Erhöhte Triglyceride

Was bedeutet das genau?

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Medizinisch geprüft von: Dr. Maike Michel

Letzte Änderung: 05 Jun 2019

Damit bei einem Patienten mögliche erhöhte Triglycerid-Werte ermittelt werden können, wird von einem Arzt Blut abgenommen.
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Bei Routine-Blutentnahmen im Rahmen von Kontrolluntersuchungen beim Hausarzt werden die Blutfette mitbestimmt. Treten erhöhte Cholesterinwerte auf, werden häufig auch erhöhte Triglycerid-Werte festgestellt. Diese können ebenso das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigern.

Was sind Triglyceride?

Triglyceride, früher auch „Neutralfette“ genannt, machen den Hauptbestandteil der Fette in der Nahrung aus. Chemisch gesehen besitzen sie ein Glycerin-Grundgerüst mit drei Fettsäureresten, daher auch der Begriff „Tri“ (für drei) und „-glyceride“ (abgeleitet vom Glycerin-Grundgerüst).

Man kann sich das wie eine Garderobe mit drei Haken (Glycerin) vorstellen, an denen jeweils eine Schnur (Fettsäure) hängt. Die Fettsäuren können in ihrer Struktur stark variieren. Außerdem können alle drei Fettsäurereste identisch oder auch voneinander verschieden sein.

Wozu dienen Triglyceride?

Triglyceride sind ein wichtiger Energieträger in der Nahrung. Außerdem werden Fette zur Aufnahme bestimmter Vitamine benötigt, sowie vor allem zur Bildung von Zellmembranen (den Begrenzungen der einzelnen Körperzellen). Nicht benötigte Triglyceride werden im Fettgewebe eingelagert und können bei Nahrungsknappheit als Energiereserven dienen. Fettgewebe dient darüber hinaus zur Isolation und damit zur Erhaltung der Körperwärme.

An manchen Körperstellen ist Fettgewebe auch als Polster und Platzhalter wichtig – dort wird es als „Baufett“ bezeichnet. Baufett befindet sich z.B. an der Ferse, sowie um die Nieren herum. Bei starkem Untergewicht drohen deshalb durch den Verbrauch des Baufetts unter anderem die Nieren in Richtung Becken „abzurutschen“, wenn das umgebende Fett sie nicht mehr ausreichend auf ihrem Platz hält.

Wie werden Triglyceride in den Körper aufgenommen?

Die Nahrungsfette werden im Darm durch das Sekret der Bauchspeicheldrüse aufgetrennt. Die Triglyceride werden gemeinsam mit weiteren aufgenommenen Fetten über die Darmzellen aufgenommen und zusammen mit Trägereiweißen als sogenannte Chylomikronen verpackt in die Lymphe abgegeben. Später gelangen sie in den Blutkreislauf. Von dort aus werden die Fette, die vom Gewebe zur Energiegewinnung benötigt werden, direkt aufgenommen.

Ein Teil der nicht akut zur Energiegewinnung benötigten Triglyceride wird in das Fettgewebe aufgenommen, alles Übrige gelangt über den Blutstrom in die Leber. In der Leber werden die Triglyceride neu verpackt zusammen mit einem anderen Trägerprotein, dem VLDL (very low density lipoprotein), das wiederum in die Blutbahn abgegeben wird. Die Triglyceridanteile werden anschließend im Fettgewebe gespeichert.

Ab wann spricht man von erhöhten Triglyceriden?

Die Triglycerid-Menge im Blut kann durch Labortests bestimmt werden. Als optimal gelten die Werte, wenn weniger als 100 mg Triglyceride pro Deziliter Serum (wässriger Bestandteil des Blutes, der nicht gerinnt) enthalten sind. Werte bis 150 mg/dL sind im normalen Bereich, darüber spricht man von erhöhten Triglyceriden (Hypertriglyceridämie). Bis 200 mg/dL gelten als grenzwertige Triglycerid-Erhöhung, bis 400 mg/dL sind die Werte erhöht. Triglycerid-Werte über 400 mg/dL im Serum gelten als stark erhöht.

Wann werden die Blutfette gemessen?

Meist werden die Blutfette beim Hausarzt kontrolliert, oft ab einem Alter von 35 Jahren oder wenn ein Verdacht auf eine Erhöhung der Blutfette besteht. Alkoholgenuss in den letzten drei Tagen vor der Blutentnahme oder Nahrungsaufnahme innerhalb der letzten 16 Stunden vor der Blutentnahme können dazu führen, dass falsch hohe Werte gemessen werden.

Warum sind erhöhte Triglyceride gefährlich?

Ein hohes Level an Triglyceriden im Blut zeigt an, dass ein hohes Risiko für Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) besteht. Arteriosklerose wiederum begünstigt die koronare Herzkrankheit, Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Ebenso liegt häufig eine Insulinresistenz vor (Resistenz des Körpers gegenüber dem Blutzucker-senkendem Hormon Insulin), die möglicherweise zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) führt, wenn eine Hypertriglyceridämie besteht.

Extrem hohe Bluttriglyceride können zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) führen. Dies ist eine lebensgefährliche und sehr schmerzhafte Erkrankung, die eine Behandlung auf der intensivmedizinischen Station im Krankenhaus erfordern kann.

Welche Ursachen für Hypertriglyceridämie gibt es?

Es wird zwischen der primären und sekundären Hypertriglyceridämie unterschieden: Primäre Hypertriglyceridämien bestehen, ohne dass eine verursachende andere Erkrankung oder ein verursachendes Medikament zugrunde liegt. Bei sekundären Hypertriglyceridämien besteht eine Grunderkrankung, die zur Hypertriglyceridämie führt.

Primäre Hypertriglyceridämien werden meist durch ungesunde Ernährung und Alkoholgenuss verursacht. Eine Ernährung, die zu viele Kalorien enthält, führt langfristig zu erhöhten Triglyceriden und Fettleibigkeit (Adipositas). Deutlich seltener liegen genetische Erkrankungen zugrunde, die den erhöhten Triglycerid-Spiegel bewirken (z.B. sogenannte familiäre Hypertriglyceridämien).

Erkrankungen, die zu einer sekundären Hypertriglyceridämie führen, sind z.B. ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Niereninsuffizienz im Endstadium, das nephrotische Syndrom (ebenfalls eine Nierenerkrankung) und HIV. Medikamente, die die Triglycerid-Spiegel steigen lassen, sind z.B. östrogenhaltige Antibabypillen, Betablocker (Medikament gegen Bluthochdruck), Kortikosteroide, Thiaziddiuretika und antiretrovirale Medikamente.

Wie werden erhöhte Triglyceride behandelt?

Zunächst einmal ist es wichtig herauszufinden, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Hypertriglyceridämie handelt. Bei sekundären Hypertriglyceridämien wird zunächst die Grundkrankheit behandelt, sofern dies möglich ist. Wenn dies nicht ausreicht, wird die Hypertriglyceridämie medikamentös behandelt.

Ist ein Medikament ursächlich für die Hypertriglyceridämie, muss überdacht werden, ob dieses Medikament tatsächlich notwendig für den Patienten ist oder ob es ein Alternativpräparat ohne diese Nebenwirkung gibt. Falls ein Absetzen des verursachenden Medikaments nicht möglich ist, kann ebenfalls eine medikamentöse Behandlung der Hypertriglyceridämie erwogen werden.

Auch bei den familiären Hypertriglyceridämien ist die medikamentöse Therapie mit einem Blutfettsenker von Bedeutung. Besteht die Hypertriglyceridämie aufgrund einer falschen Ernährung, so sollten an erster Stelle die Ernährung und der Lebensstil optimiert werden. Die tägliche Nahrungsmenge sollte an den Energiebedarf angepasst sein, Übergewicht muss reduziert werden. Zusammen mit regelmäßiger Bewegung können normwertige Triglycerid-Spiegel erreicht werden, ohne dass Medikamente nötig werden.

Welche Medikamente werden zur Therapie gegen erhöhte Triglyceride eingesetzt?

Bevor Medikamente zur Behandlung der Hypertriglyceridämie eingesetzt werden, muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis gründlich abgewogen werden. Alle konservativen Maßnahmen (gesunde Ernährung, Rauchstopp, regelmäßige Bewegung, Abnehmen) sollten ausgeschöpft sein, bevor eine medikamentöse Therapie begonnen wird. Eine Ausnahme können extrem hohe Triglyceridwerte darstellen, die unter Berücksichtigung des gesamten Erkrankungsrisikos eines Patienten auch primär medikamentös behandelt werden können - bei gleichzeitiger Modifikation des Lebensstils und der Ernährung.

Je nach Beurteilung der weiteren Blutfette (HDL- und LDL-Cholesterin) kann ein geeignetes Medikament gewählt werden. Sogenannte Statine zählen zur ersten Wahl bei begleitenden Hypercholesterinämien. Daneben sind Fibrate und Nikotinsäureanaloge geeignet, um erhöhte Triglycerid-Level zu senken. In jedem Fall sollte die Behandlung in engmaschiger Absprache mit dem Hausarzt erfolgen.

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Medizinisch geprüft von:
Dr. Maike Michel Medizinische Autorin

Maike Michel unterstützt das Ärzteteam von Zava bei der medizinischen Textprüfung. Sie studierte Medizin an den Universitäten in Münster und Freiburg. Seit 2016 arbeitet sie als Assistenzärztin in einer psychiatrischen Klinik in Deutschland.

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