David Meinertz. CEO. Zava-Gründer.

David Meinertz ist als Gründer und CEO von Zava seit 2011 Vorreiter in der Telemedizin. Denn der Hamburger Jurist und Wirtschaftswissenschaftler machte aus einem Zwei-Mann-Team innerhalb weniger Jahre eines der führenden Telemedizin-Unternehmen Europas mit mehr als 200 Mitarbeitern. Seit der Gründung verbucht Zava mehr als 4,2 Millionen Beratungen und Behandlungen in Deutschland, Frankreich und England.


Steckbrief David Meinertz

David Meinertz.  CEO. Zava-Gründer.

Geboren: 20. Mai 1974 in Mainz

Ausbildung: Jurastudium in Heidelberg, Montpellier und Berlin. MBA-Abschluss an der Pariser Universität HEC

Familie: Lebt mit seiner Frau und 3 Söhnen in London und Hamburg

Größte Herausforderung: Die Kinder abends alle ins Bett zu bekommen

Woher kam die Idee zu Zava?

Für Menschen mit Zeitdruck oder chronischen Krankheiten ist Telemedizin ein Gewinn, das weiß David Meinertz aus eigener Erfahrung: „Ich bin selbst Patient, ein eher ungeduldiger. Früher musste ich regelmäßig für ein Folgerezept für mein Bluthochdruckmedikament zum Arzt in die Praxis gehen. Heute kontaktiere ich meinen Arzt online und erhalte mein Medikament am gleichen Tag in der Apotheke vor Ort oder bequem am nächsten Tag per Versand. Der logistische Aufwand ist deutlich geringer.“

Zum Zeitpunkt der Gründung seiner Online-Arztpraxis, die anfangs noch DrEd hieß, war Telemedizin in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz, Schweden oder England längst etabliert. In Deutschland gab es diese zeitgemäße Form der ärztlichen Online-Beratung damals noch nicht. Das wollte Meinertz, der zuerst in leitender Position als Jurist für einen europäischen Investor, dann für die Expansion eines führenden digitalen Gesundheitsunternehmen in Großbritannien verantwortlich war, ändern. Seine Vision: eine verlässliche, effiziente, leicht zugängliche medizinische Behandlung auf aktuellem Stand der Wissenschaft und Forschung. So entstand Zava – eine Online-Arztpraxis, die sich an dem dynamischen Lebensstil und den sich wandelnden individuellen Bedürfnissen der Gesellschaft orientiert.

Die Zukunft der Telemedizin

Seit Beginn der Corona-Krise hat die digitale Transformation des Gesundheitswesen an Schwung gewonnen. Bei Zava stieg die Zahl der Behandlungen im März 2020 um 60 Prozent.

„Die Digitalisierung setzt sich durch im Patienten- und Arzt-Alltag. Telemedizinische Beratung und Behandlung sind nicht nur bequemer und zeitsparender, sondern auch sicherer“, erklärt Meinertz. „Der Durchschnittsdeutsche kommt auf 10 Arztbesuche im Jahr. Seit Beginn der COVID-19 Pandemie waren 6 bis 8 dieser Beratungen digital. Langfristig wird sich die Zahl der Vor-Ort-Arztbesuche bei 4 bis 5 pro Jahr einpendeln.“

Dennoch bleibt weiterhin noch viel zu tun: „Wir haben schon viel erreicht. Doch als passionierter Neu- und Andersdenker habe ich das Gefühl, erst am Anfang zu stehen und werde weiterhin am Status quo rütteln...“

David Meinertz in den Medien

Juli 2020 – Ärzte Zeitung – „Viele Anrufer öffnen sich in der Videosprechstunde eher“

Mai 2020 – Tagesspiegel – Telemedizin – ein Kurzzeit-Phänomen?

Mai 2020 – NDR – Redezeit: Zum Thementag "Corona und Innovation": Was kann der Arzt auf dem Bildschirm?

Mai 2020 – Deutsche Apotheker Zeitung – DAZ.ONLINE-VIDEOINTERVIEW MIT DAVID MEINERTZ „Bei uns kommt man nicht leicht an Rezepte“

Mai 2020 – Hamburger Abendblatt – Zava: "Zahl der Arztbesuche wird sich halbieren"

Februar 2020 – Handelsblatt – Zava kooperiert mit Apotheken in Deutschland

Juni 2019 – Business Punk – Schön gefailt: Wieso David Meinertz Pferde aus Comedyserien googelt

Juni 2019 – TechCrunch – Zava bags $32M to expand its AI-free telehealth service in Europe

Juni 2019 – Forbes – Telemedicine Service Zava Raises $32 Million Series A To Scale Across Europe

Juni 2019 – Wirtschaftswoche Gründer – Zava: Telemedizin-Pionier baut Praxis in Hamburg auf

Juni 2019 – F.A.Z - Frankfurter Allgemeine Zeitung – Online-Arzt expandiert nach Deutschland

Juni 2019 – WiWo Gründer – Zava: Telemedizin-Pionier baut Praxis in Hamburg auf

Februar 2019 – Hamburger Abendblatt – Hamburger setzen verstärkt auf den Doktor aus dem Internet

September 2018 – Hamburger Abendblatt – Wie ein Hamburger den Besuch beim Arzt revolutioniert

November 2017 – NTV– David Meinertz, DrEd: "Bei hartem Brexit, eröffnen wir Büro in Irland"

Oktober 2017 – Healthcare Startups – Online-Videosprechstunden: Manage your own health

März 2017 – F.A.Z - Frankfurter Allgemeine Zeitung – Der heiße Draht zum Hausarzt

Januar 2017 – NTV – Online-Praxis DrEd will mit Trick weitermachen

Dezember 2016 – brand eins – Wie am Fließband

Dezember 2016 – brand eins – Von Freibeutern und Weltrettern

David Meinertz steht Rede und Antwort

Sie kommen ja selbst aus einer Arztfamilie, hat Sie das beeinflusst?

Ja, mein Vater ist Kardiologe und war Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf. Er hat mich ungeheuer inspiriert, den Zugang zu ärztlicher Behandlung zu vereinfachen. Jedes zweite Wochenende hat er mich mit auf Patientenvisite genommen.

Wie kamen Sie vor fast zehn Jahren auf die Idee für dieses Business-Modell?

Ich war für die internationale Expansion eines führenden telemedizinischen Unternehmens in Großbritannien verantwortlich. In Deutschland verhinderten starre Regularien den Ärzten noch bis Mai 2018 diese moderne, zeitgemäße Behandlungsform. Ich fand die teilweise langen Wartezeiten beim Arzt, allein der Weg in die Praxis, nur wegen eines Folgerezeptes für meinen Bluthochdruck, wirklich frustrierend. Das bestehende Gesundheitssystem empfand ich sowohl komplex als auch zeitaufwändig und wollte einen einfacheren, bequemeren Weg für Patienten finden.

Ersetzt der Online-Arzt irgendwann den Hausarzt?

Ich bin überzeugt, dass durch neue Technologien schon in fünf Jahren ein Drittel aller Arztbesuche digital stattfinden wird. Telemedizin ist für mich eine Ergänzung und kein Ersatz zum Arzt vor Ort. Digitalisierung erleichtert und beschleunigt nicht nur die ganze Administration, wie beispielsweise Rezeptbestellungen, sondern gibt den niedergelassenen Ärzten sogar mehr Zeit, sich um komplexere Fälle zu kümmern, bei denen eine körperliche Untersuchung notwendig ist. Telemedizin trägt zur Lösung drängender Probleme bei, wie der Sicherstellung medizinischer Versorgung in ländlichen Gebieten, dort, wo der nächste Hausarzt eben nicht gleich um die Ecke ist.

Was kann der Arzt auf dem Bildschirm?

Der kann nicht alles, was ein Arzt vor Ort während einer Behandlung machen kann, aber Online-Ärzte können schon eine ganze Menge. Wir schicken beispielsweise schon Text-Kits für Abstriche oder Urinproben an unsere Patienten. Die werden dann an unser Labor gegeben. Bei Hautausschlägen können Fotos hochgeladen werden. Telemedizin ändert sich derzeit ungeheuer schnell.

Was spricht für den Online-Doktor?

Jeder dritte Patient kontaktiert uns zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens – da sind die meisten Arztpraxen geschlossen und der Arzt ist normalerweise auch nicht telefonisch erreichbar. Telemedizin ist zeit- und ortsunabhängig, da ist der Austausch mit einem Facharzt nur ein paar Klicks entfernt. Ich kann abends noch bequem von Zuhause das Folgerezept für mein Medikament über Smartphone oder Tablet bestellen – und das wird per Post direkt vor die Haustüre geliefert.

Erektionsbeschwerden, Chlamydien, Genitalherpes… Bespricht man das wirklich mit dem Hausarzt?

Grundsätzlich gehen wir in Deutschland ja gerne zum Arzt. Durchschnittlich sind das 10 Arztbesuche pro Jahr bei Menschen im Alter zwischen 18 bis 80. Als ich mit Zava anfing, dachten wir, dass wir vielleicht 1 bis 2 Arztbesuche vor Ort durch eine Beratung oder Behandlung online oder aus der Ferne ersetzen können. Nach Corona ist das neue Normal wahrscheinlich eher 4 bis 5. Tja, Chlamydien, Genitalherpes, Erektionsstörungen… Das sind durchaus Themen, die manche Betroffene nicht mit dem Hausarzt besprechen möchten. Da ist eine gewisse Hemmschwelle und so leiden sie lieber im Stillen weiter und gefährden vielleicht sogar andere. Telemedizin ermöglicht auch da eine schnelle, kompetente, vorurteilsfreie Beratung, so machen wir Kranke zu Patienten.

Corona-Krise, Ansteckungsgefahr, Ausgangsbeschränkungen… Krisen bieten Chancen. Gehören Video-Sprechstunden und Online-Beratungen bald zu unserem Alltag?

Absolut. Im März hatten wir 60 Prozent Wachstum, das entspricht in der Gesamtsumme mehreren 1000 Beratungen und Behandlungen am Tag. Die Corona-Krise zeigt, dass Telemedizin unser Gesundheitssystem entlastet. Gerade in den letzten Monaten wollte man ja auch nicht unbedingt in einem überfüllten Wartezimmer sitzen, um sich womöglich anzustecken. In solchen Ausnahmesituationen gehen einem ja viele Dinge durch den Kopf – deshalb hatten wir auch eine kostenlose Corona-Sprechstunde eingerichtet.

Auch die World Health Organisation (WHO) empfiehlt Video-Sprechstunden als Alternative zum Arztbesuch

Sich mit einem Arzt per Video-Sprechstunde auszutauschen, ein Gespräch unter vier Augen, wie man das von seinem Hausarzt kennt, aber eben als Video-Chat, ist eine gute Alternative. Wir wollen unseren Patienten via Video-Sprechstunde eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit bieten, einen Arzt zu konsultieren, bequem von zu Hause.

Also tatsächlich Wohnzimmer statt Wartezimmer?

Wir sind ja längst gewohnt, unseren Alltag digital zu organisieren – angefangen mit Onlinebanking, digitalen Vorlesungen… Und geht noch irgendeiner ins Reisebüro um Flüge zu buchen? Wenn wir gesundheitliche Probleme haben, sollen wir plötzlich wieder wie in alten Zeiten, Stunden im Wartezimmer sitzen... Ich denke unser Gesundheitssystem wird sich unserem Alltag anpassen müssen.


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