Kalorienbedarf berechnen
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Ulrike ThiemeLetzte Änderung: 08 Juli 2026
Jeder Mensch braucht Kalorien – für grundlegende Körperfunktionen, um gesund zu bleiben und um genug Energie für alle Aktivitäten zu haben. Über Kalorien lässt sich aber auch das Körpergewicht beeinflussen: Wer abnehmen oder zunehmen möchte, sollte daher zunächst seinen Kalorienbedarf berechnen.
Wann sollte ich den Kalorienbedarf berechnen?
Den Kalorienbedarf zu berechnen, ist sinnvoll, wenn Sie Ihr Körpergewicht über die Kalorienzufuhr beeinflussen möchten. Dann können Sie Verbrauch und Aufnahme aufeinander abstimmen:
- um abzunehmen: Nehmen Sie weniger Kalorien auf, als Sie brauchen.
- um zuzunehmen: Nehmen Sie mehr Kalorien auf, als Sie brauchen.
- um Ihr Körpergewicht zu halten: Nehmen Sie genauso viele Kalorien auf, wie Sie brauchen.
Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Umsetzung oft schwierig. Wichtig ist, dass Sie einen gesunden Lebensstil beibehalten und neben den Kalorien auch auf Vitamine und Nährstoffe achten. Grundlegende Veränderungen in Ihrer Ernährung besprechen Sie vorher mit Ihrem Hausarzt.
Außerdem ist es sinnvoll, die Werte aus einem Kalorienbedarfsrechner als grobe Richtwerte zu behandeln. Oft lassen sich im Alltag die Kalorien nicht so präzise zählen und berechnen. Die Bilanz muss nicht täglich exakt ausfallen, sondern über einen längeren Zeitraum stimmen.
Was ist der Kalorienbedarf?
Der Kalorienbedarf bezeichnet die Menge an Kalorien, die der Körper im Laufe des Tages benötigt, um die verbrauchte Energie auszugleichen. Diese Kalorienzahl berechnet sich aus Grundumsatz und Leistungsumsatz.
Was ist der Grundumsatz?
Der Begriff Grundumsatz meint die Menge an Energie, die der Körper für alle lebenswichtigen Funktionen benötigt. Dazu gehören etwa der Herzschlag, die Atmung und die Gehirnfunktion. Der Grundumsatz macht mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus.
Ernährungswissenschaftler bezeichnen den Grundumsatz auch als Basal Metabolic Rate (BMR).
Was ist der Leistungsumsatz?
Der Leistungsumsatz setzt sich aus allen körperlichen Aktivitäten zusammen. Dazu gehören Sport und Trainingseinheiten, aber auch alltägliche Bewegungen, etwa beim Arbeiten, Spazierengehen oder Treppensteigen.
Vom Gesamtumsatz zum Kalorienbedarf
Aus dem Gesamtumsatz (Grundumsatz + Leistungsumsatz) ergibt sich der Kalorienbedarf. Das heißt konkret: Der Körper braucht so viele Kalorien, wie er für alle Grundfunktionen und die Bewegung über den Tag hinweg verbrennt.
Wenn jemand genauso viele Kalorien aufnimmt, wie er verbraucht, sprechen Ernährungsexperten von einer ausgeglichenen Energiebilanz. In der Praxis unterscheiden sich aber oft die Menge an aufgenommenen und verbrauchten Kalorien. Das führt unter anderem zu einer Gewichtszunahme oder -abnahme.
Wer abnehmen möchte, kann sich dieses Prinzip zunutze machen und ein konkretes Kaloriendefizit berechnen. Dann fällt es leichter, etwas weniger Kalorien zu sich zu nehmen.
Sind Kalorienbedarf und TDEE das gleiche?
In der Praxis werden die Begriffe Kalorienbedarf und TDEE oft synonym verwendet. Streng genommen sind Kalorienbedarf und TDEE aber nicht das gleiche. TDEE steht für Total Daily Energy Expenditure und wird insbesondere im englischsprachigen Raum genutzt. Ein TDEE-Rechner splittet die Berechnung noch konkreter auf: Er bezieht als separaten Schritt etwa auch den thermischen Effekt der Nahrung (TEF) ein, also die Energie, die für Verdauung und Verwertung der Nahrung notwendig ist. Auf Deutsch sprechen Experten hier vom Gesamtumsatz.
Wie berechnet sich der Kalorienbedarf?
Aus dem Grundumsatz und dem Aktivitätslevel lässt sich der Kalorienbedarf ableiten.
Schritt 1: Grundumsatz berechnen
Um den Grundumsatz zu bestimmen, gibt es die sogenannte Mifflin-St. Jeor-Formel. Sie ist heute die gängigste Methode für die Berechnung.
- Grundumsatz bei Frauen:
- (10× Gewicht in kg) + (6,25× Größe in cm) − (5× Alter in Jahren) − 161
- Grundumsatz bei Männern:
- (10× Gewicht in kg) + (6,25× Größe in cm) − (5× Alter in Jahren) + 5
Als grobe Orientierung: Üblicherweise liegen die Werte zwischen 1.300 und 1.700 Kilokalorien (kcal).
Schritt 2: Aktivitätslevel bestimmen
Um den Leistungsumsatz zu berechnen, bestimmen Sie Ihr Aktivitätslevel. Das Aktivitätslevel wird auch als „PAL” (physical activity level) bezeichnet.
| Aktivitätslevel | Faktor | Beschreibung |
|---|---|---|
sehr wenig / kaum aktiv |
1,2 |
ausschließlich Liegen oder Sitzen (z.B. Bettlägerigkeit) |
leicht aktiv |
1,4 |
überwiegend sitzend, wenig körperliche Aktivität (z.B. Büroarbeit) |
mäßig aktiv |
1,6 |
überwiegend sitzend, aber regelmäßige Freizeitaktivität (z.B. Spaziergänge oder Sport) |
aktiv |
1,8-2,0 |
stehende oder gehende Tätigkeit (z.B. Verkauf, Handwerk) plus Sport |
sehr aktiv |
2,2-2,4 |
körperlich anstrengende Arbeit (z.B. Bauarbeit, Leistungssport) |
Schritt 3: Kalorienbedarf berechnen
Um den Kalorienbedarf zu berechnen, müssen Sie jetzt nur noch Ihren Grundumsatz mit Ihrem Aktivitätslevel (PAL) multiplizieren.
Kalorienbedarf = Grundumsatz x Aktivitätslevel
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat grobe Richtwerte für den Kalorienbedarf bestimmt. Die Werte liegen für Erwachsene meist zwischen 1.700 und 3.100 kcal – je nach Alter, Geschlecht und Aktivitätslevel.
Was beeinflusst den Kalorienbedarf?
Der Kalorienbedarf hängt hauptsächlich von Alter, Gewicht, Größe, Aktivitätslevel und Geschlecht ab:
- Alter: Wenn Kinder aufwachsen, steigt zunächst der Kalorienbedarf, im Alter nimmt er später wieder etwas ab.
- Gewicht: Je mehr Körpergewicht, desto höher ist der Kalorienbedarf.
- Größe: Größere Menschen verbrauchen mehr Energie und haben somit einen höheren Kalorienbedarf.
- Geschlecht: Ein Mann hat im Durchschnitt einen höheren Grundumsatz und somit auch einen höheren Kalorienbedarf als eine Frau.
- Aktivitätslevel: Je aktiver eine Person ist, desto höher fällt auch der Kalorienbedarf aus.
In der folgenden Tabelle bekommen Sie einen Eindruck davon, wie sich insbesondere das Geschlecht und das Aktivitätslevel auf den Kalorienbedarf auswirken können:
| Aktivitätslevel | Bei einer Frau (35 Jahre, 72 kg, 175 cm) | Bei einem Mann (35 Jahre, 72 kg, 175 cm) |
|---|---|---|
Grundumsatz |
1.478 kcal/Tag |
1.644 kcal/Tag |
leicht aktiv (1,4) |
2.069 kcal/Tag |
2.301 kcal/Tag |
mäßig aktiv (1,6) |
2.364 kcal/Tag |
2.630 kcal/Tag |
aktiv (1,8) |
2.660 kcal/Tag |
2.959 kcal/Tag |
sehr aktiv (2,2) |
3.251 kcal/Tag |
3.616 kcal/Tag |
Darüber hinaus gibt es noch weitere Faktoren, die Einfluss auf den Kalorienbedarf nehmen:
- Schwangerschaft und Stillzeit: In der Schwangerschaft haben Frauen ab dem 4. Monat einen Mehrbedarf von etwa 250 kcal, ab dem 7. Monat von etwa 500 kcal pro Tag. Und auch in der Stillzeit ist der Bedarf erhöht, um etwa 500 kcal pro Tag in den ersten 4-6 Monaten.
- Hormone: Der Hormonhaushalt kann den Kalorienbedarf erhöhen oder verringern. Möglich ist das insbesondere bei Botenstoffen wie Adrenalin und den Schilddrüsenhormonen.
- Muskelmasse: Muskeln verbrauchen Energie. Daher gilt: Je mehr Muskelmasse, desto höher der Kalorienbedarf.
- Klima: Je kälter die Temperaturen, desto mehr Energie muss der Körper aufbringen, um sich zu wärmen.
- Nahrungsinduzierte Thermogenese: Allein durch das Verdauen der aufgenommenen Nahrung verbrennt der Körper Energie. Experten bezeichnen das als nahrungsinduzierte Thermogenese oder auch als „Thermic Effect of Food” (TEF).
Diese Faktoren lassen sich kaum in eine allgemeingültige Rechnung aufnehmen. Dazu kommt: Sie haben einen weitaus geringeren Einfluss auf den Kalorienbedarf als beispielsweise das Alter oder Aktivitätslevel. Deshalb werden sie bei Kalorienbedarfsrechnern (auch: TDEE-Rechnern) in der Regel nicht berücksichtigt.
Kalorienbedarf: So hilft er beim Abnehmen
Den Kalorienbedarf zu kennen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um das persönliche Wunschgewicht zu erreichen.
- Um abzunehmen, nehmen Sie etwa 15-25% weniger Kalorien zu sich, als laut persönlichem Bedarf nötig wären. Täglich kann ein Kaloriendefizit von etwa 400-600 kcal sinnvoll sein. Wichtig ist, dabei nicht unter den Grundumsatz zu fallen. Nutzen Sie am besten einen Kaloriendefizit-Rechner, um individuelle Ergebnisse zu erhalten.
- Um zuzunehmen, erhöhen Sie Ihre Kalorienaufnahme schrittweise. Starten Sie beispielsweise mit 300 kcal mehr pro Tag. Kontrollieren Sie Ihr Gewicht täglich und passen Sie die Ernährung ggf. an.
- Um Ihr aktuelles Gewicht zu halten, orientieren Sie sich bei der Kalorienaufnahme einfach an Ihrem errechneten Bedarf. Kleine Gewichtsschwankungen sind übrigens völlig normal.
Wo sind die Grenzen eines Kalorienbedarfsrechners?
Viele individuelle Faktoren beeinflussen den Kalorienbedarf. Einige davon werden in der gängigen Formel nicht berücksichtigt. Die Berechnung anhand von Geschlecht, Alter, Gewicht, Größe und körperlicher Aktivität ist ein grober Richtwert. Dieser Wert ist hilfreich, um Ziele (z.B. Abnehmen) zu definieren und zu erreichen.
Natürlich kann der Kalorienbedarf auch variieren. Verändern sich die grundlegenden Faktoren, berechnen Sie auch den Kalorienbedarf neu:
- Gewichtszunahme oder -abnahme: Bei einer Änderung von mehr als 5 % ist die Neuberechnung des Kalorienbedarfs sinnvoll.
- anderes Aktivitätslevel: Der Kalorienbedarf kann sich zum Beispiel bei einem Jobwechsel ändern, aber auch bei dauerhaft mehr oder weniger wöchentlichem Training.
- starkes Hungergefühl oder Müdigkeit: Bei Anzeichen für einen deutlichen Energiemangel kann eine Neuberechnung des Kalorienbedarfs angebracht sein. Möglicherweise sollte das Defizit dann kleiner ausfallen.
Wichtig: Falls Ihr Gewicht trotz Kaloriendefizit stagniert oder sich unerwartet verändert, suchen Sie am besten einen Arzt auf. Er kann zugrundeliegende Ursachen wie Stoffwechselstörungen oder Schilddrüsenerkrankungen erkennen und ausschließen.
Häufig gestellte Fragen
Wie genau ist ein Kalorienbedarfsrechner wirklich?
Ein Kalorienbedarfsrechner liefert einen groben Überblick, der Ihnen dabei helfen kann, Ihre Ziele zu erreichen (z.B. Abnehmen). Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sehr individuelle Faktoren den Kalorienbedarf beeinflussen, die in Rechnern nicht berücksichtigt werden können. Den exakten Kalorienbedarf zu berechnen, gestaltet sich sehr komplex und ist oft gar nicht unbedingt notwendig.
Was bedeutet TDEE?
TDEE ist eine Abkürzung für den englischen Ausdruck „Total Daily Energy Expenditure”. Es handelt sich dabei um einen fachlich sehr präzisen Begriff für den Gesamtumsatz, der sich etwa aus Grundumsatz und Aktivitätslevel zusammensetzt. Im englischsprachigen Raum heißen Kalorienbedarfsrechner TDEE-Rechner.
Kann ich meinen Grundumsatz erhöhen?
Ja, über den Aufbau von Muskeln steigt der Grundumsatz. Die meisten Faktoren, die den Grundumsatz bestimmen, sind allerdings nicht beeinflussbar. Dazu gehören Alter, Geschlecht und Größe.
Um wie viel erhöht sich der tägliche Kalorienbedarf in der Schwangerschaft?
Nach den Richtwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erhöht sich der Kalorienbedarf ab dem 4. Schwangerschaftsmonat um etwa 250 kcal pro Tag, ab dem 7. Schwangerschaftsmonat um etwa 500 kcal pro Tag.
Wie kann ich mein Kaloriendefizit berechnen?
Ein Kaloriendefizit entsteht, wenn die Kalorienaufnahme unter dem errechneten Bedarf liegt. Der Kaloriendefizit-Rechner von ZAVA hilft bei der Bestimmung.
Dr. med. Ulrike Thieme ist Medizinische Leiterin bei ZAVA und seit 2018 Teil des Ärzteteams. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei ZAVA arbeitete Dr. med. Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.
Lernen Sie unsere Ärzte kennenLetzte Änderung: 08 Juli 2026
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Energiezufuhr, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, online: https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/energiezufuhr/, abgerufen 17.06.26
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Energy expenditure and obesity across the economic spectrum, Amanda McGrosky Et al, 2025, https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2420902122, abgerufen 17.06.26
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Energie, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, online: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/energie/, abgerufen 17.06.26
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Link between Food Energy Density and Body Weight Changes in Obese Adults, Marta Stelmach-Mardas Et al, 2016, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27104562/, abgerufen 17.06.26