Harnwegsinfektionen

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Ulrike Thieme, Ärztin

Letzte Änderung: 11 Jun 2020

Harnwegsinfektionen können verschiedene Organe des Harntrakts betreffen. Dazu gehören Harnblase (Blasenentzündung/Zystitis), Harnröhre (Harnröhrenentzündung/ Urethritis) und Nieren (Nierenbeckenentzündung/Pyelonephritis). Meistens werden diese Infektionen durch Bakterien aus dem Darm ausgelöst, die durch die Harnröhre in die Blase wandern. Die meisten Harnwegsinfektionen lassen sich problemlos mit Antibiotika behandeln.

Inhalt
harnwegsinfekt

Woran Sie eine Harnwegsinfektion erkennen

Zu den Symptomen einer Harnwegsinfektion zählen:

  • Sie verspüren plötzlich dringenden Harndrang oder haben öfter als gewöhnlich das Gefühl, zur Toilette zu müssen.
  • Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
  • Geruchsintensiver oder trüber Urin
  • Blut im Urin (selten)
  • Schmerzen im Unterleib
  • Müdigkeit und Unwohlsein

Bei Menschen, die an Demenz leiden, erkennt man eine Blasenentzündung nicht auf Anhieb. Bemerken Sie, dass Menschen mit Demenz häufiger als sonst zur Toilette gehen, der Urin trüb ist oder es problematisch(er als sonst) ist, das Wasser zu halten, sollten Sie das vom Arzt abklären lassen. Bei älteren Menschen können zudem Verhaltensänderungen auftreten, z. B. Nervosität oder verstärkte Verwirrtheit.

Bei Kindern können zusätzlich folgende Symptome auftreten:

  • Allgemeines Unwohlsein: Säuglinge und Kleinkinder sind womöglich quengelig, lassen sich nicht richtig füttern und haben manchmal eine leicht erhöhte Temperatur von 37,5° C oder höher
  • Sie nässen ins Bett oder in die Hose.
  • Sie versuchen, das Wasserlassen zurückzuhalten, weil es Schmerzen bereitet.

Wann zum Arzt

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn:

  • Sie als Mann Symptome einer Harnwegsinfektion haben. Eine vergrößerte Prostata kann die vollständige Entleerung der Blase erschweren. Im verbleibenden Resturin können sich dann Bakterien vermehren.
  • Sie schwanger sind und Symptome einer Harnwegsinfektion spüren.
  • Ihr Kind Symptome einer Harnwegsinfektion zeigt.
  • ein älterer Mensch, den Sie pflegen, Symptome einer Harnwegsinfektion hat.
  • Sie Symptome haben und noch nie eine Harnwegsinfektion hatten.
  • Sie Blut im Urin finden.
  • sich Ihre Symptome nicht innerhalb von ein paar Tagen bessern.
  • Ihre Symptome nach einer Behandlung wiederkehren.

Bei Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion (STI) können Sie sich in vielen Großstädten übrigens auch beim Gesundheitsamt anonym testen und beraten lassen. Bei der Online- und Telefonberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung können Sie erfahren, ob und wo es solche Angebote in Ihrer Nähe gibt.

Suchen Sie umgehend einen Arzt auf bei:

Diese Symptome deuten auf eine Nierenbeckenentzündung hin, welche unbehandelt schwerwiegende Folgen haben kann. Falls Ihre Arztpraxis geschlossen ist, wenden Sie sich an den Bereitschaftsarzt. Unter der kostenfreien Notrufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Krankenkassenärztlichen Vereinigungen (116 117) erfahren Sie, wo Sie die nächstgelegene Notfallpraxis finden. Fühlen Sie sich zu krank, kann der Bereitschaftsarzt Sie auch zu Hause aufsuchen.

Diagnose

Sie werden zu Ihren Symptomen befragt und müssen voraussichtlich eine Urinprobe abgeben, damit die Harnwegsinfektion bestätigt werden kann.

Mittels einer Urinprobe können auch andere mögliche Ursachen für Ihre Symptome ausgeschlossen werden.

Bei Männern wird unter Umständen ein schmerzloser Abstrich vorgenommen, um auf andere mögliche Ursachen zu testen. Dabei wird mit einem Wattestäbchen ein Abstrich von der Spitze des Penis gemacht, der dann im Labor getestet werden kann. Das tut nicht weh, kann sich aber etwas unangenehm anfühlen.

Behandlung

Ihr Arzt kann Ihnen Antibiotika verschreiben. Damit sollten Ihre Symptome innerhalb von 5 Tagen abklingen. Bei Kindern sollte dies nur 2 Tage dauern.

Es ist wichtig, dass Sie die Packung Antibiotika bis zum Ende durchnehmen, auch wenn Sie sich bereits besser fühlen, da ansonsten Resistenzen aufgebaut werden können.

In einigen ernsten Fällen werden die Patienten zur Behandlung und für weitere Tests ins Krankenhaus eingewiesen. Der Krankenhausaufenthalt wird voraussichtlich ein paar Tage dauern.

Die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhauseinweisung ist bei Männern und Kindern höher.

Behandlung wiederkehrender Harnwegsinfektionen

Sollte Ihre Harnwegsinfektion nach abgeschlossener Behandlung zurückkehren, wird die Behandlung mit Antibiotika in der Regel wiederholt, diesmal für einen längeren Zeitraum.

Bei chronischen Harnwegsinfektionen (mindestens dreimal pro Jahr) werden als effektivste Therapie zur Vorbeugung niedrig dosierte Antibiotika für 3–6 Monate empfohlen.

D-Mannose

D-Mannose ist ein Zucker, der anscheinend bei Harnwegsinfektionen hilft, die durch Koli-Bakterien verursacht werden, was bei etwa 70 bis 90 Prozent der Erkrankungen der Fall ist. Studien weisen darauf hin, dass D-Mannose Harnwegsinfektionen bei nicht-schwangeren Frauen vorbeugen kann.

Was Sie selbst tun können

Milde Harnwegsentzündungen klingen oft nach ein paar Tagen wieder ab. Gegen die Schmerzen hilft:

  • Paracetamol (gibt es für Kinder auch als Saft)
  • Legen Sie eine Wärmflasche auf den Unterbauch, den unteren Rücken oder zwischen die Oberschenkel.
  • Ruhen Sie sich aus und trinken Sie viel, damit Ihr Körper die Bakterien herausspülen kann.

Verzichten Sie unter Umständen auf Sex, bis Sie sich besser fühlen. Zwar können Sie Ihren Partner nicht anstecken, Sex kann sich aber unangenehm anfühlen und Schmerzen bereiten.

Wichtiger Hinweis: Nehmen Sie keine entzündungshemmenden Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin (nichtsteroidale Entzündungshemmer). Sie können eventuell vorhandene Nierenprobleme verschlimmern. Konsultieren Sie vor der Einnahme und dem Absetzen verschreibungspflichtiger Medikamente unbedingt Ihren Arzt.

Ursachen

Harnweginfektionen werden in der Regel von Escherichia Coli Bakterien verursacht. Sie gehören zur menschlichen Darmflora und gelangen über den Darm in die Harnwege.

Die Bakterien treten über die Harnröhre ein, wenn man beispielsweise aus Versehen etwas Stuhlgang mit dem Toilettenpapier Richtung Harnröhrenausgang wischt. Da diese bei Frauen kürzer ist als bei Männern (etwa 4 cm bei Frauen/ circa 20 cm beim Mann), können Bakterien leichter in Ihre Blase oder Ihr Nierenbecken eindringen.

Zu den Auslösern einer Harnwegentzündung gehören:

  • Schwangerschaft – durch den veränderten Hormonhaushalt, weiten sich die Harnwege und Keime können leichter in die Harnröhre eindringen
  • Harnstau/Verstopfte Harnwege, zum Beispiel durch Nierensteine oder Prostatavergrößerung
  • Beschwerden, die das Entleeren der Blase behindern, z. B. eine vergrößerte Prostata bei Männern oder Verstopfung bei Kindern
  • Harnwegskatheder (Schlauch in der Harnröhre, über den Urin abfließen kann) führen zu einer mechanischen Reizung der Blase und einer offenen Verbindung der Harnwege nach außen, wodurch Keime leichter eindringen können
  • Schwaches Immunsystem, zum Beispiel durch Typ-2-Diabetes, Chemotherapie oder HIV
  • Geschlechtsverkehr („Honeymoon-Zystitis“) – Bakterien können in die Harnröhre gelangen und von dort zur Blase wandern

Vorbeugung

  • Nach dem Stuhlgang mit dem Toilettenpapier immer von vorne nach hinten wischen (von der Scheide zum After), damit keine Bakterien vom Magen-Darm-Trakt in die Harnröhre gelangen.
  • Trinken Sie ausreichend und entleeren Sie die Blase beim Wasserlassen möglichst vollständig, damit die Keime möglichst schnell ausgespült werden. Hierbei können auch Nieren- und Blasentees helfen.
  • Duschen Sie anstatt zu baden. Dadurch können Bakterien nicht so leicht zur Harnröhre wandern.
  • Tragen Sie leichte, atmungsaktive Baumwollunterwäsche. Synthetische Materialien fördert das Schwitzen und Bakterien können sich im feuchten Milieu besonders gut vermehren.
  • Entleeren Sie Ihre Blase unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr, damit Keime, die zu einer Blasenentzündung führen könnten, ausgespült werden.
  • Wechseln Sie bei Ihrem Kleinkind die Windeln regelmäßig, denn in feuchtwarmem Klima können sich leichter Bakterien bilden.

Vermeiden Sie:

  • Parfümierte Schaumbäder, Seife oder Körperpuder: Sie können den natürlichen pH-Wert der Intimregion aus dem Gleichgewicht bringen, was die Bildung von Keimen begünstigt.
  • Urin in der Blase zurückzuhalten, wenn Sie Harndrang verspüren
  • Enge Jeans, Hosen oder synthetische Unterwäsche (zum Beispiel Nylon), in denen man leichter schwitzt. Sie schaffen ein feuchtwarmes Klima und somit ideale Bedingungen für die Entstehung von Bakterien.
  • Kondome oder Diaphragmen mit Spermiziden: Sie reizen den Harntrakt und begünstigen so womöglich die Entstehung von Keimen.
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Medizinisch geprüft von:
Ulrike Thieme, Ärztin

Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei Zava arbeitete Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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Artikel erschienen: 11 Jun 2020

Letzte Änderung: 11 Jun 2020

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