Proteinbedarf berechnen
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Ulrike ThiemeLetzte Änderung: 08 Juli 2026
Proteine sind lebenswichtige Bausteine im ganzen Körper. Gerade wer abnehmen oder Muskelmasse aufbauen möchte, sollte seinen Proteinbedarf kennen.
Wozu ist die Berechnung des Proteinbedarfs gut?
Proteine (Eiweiße) sind ein elementarer Bestandteil der Ernährung: Sie werden als Bausteine im ganzen Körper gebraucht. Daher ist es sinnvoll, den eigenen Proteinbedarf zu kennen und bei den Mahlzeiten zu berücksichtigen.
Besonders wichtig ist der Proteinrechner für Personen, die Muskelmasse aufbauen oder ihr Gewicht reduzieren möchten. In beiden Fällen ist es sinnvoll, mehr Protein in die Ernährung einzubauen. Ein Rechner gibt Aufschluss darüber, wie viel Protein am Tag angemessen ist, um diese Ziele zu erreichen.
Warum sind Proteine so wichtig?
Proteine (Eiweiße) sind an allen wichtigen Prozessen des Körpers beteiligt. Sie sind Baumaterial für Zellen und Gewebe (zum Beispiel Organe und Muskeln), sie fungieren als Enzyme und Hormone, sie bauen Antikörper auf.
Was sind Aminosäuren? Ein Protein besteht aus über 100 verketteten Aminosäuren. In der Natur gibt es über 400 verschiedene Arten von Aminosäuren. Für den menschlichen Körper sind 21 davon überlebenswichtig: Wir nehmen sie unter anderem über die Nahrung auf. Einen Teil der Aminosäuren kann der Körper auch selbst herstellen.
Proteine für den Muskelaufbau und beim Abnehmen
Für den Muskelaufbau sind Proteine essenziell. Beim Training entstehen winzige Risse im Muskel, die der Körper mit Proteinen repariert. So gleicht er die feinen Verletzungen aus und bildet gleichzeitig neue Muskelmasse. Auch beim Abnehmen ist die richtige Proteinzufuhr wichtig: So tragen Proteine dazu bei, die bestehende Muskelmasse zu schützen. Außerdem verbraucht der Körper beim Verdauen von Eiweißen mehr Energie als bei Kohlenhydraten oder Fetten. Das kann beim Abnehmen förderlich sein.
Achtung: Symptome wie Abgeschlagenheit, brüchige Haare und Nägel oder ungeplanter Gewichtsverlust können unter Umständen auf einen Proteinmangel hindeuten. Da für diese Anzeichen viele verschiedene Ursachen infrage kommen, sprechen Sie am besten mit einem Arzt. Wahrscheinlicher ist allerdings ein anderer Auslöser: Bei einer ausgewogenen Ernährung entwickelt sich ein Proteinmangel relativ selten.
So berechnet man den täglichen Proteinbedarf
Um den Proteinbedarf grob zu berechnen, reicht es, das Körpergewicht zu kennen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene zwischen 19 und 65 Jahren in der Regel 0,8 g Protein pro kg Körpergewicht am Tag.
Beispiel: Eine Person wiegt 70 Kilogramm.
70 kg x 0,8 = 56
Ergebnis: Die Person hat einen Proteinbedarf von 56 g pro Tag.
Wann muss das Geschlecht berücksichtigt werden?
Junge Männer zwischen 15 und 19 Jahren haben einen leicht höheren Proteinbedarf als Frauen im gleichen Alter. Es handelt sich dabei allerdings nur um 0,1 g pro kg Körpergewicht mehr (insgesamt also 0,9 g pro kg). In allen anderen Altersstufen spielt das Geschlecht keine Rolle für den Proteinbedarf.
Was verändert sich im Alter?
Ab 65 Jahren erhöht sich der Proteinbedarf auf 1 g pro kg Körpergewicht am Tag. Das liegt daran, dass der Körper im Alter schneller abbaut: Muskelmasse und Kraft können sinken. Um dem entgegenzuwirken, ist eine eiweißreiche Ernährung sinnvoll.
Wie wirken sich Aktivitätslevel und Fitnessziele auf den Proteinbedarf aus?
Wer aktiv ist und Sport treibt, hat einen höheren Proteinbedarf. Der Grund: Proteine benötigt der Körper, um Muskelmasse und Muskelkraft aufzubauen.
In den letzten Jahren gab es nicht nur einen regelrechten Protein-Hype, sondern auch viel Forschung zu dem Thema. Studien weisen aktuell darauf hin, dass sich eine deutlich höhere Proteinzufuhr positiv auf das Training auswirken kann. Forscher beobachten mehr Kraft, Muskelwachstum und eine Zunahme der sogenannten fettfreien Masse. Erst bei einer Gesamtzufuhr von etwa 1,6 g pro kg Körpergewicht täglich nahm der Trainingseffekt nicht mehr zu. Für Sportler kann es also durchaus positiv sein, mehr Protein zu sich zu nehmen, als der Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung besagt.
Wie viel Protein pro Tag ist sinnvoll?
Wie viel Protein Sie täglich brauchen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Die Empfehlung für einen typischen Erwachsenen zwischen 19 und 65 Jahren liegt bei 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht.
Über die Proteinzufuhr ist es aber auch möglich, Fitnessziele zu erreichen – zum Beispiel abzunehmen, Muskeln aufzubauen oder das Gewicht zu halten:
- Abnehmen: Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass eine erhöhte Proteinzufuhr beim Abnehmen hilft. Dieser Effekt entsteht zum einen dadurch, dass der Körper allein beim Verdauen von Proteinen mehr Energie verbraucht als bei Kohlenhydraten oder Fetten. Zum anderen verhindert eine erhöhte Proteinzufuhr, dass der Körper beim Abnehmen viel Muskelmasse abbaut.
- Muskelmasse zunehmen: Wer Muskeln aufbauen möchte, kann das durch Sport und mehr Eiweiß in der Ernährung unterstützen.
- Gewicht halten: Um ein gesundes Gewicht zu halten, sollten Sie Ihren Proteinbedarf kennen und durch eine ausgewogene Ernährung decken.
Zu viel Protein – geht das?
Eine etwas höhere Proteinzufuhr ist in den meisten Fällen gesundheitlich unbedenklich. Die nicht benötigten Nährstoffe scheidet der Körper einfach wieder aus. Vorsicht ist allerdings bei Nierenerkrankungen geboten. In diesem Fall sollten Sie eine Ernährungsumstellung vorher mit Ihrem Arzt abklären.
Eine Studie weist darauf hin, dass ab 1,6 g Protein pro kg Körpergewicht die Trainingseffekte nicht mehr zunehmen. Eine Proteinzufuhr, die über diesen Wert hinausgeht, scheint der Körper also nicht mehr verwerten zu können. Steigt die Proteinzufuhr deutlich über den individuellen Bedarf, treten unter Umständen Verdauungsprobleme auf. Dazu gehören beispielsweise Bauchkrämpfe, Blähungen oder Verstopfung.
Zu beachten ist auch die Art der Proteinquelle: Zu viel rotes Fleisch gilt als ungesund – es kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und wird von der Weltgesundheitsorganisation als möglicherweise krebserregend eingestuft. Ernährungsexperten raten außerdem von einigen “High-Protein”-Produkten ab, da sie unverhältnismäßig viel Zucker enthalten.
Proteinbedarf bei Schwangeren und stillenden Frauen
Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Proteinbedarf. Bei Schwangeren verändert sich der Stoffwechsel, um Wachstum und Entwicklung des ungeborenen Kindes zu gewährleisten. Im 2. Trimester (ab dem 4. Schwangerschaftsmonat) steigt der Proteinbedarf auf 0,9 g täglich pro kg Körpergewicht. Im 3. Trimester (ab dem 7. Monat) beträgt der Bedarf sogar 1 g pro kg Körpergewicht.
In der Stillzeit liegt der Richtwert bei 1,2 g Protein pro kg Körpergewicht.
Wie kann ich meinen Proteinbedarf decken?
Um den Proteinbedarf zu decken, sollten die Mahlzeiten genügend proteinreiche Lebensmittel enthalten. Viel Eiweiß steckt beispielsweise in Fleisch, Milchprodukten, Eiern und Hülsenfrüchten. Zu den Hülsenfrüchten gehören etwa Bohnen, Linsen und Erbsen.
Greifen Sie zum Beispiel zu:
- Tofu
- Haferflocken
- Schweinefleisch
- Quark, Skyr
- Eiern
- Käse
- Walnüssen
Ideal ist eine Kombination aus pflanzlichen und tierischen Proteinquellen. Ernährungsexperten empfehlen außerdem, die benötigten Proteine auf mehrere Mahlzeiten zu verteilen. So kann der Körper die Nährstoffe besser verarbeiten.
Gut zu wissen: Protein-Shakes sind bei einer ausgewogenen Ernährung oft gar nicht notwendig, um den Proteinbedarf zu decken. Sie können eine gesunde Ernährung auch nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich meine Proteinzufuhr beim Abnehmen erhöhen?
Es ist durchaus sinnvoll, den Proteinanteil in der Ernährung zu erhöhen, wenn Sie abnehmen möchten. Wenn Sie gleichzeitig Ihr Training steigern, kann sogar eine Zufuhr über dem Richtwert der DGE sinnvoll sein. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass so das Muskelwachstum und die Zunahme der fettfreien Masse gefördert werden.
Brauchen Senioren wirklich mehr Protein?
Ja, Personen ab 65 Jahren haben einen erhöhten Proteinbedarf. Das liegt daran, dass der Körper im Alter anfängt, abzubauen. Dem können ältere Menschen mit einer erhöhten Proteinzufuhr entgegenwirken.
Woran erkenne ich einen Proteinmangel?
Muskelschwäche, Abgeschlagenheit und brüchige Nägel und Haare können Anzeichen für einen Proteinmangel (Eiweißmangel) sein. Da diese Symptome viele verschiedene Ursachen haben können, sollten Sie einen Arzt hinzuziehen.
Wie hoch ist mein Proteinbedarf während der Schwangerschaft und Stillzeit?
Schwangere ab dem 4. Monat haben einen erhöhten Proteinbedarf (0,9-1,0 g Protein am Tag pro kg Körpergewicht). Stillende Frauen benötigen sogar 1,2 g Protein am Tag pro kg Körpergewicht.
Muss ich den Proteinbedarf an Tagen ohne Training senken?
Nein, eine gleichmäßige Proteinzufuhr kann der Körper besser verarbeiten. Außerdem benötigen die Muskeln und anderes Gewebe auch für die Regeneration Eiweiß.
Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.
Lernen Sie unsere Ärzte kennenLetzte Änderung: 08 Juli 2026
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Wie viel Protein brauchen wir?, Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., online: https://www.dge.de/presse/meldungen/2011-2018/wie-viel-protein-brauchen-wir/, aberufen 17.06.26
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Healthy diet, World Health Organization, online: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/healthy-diet, abgerufen 17.06.26
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Proteine - Baustoffe des Lebens, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, online: https://www.bzfe.de/essen-und-gesundheit/naehrstoffe/proteine, abgerufen 17.06.26
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Clinical Evidence and Mechanisms of High-Protein Diet-Induced Weight Loss, Moon Et al., 2020, https://www.jomes.org/journal/view.html?doi=10.7570/jomes20028, abgerufen 17.06.26
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Ernährung in der Schwangerschaft: Makronährstoffe, Springer Medizin Österreich, online: https://www.springermedizin.at/ernaehrung-in-der-schwangerschaft-makronaehrstoffe/20226668, abgerufen 17.06.26