So (un)gerne geht Deutschland zum Arzt

Mehrere Menschen sitzen in einem Wartezimmer und warten auf ihre Behandlung.

Studie von Zava zur Vermeidung von Arztbesuchen in Deutschland

In der repräsentativen Studie der Online-Arztpraxis Zava und dem Marktforschungsinstitut Splendid Research aus Hamburg wurden über 1.000 Deutsche zwischen 20 und 50 Jahren nach ihren Arztbesuch-Gewohnheiten befragt. Der Fokus der Befragung lag auf der Vermeidung von Arztbesuchen: Wie häufig kommt es vor, dass Menschen trotz Beschwerden nicht zum Arzt gehen und wie lange schieben sie Arztbesuche auf? Was sind die Gründe, nicht zum Arzt zu gehen und welche Alternativen nutzen die Menschen? Erstaunlichstes Ergebnis dabei: Der Mythos vom „Arztmuffel Mann“ ist widerlegt. Frauen unterscheiden sich kaum von Männern, wenn es darum geht, bei Beschwerden einen Arztbesuch zu vermeiden.

Die wichtigsten Kernaussagen kurz zusammengefasst

  • Insgesamt haben mehr Frauen als Männer bereits einen Arztbesuch trotz Beschwerden aufgeschoben. Und mehr Frauen als Männer schieben Arztbesuche regelmäßig auf.
  • Mehr als ein Drittel der Befragten schiebt regelmäßig Arztbesuche auf, trotz Beschwerden.
  • Ein Drittel der Befragten hat schon einmal einen Arztbesuch über mehrere Monate aufgeschoben, fast jeder Zehnte über mehr als ein Jahr.
Grafik darüber, wie häufig es in den letzten drei Jahren vorgekommen ist, dass die Deutschen einen Arztbesuch aufgeschoben haben.
  • Hauptgrund für das Aufschieben ist der zu hohe Zeitaufwand für den Arztbesuch. Die Befragten geben an, sie seien zu beschäftigt und wollten nicht von der Arbeit fernbleiben.
Grafik über die Gründe, warum die Deutschen einen Arztbesuch aufgeschoben haben, trotz der Beschwerden.
  • Bei 64 Prozent hat der Aufschub negative Konsequenzen, zumeist in Form von Leiden. Bei 12 Prozent erschwerte der Aufschub die Behandlung der Krankheit.
  • Anstatt zum Arzt zu gehen, recherchieren die Befragten die Symptome im Internet (40 Prozent), bestellen rezeptfreie Produkte (43 Prozent) und probieren Hausmittel (33 Prozent).

Lesen Sie die ausführliche Studie hier.

Über die Studie

Das Marktforschungsinstitut Splendid Research (Fraunhofer Institut, Statista, WDR, BCG) aus Hamburg befragte im Auftrag der Online-Arztpraxis Zava im Zeitraum von Ende Mai bis Mitte Juni 2018 in einer repräsentativen Umfrage 497 Männer und 518 Frauen zwischen 20 und 50 Jahren. Die Studienteilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Fast 90 Prozent sind gesetzlich versichert, gut 10 Prozent privat.

Deutsche und ihre Arztbesuche - Auszug aus der Studie

„Deutsche Männer sind Arztmuffel“. So lauten viele Überschriften zum Thema „Arztbesuche in Deutschland“. Zugrunde liegt den meisten Berichten eine Statistik des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Demnach gehen Frauen etwa 20 Mal pro Jahr zum Arzt, Männer jedoch nur 14 Mal1. In die gleiche Kerbe schlägt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), nach der 67 Prozent aller Frauen regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, jedoch nur 40 Prozent der Männer2. Beide Studien sind methodisch einwandfrei und glaubwürdig – dennoch stellt sich die Frage, ob die weit verbreitete Schlussfolgerung „Männer sind die größeren Arztmuffel“ nicht ein verzerrtes Bild zeichnen könnte.

Grund Nummer eins: Aus der erstgenannten Studie wird in der Regel der Mittelwert zitiert: Frauen haben im Schnitt 20 Arztbesuche pro Jahr, Männer 14. Diesen Wert treiben jedoch die „Vielgänger“ mit weit über 20 Arztbesuchen pro Jahr in die Höhe. So sagt das ZI: „Etwa 16 Prozent der Patienten nehmen 50 Prozent aller Arztkontakte in Anspruch. Es handelt sich dabei überwiegend um die Patienten, die auch eine intensivere Versorgung benötigen (z.B. ältere Patienten, Patienten mit mindestens einer Morbi-RSA-Krankheit3). Eine isolierte Betrachtung des Mittelwertes führt somit zu einer Fehlinterpretation des Versorgungsgeschehens.“ Trotzdem bezieht sich die öffentliche Diskussion oft auf genau diesen Mittelwert4.

Der zweite Grund: Die Zahlen sind stark geprägt durch Arztbesuche für Vorsorgeuntersuchungen, die bei Frauen laut offizieller Empfehlung deutlich früher beginnen als bei Männern (Gebärmutterhalskrebs ab 20 Jahren, Chlamydien bis 25 Jahre, Brustkrebs ab 30 Jahren; dem gegenüber steht die erste Vorsorgeuntersuchung für Männer: Prostatakrebs ab 45 Jahren)5. Die Studie der BZgA bezieht sich explizit nur auf Vorsorgeuntersuchungen.

Lesen Sie die ausführliche Studie hier.

Quellen