Haarbalgmilben

Ein parasitärer Auslöser von Hauterkrankungen

Frau mittleren Alters betrachtet ihre Haarbalgmilben, die zu Rosacea führen können, im Spiegel.
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Haarbalgmilben sind zwar weniger bekannt als andere Parasiten, können aber dennoch bestimmte Hauterkrankungen auslösen und unter anderem die Entstehung von Rosacea fördern. Ein Befall mit Haarbalgmilben lässt sich meist gut therapieren. Eine sorgfältige Diagnostik ist dabei nötig, um sehr ähnliche Krankheiten auszuschließen.

Was sind Haarbalgmilben?

Milben sind eine Unterklasse der Spinnentiere. Es existieren mehrere tausend verschiedene Milbenarten, wobei nur wenige davon Krankheiten beim Menschen auslösen können. Die meisten sind nur einen Bruchteil eines Millimeters groß, einige wie beispielsweise Zecken können jedoch eine Größe bis zu mehreren Zentimetern aufweisen.

Haarbalgmilben sind länglich aussehende Milben der Gattung Demodex, die in mehrere Arten aufgeteilt werden können und parasitär leben. Zwei dieser Arten, nämlich Demodex folliculorum und Demodex brevis, benutzen Menschen als ihre Wirte und werden im medizinischen Bereich im engeren Sinne als Haarbalgmilben bezeichnet. Andere Demodex-Arten haben sich auf Tiere als Wirte spezialisiert. Haarbalgmilben werden bis zu 0,4 Millimeter lang und leben, wie der Name bereits sagt, im Bereich von Haarbälgen. Damit werden die Durchtrittsstellen der Haare in der oberen Hautschicht bezeichnet. Dort ernähren sich Haarbalgmilben vom Talg, der von den etwas weiter unten gelegenen Talgdrüsen produziert wird. Sie sind ihrerseits wiederum von Bakterien besiedelt.

Während Neugeborene noch frei von Haarbalgmilben sind, befällt mindestens eine der beiden Milbenarten nahezu jeden Menschen im Laufe seines Lebens und nistet sich dauerhaft ein, ohne dass dies zu gesundheitlichen Problemen führen muss.

Können Haarbalgmilben Krankheiten beim Menschen verursachen?

Normalerweise verläuft ein Befall mit Haarbalgmilben auch langfristig ohne Symptome oder Krankheitswert. Unter bestimmten Umständen kann allerdings die Balance dieser parasitären Beziehung aus dem Gleichgewicht geraten und zu einer Hauterkrankung führen. Erkrankungen, die durch Haarbalgmilben hervorgerufen werden, bezeichnet man allgemein als Demodikosen.

Wie äußert sich eine Demodikose?

Demodikosen führen zu Veränderungen der Haut an den betroffenen Stellen. Sie werden in mehrere Kategorien unterteilt. Bei der Demodikosis spinulosa (Pityriasis folliculorum) zeigen sich kleine stachelartige, verhornte und häufig gerötete Stellen, wohingegen bei der Demodikosis papulopustulosa größere, knötchenartige Veränderungen entstehen. Außerdem können sie ringförmig auftreten (Demodikosis anulare), sich unter Zystenbildung äußern (Demodikosis nodulocystica) oder zu Verkrustungen führen (Demodikosis crustosa).

Hauptsächlich treten Demodikosen einseitig an Gesicht und Nacken auf und verursachen nur bei einem Teil der Patienten körperliche Beschwerden wie Juckreiz. Gewöhnlich erkranken Personen erst nach ihrem 40. Lebensjahr. Im Prinzip können sie an allen behaarten Hautstellen und in jedem Lebensalter auftreten. Dies schließt unter anderem auch eine Erkrankung der Augenlider mit ein.

Ist Rosacea dasselbe wie eine Demodikose?

Rosacea ist ebenfalls eine Hautkrankheit, die meist erst im Erwachsenenalter auftritt und unter anderem mit Rötungen, Juckreiz, Brennen, Pustelbildung oder einer Vergrößerung der Nase (Knollennase) einhergeht. Die Symptome von Rosacea und Demodikosen ähneln sich dementsprechend stark, vor allem bei schwachen bis mittelschweren Verläufen. Grundsätzlich sind beides aber verschiedene Krankheiten, die nicht einfach zusammengefasst werden können. Demodikosen werden per Definition ausschließlich von Haarbalgmilben ausgelöst, wohingegen Rosacea durch unterschiedlichste Reize wie UV-Licht, Alkohol, extreme Temperaturen oder stark gewürzte Speisen ausgelöst werden kann. Zudem liegt eine genetische Veranlagung für Rosacea bei den Betroffenen vor.

Es wird in der Forschung allerdings diskutiert, ob der Befall mit übermäßig vielen Haarbalgmilben die Entstehung von Rosacea fördern und die Rückbildung der Symptome erschweren kann. Dafür spricht, dass Rosacea-Patienten im Durchschnitt stärker von Haarbalgmilben befallen sind und unter einer Therapie mit Antimilben-Medikamenten häufig eine Besserung oder sogar eine Ausheilung der Symptome eintritt. Eine abschließende Aussage über diese Fragestellung kann momentan nicht getroffen werden.

Wie wird eine Demodikose diagnostiziert?

Zunächst wird die Haut begutachtet. Anhand der Verteilung und dem Aussehen der Hautveränderungen können bereits manche anderen möglichen Erkrankungen wie Akne oder Rosacea ausgeschlossen werden. Falls sich dadurch der Verdacht auf eine Demodikose erhärtet, werden einige Hautschuppen der betroffenen Stelle abgeschabt und nach Behandlung mit bestimmten Chemikalien unter dem Mikroskop begutachtet. Zeigen sich dabei anormal viele Haarbalgmilben, kann die Diagnose einer Demodikose als gesichert gelten.

Was ist eine Blepharitis?

Als Blepharitis bezeichnet man eine Entzündung der Augenlider. Neben mehrere anderen Ursachen kann eine Blepharitis auch durch Haarbalgmilben ausgelöst werden. Unabhängig von der möglichen Ursache sollten Patienten mit entzündeten Augenlidern aber in jedem Fall zeitnah einen Haus- oder Augenarzt aufsuchen, um sicherzustellen, dass keine Gefahr für die Sehkraft des Auges besteht.

Wer ist besonders gefährdet, durch Haarbalgmilben zu erkranken?

Normalerweise hat ein Befall mit Haarbalgmilben keine gesundheitlich schädlichen Auswirkungen. Jedoch sind manche Menschen gefährdet, eine Demodikose zu entwickeln. Dazu zählen Personen, die ein geschwächtes Immunsystem besitzen, also beispielsweise HIV-Infizierte, Patienten unter Immunsuppression oder ältere Menschen. Eventuell spielt auch die individuelle Zusammensetzung des Immunsystems eine Rolle, vor allem inwiefern die Fähigkeit ausgebildet ist, Haarbalgmilben und die auf ihnen lebenden Bakterien als Fremdkörper zu erkennen. Diese Frage ist allerdings noch Gegenstand aktueller Forschung.

Kann man sich prophylaktisch vor Haarbalgmilben schützen?

Es gibt zwar Mittel, mit denen man Haarbalgmilben bekämpfen kann. Da Haarbalgmilben aber im Alltag allgegenwärtig (ubiquitär) vorkommen, ist ein prophylaktischer Schutz vor einem Befall mit Haarbalgmilben nicht möglich. Zudem wäre solch ein Schutz für die meisten Menschen auch unnötig, da nur ein verhältnismäßig geringer Anteil der von Haarbalgmilben befallenen Personen schädliche Auswirkungen durch den Befall hat. Es ist daher ausreichend, erst beim Auftreten einer Erkrankung durch Haarbalgmilben diese zu bekämpfen.

Wie behandelt man einen krankhaften Befall mit Haarbalgmilben?

Erkrankungen durch Haarbalgmilben können mit mehreren Medikamenten behandelt werden. Am häufigsten wird in Deutschland das Antibiotikum Metronidazol in Form von Salben über einen Zeitraum von mehreren Wochen verwendet. Gegebenenfalls kann zusätzlich das Insektizid Permethrin ebenfalls äußerlich angewendet werden. Andere mögliche Wirkstoffe sind Benzylbenzoat und Crotamiton. Daneben existiert mit Ivermectin ein weiteres, hochwirksames Insektizid, das im Rahmen einer oralen Einmaldosis die meisten Demodikosen erfolgreich bekämpft. Allerdings ist Ivermectid in Deutschland noch nicht offiziell für die Behandlung von Demodikosen zugelassen. Es kann zwar dennoch im sogenannten off-label-Verfahren von Ärzten verschrieben werden, allerdings haben Patienten keinen Anspruch auf Kostenübernahme und müssen demnach die Kosten des Medikaments selbst tragen.

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