcke, also der Eisprung und die Steuerung des Menstruationszyklus, werden gestört. Da es sich hier um Androgen-produzierende Zysten handelt, wird die Entwicklung von Hirsutismus begünstigt.

Idiopathisch

Als idiopathisch bezeichnet man Hirsutismus, wenn die Ursache auch nach umfassender Diagnostik nicht geklärt werden kann. Diese Form des Hirsutismus ist mit bis zu 20 Prozent aller Fälle relativ häufig. Die betroffenen Frauen besitzen eine normale Funktion der Eierstöcke und unauffällige Hormonwerte. Es wird angenommen, dass idiopathischer Hirsutismus auf einer Störung des Testosteron-Stoffwechsels in der Haut beruht.

Nebenwirkung von Medikamenten

Insbesondere Medikamente aus der Klasse der Androgene sowie Anabolika (meist anabole Steroide) können Hirsutismus begünstigen. Dabei handelt es sich um pharmakologische Substanzen, die eine muskelaufbauende Wirkung haben und oft von Bodybuildern verwendet werden. Die Medikamente Minoxidil und Phenytoin können ebenfalls Hirsutismus auslösen. Minoxidil wird zur Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall verwendet, während Phenytoin zur Behandlung von Epilepsie, sowie Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird.

Tumore

Bestimmte Tumore können durch die Produktion männlicher Sexualhormone (Androgene) und anderer Botenstoffe den Hormonstoffwechsel beeinflussen und so Hirsutismus auslösen. Dazu zählen gut- und bösartige Tumore der Eierstöcke, der Nebennieren, der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sowie der Bauchspeicheldrüse.

Stoffwechselstörungen

Auch Stoffwechselstörungen können das Auftreten von Hirsutismus begünstigen. Dazu gehören unter anderem ein zu hoher oder zu niedriger Insulinspiegel (beispielsweise im Rahmen von Diabetes) und Störungen des Steroidstoffwechsels (beispielsweise durch eine Nebennierenrindeninsuffizienz). Darüber hinaus gilt auch Übergewicht als mögliche Ursache für Hirsutismus.

Was ist der Unterschied zwischen Hirsutismus und einem etwas stärkeren Haarwuchs?

Die Stärke der Körperbehaarung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ein am ganzen Körper stärker ausgeprägter Haarwuchs, wird als Hypertrichose bezeichnet und ist genetisch bedingt. Bei Hirsutismus hingegen, tritt der verstärkte Haarwuchs nicht gleichmäßig am ganzen Körper auf, sondern in Bereichen, die typischerweise einem männlichen Behaarungsmuster entsprechen, wie beispielsweise Gesicht, Rücken und Unterbauch. Die Übergänge zwischen normaler Körperbehaarung, Hypertrichose und Hirsutismus sind fließend.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Ein plötzlich neu auftretender verstärkter Haarwuchs sollte ärztlich abgeklärt werden. Dies gilt umso mehr, wenn sich zusätzlich weitere Merkmale einer Vermännlichung (Virilisierung) darstellen. Dazu können unter anderem Haarausfall des Haupthaars, Ausbleiben der Regelblutung, eine Veränderung der Körperzusammensetzung hin zu größerer Muskelmasse sowie Klitorishypertrophie (eine anatomisch ungewöhnlich große Klitoris) gehören.

Wie wird Hirsutismus diagnostiziert?

Hirsutismus entwickelt sich in der Regel während der Pubertät bzw. im frühen Erwachsenenalter. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen er sich erst ab dem mittleren Lebensalter zeigt. Erste Ansprechpartner für das Feststellen von Hirsutismus sind der Hausarzt oder der Frauenarzt. Zunächst wird der behandelnde Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen und das Ausmaß der Körperbehaarung einschätzen. Zudem gehören zur typischen grundlegenden Diagnostik die Bestimmung des Sexualhormonspiegels und gegebenenfalls weiterer Werte, wie die der Schilddrüsenhormone oder des Zuckerstoffwechsels. Je nachdem, ob eine Ursache für den Hirsutismus gefunden werden kann, sind anschließend weitere Untersuchungen notwendig.

Behandlungsmöglichkeiten von Hirsutismus

Die möglichen Arten der Behandlung von Hirsutismus hängen von Ursache und Ausmaß bzw. der Ausprägung der Behaarung, sowie von den Wünschen der Patientin ab. Besonders bei gleichzeitig bestehendem Kinderwunsch müssen die Therapieoptionen sorgfältig mit dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Antibabypille

Antibabypillen mit den Gestagenen Chlormadinonacetat, Cyproteronacetat, Dienogest oder Drospirenon wirken antiandrogen, das heißt die Wirkung der männlichen Sexualhormone (Androgene) wird gehemmt. Da Hirsutismus häufig durch einen Androgenüberschuss ausgelöst wird, kann dieser durch die Einnahme einer entsprechenden Pille, wie zum Beispiel Lilia, meist gut behandelt werden. Besonders für Frauen, die sowieso eine hormonelle Verhütungsmethode verwenden möchten, kommt diese Behandlungsmöglichkeit in Frage. Allerdings können gegebenenfalls typische Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit, Zwischen- oder Schmierblutungen, Libidoverlust, Wassereinlagerungen und Stimmungsveränderungen auftreten. Zusätzlich besteht bei diesen Pillen eine im Vergleich zu anderen Pillen erhöhte Thrombosegefahr.

Antiandrogene

Außer bestimmten Antibabypillen gibt es noch weitere Medikamente, die eine antiandrogene Wirkung haben. Dazu gehören zum Beispiel Spironolacton, Flutamid, Bicalutamid und Finasterid. Die meisten antiandrogenen Medikamente sind allerdings entweder nicht für die alleinige Behandlung von Hirsutismus zugelassen oder können zu starken Nebenwirkungen führen. Deswegen werden antiandrogen wirkende Gestagene bzw. die Antibabypille oft als Behandlungsform bevorzugt.

Insulin-Sensitizer

Durch Insulin-Sensitizer wie Metformin und Glitazone wird die Empfindlichkeit des Körpers für Insulin verbessert. Diese Medikamente können die Behaarung bei Patientinnen reduzieren, deren Hirsutismus auf einer Insulin-Resistenz beruht,. Allerdings gibt es bisher im Vergleich zu antiandrogenen Gestagenen nur wenige Studien zur Wirksamkeit von Insulin-Sensitizern.

Medizinische Creme Vaniqa

Die verschreibungspflichtige Creme Vaniqa enthält einen Wirkstoff, der das Wachstum der Haarfollikel verlangsamt. Vaniqa ist allerdings nur zur Reduktion der Behaarung im Gesicht zugelassen und wirkt lediglich für die Dauer der Anwendung. Bei einer Studie mit fast 600 Frauen haben 70% der Probandinnen eine Verbesserung der Symptome festgestellt. Bei manchen Frauen konnte sogar ein kompletter Rückgang der Behaarung beobachtet werden.

Kosmetische Haarentfernung

Zur kosmetischen Haarentfernung zählen sowohl mechanische Methoden wie Epilieren, Waxen und Zupfen mit der Pinzette als auch die Laserbehandlung. Sie müssen aber in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um einen dauerhaften Erfolg zu gewährleisten.

Einfluss auf die Lebensqualität und Psyche

Hirsutismus ist für viele Betroffene nicht nur eine körperliche, sondern auch eine große psychische Belastung. Betroffene Frauen schämen sich oft für ihre starke Behaarung, fühlen sich unattraktiv und verwenden viel Zeit für die Entfernung ihrer Körperbehaarung. Dies kann in manchen Fällen sogar zu sozialem Rückzug und psychischen Erkrankungen führen. Hirsutismus ist also kein rein kosmetisches Problem, sondern kann die Lebensqualität der betroffenen Frauen stark einschränken.

Hilfe für Betroffene

Es gibt eine Reihe von Selbsthilfegruppen für Hirsutismus-Patientinnen. Auch für mögliche Grunderkrankungen existieren entsprechende Gruppen, beispielsweise die PCOS-Selbsthilfe. Zudem kann eine professionelle Psychotherapie dabei helfen, mit den psychischen Folgen von Hirsutismus besser zurecht zu kommen.

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Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab und begann anschließend ihre klinische Forschung am National Hospital for Neurology and Neurosurgery London.

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