ZAVA Mental-Health-Report

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Die mentale Gesundheit ist ein Thema, über das die Gesellschaft eher hinter vorgehaltener Hand spricht. Und das, obwohl es viele Menschen angeht: Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) sind mittlerweile 27,8 % der erwachsenen Deutschen von einer psychischen Erkrankung betroffen.

Oft verstecken Betroffene diese Krankheiten aus Angst vor Diskriminierung und Stigmatisierung. Entsprechende Vorurteile des Umfelds tragen zu der schon bestehenden Belastung durch die psychische Erkrankungen enorm bei.

Depressionen, ein Burnout-Syndrom und andere psychische Erkrankungen können alle Menschen gleichermaßen treffen. Auch solche, die nach außen hin „gesund” erscheinen. Genau das macht psychische Erkrankungen so gefährlich: Da die seelische Verfassung nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, bleibt sie häufig viel zu lang undiagnostiziert und unentdeckt.

Erschreckend: Bundesweit erfüllt mehr als jeder 4. Erwachsene im Zeitraum eines Jahres die theoretischen Kriterien einer psychischen Störung.

Die Stigmatisierung psychischer Störungen behindert nach wie vor die Versorgung von Menschen, die Unterstützung benötigen. Dies schränkt das Bewusstsein dafür ein, wie viele Menschen wirklich von seelischen Problemen betroffen sind: ein Bewusstsein, das in der Öffentlichkeit dringend geschaffen werden muss. Das gilt nicht zuletzt, weil die mentale Gesundheit einen bedeutsamen Teil des menschlichen Seins ausmacht. Eine positive mentale Verfassung fördert maßgeblich das allgemeine Wohlbefinden.

Dafür kann jeder etwas tun: Ein wichtiger erster Schritt ist es, offen über mentale Gesundheit zu sprechen und ihre Wichtigkeit in den Fokus zu rücken. In diesem Report zur mentalen Gesundheit prüfen wir Chancen digitaler Angebote zur Prävention und Behandlung mentaler Störungen und sprechen mit Ärzten über erste Hilfestellungen in Krisensituationen.

Das Recht auf Wohlbefinden – mentale Gesundheit pflegen und wertschätzen

Laut Artikel 25 der allgemeinen Erklärung für Menschenrechte gilt der folgende Grundsatz:

„Jeder hat das Recht auf Wohlbefinden”

Hinter dem Begriff „Mental Health” verstecken sich unterschiedliche Aspekte: Oft wird die Bezeichnung tatsächlich missinterpretiert und als Synonym für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Burnout oder Angststörungen gesehen. „Gute” mentale Gesundheit bedeutet jedoch nicht nur, dass nachweislich keine psychischen Störungen vorliegen, sondern beinhaltet auch den Zustand des absoluten Wohlbefindens. Im Vordergrund steht nicht die Frage nach dem „was läuft schlecht”, sondern viel mehr nach dem „was läuft gut”. Zusätzlich beeinflusst unsere mentale Gesundheit ganz entscheidend die allgemeine Gesundheit. Denn spielt der Kopf nicht mit, ist der Körper oft genauso erschöpft.

Die mentale Gesundheit aufrechtzuerhalten, ist demnach bei jedem Menschen wichtig für ein ausgeglichenes Leben. Das bedeutet,

  • den Fokus auf die mentale Gesundheit zu legen, bevor diese beeinträchtigt ist.
  • sich über die eigene psychische Gesundheit bewusst zu werden und zu lernen, wie diese zu pflegen und wertzuschätzen ist.
  • mentalen Ballast, der durch stressige und belastende Phasen im Leben entsteht, frühzeitig zu erkennen – und Strategien zu entwickeln, um diesen wieder abzubauen. Dabei gilt: Kleine Sorgen lassen sich am besten in kleinen Schritten verarbeiten.
  • die eigene Gesundheit zu evaluieren und so zum Aufrechterhalten der mentalen Stärke beizutragen. Fragen wie „Wie fühle ich mich gerade?”, „Macht mir gerade etwas zu schaffen?” oder „Geht es mir gut?”, können dabei helfen, einer seelischen Belastung frühzeitig nachzuspüren.

„Das regelmäßige Hinterfragen des eigenen Wohlbefindens ist ein wichtiger Prozess zum Aufrechterhalten der mentalen Gesundheit. Stauen sich Frust, Wut, Angst oder gar noch nicht überwundene Traumata an kann dies weitreichende Folgen auf die psychische Gesundheit nach sich ziehen. Frühe Gespräche mit ausgebildetem Fachpersonal sind absolut empfehlenswert.” Dr. med. Ulrike Thieme, Ärztin und stellv. Ärztliche Leiterin bei ZAVA

Gibt es ein Bewusstsein für die mentale Gesundheit in Deutschland?

Wie steht es um die Psyche der Bevölkerung Deutschlands? Sind sich die in Deutschland lebenden Menschen der Wichtigkeit ihrer mentalen Gesundheit bewusst?

Tatsächlich nehmen laut DGPPN gerade einmal 19 % der von einer psychischen Erkrankung betroffenen Personen tatsächlich Kontakt zu Leistungsanbietern auf, um sich helfen zu lassen.

Das könnte sich künftig ändern: Aktuelle Analysen der Techniker Krankenkasse und der DAK ergeben, dass Krankschreibungen aufgrund psychiatrischer Diagnosen auf dem Vormarsch sind. Dieser Trend zeigt sich seit einigen Jahren und hält auch während der Corona-Krise unverändert an. Laut DAK nehmen Fehlzeiten bei beiden Geschlechtern mit steigendem Alter zu, jedoch weisen Frauen deutlich mehr Krankschreibungen auf als ihre männlichen Kollegen (328 Fehltage je 100 Versicherte gegenüber 203 Fehltagen bei Männern). Die häufigsten Diagnosen sind dabei, wie in den Jahren zuvor, Angst- und depressive Störungen.

In Deutschland zählen psychische Erkrankungen zu den häufigsten Ursachen für den Verlust gesunder und unbeschwerter Lebensjahre. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung besitzen Menschen mit psychischen Erkrankungen eine um 10 Jahre geringere Lebenserwartung.

Frauen häufiger von psychischen Krankheiten betroffen?

Wie bereits erwähnt, weisen epidemiologische Daten darauf hin, dass Frauen insgesamt häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen zu sein scheinen. Zu erklären ist dieser Unterschied möglicherweise zum einen durch Rollenstereotypen. Zum anderen könnte er daran liegen, dass Frauen eher und schneller zum Arzt gehen. Dadurch werden psychische Störungen bei Frauen früher erkannt und häufiger diagnostiziert. Sie begeben sich damit frühzeitiger in Behandlung. So vermutet man auch, dass die Dunkelziffer für psychische Erkrankungen bei Männern weitaus höher ist.

Das lange Warten auf einen Termin: Alternativen

Die langen Wartezeiten für einen Termin bei einem passenden (Fach-)Arzt sind für viele Betroffene ein Grund, die Behandlung doch nicht anzutreten. Die aktive Suche nach Hilfe kostet Kraft und das lange Warten auf eine entsprechende Behandlung entmutigt häufig. Um zu verhindern, dass sich Beschwerdebilder verschlimmern oder Folgeerkrankungen entstehen, sollte die Terminvergabe für entsprechende Behandlungen unbedingt priorisiert und nach individuellem Zustand erfolgen.

„Psychische Erkrankungen bessern sich nicht von selbst. Je länger eine Krankheit andauert, desto schwieriger kann es sein, sie zu behandeln. Unbehandelte Angstzustände zum Beispiel können zu Panikattacken führen, und die Nichtbehandlung eines Traumas kann eine posttraumatische Belastungsstörung nach sich ziehen. Eine digitale Sprechstunde ermöglicht dem Patienten einen niedrigschwelligen Zugang zu einer medizinischen bzw. psychotherapeutischen Versorgung. Hier soll frühzeitig festgestellt werden, ob ein Verdacht auf eine mentale Erkrankung vorliegt und ob weitere fachliche Hilfe notwendig wird. Neben der Klärung des individuellen Behandlungsbedarfs kann hier eine erste Diagnosestellung und entsprechende Behandlungsempfehlung erfolgen. Eine frühzeitige Therapie führt in der Regel zu besseren Resultaten.” – Dr. med. Frank Tenbrock - Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie und Partnerarzt bei sprechstunde.online

Online-Konsultationen bieten hier eine gute Möglichkeit für frühzeitige Diagnosen und Therapie-Einstiege. Virtuell stattfindende Gespräche können den Grundstein für eine Behandlung legen. Zusätzliche Stressfaktoren, wie beispielsweise eine lange Anfahrtszeit oder Schamgefühle, fallen so zunächst weg.

Diese Faktoren beeinflussen unsere mentale Gesundheit

Trotz der Komplexität der menschlichen Psyche lassen sich einige Faktoren benennen, die einen direkten Einfluss auf die mentale Gesundheit haben. Hier ist vor allem das Wort „Resilienz” von Bedeutung. Es beschreibt die individuelle Widerstandsfähigkeit einer Person. Also die Fähigkeit, mit Stress und negativen Erfahrungen zurechtzukommen.

Beispiel: Eine Person mit einer hohen Resilienz kann einen schweren Schicksalsschlag erleben und nach einer eventuell schwierigen Phase wieder in ein mentales Gleichgewicht zurückfinden. Personen mit einer niedrigen Resilienz bleiben von einem Schicksalsschlag des gleichen Umfangs viel länger, im schlimmsten Fall ihr gesamtes Leben lang, psychisch belastet.

Faktoren, die die mentale Gesundheit beeinflussen

Mental Health: Dr. Google als Therapeut?

Laut einer Studie googlen 2 Drittel der Befragten noch vor dem 1. Arztbesuch nach den Krankheitssymptomen. Auch nach einem Besuch googeln im Schnitt 50 % der Patienten nach Krankheiten und Symptomen. Dies geht aus dem Telemedizin Report hervor.

Insbesondere im Fall von psychischen Erkrankungen kann die Recherche im Internet eine große Hilfe sein: Sie stellt einen 1. Schritt in Richtung Behandlung dar und kann darüber hinaus als Unterstützung zur Selbstdiagnose oder Zweitmeinung wirken. In den letzten Jahren zeigt sich ein deutlicher Anstieg der Suchanfragen bei Google zu Themen wie „mentale Erschöpfung” oder „Depression”.

Suchbegriffe rund um die psychische Gesundheit

Da das Googlen von Krankheitssymptomen mittlerweile fast schon zur Normalität gehört, haben sich einige Suchbegriffe rund um die psychische Gesundheit etabliert und sind in den letzten Jahren in ihrer Häufigkeit angestiegen. Ein Blick auf die Änderungen des Suchverhaltens auf Google zeigt hier klare Tendenzen hinsichtlich mehrerer Suchbegriffe rund um die psychische Gesundheit.

Einsamkeit

Bei dem Suchwort „Einsamkeit” sind vor allem Unterschiede zwischen den Bundesländern erkennbar. Im Monat ergeben sich in ganz Deutschland durchschnittlich 45.300 Suchanfragen .

Anteil der Suchergebnisse für

In Nordrhein-Westfalen wird am häufigsten nach dem Begriff „Einsamkeit” gesucht. Als bevölkerungsreichstes deutsches Bundesland ist ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Suchanfragen und der Bevölkerungsdichte naheliegend. Auch Suchbegriffe wie „Einsamkeit überwinden”, „Ich bin einsam” oder „Einsamkeit Depression” weisen als verwandte Begriffe erhöhte Suchanfragen auf.

Depression

Für den Begriff „Depression” ist das monatliche Suchaufkommen in Deutschland schon deutlich höher und liegt im Zeitraum von August 2019 bis August 2021 bei 593.540 pro Monat. In den folgenden Bundesländern ist das meiste Suchaufkommen zu beobachten:

Anteil der Suchergebnisse für

Bei Betrachtung der Kurve der Suchanfragen über einen Zeitraum von ungefähr 5 Jahren wird eine kontinuierliche Steigung deutlich.

Veränderung des Suchvolumens für

Dies könnte daran liegen, dass die Anzahl der Personen mit dieser Erkrankung zunimmt. Ein weiterer Grund könnte sein, dass Erkrankte sich zunehmend selbst informieren und googlen, bevor und nachdem sie einen Arzt aufsuchen. Auch der Suchbegriff „Fünf Phasen der Depression”, welcher eines von vielen Stufenmodellen beschreibt, die versuchen, typische Phasen bei Depressionen und deren Entstehung auszumachen, zeigt ein deutliches Wachstum.

Angststörung

Beim Wort „Angststörung” ergeben sich im Zeitraum von August 2019 bis August 2021 durchschnittlich 369.920 Suchanfragen. Auch hier steigen die Suchanfragen kontinuierlich an und weisen vor allem im Dezember 2020 starke Steigungen auf. Die „dunkle Jahreszeit”, in Kombination mit strengeren Corona–Beschränkungen, könnte hier potenzieller Trigger gewesen sein.

Anteil der Suchergebnisse für

Burnout und Stress

Schlagworte, die allgegenwärtig und ein fester Bestandteil der Gesellschaft sind: „Burnout” und „Stress”. Entsprechende Suchbegriffe sind im Internet seit Jahren gleichbleibend hoch. Da ein Burnout meist auf Überforderung und Stress im Beruf zurückzuführen ist, sind die Begriffe wiederum eng miteinander verknüpft. Die durchschnittlichen Suchanfragen im Zeitraum von August 2019 bis August 2021 liegen für „Burnout” und „Stress” bei insgesamt 327.140.

Anteil der Suchergebnisse für

Welchen Einfluss hat Corona auf die mentale Gesundheit?

Was bisher bekannt ist: Laut einer Studie ist aufgrund von Lockdown und Covid-19 die empfundene Einsamkeit stark gestiegen. Menschen, die bereits eine psychische Erkrankung haben, stellen im Hinblick auf einen Lockdown sowie Kontaktbeschränkungen eine besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe dar. Soziale Kontakte sind maßgeblich für ein positives Umfeld verantwortlich und somit ein wichtiger Faktor zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der mentalen Gesundheit. Hinzu kommt, dass sich aufgrund der Pandemie die Versorgung der Patienten mit einer psychischen Erkrankung verschlechterte. Dies lag vor allem daran, dass Termine aufgrund des Infektionsrisikos verschoben oder abgesagt werden mussten.

Konsequenzen des Lockdowns für Betroffene einer psychischen Erkrankung

Die Scham um die eigene Psyche: Wie verbreitet sind mentale Probleme in der Gesellschaft?

Die häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland sind Angststörungen, Alkoholsucht, Depressionen und Zwangsstörungen. Bundesweit erfüllt mehr als jeder 4. Erwachsene im Zeitraum eines Jahres die theoretischen Kriterien einer psychischen Störung.

Faktoren, die psychische Probleme auslösen können

Volkskrankheit Burnout: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Was ist das Burnout-Syndrom?

Das Burnout-Syndrom bezeichnet einen Zustand starker emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung als Folge von andauerndem Stress. Eine klare, wissenschaftliche Definition des Begriffes existiert jedoch noch nicht. Meist fühlen sich Menschen, die unter Burnout leiden, ausgebrannt, leer und kraftlos. Emotionale Erschöpfung und die Angst vor dem Versagen nehmen zu, während die Leistungsfähigkeit abnimmt. Betroffene eines Burnouts sind überfordert und überladen mit den Erwartungen, die andere an sie stellen.

Wie wirkt sich das Burnout-Syndrom in Zahlen aus?

Viele Arbeitnehmer leisten weit über das normale Pensum hinaus, Überstunden gehören für sie zur Tagesordnung. Dass sich der Fokus auf die mentale Gesundheit im Arbeitsleben noch nicht vollständig gefestigt hat, zeigen vor allem die steigenden Fälle des Burnouts. Die AOK verweist 2019 darauf, dass sich die Diagnose Burnout innerhalb des letzten Jahrzehnts nahezu verdoppelt hat.

Typische Symptome von Burnout

Viele Symptome, die auf einen Burnout hindeuten, wirken auf den ersten Blick alltäglich. Womöglich hat jeder mindestens eines dieser Symptome schon einmal erlebt. Kommen viele solcher Beschwerden zusammen, stellt der Arzt die Diagnose.

Wichtig zu wissen: Ein Burnout entsteht schleichend und bahnt sich über einen längeren Zeitraum an. Typische Symptome sind unter anderem:

Typische Symptome von Burnout

Entwicklungen in der Gesellschaft

Eine Umfrage aus dem Jahr 2018 gibt Zeitdruck und emotionalen Stress im Arbeitsalltag als stärkste Belastung an, dicht gefolgt von Überstunden und schlechtem Arbeitsklima. Außerdem versetzt die ständige Erreichbarkeit 1 von 4 Befragten in Hektik.

  • 9 von 10 Menschen in Deutschland sind gestresst.
  • Jede 2. Person glaubt, von Burnout bedroht zu sein.
  • 6 von 10 Personen klagen über typische Burnout-Symptome.

Wie kann ich vorbeugen?

Der wichtigste Schritt zum Vorbeugen eines Burnouts ist es, die körperlichen sowie mentalen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Ein permanentes Überschreiten dieser Grenzen macht auf Dauer krank und unzufrieden. Als Vorbeugung dient daher alles, was entspannt und positive Gefühle hervorruft, zum Beispiel:

  • Zeit für Freizeit
  • genügend Schlaf
  • Bewegung
  • gesunde Ernährung
  • Genussmittel bewusst konsumieren (beispielsweise wenig Alkohol und Kaffee) oder ganz darauf verzichten
  • soziale Kontakte
  • Entspannungstechniken (beispielsweise Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Meditation)

6 Expertentipps für eine bessere Work-Life-Balance

6 Tipps für eine bessere Work-Life-Balance - Dr. med Ulrike Thieme erklärt, worauf Sie achten sollten

Frau Dr. Ulrike Thieme, Ärztin und stellv. Ärztliche Leiterin bei der Online-Arztpraxis ZAVA empfiehlt die folgenden 6 Tipps für eine bessere Work–Life–Balance:

Tipp 1: Zeit priorisieren

Einer der Hauptgründe, weswegen wir uns überarbeiten, ist ein falsches Zeitmanagement. Multitasking muss nicht immer sein – in jedem noch so vollen Terminplan sollte Platz für eine oder mehrere Pausen bleiben.

Tipp 2: Ruhezeiten einhalten

Feierabend bedeutet das Ende der Arbeit. Diese freie Zeit dient dazu, abzuschalten und den Rest des Tages mit privaten Aktivitäten zu verbringen.

Tipp 3: Über Herausforderungen sprechen

In unserem Privat- und Berufsleben stehen wir immer wieder vor Herausforderungen und Problemen. Es gilt, diese immer aktiv anzusprechen. Denn nur so lassen sie sich meistern.

Tipp 4: „Nein” sagen

Dieses Problem ist allgemein bekannt: eine Anfrage nicht ablehnen zu können. Dabei tut ein „Nein” unserer mentalen Gesundheit sehr gut und bewahrt vor Überarbeitung. Ein „Nein” zu anderen stellt oftmals ein „Ja” zu sich selbst dar und setzt damit die eigene Gesundheit an 1. Stelle.

Tipp 5: Die eigenen Ziele verfolgen

Private Ziele neben der Arbeit zu verfolgen, ist nichts Verwerfliches. Sie gehen gerne klettern oder spielen ein Musikinstrument und möchten sich in dieser Tätigkeit weiterentwickeln? Verfolgen Sie diesen Ansatz!

Tipp 6: Realistische Zielsetzungen

Unrealistische Ziele erzeugen Frust und demotivieren schnell. Achten Sie darauf, Ihre Ziele erreichbar zu setzen, auch wenn Sie ehrgeizig sind und mehr schaffen wollen. Sie sollten Ihre eigenen Grenzen kennen und nicht ignorieren.

Mentale Gesundheit: Digitale Innovationen als Lösung der Zukunft

In Zeiten der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung ist es selbstverständlich, dass sämtliche Themen rund um die mentale Gesundheit den Weg ins Netz finden. Auf medizinischer Ebene kann das Gesundheitsanbietern die Therapie vereinfachen. Zum anderen ermöglicht es den persönlichen Austausch von Informationen, zum Beispiel über die sozialen Medien. Digitale Innovationen können so den „klassischen” Arzt unterstützen. Ein komplettes Verschieben der medizinischen Versorgung auf digitale Innovationen ist aktuell allerdings noch nicht umsetzbar.

Unterstützung finden durch Onlineangebote – E-Mental Health auf dem Vormarsch?

Der Begriff E-Mental-Health ist aus dem digitalen Zeitalter kaum noch wegzudenken. Diese Art der onlinebasierten Behandlungsangebote macht Hoffnung, den aktuellen Versorgungsengpässen entgegenzuwirken. Das Smartphone ist für viele Menschen ein ständiger Begleiter und daher auch in Zukunft im Gesundheitswesen entscheidend. Doch was bedeutet der Begriff E-Mental-Health eigentlich?

Eine aktuelle Definition liegt von Nobis et al. (2017) vor:

E-Mental-Health umfasst die Nutzung digitaler Technologie und neuer Medien, um Screening-Maßnahmen, Gesundheitsförderung, Prävention, Behandlungen oder Rückfallprophylaxe anzubieten. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung (z.B. elektronische Patientenakten), berufliche Weiterbildung (z.B. mittels E-Learning) und Online-Forschung im Bereich der psychischen Gesundheit sind Teil von E-Mental-Health“.

Versorgungsknappheit mit E-Health Angeboten ausgleichen?

Psychische Störungen sind weit verbreitet und führen zu bedeutenden Beeinträchtigungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene.

Bei der Suche auf einer gängigen Suchplattform für ärztliche Fachkräfte nach Psychotherapeuten zeigt sich die Kluft zwischen Einwohnern und den für sie verfügbaren Anlaufstellen deutlich:

Einwohner pro verfügbare Psychotherapeuten in deutschen Städten

Demnach besteht ein klares Ungleichgewicht zwischen Einwohnerzahl und verfügbaren Therapeuten. Vor allem die Städte Potsdam, Magdeburg und Erfurt sind weit abgeschlagen. Zugangshindernisse, wie lange Wartezeiten bei ambulanten Behandlungsplätzen, tragen ebenfalls dazu bei, dass Betroffene Gesundheitsleistungen nicht oder erst sehr spät in Anspruch nehmen.

E-Mental Health lässt sich hier aktiv nutzen, um Behandlungen durchzuführen, die sich bisher nur vor Ort anbieten ließen. Vielversprechende Neuerungen im Bereich der psychischen E-Gesundheit könnten dafür sorgen, Zugangsbarrieren zu beseitigen und Versorgungslücken zu schließen, die beispielsweise aufgrund mangelnder Versorgung in ländlichen Gebieten entstehen.

Weiterhin erfolgen digitale Behandlungen zeit- und ortsunabhängig. Dadurch erreicht E-Mental Health auch Menschen in Regionen mit geringer Versorgungsdichte oder Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Swipen mal anders: Chancen von modernen Medien in der Medizin

Mentale Gesundheit spielt in allen Lebensphasen eine wichtige Rolle – von der Kindheit bis ins hohe Alter. Sich über Probleme mit engen Bezugspersonen oder Ärzten auszutauschen, stellt für viele Personen jedoch eine Herausforderung dar. Offen über Ängste, Bedürfnisse oder Emotionen zu sprechen, ist gesellschaftlich noch immer eher untypisch. Allerdings beginnt mittlerweile vor allem in Sozialen Medien und durch prominente Betroffene ein Wandel hin zur Entstigmatisierung von psychischen Problemen. Soziale Medien können allerdings laut einer Studie selbst psychische Krankheiten begünstigen oder verursachen. Ein kausaler Zusammenhang ist zwar noch nicht wissenschaftlich bestätigt, jedoch beeinflussen unter Umständen der Vergleich mit anderen oder die Reizüberflutung das eigene Wohlbefinden negativ.

In der relativen Anonymität, die das Internet bietet, können sich Patienten und Angehörige in allen Altersgruppen über psychische Themen und Probleme informieren und austauschen, die im alltäglichen Leben tabuisiert und stigmatisiert werden. So sind psychische Erkrankungen häufig gesuchte Themen im Internet.

Welche Medien helfen auf welche Weise und wie lassen sie sich nutzen, um mentale Gesundheit zu stärken?

  • Online-Beratung:

Plattformen, die online eine professionelle Beratung anbieten, beispielsweise mithilfe einer Video-Sprechstunde. Hier lassen sich digitale Angebote nutzen, um Gespräche mit medizinischem Fachpersonal auch aus der Ferne führen zu können.

  • Informationsseiten im Internet:

Google ist hier meist die erste Anlaufstelle. Studien, Quellen und Reports dienen als Quelle für Informationen. Hier ist unbedingt darauf zu achten, wissenschaftliche und verlässliche Quellen zu verwenden und in erster Linie Informationen zu sammeln. Von Selbstdiagnosen raten Experten eher ab.

  • Online-Foren:

Hier zählt vor allem der Austausch mit Betroffenen sowie das Nachlesen vergangener Forendiskussionen. Online-Medien sind frei zugänglich und bei akuten Fragestellungen und Bedürfnissen sehr hilfreich. Das Hinzuziehen einer medizinischen Fachkraft ist jedoch unabdingbar, da diese eine genaue und offizielle Diagnose stellen und gegebenenfalls eine passende Behandlung einleiten kann.

  • Einzel- und Gruppenchats:

Das Chatten in sozialen Medien oder Online-Foren ist eine tolle Möglichkeit, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Rat sowie Tipps zur Erkrankung einzuholen. Aber auch hier gilt es, unbedingt auch die Meinung von medizinischem Fachpersonal zu berücksichtigen.

  • Apps:

Mit einem Angebot von ungefähr 20.000 Mental Health Apps geht die Welt einen großen Schritt in Richtung digitaler Self-Care. Viele Apps können dabei helfen, die ersten Anreize für eine Therapie zu schaffen. Auch begleitend zu einer Behandlung können Mental Health Apps eine wichtige Stütze darstellen.

„Das Internet stellt eine sehr gute und wichtige Informationsquelle dar. Sowohl zum Austausch, als auch um sich zu informieren oder um den ersten Schritt in Richtung Behandlung gehen zu können. Allerdings gilt es, hier unbedingt zu beachten, dass eine reine Online-Recherche den Gang zum Arzt oder zur Ärztin keineswegs ersetzt. Auch von vorschnellen Selbstdiagnosen ist unbedingt abzusehen.” Dr. med. Ulrike Thieme, Ärztin und stellv. Ärztliche Leiterin bei ZAVA

Der digitale Psychiater: Ein Blick in die Zukunft

Psychische Gesundheit ist ein Grundrecht und rückt mehr und mehr in den Fokus. Mithilfe einiger Tipps lässt sich die Stärkung der mentalen Balance leicht in den Alltag integrieren.

Das zunehmende Googlen von Symptomen zeigt, dass sich die Relevanz von digitalen Medien im gesamten Gesundheitswesen sowie im Sektor der psychischen Gesundheit erhöht. Die Zahl an Suchanfragen zu Themen der psychischen Gesundheit, wie beispielsweise „Depression”, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Das bedeutet, dass der Stellenwert von Online-Therapien und Online-Angeboten als wichtige Ergänzung des heutigen Therapieangebotes langfristig weiter zunehmen wird. Klassische Instrumente kombiniert mit innovativen Ansätzen schaffen einen ganzheitlichen Behandlungsansatz. So können digitale Angebote erste Schritte in einer Behandlung darstellen oder fördern. Anschließend erfolgt dann die weitere Betreuung durch geschultes Fachpersonal online sowie auch vor Ort. Dieser Ansatz ist keineswegs abstrakt, sondern zeigt bereits Erfolge. Die mentale Gesundheit bekommt in unserem Alltag einen immer höheren Stellenwert und wird mehr und mehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt.

Quellenangaben