Blutdruck bei Kindern

Letzte Aktualisierung: 20 Jun 2019

Kind sitzt an einem Schreibtisch und hält sich den Kopf. Es leidet an Bluthochdruck bei Kindern.
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Die Normwerte für den Blutdruck bei Kindern sind nicht wie für Erwachsene von 18 bis 65 Jahren einheitlich. Im Kindesalter steigt der Normwert bis zum 18. Lebensjahr an. Es gibt heutzutage jedoch immer mehr Kinder, die schon in sehr jungen Jahren einen für ihr Alter zu hohen Blutdruck haben. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Wie bei Erwachsenen werden auch kindliche Hypertonien in primäre und sekundäre Hypertonie unterteilt. Je nach Ursache müssen auch schon bei Kindern unter Umständen Medikamente zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden.

Welcher Blutdruck gilt bei Kindern als normal?

Der Blutdruckwert, der für Kinder als gesund einzuschätzen ist, hängt vom Alter und der Körpergröße des Kindes ab. Es gibt Blutdruckrechner für Kinder, in denen der Blutdruck in Abhängigkeit vom Alter und Geschlecht bewertet wird.

Für vierjährige Jungen liegen die Maximalwerte bei etwa 110/70, bei Mädchen sind die Werte stets etwas geringer. Bis zum 18. Lebensjahr steigen die Normwerte relativ linear an, ab 18 gelten die Werte für Erwachsene mit maximal 130/85.

Für die Blutdruckwerte bei Kindern wird, wie auch bei Größe und Gewicht, immer von Perzentilen gesprochen. So sind die Werte vergleichbar und leichter einzuschätzen. Von einem normalen kindlichen Blutdruck spricht man, wenn der Wert unter der 95. Perzentile liegt. Das bedeutet, dass 95 von 100 Kindern des gleichen Alters einen Blutdruckwert unter einem bestimmten Wert haben. Alles darüber wird zur Hypertonie gezählt.

Für die Diagnose der Hypertonie sollte der Blutdruck mehrmals gemessen werden. Erst nach mindestens drei auffälligen Messungen gilt der Verdacht auf eine Hypertonie als bestätigt.

Wie bemerkt man bei Kindern einen hohen Blutdruck?

Kinder mit Bluthochdruck haben besonders zu Beginn kaum Symptome. Die Erkrankung kann im Verlauf ähnliche Anzeichen wie bei Erwachsenen haben. In erster Linie sind das Kopfschmerzen, häufiges Nasenbluten, Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Sehstörungen.

Wichtig ist deshalb eine regelmäßige Kontrolle der Werte beim Kinderarzt. Er hat neben geeigneten Messgeräten auch die Möglichkeit, Vorerkrankungen und Risiken, die möglicherweise familiär bedingt sind, in der Anamnese zu erfragen.

Welche Ursachen gibt es für Bluthochdruck bei Kindern?

Die Erkrankung Hypertonie wird für Kinder ebenso wie Erwachsene in primäre (essenzielle) Hypertonie und sekundäre Hypertonie eingeteilt.

Die essenzielle Hypertonie bezeichnet einen Bluthochdruck, der nicht Folge einer anderen Grunderkrankung ist. Kinder mit essenzieller Hypertonie sind häufig übergewichtig. In vielen Fällen sind auch die Eltern oder nahen Verwandten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen. Auch eine ungesunde Ernährung mit viel Fast-Food, die in höherem Lebensalter unter Umständen zu einem Diabetes mellitus Typ II führen kann, spielt bei der Entstehung der kindlichen Hypertonie eine Rolle. Dies nennt der Arzt einen prädiabetischen Status. Bei frühzeitiger Erkennung kann die Entstehung weiterer Erkrankungen möglicherweise abgewendet werden.

Die sekundäre Hypertonie tritt besonders bei kleineren Kindern mit Hochdruck auf. Hier ist der Bluthochdruck Ausdruck einer zu Grunde liegenden Erkrankung. Sehr häufig bei Kleinkindern sind Erkrankungen der Nierengefäße. Da die Nieren entscheidend an der Blutdruckregulation beteiligt sind, führt dies sekundär zur Entstehung des Bluthochdrucks. Weitere kindliche Erkrankungen, die zu einer sekundären Hypertonie führen, sind zum Beispiel eine Engstelle der Aorta (Aortenisthmusstenose) und zahlreiche Hormonstörungen wie beispielsweise eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und der Morbus Cushing.

Muss ein Bluthochdruck auch bei Kindern ärztlich behandelt werden?

Die Behandlung der kindlichen Hypertonie hängt stark von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Bei der essenziellen Hypertonie im Kindesalter versucht man zunächst, den hohen Blutdruck durch eine gesunde, salzarme Ernährung und eine Gewichtsreduktion mit viel Bewegung in den Griff zu bekommen. Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, muss zu blutdrucksenkenden Medikamenten gegriffen werden.

Abhängig davon, welche Erkrankung die sekundäre Hypertonie verursacht, wird diese zuerst behandelt. In der Regel kommt durch die Behandlung der Grunderkrankung auch der Blutdruck wieder in einen gesunden Bereich. Ansonsten wird auch bei der sekundären Hypertonie der Einsatz von Blutdrucksenkern erwogen, um Folgeschäden im Herz-Kreislauf-System zu vermeiden.

Was passiert, wenn der Blutdruck bei Kindern zu niedrig ist?

Ein niedriger Blutdruck kommt bei Kindern immer wieder vor. Im unteren Bereich sind für Kinder keine Grenzwerte angegeben, das heißt also, dass ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) keine Erkrankung darstellt.

Wenn Kinder einen zu niedrigen Blutdruck haben, äußert sich das meist in einer Ohnmacht (Synkope) oder Schwindelattacken bei schnellem Aufstehen. Auch blasse Haut, Zittern in den Händen, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme können Anzeichen für einen niedrigen Blutdruck sein. Dabei sind die Ursachen für den niedrigen Blutdruck in der Regel leicht zu erkennen und zu behandeln.

Da der Blutdruck zu einem großen Teil darüber bestimmt wird, wie viel Liter Wasser sich in den Blutgefäßen befindet, kann ein Flüssigkeitsmangel zu Hypotonie führen. Kinder sollten deshalb regelmäßig daran erinnert werden, ein großes Glas Wasser zu trinken, um eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten.

Für eine gesunde Kreislauffunktion helfen außerdem viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung, bei der keine langen Hungerphasen mit der Gefahr von Unterzuckerung entstehen. Besonders das Frühstück ist hierfür sehr wichtig. Wenn es häufiger zu Ohnmacht oder einem Gefühl von „Schwarz vor den Augen“ kommt, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um mögliche Erkrankungen wie zum Beispiel eine Blutarmut (Anämie), auszuschließen.

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Dr. Maike Michel Medizinische Autorin

Maike Michel unterstützt das Ärzteteam von Zava bei der medizinischen Textprüfung. Sie studierte Medizin an den Universitäten in Münster und Freiburg. Seit 2016 arbeitet sie als Assistenzärztin in einer psychiatrischen Klinik in Deutschland.

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