Trichomonaden

Dr Friederike Ebigbo

Medizinisch geprüft von

Dr. Friederike Ebigbo

Letzte Änderung: 18 Sep 2020

Was sind Trichomonaden und wie wird eine Infektion behandelt?

Inhalt
Trichomonaden unter dem Mikroskop

Trichomonaden (Trichomonas vaginalis) sind Parasiten, welche weltweit Infektionen des Urogenitaltraktes bei Männern und Frauen auslösen und sich durch Geschlechtsverkehr verbreiten. Die verursachte Erkrankung bezeichnet man als Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis) und gehört zu den am häufigsten vorkommenden Geschlechtskrankheiten weltweit. In den meisten Fällen bleibt eine Ansteckung allerdings unentdeckt, kann aber weitreichende Folgen wie z.B. Unfruchtbarkeit mit sich bringen.

Mit dem Geschlechtskrankheiten Test können Sie herausfinden, ob Sie sich mit Trichomonaden angesteckt haben. Besteht eine Infektion, sollten Betroffene für die Therapie einen Arzt aufsuchen. Wenn bei Ihnen oder Ihrem Partner eine Trichomonaden-Infektion diagnostiziert wurde, können Ihnen unsere Ärzte ein Antibiotikum zur Behandlung verschreiben.

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Was sind Trichomonaden?

Trichomonaden sind Parasiten der Protozoengattung, die zu Entzündungen des Urogenitaltrakts führen, die man als Trichomoniasis bezeichnet. Nach Schätzungen der WHO stecken sich weltweit jährlich mehr als 250 Millionen Menschen mit Trichomonaden an. Damit ist die Trichomoniasis die am häufigsten vorkommende nicht-virale Geschlechtskrankheit der Welt und kommt häufiger vor als alle Chlamydien-, Gonorrhoe- und Syphillis-Infektionen zusammen.

Eine Ansteckung mit dem Parasit erfolgt überwiegend über Geschlechtsverkehr. Der Parasit nistet sich in der menschlichen Schleimhaut des Harn- und Geschlechtstrakts ein und vermehrt sich dort. An diesen Stellen kann die Besiedlung mit dem Erreger zu Infektionen führen, die sich als Entzündungen der Vagina, des Gebärmutterhalses oder der Harnblase äußern. Es gibt zudem neuere Berichte die beobachten, dass Trichomonaden nicht nur durch direkten Schleimhautkontakt, sondern auch über Infektionsträger wie Hautpartikel, Haare, Kleidung und Wasser übertragen werden kann.

Männer und Frauen stecken sich mit der gleichen Häufigkeit mit Trichomonaden an, allerdings ist der Krankheitsverlauf bei Männern in der Regel milder und rascher und die Trichomonaden-Infektion heilt in weniger als zehn Tagen von alleine ab. Frauen dagegen können zum Teil jahrelang unter der Erkrankung leiden, da Symptome in den meisten Fällen ausbleiben.

Wie erkennt man eine Infektion mit Trichomonaden?

Hat man sich mit dem Parasiten angesteckt, so kommt es in den meisten Fällen zu keinerlei Beschwerden. Man nimmt an, dass eine Trichomonaden-Infektion bei bis zu 80 Prozent der Fälle asymptomatisch verläuft, also ohne jegliche Symptome. Bei einem Drittel der weiblichen Erkrankten treten innerhalb der nächsten sechs Monate Beschwerden auf. Diese äußern sich überwiegend als Juckreiz an Schamlippen und Scheideneingang und übelriechendem, gelb-grünlichem Ausfluss, der schäumend sein kann und von dünner Konsistenz. Einige weibliche Betroffene klagen außerdem über Unterleibsschmerzen und Schmerzen beim Wasserlassen.

Da Symptome bei Männern meistens milder verlaufen als bei Frauen, werden über 80 Prozent der Diagnosen bei Frauen gestellt. Die meisten männlichen Infizierten merken also nicht, wenn sie sich mit Trichomonas vaginalis angesteckt haben. Bei einigen wenigen Betroffenen wird jedoch über Juckreiz und Ausfluss aus der Harnröhre berichtet.

Wie lange dauert die Inkubationszeit bei Trichomoniasis?

Die Inkubationszeit beträgt zwischen vier und 28 Tagen. In dieser Zeit hat man sich bereits mit dem Parasiten angesteckt, die Symptome sind allerdings noch nicht bemerkbar. Individuell sind deutlich längere Inkubationszeiten möglich.

Wie wird eine Trichomonaden-Infektion diagnostiziert?

Vermutet der Arzt, dass sich ein Patient mit Trichomonas vaginalis infiziert hat, wird per Vaginalabstrich oder Urinprobe im Labor die Diagnose gestellt. Zava bietet eine solche Untersuchung mittels des Geschlechtskrankheiten-Tests für zu Hause an. Die Ärzte von Zava informieren den Betroffenen über das DrEd Konto wenige Tage nach Absenden der Probe, ob sie sich mit Trichomonaden angesteckt haben. Fällt die Diagnose positiv aus, sollten Betroffene ihren Hausarzt oder Frauenarzt aufsuchen, da DrEd momentan keine Therapie für Trichomonaden-Infektion anbietet. Für den Arzt besteht bei einer Diagnosestellung keine Meldepflicht.

Wie werden Trichomonaden behandelt?

Trichomonaden werden mittels eines Antibiotikums behandelt. Therapie der Wahl stellt dabei seit Jahrzehnten das Antibiotikum Metronidazol dar, das einmalig in Tablettenform verabreicht wird. Allerdings wird seit einiger Zeit beobachtet, dass die Therapie mit Metronidazol zunehmend zu nicht erfolgreichen Behandlungsergebnissen führt.

Zurückzuführen ist dies nicht nur auf die wachsende Resistenzentwicklung, sondern auch auf die veränderte Vaginalökologie der weiblichen Infizierten. Man nimmt an, dass der Erreger die normale Vaginalflora stört, indem er

Milchsäurebakterien verdrängt und damit eine Verschiebung des vaginalen pH-Wertes verursacht. Dieses Ungleichgewicht des vaginalen Ökosystems, das auch als bakterielle Vaginose bezeichnet wird, schafft ein für Trichomonaden schützendes Umfeld, in welchem sich die Erreger ungestört

ausbreiten können. Möglicherweise führen diese Veränderungen des Scheidenmilieus sogar zu einer Inaktivierung des Arzneimittels.

Alternativ gibt es auch vaginale Applikationen, vor und Nachteile sollten immer mit einem Arzt diskutiert werden. Bei einer nicht erfolgreichen Metronidazol-Therapie kann auch das Antibiotikum Tinidazol einmalig oder auch über einen Zeitraum von einer Woche verabreicht werden.

Nach Empfehlungen der WHO dürfen infizierte Schwangere Metronidazol im zweiten und dritten Trimester einnehmen, allerdings muss eine Anwendung im ersten Trimenon mit einem Arzt diskutiert werden um Nutzen und möglichen Schaden abzuwägen.

Da man sich immer wieder mit Trichomonaden anstecken kann, ist es wie bei allen Geschlechtskrankheiten wichtig, dass der Geschlechtspartner ebenfalls untersucht und gegebenenfalls mit behandelt wird.

Wie gefährlich sind Trichomonaden für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch?

Eine Ansteckung mit dem Parasit ist nicht lebensgefährlich, kann aber durchaus zu kräftezehrenden Beschwerden und weitreichenden Komplikationen führen. In der Vergangenheit wurde die Trichomonaden-Infektion lediglich als „lästig“ abgetan. Heutzutage weiß man aber, dass eine Erkrankung sowohl negative Auswirkungen auf Schwangerschaften haben kann, als auch zu einem höheren Risiko für andere Geschlechtskrankheiten führt.

Die durch den Krankheitserreger hervorgerufene Entzündung des Urogenitaltraktes kann zu Komplikationen führen. Beispielsweise können bei Frauen Entzündungen des Eileiters, der Eierstöcke und der Gebärmutterschleimhaut auftreten. In deren Folge kann eine

Trichomoniasis bei Frauen zur Unfruchtbarkeit führen.

Studien haben außerdem herausgefunden, dass sich eine Trichomonaden-Infektion negativ auf Schwangerschaften auswirken kann. So bringen infizierte Frauen häufiger Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht auf die Welt, es kommt vermehrt zu Frühgeburten durch vorzeitige Blasensprünge nach Unterleibsentzündungen.

In seltenen Fällen kann eine Übertragung des Erregers von der Mutter auf das Kind während des Geburtsvorganges stattfinden und so Atembeschwerden des Neugeborenen verursachen.

Können Trichomonaden auch für Männer gefährlich werden?

Bei infizierten Männern können ebenfalls Komplikationen beobachtet werden, diese sind allerdings sehr selten. So kann eine Infektion mit Trichomonaden bei ihnen zu Nebenhodenentzündungen, Entzündungen der Prostata und zu einer reduzierten Spermienbeweglichkeit führen.

Die Bedeutung von Trichomonaden im mit Gebärmutterhalskrebs ist unklar, mag jedoch im Zusammenhang mit der Übertragung von HPV eine Rolle spielen.

Warum steigt mit einer Trichomoniasis das HIV-Infektionsrisiko?

Die Besiedlung des Harn- und Geschlechtsapparats mit Trichomonaden führt zu Entzündungen der Schleimhaut. Durch die Entzündung ist die mechanische Barrierefunktion der schützenden Schleimhaut heruntergesetzt und somit können andere Krankheitserreger wie beispielsweise das humane Papillomavirus und HIV leichter in den Körper und in die Blutbahn gelangen.

Bei Frauen führt eine Trichomoniasis außerdem zu einem veränderten Scheiden-pH-Wert und damit werden bakterielle Vaginosen häufiger, die ebenfalls ein erhöhtes Risiko für den Erwerb des HI-Virus mit sich bringen.

Die Entzündung lockt zudem spezielle Immunzellen zum Ort der Schleimhautbesiedlung an, die vom HI-Virus als Wirtszellen befallen werden können. Der Weg in den Körper wird dem HI-Virus auf diese Weise also erleichtert.

Die Empfänglichkeit für HIV ist für Trichomonaden positive Menschen aus diesen Gründen größer, als für Gesunde. Hat man sich nun mit Trichomonaden und HIV infiziert, so scheiden diese Frauen auch mehr HI-Viren in ihrem Scheidensekret aus. Die Ansteckungsgefahr für das HI-Virus wird also durch eine Trichomonaden-Infektion größer. Deshalb ist eine erfolgreiche Behandlung der Trichomoniasis zusätzlich von Vorteil, da auf diesem Weg auch eine verminderte HIV-Ausscheidung erreicht wird.

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Dr. Friederike Ebigbo Ärztin in gynäkologischer Praxis

2011 schloss Dr. Friederike Ebigbo ihr Medizinstudium an der Technischen Universität München ab. Danach arbeitete sie an einer Frauenklinik in der Schweiz – dort war Sie von 2019 bis 2020 Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Dr. Friederike Ebigbo ist seit September 2020 Ärztin in einer gynäkologischer Praxis in Hamburg und unterstützt das Ärzteteam von Zava bei der medizinischen Texterstellung und -prüfung.

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