Jährliche Grippeschutzimpfung

Dr. Nadia Schendzielorz

Medizinisch geprüft von

Dr. Nadia Schendzielorz

Letzte Änderung: 27 Okt 2020

Die Grippeschutzimpfung ist eine wirkungsvolle Maßnahme zum Schutz vor einer Grippe, zur Verhinderung von schweren Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen und um eine Ansteckung anderer Personen zu vermeiden. Da der Impfschutz immer nur für eine Grippesaison anhält, muss die Impfung jährlich aufgefrischt werden. Die Grippeimpfung ist sehr gut verträglich und für fast alle Personen geeignet.

Inhalt
Arzt impft ältere Frau gegen Grippe
 

Wer sollte sich impfen lassen?

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission eine jährliche Grippeimpfung für folgende Personengruppen:

  • Alle Personen ab dem 60. Lebensjahr
  • Alle Schwangeren ab dem 4. Schwangerschaftsmonat sowie bei Schwangeren mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen schon ab dem Beginn der Schwangerschaft
  • Menschen mit chronischen Krankheiten, durch die der Verlauf der Grippe verschlimmert werden kann. Dazu zählen unter anderem Erkrankungen der Atemwege, des Herzens, der Nieren und der Leber. Außerdem zählen Personen mit der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder Immunschwäche dazu.
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Kontaktpersonen von Menschen aus den genannten Risikogruppen
  • Personen, die im Gesundheitssystem arbeiten, vor allem bei direktem Patientenkontakt
  • Personen, die berufliche mit vielen Menschen in Kontakt kommen
  • Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln

Darüber hinaus kann eine Grippeimpfung aber auch für Personen empfehlenswert sein, die keiner dieser Gruppen angehören. Eine individuelle Beratung kann Ihnen Ihr Hausarzt bieten.

Eine Impfung darf nicht bei Personen erfolgen, die gegen einen Inhaltsstoff der Impfung allergisch sind, zum Beispiel Hühnereiweiß. Außerdem sollte die Impfung bei Fieber verschoben werden – eine Erkältung ohne Fieber ist jedoch kein Hinderungsgrund. Menschen mit einer Immunschwäche, beispielsweise aufgrund einer HIV-Infektion, sollten rechtzeitig vor Beginn der jährlichen Grippewelle im Oktober mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, ob eine Grippeimpfung für sie in Frage kommt.

Wann sollte ich mich impfen lassen?

Der ideale Impfzeitpunkt liegt im Oktober oder November, aber auch eine spätere Impfung im Dezember oder nach dem Jahreswechsel ist in vielen Fällen noch sinnvoll. In Deutschland finden sich zwar schon im Oktober erste Grippefälle, die Grippewelle und das Ansteckungsrisiko erreichen den Höhepunkt aber erst im Januar oder Februar. Nach der Impfung dauert es ca. 2 Wochen, bis der Impfschutz voll aufgebaut ist.

Welche Grippeimpfstoffe gibt es?

Es gibt einerseits Impfstoffe, die gegen drei (Dreifachimpfstoffe) oder vier (Vierfachimpfstoffe) Arten von Influenzaviren schützen. Außerdem gibt es sogenannte Totimpfstoffe, die Bruchstücke von Influenzaviren enthalten, und Lebendimpfstoffe, die aus abgeschwächten, vollständigen Viren bestehen. Der Lebendimpfstoff ist ein Vierfachimpfstoff und wird nicht als Spritze, sondern als Nasenspray verabreicht. Er ist nur für Kinder von 2-17 Jahren zugelassen. Die verschiedenen Totimpfstoffe können sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen verwendet werden. Früher wurde in Deutschland nur der Dreifachimpfstoff für gesetzlich Versicherte bezahlt, mittlerweile ist aber der Vierfachimpfstoff mit der besseren Schutzwirkung für alle Versicherten verfügbar. Für ältere Patienten, die normalerweise schwerer einen Impfschutz aufbauen, stehen außerdem Impfstoffe mit Wirkverstärkern (Adjuvantien) zur Verfügung.

Eine Übersicht zu den verschiedenen zugelassenen Impfstoffen bietet das Paul-Ehrlich-Institut.

Warum ist eine jährliche Grippeimpfung notwendig?

Grippeviren verändern sich von Jahr zu Jahr leicht, dadurch versagt der Impfschutz des vorhergehenden Jahres. Aus diesem Grund muss jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt werden, der gegen die aktuellen Grippeviren wirksam ist. Außerdem lässt die Wirkung der Impfung in der Regel nach 6-12 Monaten nach, sodass der Schutz bei der nächsten Grippesaison nicht mehr ausreichend stark ist. Eine jährliche Impfung gegen Grippe schützt zudem besser vor schweren Grippeverläufen als eine einmalige Grippeimpfung.

Kann ich trotz Impfung an Grippe erkranken?

Ja, das ist möglich. Bei jeder Impfung gibt es sogenannte Impfversager, also Personen, die trotz Impfung keinen ausreichenden Schutz vor einer Infektion entwickeln. Die Grippeimpfung hat zwar verglichen mit anderen Impfungen eine niedrige Wirksamkeit von ungefähr 60-80 Prozent. Durch die Häufigkeit der Grippe lassen sich aber so geschätzt 400.000 Grippefälle pro Jahr vermeiden.

Außerdem kann es selten vorkommen, dass die Grippeviren sich so verändert haben, dass der aktuelle Impfstoff nicht mehr zu ihnen passt. Dann bietet eine Impfung in dieser Grippesaison nur unzureichenden Schutz und eine Ansteckung ist möglich.

Wenn Sie sich bereits kurz vor der Impfung mit Grippe infiziert haben, kann der Impfstoff Sie ebenfalls nicht vor einem Ausbruch der Erkrankung schützen.

Schützt die Grippeimpfung vor einer Infektion mit Coronaviren?

Nein. Eine Grippeimpfung bietet keinen Schutz vor einer Infektion mit Coronaviren. Dies liegt daran, dass es sich bei Coronaviren und Grippeviren um unterschiedliche Viren handelt. Dennoch ist eine Grippeimpfung – insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie – sinnvoll. Denn die Grippeimpfung hilft unserem Körper, Grippeviren schnell und wirksam abzuwehren und schützt so vor schweren Krankheitsverläufen. Zudem beugt eine Grippeimpfung einer doppelten Infektion mit Grippe- und Coronaviren – die unter Umständen stark an den körperlichen Abwehrkräften zehren kann – vor. Kommt zu einer Grippeinfektion noch eine Infektion mit Coronaviren hinzu, bringt dies unser Immunsystem schnell an seine Grenzen. Besonders Menschen in Risikogruppen sollten sich daher zum besseren Schutz impfen lassen. Die Grippeimpfung dient jedoch nicht nur dem eigenen Wohl, sondern auch dem Wohl anderer: Wer gegen Grippe geimpft ist, schützt zusätzlich auch andere vor einer Ansteckung mit Grippeviren.

Warum sollten sich Risikogruppen in Zeiten der Corona-Pandemie gegen Grippe impfen lassen?

Ältere Menschen sowie Menschen, deren Immunsystem – beispielsweise aufgrund einer (chronischen) Erkrankung – geschwächt ist, haben ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen im Falle einer Grippeerkrankung. Eine Grippeimpfung unterstützt unser Immunsystem bei der Abwehr von Grippeviren und kann so vor Komplikationen und schweren Krankheitsverläufen schützen. Sie ist daher gerade für Risikogruppen besonders wichtig.

Neben dem persönlichen Schutz wird eine Grippeimpfung dieses Jahr aber auch empfohlen, um das Gesundheitssystem vor einer Überlastung während der Corona-Pandemie zu bewahren. Eine hohe Anzahl von Corona-Infektionen kann schnell zu einer Überlastung von Arztpraxen und Ambulanzen führen. Kommen dann noch unnötig viele Grippeinfektionen hinzu, könnte dies die Situation noch zusätzlich verschärfen: Grippe- und COVID-Patienten würden dann gewissermaßen um medizinische Betreuung konkurrieren.

Kann die Grippeimpfung das Risiko einer Coronavirus-Infektion erhöhen?

Nein, basierend auf derzeit verfügbaren Informationen geht eine Grippeimpfung nicht mit einem erhöhten Risiko für eine Infektion mit Coronaviren einher. Auch ist bislang kein logischer Wirkmechanismus bekannt, der einem solchen Zusammenhang zugrunde liegen könnte.

Aktuelle, wissenschaftlich fundierte Entwicklungen zum Thema Grippe und Corona können Sie auf der Seite des Robert-Koch-Instituts verfolgen:

Grippeschutzimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Herrscht dieses Jahr ein Mangel an Grippeimpfstoff?

Ja und nein. Für die Grippesaison 2020/2021 stehen in Deutschland über 26 Millionen Impfdosen zur Verfügung. Bei einer Bevölkerung von über 80 Millionen reichen diese Vorräte nicht aus, um alle Menschen zu impfen. Allerdings macht jährlich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung auch tatsächlich von der Grippeimpfung gebrauch: im Vorjahr (also der Impfsaison 2019/2020) wurden lediglich 14 Millionen Grippeimpfungen in Deutschland verabreicht.

Um die Versorgung von Menschen in Risikogruppen zu gewährleisten sprachen sich Martin Terhardt, Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut, und Wolfgang Kreischer, Chef des Berliner Hausärzteverbandes, für eine abgestufte Verabreichung der Grippeimpfstoffe aus. Ihrem Wunsch entsprechend sollten zunächst vorrangig Menschen in Risikogruppen geimpft werden. Nur wenn nach der Versorgung der Risikogruppen noch Impfstoff übrig wäre, sollte dieser für andere Gruppen freigegeben werden.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt derzeit zwar eine Impfung von Risikogruppen, betont aber, dass die Impfung auch Menschen außerhalb dieser Gruppen zugänglich ist.

Ich gehöre nicht zur Risikogruppe: soll ich mich trotzdem impfen lassen?

Eine Grippeimpfung kann in bestimmten Lebenslagen auch für Menschen außerhalb der Risikogruppen sinnvoll sein. Wer beispielsweise beruflich bedingt viel Kontakt mit anderen Menschen hat, kann durch eine Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch andere vor einer Ansteckung mit Grippeviren schützen. Zudem kann eine Impfung sinnvoll sein, wenn man mit Menschen zusammenlebt, für die eine Grippe gefährlich werden kann. Dies trifft in manchen Fällen sogar dann zu, wenn die gefährdete Person – beispielsweise Oma oder Opa – bereits geimpft ist. Denn das Immunsystem von Menschen in Risikogruppen reagiert unter Umständen nur langsam oder unzureichend auf eine Grippeimpfung und bildet nicht genügend Abwehrstoffe. Eine Grippeimpfung der Mitmenschen kann in solchen Fällen einen zusätzlichen Schutz bieten.

Lassen Sie sich daher am besten von Ihrem Arzt beraten, ob eine Grippeimpfung für Sie sinnvoll ist. Gemeinsam können eventuelle Risiken erkannt und das weitere Vorgehen besprochen werden.

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Dr. Nadia Schendzielorz Medizinische Autorin

Dr. Nadia Schendzielorz war von 2016 bis 2020 Apothekerin bei ZAVA und unterstützt das Team nun freiberuflich bei der medizinischen Textprüfung. Sie schloss ihr Studium der Pharmazie an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ab. Im Anschluss arbeitete sie an ihrer Dissertation an der Universität von Helsinki in Finnland und promovierte erfolgreich im Fachbereich Pharmakologie.

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Letzte Änderung: 27 Okt 2020

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