Coronavirus: Besondere Personengruppen

Ulrike Thieme, MD

Medizinisch geprüft von

Ulrike Thieme, Ärztin

Letzte Änderung: 31 Mär 2020

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Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders schwer von Corona betroffen?

Generell kann sich jeder mit dem Coronavirus anstecken. Der Verlauf der Krankheit variiert jedoch stark. Besonders anfällig für einem schweren Krankheitsverlauf sind vor allem ältere Menschen über 65 Jahre – und ganz besonders Senioren über 80 Jahre – sowie Patienten mit Vorerkrankungen, die das Immunsystem schwächen. Dazu zählen beispielsweise Patienten, die wegen einer aktuellen Krebserkrankung eine Chemo- oder Strahlentherapie bekommen oder Menschen, die wegen dauerhafter Erkrankungen (z.B. Rheuma, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Lungenleiden wie Asthma oder COPD, schlecht eingestellte oder langjährige Zuckerkrankheit) behandelt werden.

Bei Kindern hingegen scheint die Erkrankung vergleichsweise selten aufzutreten und mild zu verlaufen.

Schwangere scheinen aktuellen Berichten zufolge ebenfalls kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben.

Unabhängig von Ihrem individuellen Risiko sollten Sie vorbeugende Schutzmaßnahmen wie gründliche Händehygiene und das Folgen einer guten Husten- und Niesetikette vornehmen. Diese dienen nicht nur Ihrem eigenen Schutz, sondern Sie tragen zudem dazu bei, die Infektionsrate gering zu halten. Sie helfen somit, die Schwächsten unserer Gesellschaft zu schützen, für die ein schwerer Krankheitsverlauf unter Umständen tödlich enden könnte. Die Seite Infektionsschutz.de bietet hierzu eine Reihe hilfreicher Infographiken und Kurzfilme an.

Sind Kinder stärker von der Krankheit betroffen?

Nein. Bisherigen Informationen zufolge verläuft eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bei Kindern deutlich milder als bei Erwachsenen.

Coronavirus und Asthma: sollen Asthma-Patienten eine Therapie mit inhalierbaren Steroiden (ICS) unterbrechen?

Nein. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) bezieht hier eindeutig Stellung: Patienten mit gut eingestelltem Asthma sollen die Therapie, insbesondere auch eine ICS-Therapie, uneingeschränkt fortführen. Diese Empfehlung gilt sowohl für Kinder als auch Erwachsene.

Hintergrund der Verunsicherung bezüglich der Asthmatherapie ist ein Podcast des Virologen Prof. Dr. med. Christian Drosten vom 13. März 2020. Hier riet Prof. Drosten Asthma-Patienten von der Einnahme cortisonhaltiger Asthmamedikamente ab. Stattdessen solle mit dem behandelnden Arzt der Wechsel auf ein Medikament, welches das Immunsytem weniger stark angreife, besprochen werden.

Die DGP rät von einem Medikamentenwechsel bei gut eingestellten Asthma jedoch ab. „Die Gefahr, dass sich das Asthma dadurch in bedrohlicher Weise verschlechtert und (ansonsten unnötige) Arztbesuche oder Krankenhaus-Aufenthalte erforderlich macht – einschließlich möglicher Kontakte mit COVID-19-Patienten – sei für den einzelnen Asthma-Patienten wesentlich bedrohlicher als ein mögliches, gleichwohl unbelegtes Risiko einer Förderung der Ansteckung mit dem Coronavirus (SARS-Cov-2).”

Coronavirus und Bluthochdruck: muss ich die Therapie mit ACE-Hemmern oder Sartanen absetzen?

Nein. Experten raten, die Therapie mit ACE-Hemmern und Sartanen wie gewohnt fortzuführen. Keinesfalls sollten Sie eine medikamentöse Behandlung eigenmächtig abbrechen, oder die Dosis reduzieren, ohne dies mit Ihrem Arzt abzustimmen. Gerade bei Hochrisikopatienten kann es ansonsten in der Folge zu schweren Erkrankungen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommen.

Die derzeitige Verunsicherung stemmt von zwei Veröffentlichungen in den renommierten Fachjournalen Nature Reviews Cardiology und The Lancet Respiratory Medicine. In diesen wird spekuliert, die Einnahme von ACE-Hemmern und Sartanen zur Blutdrucksenkung könne die Anfälligkeit für eine Infektion mit SARS-CoV-2 erhöhen.

Die Vermutung beruht auf der Tatsache, dass SARS-CoV-2 das Enzym ACE2 zum Eintritt in unseren Körper nutzt. Viele unserer Organe, beispielsweise Lunge, Niere, Herz und Darm, ‘präsentieren’ ACE2 an ihrer Zelloberfläche und bieten dem Virus somit quasi eine Eintrittspforte. Die derzeitige Vermutung, dass ACE-Hemmer und Sartane eine Infektion begünstigen könnten, basiert auf der Beobachtung, dass die Zahl der ACE2 ‘Eintrittspforten’ unter der Therapie mit ACE-Hemmern und Sartanen ansteigt. Somit würden dem Virus theoretisch mehr ‘Türen’ zum Eintritt in unseren Körper zur Verfügung stehen.

Jedoch ist zu berücksichtigen, dass ACE2 auch in löslicher Form in unserem Blut vorkommt, wo es sozusagen als ‘Köder’ fungieren und den Virus ‘abfangen’ kann. Eine Erhöhung des ACE2 Gehalts könnte sich also durchaus auch positiv auf die Infektionsanfälligkeit mit SARS-CoV-2 auswirken. Ob ACE-Hemmer und Sartane eine Infektion mit SARS-CoV-2 also tatsächlich begünstigen ist momentan, auch aufgrund der begrenzten Datenlage, noch offen.

Belegt ist hingegen der schützende Effekt von ACE-Hemmern und Sartanen bei schwerem Lungenversagen, dem sogenannten Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS). Sowohl eine Erhöhung von ACE2, als auch eine Blockade von ACE (wie sie beispielsweise durch ACE-Hemmer und Sartane erreicht wird), wirkt sich positive auf den Verlauf von ARDS aus.

Professor Dr. Florian Limbourg, Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga (DHL) betont: “Blutdrucksenker können bei schweren Verläufen Leben retten. Der jetzige Kenntnisstand rechtfertigt also keinesfalls, Blutdrucksenker abzusetzen.”

Wenn Sie weiterhin verunsichert sind oder noch Fragen haben, schicken Sie uns kostenfrei eine Nachricht oder sprechen Sie mit ihrem behandelnden Arzt.

Kann ich weiterhin Ibuprofen einnehmen?

Kurz gesagt: ja. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zunächst zwar vor der Einnahme von Ibuprofen bei vermuteter SARS-CoV-2 Infektion abgeraten, diese Aussage später jedoch zurückgezogen.

Doch wie kam es eigentlich zu den Diskussionen um die Einnahme von Ibuprofen? Vor einiger Zeit kursierte eine Nachricht durch die sozialen Medien, die vor der Einnahme von Ibuprofen bei einer vermuteten Infektion mit SARS-CoV-2 warnte. Die inzwischen als ‘Fake News’ identifizierte Meldung bezog sich dabei auf angebliche Zellstudien der Uniklinik Wien. Die Uniklinik Wien dementierte zwar sofort und stellte klar: „Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Fake News handelt, die in keinerlei Zusammenhang mit der MedUni Wien stehen.” Dennoch fragen sich seither viele, wie man eine solche Meldung erfinden kann und ob nicht doch ein Funken Wahrheit in ihr steckte.

Eine kürzlich in The Lancet Respiratory Medicine erschienene Kommunikation erklärt den Zusammenhang folgendermaßen. Coronaviren nutzen zum Eintritt in unseren Körper das Enzym ACE2, welches an der Zelloberfläche vieler unserer Organe vorhanden ist. Die Einnahme von Ibuprofen erhöht den Gehalt an ACE2 in unserem Körper und bietet dem Virus somit mehr ‘Eintrittspforten’ an.

Es gilt jedoch zwei Punkte zu berücksichtigen. Zum einen basiert die Mutmaßung der Autoren auf der Auswertung dreier klinischer Beobachtungsstudien. Ein direkter, experimenteller Nachweis der Hypothese fehlt bislang. Zum anderen liegt ACE2 auch in löslicher Form in unserem Blut vor. Hier kann es als Köder für Coronaviren fungieren und diese ‘abfangen’, bevor sie Schaden anrichten. Ob eine Erhöhung des ACE2 Gehalts sich also tatsächlich negativ auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 auswirkt, ist offen.

Experten raten daher nachdrücklich, die Einnahme von Ibuprofen zur Behandlung chronischer Erkrankungen, wie beispielsweise Rheuma, nicht eigenmächtig und ohne vorherige Rücksprache mit dem behandelndem Arzt zu unterbrechen.

Anders verhält es sich bei der Behandlung akuter Symptome wie beispielsweise Kopfschmerzen oder Fieber. Diese sollten vorläufig mit Paracetamol behandelt werden, vorausgesetzt es liegen keine Allergien oder sonstige Gründe vor, die gegen eine Einnahme sprechen.

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Medizinisch geprüft von:
Ulrike Thieme, Ärztin

Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei Zava. Ihre Facharztweiterbildung im Bereich Neurologie schloss sie 2018 ab. Vor ihrer Tätigkeit bei Zava arbeitete Ulrike Thieme an einem klinischen Forschungsprojekt über neurodegenerative Erkrankungen am National Hospital for Neurology and Neurosurgery, London.

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